One Love

Reisezeit: November 2015 - September 2016  |  von Markus Knüsel

get in, get out, go surfing

nieder geschriebene gedanken

da spare ich über monate hinweg auf meinen neuen (surf)trip, befreie mich von jeglicher verpflichtung und verabschiede mich von familie und freunden. endlich am strand angekommen, schraube ich meine dünn gewordenen paddelarme wieder auf vordermann, stelle mich den ersten spülgängen und es haut mir das brett um die ohren. mit letzter willenskraft schaffe ich es irgendwie raus. in etwa so war meine gefühlslage zu beginn und nochmals zur erinnerung, knüsi ist blutjunger surf-anfänger!
doch woher kommt meine ungestillte wellen sehnsucht, so was zum teufel zieht uns denn zum meer? wonach suchen wir, wenn wir das ufer verlassen und uns auf den unendlichen horizont zubewegen?
für mich als traveller und surfer steht surfen vorallem für freiheit. und das wird sich auch so schnell nicht ändern. wenn man herauspaddelt, schaut man zurück und sieht nicht mehr seinen körper, nicht mehr die zeit, sondern nur noch die landschaft, aus einer perspektive, die man schon das erste mal auf dem brett hatte. es fühlt sich alles wie ein ewiger jungbrunnen an. du bist da draussen und fühlst etwas, das passt genau zu deiner erinnerung: der geruch, die wärme der sonne und die wassertemperatur, je nachdem wo du bist.
die enge verbundenheit zum meer wurde mir von meinen eltern nicht in die wiege gelegt, als schweizer generell schwierig, da kein meer. ganze 16 jahre dauerte es, bis ich das erste mal im ozean stand. aber es war die bekannte liebe auf den ersten blick oder ersten touch. seit dem begrüsse und verabschiede ich mich immer vom meer, wenn meine ferien/abenteuer beginnen resp. enden. meine tattoos verinnerlichen meine tiefe verbundenheit zusätzlich! im meer zu sein, mich treiben zu lassen, gab mir ein unglaubliches gefühl von ausdehnung und zugehörigkeit. nach einer weile gab es kein „ich“ mehr, sondern nur noch das meer, das sich durch unsere augen selbst anschaute. aber auch wir, die backpacker & surfers, entdecker unserer zeit, wir, die mit dem ozean einen lebenslangen pakt eingegangen sind, erfahren die purste form von glück und erfüllung in verbindung mit dem meer. gibt es was schöneres, wenn die meeres brise sanft um die nase streicht, das rauschen der wellen dich in einen meditativen zustand versetzt und das starren an das ende des horizontes dir ein gefühl der zufriedenheit verleitet?

doch folgende frage darf nicht ausser acht gelassen werden: handelt es sich hier demnach um die von mir oben erwähnte freiheit? oder um befreiung? denn seien wir ehrlich: reicht es mir wirklich immerzu den horizont zu erforschen, bei dem die freiheit vom nächsten set abhängt? vielleicht verwerfen die surfer unter den leser dieses kapitels nun die frage mit einer lockeren handbewegung, aber auch ich als „hobby surfer“ habe keine konkrete antwort darauf! ich habe viele leute getroffen, ja unglaublich viele sogar, die den wellen alles unterordnen, die freiheit übertrumpft dabei sehr oft sogar die liebe!
surfen bedeutet aber auch angst und respekt. um sich durch die angst zu arbeiten, muss man absolut präsent sein, eine verbindung herstellen zwischen dem, was wir fürchten und dem, was wirklichkeit ist, atemzug für atemzug. wir verbringen unsere ersten neun monate damit, im fruchtwasser zu schwimmen, demnach haben wir alle schon ein urvertrauen zum wasser. wir bringen natürlich auch die angeborene angst mit, gefressen zu werden, aber das ist eine angst aus der vergangenheit. indem man sich seiner angst stellt, der echten oder der eingebildeten, wächst unsere verbindung zum meer. diese mentale angst zu überwinden ist aber nicht immer so einfach. nach meinem unfall in jbay war ich für einige tage blockiert und hab kaum noch eine richtige welle gekriegt…
und was wäre surfen ohne das bierchen danach? haarsträubende ideen und geschichten werden allein von der anwesenheit des meeres ausgelöst. das inspirationsmedium wasser ist gewaltig!
mein ziel im leben war immer, stoked und gesund zu bleiben und möglichst oft die welt zu erkunden und im ozean zu sein, so lange ich kann. ich bin extrem dankbar und glücklich, wie mein leben bisher verlaufen ist!

© Markus Knüsel, 2016
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Die Reise
 
Worum geht's?:
be travel, be knüsi - 12 monate pures reiseabenteuer
Details:
Aufbruch: 14.11.2015
Dauer: 10 Monate
Heimkehr: 13.09.2016
Reiseziele: Schweiz
Kenia
Tansania
Malawi
Sambia
Simbabwe
Mosambik
Südafrika
Neuseeland
Tonga
Vereinigte Staaten
Großbritannien
Irland
Belgien
Deutschland
Der Autor
 
Markus Knüsel berichtet seit 11 Jahren auf umdiewelt.
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