One Love

Reisezeit: November 2015 - September 2016  |  von Markus Knüsel

gladiators or glad-to-be-haters?

niedergeschriebene gedanken über das reisen!

ich wollte dieses kapitel & über dieses thema eigentlich erst am schluss meiner reise schreiben, jedoch aus aktuellem anlass vorgezogen. denn ich habe jemanden unterwegs kennengelernt, eine gestandene person um die 30 jahre jung, wo sich auf ihre erste längere reise begeben hat, nachdem sie zwei jahre lang von familie und freunden bearbeitet wurde, genau dieses vorhaben nicht zu tun. die gründe dazu waren verschieden. aus angst, dass sie nicht mehr zurückkommt. angst, dass sie sich die eigene zukunft verbaut. angst, alleine zu sein (mutter) oder angst, was wohl die anderen (die gesellschaft, freunde, familie) darüber denken werden…

erbärmlich festzustellen, dass es dabei gar nie um die reisende person gegangen ist, sondern nur um die bedürfnisse und gedanken der familie und freunde. nie ging es dabei um ihre gefühle oder ihre standpunkte, wieso sie diese reise überhaupt unternehmen wollte. erbärmlich erfolgreich, zumindest für 2 jahre lang!

liebe daheim gebliebene und möchtegerne-wisser-wie-das-leben-läuft, ich will hier nicht jemanden ans bein pissen, aber wir reisende entscheiden uns meist schon richtig, welchen ländern wir unser schicksal anvertrauen. schule, uni, arbeit und die family/freunde sind wichtig, doch oft genug erleben wir die schönsten momente, wenn wir zu unserer nummer eins reisen. um das abenteuer deines lebens zu erleben brauchst du in erster linie zeit. klar, wochenendtrips an musikfestivals oder in europäische städte geben einem genügend energie, um die stressige arbeitswoche mit einem entspannenden lächeln zu meistern. und ein monat urlaub wird einige unvergessliche momente auf deiner tagraum-festplatte speichern. aber ein richtiger trip, sagen wir minimum 3-12 monate kann dein leben für immer verändern. solch eine mission kann den eigenen fokus auf ganz neue herausforderungen lenken. 3-6 monate sind lang genug um dich für lange zeit aus deinem alltag rauszuholen, andererseits kurz genug, damit du danach easy zurückkehren kannst, falls du es dann noch willst. und es macht keinen unterschied, in was für einer lebensphase du gerade steckst, so lange du nur genug geld gespart hast. die jagd nach sonne, wellen und das kennenlernen von neuen leuten wird sich definitiv auszahlen.

wieso zur hölle versuchen so viele leute uns unsere träume auszureden und probieren uns dann ihre träume und vorstellungen aufzuzwingen? wie schon im ersten kapitel dieses blogs beschrieben, schulden wir der gesellschaft rein gar nichts, denn es ist unser eigenes leben. keiner hat mich jemals gefragt, ob ich leben will – also sagt mir bitte auch nicht, wie ich zu leben habe. wenn es jemanden wunsch ist eine familie und kinder zu haben, dann freu ich mich jeweils aus vollstem herzen für die person(en). wenn jemand sich einen anderen traum erfüllt, dann freue ich mich mit ihnen, obwohl es eventuell nicht meine persönlichen vorstellungen vom leben sind. hauptsache ist doch, dass die person(en) glücklich dabei ist/sind. also wieso werden häufig ausnahmen bei uns reisenden gemacht? ist es wirklich angst um uns oder doch eher neid?

klar frage auch ich mich manchmal, wie der andere weg aussähe, wo ich jetzt stehen würde mit anzug, kinder, haus und hund, tolle grosse wohnung, dicken schlitten fahren würde. insbesondere drängen sich solche gedanken auf, wenn ich auf freunde von früher oder aus der schule treffe und ich mir ab und zu ein wenig fehl am platz vorkommen. wenn sie mir dann jedoch erzählen, dass sie wieder einen monat lang nicht vor neun uhr abends zu hause gewesen seien, gerade inmitten von einem scheidungskrieg stehen oder dass sie sich auf ihre jahresferien in 9 monaten freuen, wird mir sofort wieder klar, dass für mich diese opportunitätskosten für den luxus einfach zu hoch sind, im moment jedenfalls.

wenn ich darüber nachdenke, stimmt es mich ein wenig traurig, aber auch ich musste zu hause in den letzten paar jahren so meine theorie entwickelt, um mich vom reisen hinweg zu trösten. je weniger ich ans reisen dachte, desto grossartiger war das gefühl, wenn ich wieder unterwegs war/bin. enthaltsamkeit – das unterscheidet vom wahren geniesser vom nimmersatten „reisefüdli“.

survival-strategie-nr. 2; immer alles schönreden, sei ein meister der selbstverarschung…kein grund mehr, die brennende sehnsucht in den hintersten winkel meines bewusstseins zu verdrängen.
survival-strategie-nr. 3 (mein favorit) einfach so viel reisen wie nur geht… egal wie!

um ehrlich zu sein, auch meine fünfte reise kommt mit riesen schritten dem ende näher. und ebenfalls ehrlicherweise muss ich gestehen, weiss ich nicht, ob es eine sechste reise in dieser form geben wird, wohl weniger… keine ahnung ob ich mit 40 jahren noch bock auf schlafen im 10er dorm habe oder ob noch die motivation besteht, andauernd mit 18 jährigen partys zu schmeissen und sinnlosen small talk zu halten. aber eins weiss ich nur zu genau; uns halten nur die grenzen, die wir uns selber setzen!

das unbeschreibliche gefühl des reisens in worte zu fassen, da sind wir uns alle wohl einig, ist vollkommen überflüssig. wenn ich nach einer ach so tollen reise wieder daheim ankomme, dann will ich nicht reden. ich will einfach nur das gute gefühl geniessen, die beste momente in meinem leben mitbekommen zu haben. ich war da draussen, habe gekämpft, geplanscht, gesurft, hab auf den deckel gekriegt und bin am ende wieder heil zurück gekehrt. diese einmalige mischung aus stolz und mut, erleichterung und erschöpfung, die möchte ich solange nachklingen lassen, wie es geht, schon am bald erwartet mich wieder das „richtige“ leben. aber zum glück geht es bei mir bis dahin ja noch ein weilchen…

da gibt es einen satz, den ich sehr gerne an alle reisenden weitergeben möchte und natürlich auch an unsere zweifler, bitte nehmt es euch ein wenig zu herzen!

THERE WILL BE HATERS, THERE WILL BE DOUBTERS, THERE WILL BE NON-BELIVERS AND THEN THERE WILL BE YOU – PROVING THEM WRONG!

in diesem sinne, happy travels!

© Markus Knüsel, 2016
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Die Reise
 
Worum geht's?:
be travel, be knüsi - 12 monate pures reiseabenteuer
Details:
Aufbruch: 14.11.2015
Dauer: 10 Monate
Heimkehr: 13.09.2016
Reiseziele: Schweiz
Kenia
Tansania
Malawi
Sambia
Simbabwe
Mosambik
Südafrika
Neuseeland
Tonga
Vereinigte Staaten
Großbritannien
Irland
Belgien
Deutschland
Der Autor
 
Markus Knüsel berichtet seit 11 Jahren auf umdiewelt.
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