historisches Weserbergland - Spuren der Zeit

Reisezeit: Mai 2022  |  von Herbert S.

Hameln: Hämelschenburg

Die Hohenburg am Berghange über dem Emmertal, umgeben von hohen Wällen außer an der Abhangseite ist eine Dreiflügelanlage (Außenfronten 32,60/61,40/ 34,20 m) mit zwei achteckigen Treppentürmen, die das Dach überragen, in den Binnenwinkeln. Die Gesamtkonzeption stellt die beiden Seitenflügel im Gegensatz zu Schloß Schwöbber beherrschend gegenüber und betont den mittleren Stall- und Küchenflügel weniger. Das hochragende Gebäude hebt sich vor dem Hintergrunde des dunklen Bergwaldes leuchtend ab und spiegelt sich malerisch im Wasser der Graft vor der offenen Hofseite. Von hier führt auch der Zugang zum Schloßhof mit fester Brücke und monumentalem, an römische Triumphbögen erinnerndem Tor, das Ludolf v. K. wirkungsvoll schräg vor die Burg stellen ließ (1608).

Ersatzbild aus Wiki - wegen des vollständig eingerüsteten Mitteltraktes

Ersatzbild aus Wiki - wegen des vollständig eingerüsteten Mitteltraktes

Zugangsbrücke

Zugangsbrücke

Die Hoffassade des zweigeschossigen Nordflügels, der 1588—1592 errichtet wurde, ist architektonisch mit ionischen und korinthischen Säulen gegliedert. Horizontalbänder und Maskendekor wirken der vertikalen Tendenz entgegen. Viele Einzelformen weisen hier auf das Hamelner Haus des Gerd Leist, Osterstraße 9 hin, das Cord Tönnis erbaute. Der Giebel des Nordflügels kann aber seine Verwandtschaft mit den Giebeln des Barntruper Schlosses trotz der Obelisken nicht verleugnen.

Bei den Treppenturmportalen tragen korinthische Rundsäulen den bekrönenden Aufbau, der in seinem friesartigen Unterteil die Wappen des Erbauerpaares und im Giebeldreieck das Brustbild Gottvaters zeigt. Die Türumrahmungen sind reich profiliert.

Portal des Treppenturm am Nordflügel

Portal des Treppenturm am Nordflügel

Der südliche Hauptflügel wurde 1597 begonnen und 1599 beendet. Seine dreigeschossige Schauseite ist 61 m lang und üppig dekoriert mit abwechselnd glatten und bossierten Quaderstreifen, wodurch die Längenwirkung noch verstärkt wird, während die Giebel der vier dichtgereihten Zwerchhäuser die Höhe betonen. Hierzu kontrastieren die weit hervorragenden, kupfernen Wasserspeier. Der Erker im Erdgeschoß der Straßenfront betont die Mitte, zu der die Achsen der gekuppelten Fenster symmetrisch angeordnet sind. Seine Steinpfosten sind mit ionischen Halbsäulen versehen, deren Schäfte von Kerbschnittquadern unterbrochen werden. Die Brüstung des Erkers ist mit Kartuschen und reichem Ornamentschmuck gefüllt, und seine Gesimse werden von Zahnschnittleisten belebt.

dreigeschossiger Südflügel (Straßenseite)

dreigeschossiger Südflügel (Straßenseite)

Am Ostgiebel des Südflügels ragen freiplastische Bartmannsbüsten wie gotische Wasserspeier über den Pilastern an der Wand.

Wasserspeier

Wasserspeier

dreigeschossiger Südflügel - Hofseite

dreigeschossiger Südflügel - Hofseite

Die Tür des Südflügels hat in den Gewänden Nischen mit Muschelbekrönung mit Sitzkonsolen. Die Verwandtschaft der „Türgerüste" mit den Barntruper Portalen ist nicht zu verkennen.

Portal Südflügel

Portal Südflügel

In den Innenhof kommt man leider nur mit einer Führung, da das Rittergut seit 1437 im Besitz der welfischen Adelsfamilie von Klencke ist und bis heute nachhaltig bewirtschaftet wird.
Einen Teil der Innenräume kann man dann so mitbesichtigen.

das Gründerpaar Jürgen Klencke und Anna von Holle

das Gründerpaar Jürgen Klencke und Anna von Holle

Oberhalb des Schlosses wurde im 19. Jahrhundert ein Landschaftspark mit exotischen Bäumen angelegt.
Nach Abschluß der Führung kann man noch einen kleinen Spaziergang anschließen, der über das Gelände des Ritterguts führt und u.a. an einer Pyramide vorbeiführt, die Georg Laves 1855 als Begräbnisstätte der Familie von Klencke errichtet hat. Sie wurde bis 1942 benutzt und steht heute leer.

Nordflügel - Bergseite

Nordflügel - Bergseite

Mausoleum

Mausoleum

Sequoias

Sequoias

zum Rittergut gehört auch ein Trakener-Gestüt

zum Rittergut gehört auch ein Trakener-Gestüt

Schloß-Kapelle

Schloß-Kapelle

© Herbert S., 2022
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Die Reise
 
Worum geht's?:
16 historische Städte und acht historische Stätten sind unser Zielgebiet. Ausschlaggebend für usnere Reise war eine umfangreiche Recherche zum Thema Weser-Renaissance, ein Begriff der der Erkenntnis entstammt, dass die Bauten des 16. und 17. Jahrhunderts dieser Region zwar der Renaissance zuzuordnen sind, jedoch einen außerordentlichen Reichtum an ähnlichen Dekorationen aufweisen, die den anderen Regionen abgeht.
Details:
Aufbruch: 04.05.2022
Dauer: 14 Tage
Heimkehr: 17.05.2022
Reiseziele: Deutschland
Der Autor
 
Herbert S. berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Herbert sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
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