Kultur und Kulinarik in der Bretagne

Reisezeit: Juni / Juli 2022  |  von Herbert S.

Baie de Morlaix - Unser Domizil Kerbouliou: Morlaix

gemütliches Frühstück

gemütliches Frühstück

Nach der obligatorischen Parkplatzsuche ohne Zeitvorgabe starten wir unseren Stadtrundgang am Kreisverkehr, an dem der Hafen-Kanal endet.

Der Viadeukt- das Stadtbild prägende Bauwerk aus Granit von der Île-Grande - wurde von 1861 bis 1864 beim Bau der Eisenbahnverbindung Paris-Brest errichtet. Die Zeichnungen stammen vom Ingenieur Joseph Fénoux. Das Ergebnis ist gewaltig und eindrucksvoll: 292 m lang, 58 m hoch, 14 Bögen und 9 kleinere Bögen – schwindelerregend! Die Bahnstrecke Paris-Brest wurde 1865 eröffnet.

Das office de Tourisme befindet sich in einem Stadtpalais namens Maison Penanault. Am Ende des 16. Jahrhunderts ist Morlaix nach Nantes und Saint-Malo der drittgrößte Hafen der Bretagne. Ein Adliger aus Morlaix erbaut dort außerhalb der von Mauern umschlossenen Ville Close, in der es keinen Platz mehr gibt, um einen ehemaligen Wachturm herum „Pen an aod“ (auf Bretonisch das Ende des festen Landes), ein wunderbares Herrenhaus aus Stein. Gewählt hat er dafür einen strategisch günstigen Ort, von dem aus man den Waren- und Schiffsverkehr gut beobachten und Präsenz zeigen kann.
Ein Prestige-Objekt
Die mit 700 m² außergewöhnlich große Wohnfläche, der weitläufige Empfangsraum, die monumentale Treppe, die U-Form des Baus, die 4 400 m² Gärten sowie auch der Renaissance-Schmuck der Türen und Fenster und die sorgfältig behauenen Steinblöcke, die sich mit ihrem heimischem Schiefer- und Granitgestein voneinander abheben, lassen dieses Gebäude zu einem wahrhaftigen Stadtpalais werden.
Eine völlig neue Architektur
Beim Bau dieses unglaublich großen Stadthauses aus Stein sind die anderen Herren- und Bürgerhäuser noch Fachwerkhäuser, sog. Maisons à pondalez.

Maison Penanault

Maison Penanault

Neben der Toruristeninformation befinden sich noch Ausstellungen in diesem Haus, u.a. mit Abbildungen und Modellen von Morlaix

Hotel de Ville

Hotel de Ville

Gässchen, Fachwerkhäuser, Viadukt, Fachwerk-Laternenhäuser usw. So viele Schätze laden zu einem Bummel zwischen Gässchen und Steintreppen ein. In Morlaix brauchen Sie nur hochzusehen, um die Glockentürme, Terrassengärten und Fassaden der Häuser aus einer anderen Zeit zu erblicken.

Grand Rue

Grand Rue

Als denkmalgeschütztes Fachwerkhaus aus dem ersten Viertel des 16. Jhdt., von 1993 bis 1997 restauriert. hat die Maison à Pondalez eine der zwei besterhaltenen Wendeltreppen von Morlaix, die zusammen mit dem Haus der Herzogin Anne in der Rue du Mur außergewöhnliche Zeugnisse einer für Morlaix spezifischen Typologie sind.

Vorderseite des Hauses.
Es ist ein Fachwerkhaus, was die innere Struktur des Gebäudes durchschauen lässt. Es Ist auch ein Erkerbau: die oberen Stockwerke ragen im Vorsprung über die Straße. Die Standbilder stellen einerseits das Thema des Festes mit verschiedenen Musikanten dar; andererseits können wir den Engel Gabriel, eine Madonna, Sankt Jacob, Sankt Lorenz, Sankt Nicolaus und die Heilige Barbara erkennen.

Maison à Pondalez

Maison à Pondalez

reicher Fassadenschmuck

reicher Fassadenschmuck

Der Raum 1 ist der ehemalige Verkaufsstand mit einem Ladentisch aus Holz, der nach der Straße heruntergeklappt wurde. Heute ist er renoviert.

Verkaufsstand zum Öffnen und Verschließen

Verkaufsstand zum Öffnen und Verschließen

Der Raum 2 ist in der Mitte des Gebäudes. Es ist der Empfangsraum, die Küche, das Hauptzimmer des Hauses. Der hohe Kamin dient zugleich zur Vorbereitung des Essens und zur Beleuchtung dés Zimmers. Er ist auch ein wichtiges Bestandteil der Dekoration in der Wohnung. Unter der Treppe ist die Wasserstelle. Damals war sie durch eine geschnitzte Holzplatte abngedeckt.

Kamin

Kamin

Wasserstelle

Wasserstelle

Die Wendeltreppe ist aus Eichenholz. Der zehn Meter hohe geschnitzte Pfeiler ist von einem Standbild von Sankt Johannes, dem Schutzpatron des Hauses-gekrönt. Es war vermutlich der Vorname des ersten Besitzers.
* Dicht an der Treppe sind Galerien, deren Geländer aus geschnitzten Platten bestehen. Diese Galerien erlauben die Zimmer der Vorderseite mit denen der Hinterseite zu verbinden und sind die sogenannten „Ponts d'allées" oder „Pondalez".

Galerien

Galerien

ecuelle

ecuelle

Maison de la Duchesse Anne

Maison de la Duchesse Anne

Zweimal steigen wir aus dem Talkessel hoch , einmal um vom Chateau einen überblick über die Stadt zu erhalten und danach um zuf Fontaine der Karmeliter zu gelangen.

das ehemalige Chateau ist heute eine Schule

das ehemalige Chateau ist heute eine Schule

Entlang der kleinen Morlaix geht es vorbei am geschlossenen Museum wieder bergauf zu der Fontaine der Karmeliter.

Notre-Dame de la Fontaine war im Mittelalter ein sehr beliebter Wallfahrtsort, insbesondere wegen der ergiebigen Quelle, die den Durst der Pilger des Tro Breiz zwischen Saint-Pol und Tréguier stillte. Dank des Herzogs der Bretagne, Jean V., wurde dort 1424 eine gotische Kapelle fertiggestellt, die ein bescheidenes Oratorium ersetzte. Fast 200 Jahre später, im Jahr 1619, wurde der Karmel von Morlaix auf diesen von der Stadt abgetretenen Stätten errichtet.
Es ist ein Fragment des nördlichen Querschiffs der primitiven gotischen Kapelle von 1424, die heute noch besteht und die 2 monumentalen Brunnen überragt.

Eine Pause haben wir natürlich auch nötig -

Ziegenkäsesalat

Ziegenkäsesalat

Soupe de Poissons

Soupe de Poissons

Die Kirche Église Saint-Melaine wurde von 1489 bis 1574 im Flamboyantstil errichtet. Die nördliche Seite der Kirche wurde im 2. Weltkrieg stark beschädigt und später instand gesetzt. Das gotische Portal des Haupteingangs aus dem Jahr 1489 besitzt fünf gedrückte Spitzbögen, die mittig von einem Kreuz überragt werden. Rechts neben dem Haupteingangsportal wurde ein schönes Weihwasserbecken eingemauert.

Saint Melanie

Saint Melanie

Taufbecken mit einem sechseckigen hölzernen Baldachin aus dem Jahr 1660 - die Kuppel des Baldachins ist mit Statuetten verziert

Taufbecken mit einem sechseckigen hölzernen Baldachin aus dem Jahr 1660 - die Kuppel des Baldachins ist mit Statuetten verziert

Gargoyles und Crossettes
Die Produktion der Beaumonolr-Werkstatt zeichnet sich durch aus die Nüchternheit der getragenen Dekoration, die sich hauptsächlich auf der Ebene der Öffnungen und der Balustrade befindet. Architekturelemente aus Stein, die den Abfluss von Regenwasser gewährleisten sollen, die Wasserspeier befinden sich auf der Plattform des Turms und an der Unterseite der Täler des Bettes mit mehreren Seiten.
Unter den Figurationstypen finden wir reale oder sagenumwobene Tiere (Hund, Löwe, Drache) und menschliche Darstellungen (Adelige, Akrobaten, Grotesken).
Die Kreuze der Dachschrägen sind Gegenstand eines ähnlichen Dekorationsprogramms.
Diese Praxis veranschaulicht den Elan der Handwerker des ausgehenden Mittelalters und zeugt von der Rolle des Bildes zu dieser Zeit

Fast fertig mit der Stadtbesichtigung fällt uns auf, dass mit der Manufacture des Tabacs noch ein sehenswerter Bau zu besuchen ist. Er liegt am Hafen von Morlaix am Quai de Léon.
Dieses wunderschöne Gebäude beherbergte 260 Jahre lang eine ganze Tabakindustrie, die 2004 verschwand. Im Jahr 2000 mobilisierten sich lokale Akteure in Erwartung dieser Schließung. Heute brummt La Manu mit einer Vielzahl von Aktivitäten und noch mehr mit Projekten für die Zukunft.

interessantes Graffiti auf Treppenstufen

interessantes Graffiti auf Treppenstufen

© Herbert S., 2022
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Nun ist es mehr als 7 jahre her, dass wir französiche Kultur und Küche genießen können - außerdem haben uns Freunde in ihr neues Heim an der Südküste der Bretagne eingeladen. Also nichts wie hin.
Details:
Aufbruch: 30.06.2022
Dauer: 15 Tage
Heimkehr: 14.07.2022
Reiseziele: Frankreich
Der Autor
 
Herbert S. berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Herbert sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
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