Kultur und Kulinarik in der Bretagne

Reisezeit: Juni / Juli 2022  |  von Herbert S.

Baie de Morlaix - Unser Domizil Kerbouliou: Chateau du Taureau

Ein Muß beim Aufenthalt an der Bucht von Morlaix ist der Besuch des Chateau du Taureau, eine Festung, die zwischen 1690 und 1745 auf einer Felseninsel im offenen Meer erbaut wurde und unabhängig vom Gezeitenkoeffizienten niemals zu Fuß erreichbar ist. Es ist seit Juni 2006 für die Öffentlichkeit zugänglich und begrüßt jedes Jahr mehr als 20.000 Besucher. Es wurde per Dekret vom 29. Juli 1914 als historisches Denkmal eingestuft.

Für uns war es wegen der Gezeiten etwas schwierig, den Abfahrtsort und die Abfahrtzeit zu eruieren. Man kann sowohl von Carantec als auch von Plougasnou aus mit dem Schiff übersetzen. Erst am Embarquement haben wir die Abfahrtszeiten gefunden und dann online die Tickets gebucht, denn die Schalter öffnen erst eine halbe Stunde vor Abfahrt.

Doch bevor wir uns auf das Schiff begeben, machen wir einen Rundgang entlang der Küste von Plougasnou durch interessante Felsformationen, wwil wir mal wieder erheblich zu früh angereist sind. .

exklusive Wohnlage eines Franzosen

exklusive Wohnlage eines Franzosen

mit Privatbucht

mit Privatbucht

Am Hafen ist gerade ein Boot mit Octopus angekommen - sie werden aus der Tonne genommen und in Wannen umgefüllt, wobei die einzelnen schnell versuchen mit ihren Tantakeln über den Wannenrand zu entkommen.

Chateau du Taureau

Chateau du Taureau

Chateau du Taureau

Chateau du Taureau

1520, nach dem Scheitern des Treffens im Camp du Cloth d'Or, verschlechterten sich die Beziehungen zwischen den Königreichen Frankreich und England und führten zu einer Annäherung zwischen letzterem und dem Spanien Karls V.
So griff 1522 eine englische Flotte Cherbourg an und machte sich dann auf den Weg nach Morlaix, wo sie Anfang Juli eintraf. Der Tag des Angriffs wird nach der Guingamp-Messe gewählt. Somit fehlen alle Honoratioren und vor allem die Soldaten, was die Stadt wehrlos macht. Eine Flotte von 60 Schiffen nähert sich der Küste und landet mehrere hundert als Kaufleute verkleidete Männer, um nicht neugierig zu werden. Bei Einbruch der Dunkelheit machen sie sich auf den Weg in die Stadt, wo sie auf keinen Widerstand stoßen. Gleichzeitig fahren die Schiffe flussaufwärts, um Männer direkt in der Stadt an Land zu bringen. Sie sind jedoch durch gefällte Bäume im Flussbett versperrt. Nachdem die Engländer die Stadt eingenommen haben, plündern sie, brennen die Häuser nieder und massakrieren die Einwohner, die nicht fliehen konnten. Am nächsten Tag, von den fliehenden Einwohnern gewarnt, trafen die Soldaten von Guy XVI de Laval ein, um den Feind zu vertreiben. Letzterer hatte, nachdem er Lebensmittel und zahlreiche Weinfässer entdeckt hatte, die ganze Nacht den Sieg gefeiert und geschlafen, wobei die meisten Soldaten betrunken waren. Die Franzosen massakrieren alle Engländer, die sie finden, wobei letztere wegen der Trankopfer der vorangegangenen Nacht wenig Widerstand leisten.
(übersetzt von https://fr.wikipedia.org/wiki/Ch%C3%A2teau_du_Taureau)

In der Folge setzten sich ab 1540 die Bürger von Morlaix für einen Bau von Befestigungsanlagen in der Bucht ein. Auch auf der Insel Taureau soll eine Befestigung gebaut werden. Als Lösung wurde ein Artillerieturm gebaut, wie er an Frankreichs Küsten häufig zu finden ist. Jedoch ist die Staatskasse leer und der König beteiligt sich nicht am Bau. Daher tragen die Bürger der Stadt Morlaix die Baukosten selbst und bekommen dafür vom König das Privileg, den Gouverneur der Festung selbst bestimmen zu dürfen.
Mit Ludwig dem XIV. kommt ein König an die Macht, dem bewußt ist, dass er seine Eroberungen und Frankreichs Grenzen durch Festungen sichern muß. Sein Planer für die vielen Befestigungen ist der Festungsbaumeister Vauban.

Im Frühjahr 1689 beginnt die Verstärkung und der Umbau der vorhanden kleinen Batterie auf der Insel. Der ehemalige Artillerieturm wird dabei integriert. Obwohl der Entwurf von Vauban stammt, sind es die Ingenieure Garangeau und Frézier, die die Arbeiten bis zu ihrer Vollendung leiten und überwachen. 1745 sind die Arbeiten beendet. Allerdings zeigt sich schnell, dass die Anlage den Ansprüchen nicht genügt: sie ist zu klein geraten.
Die leichte Artillerie (30pfünder) der Festung ist vollständig auf das Fahrwasser gerichtet, welches Schiffe nutzen müssen, um den felsigen Untiefen auszuweichen. Die schwere Artillerie (22cm Haubitzen) soll in alle Richtungen weitreichendes Feuer abgeben. Allerdings wird die Festung niemals einen Feuerkampf erleben.
(Text aus: http://www.festungsbauten.de/F/F_Taureau.htm)

Bootstransfer von Plougasnou

Bootstransfer von Plougasnou

die Überfahrt dauert ca. 30 Minuten - vorbei an zahlreichen kleinen Inseln

die Überfahrt dauert ca. 30 Minuten - vorbei an zahlreichen kleinen Inseln

die Öffnungen für leichte Artillerie - rechts der ehem. Artillerieturm

die Öffnungen für leichte Artillerie - rechts der ehem. Artillerieturm

Zugang mit Zugbrücke

Zugang mit Zugbrücke

Artillerieturm - das Meerwasser ist aggressiv - s.u.

Artillerieturm - das Meerwasser ist aggressiv - s.u.

Eisenstange - vom Meerwsser angefressen

Eisenstange - vom Meerwsser angefressen

Innenhof

Innenhof

Wir steigen hinauf auf die Geschützplattform

Halbkreis für Geschütz auf der Geschützplattform

Halbkreis für Geschütz auf der Geschützplattform

Blickrichtung der Kanonen der unteren Batterie

Blickrichtung der Kanonen der unteren Batterie

Das Abwehrsystem
Die Festung des Château du Taureau veranschaulicht den Erfindergeist von Vauban. Aus konstruktiver Sicht nimmt dieses Fort die gesamte verfügbare Fläche des Blocks ein. Die taktischen Missionen bestimmten die Pläne: Im Westen ermöglicht die krummlinige Anordnung des Werks den Einsatz von Batterien in einem Ventilator, der der Bewegung des Schiffes folgt; Im Osten führte die Angst vor Landbombardements zur Einführung einer hohen Blindmauer mit einer Stufe, um die Schläge abzuwehren, gegen die sich die Wohnräume lehnen.
Die Artillerie ist eine Doppelbatterie. Die niedrige Batterie, die ausschließlich in Richtung des großen Kanals ausgerichtet ist, der einzig möglichen Passage für Schiffe mit großem Tiefgang, ermöglicht das Schießen in die Spanten der Rümpfe. Die hohe Batterie ermöglicht das Schießen auf die Masten mit großer Reichweite, um Schiffe zu immobilisieren.
Die Entwicklung der Artillerie hat Auswirkungen auf die Architektur. Frühe Geschütze erfordern Schießscharten. 1780 wurden neue Geschütze vom Typ Gribeauval installiert, die handlicher und auf Schwenkrahmen montiert waren. Anschließend werden die Schießscharten verschlossen und die Brüstung des Französischen Turms abgesenkt und im Bogen verändert. Die auf der Terrasse sichtbaren kreisförmigen Kanäle zeugen von dem Vorhandensein von Kanonen.

Wachturm - echauguette

Wachturm - echauguette

Räume der Kaserne

Räume der Kaserne

Schießluke Kasematte im Erdgeschoß

Schießluke Kasematte im Erdgeschoß

© Herbert S., 2022
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Nun ist es mehr als 7 jahre her, dass wir französiche Kultur und Küche genießen können - außerdem haben uns Freunde in ihr neues Heim an der Südküste der Bretagne eingeladen. Also nichts wie hin.
Details:
Aufbruch: 30.06.2022
Dauer: 15 Tage
Heimkehr: 14.07.2022
Reiseziele: Frankreich
Der Autor
 
Herbert S. berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Herbert sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
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