Kultur und Kulinarik in der Bretagne

Reisezeit: Juni / Juli 2022  |  von Herbert S.

Baie de Morlaix - Unser Domizil Kerbouliou: Plougasnou und Saint-Jean-du-Doigt

Dienstags ist Markt in der Nähe unseres Domizils in Plougasnou - dort wollen wir vor allem prüfen ob uns einer der Meeresgetierhändler eine Plateau de fruits de mers herrichten kann. Es gibt zwei - beide können/wollen nicht. Aber die Dame am zweiten Stand bietet uns Hummerscheren und Krebsscheren (Knieper) an.

stimmungsvolle Zeichnung von einem Prospekt der Region

stimmungsvolle Zeichnung von einem Prospekt der Region

Eglise Saint Pierre

Die Kirche Saint-Pierre (11.-19. Jahrhundert) ist ein Gebäude mit unregelmäßigem Grundriss. Ursprünglich romanisch, wurde sie ab dem 15. Jahrhundert fast vollständig umgebaut.
Im Oktober 1040 schenkte Gräfin Berthe der Abtei Saint-Georges de Rennes die Pfarrei Plougasnou für die Rettung der Seele ihres gerade verstorbenen Mannes, Herzog Alain III. Am 1. Oktober 1062 wurde diese Spende von der Gräfin und ihrem Sohn, Herzog Conan II, erneuert. Es ist möglich, dass der Bau der romanischen Kirche, von der ein Teil erhalten ist, mit dieser Schenkung zusammenhängt.

Das von Seitenschiffen flankierte Kirchenschiff hat im Norden vier und im Süden fünf Joche mit unterschiedlichen Höhen und Epochen.
Die Nordseite des Langhauses, deren Spitzbögen von Rundpfeilern getragen werden, stammt aus dem 16. Jahrhundert. Es könnte von demselben Architekten wie der Glockenturm gebaut worden sein, da die Bögen das gleiche Profil wie die seiner Fenster haben.

Der Glockenturm, errichtet von 1582 bis 1584 von Jean Le Taillander - er wird von einem achteckigen Turm gekrönt, der in 45 Metern Höhe gipfelt, umgeben von einem Baluster, Eckzinnen und einem achteckigen Treppenturm an der südöstlichen Ecke.

Südlich des Kirchenschiffs befindet sich der älteste Teil des Gebäudes: drei halbkreisförmige romanische Arkaden mit einzelnen Voluten, bedeckt mit einer dicken Beschichtung, die leider keine Angabe der Bauweise und Datierung zulässt.

Die Kirche ist mit einer Deckenverkleidung mit sichtbaren Balken versehen. Sie ist blau bemalt und mit goldenen Sternen übersät.

Saint-Jean-du-Doigt

Viel interessanter ist der Ortsteil Saint-Jean-du-Doigt - zwei Kilometer entfernt. Seinen Namen erhielt der Ort durch den als Reliquie in der dortigen Kirche aufbewahrten angeblichen Zeigefinger des bretonischen Heiligen Saint Yann.
Hier ist für uns in diesem Urlaub der erste 'enclos paroissial' zu bewundern. Der geschlossene Kirchhof des winzigen Dorfes umfasst fast alle Komponenten eines bretonischen Pfarrbezirks:
- dem Friedhof und dessen teilweise recht hoher steinerner Einfassung,
- einem Triumphtor, das in den Bezirk hineinführt,
- einem Beinhaus (bret. karnel, frz. ossuaire),
- dem Calvaire (bret. kalvar, frz. calvaire) und
der Kirche mit einer vorgelagerten Eingangshalle.

Triumphator

Triumphator

Beinhaus

Beinhaus

oratoire du sacre

oratoire du sacre

fontaines monumentales

fontaines monumentales

Kirche mit Vorhalle und Kreuz

Kirche mit Vorhalle und Kreuz

verkleidete - balkenfreilassende Holzdecke

verkleidete - balkenfreilassende Holzdecke

Taufbecken

Taufbecken

Dieses Prozessionskreuz gehört zu den sog. Croix finistériennes, den für das Finistère typischen Vortragekreuzen, die sich von anderen dadurch unterscheiden, dass sie besonders flache Kreuzbalken besitzen und Kreuzenden aufweisen, die an ein dreiblättriges Kleeblatt erinnern. Christus mit einem sehr schönen Gesicht, eingerahmt von der Jungfrau Maria und dem heiligen Johannes. Auf den Medaillons werden die Evangelisten dargestellt, auf der Rückseite befindet sich ein sitzender, heiliger Johannes. Auf der Vierung ein getriebenes und ziseliertes Basrelief, das den Schmerz des Heiligen Vaters darstellt.
Die große Virtuosität der Verzierungen, welche noch als gotisch anzusehen sind, führen dazu, dass das Kreuz von Saint-Jean-du-Doigt der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zugeordnet wird. Die Darstellung der Gesichter und der Hände ist genauso prächtig wie die des Christus, dessen Kopf besonders fein ziseliert wurde und so vom großen Talent des Silberschmieds zeugt. Die überaus hohe Qualität dieses Ensembles, das leider keinem Künstler zugeordnet werden kann, steht in wunderbarem Einklang zu dem außergewöhnli-chen Kelch, der ebenfalls hier aufbewahrt wird.

16. Jahrhundert

16. Jahrhundert

Ein weiteres interessantes Element der Kirche sind die hochmodernen Fensterverglasungen:

'Baptème du Christ' - 1990 - Luois René Petit

'Baptème du Christ' - 1990 - Luois René Petit

'arbre de Jesse' - 1990 -Louis René Petit

'arbre de Jesse' - 1990 -Louis René Petit

© Herbert S., 2022
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Nun ist es mehr als 7 jahre her, dass wir französiche Kultur und Küche genießen können - außerdem haben uns Freunde in ihr neues Heim an der Südküste der Bretagne eingeladen. Also nichts wie hin.
Details:
Aufbruch: 30.06.2022
Dauer: 15 Tage
Heimkehr: 14.07.2022
Reiseziele: Frankreich
Der Autor
 
Herbert S. berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Herbert sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
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