In knapp zwei Jahren durch Malaysia, Neuseeland und Australien

Australien-Reisebericht  |  Reisezeit: Oktober 2015 - Juli 2017  |  von Anja & Wolfgang

Tasmania: Teil 2 – von 04.02 bis 14.02.2017 1300km

Ziel: Wir wollen Tasmanien innerhalb von 5 Wochen im Gegenuhrzeigersinn umrunden und dabei noch möglichst viele Abstecher zu den NP’s im Innenland machen, bevor uns dann am 3.3. die Fähre zurück nach Melbourne bringt.
Hier: Von Roseberry die Wanderung zu den Montezuma Falls und dann weiter über Zeehan, Trial Harbour, Strahan nach Queenstown, in den Franklin-Gorden Wildriver NP und den Lake St. Clair NP, nach Süden bis Ouse, nach Norden bis Waddamana, nach Osten bis Interlaken und dann wieder nach Süden über South Bothwell, Hamilton, den Mt. Field NP und den Southwest NP zum Lake Pedder nach New Norfolk und Hobart. Über den Hartz Mountains NP, Dover und Southport nach Cockle Creek im Southwest NP, zum südlichsten mit dem Auto erreichbaren Punkt Australiens – und wieder zurück bis Huonville.

Wetter: Nass-Kalt; selten Sonnenschein, oft (Niesel-)regen, für die Jahreszeit (=Hochsommer!!!) zu kühl, < 25°, nachts < 10°.

Heute Morgen unternehmen wir erst einmal eine gut 3 stündige, bei 120Hm 8km lange (H/R) Wanderung auf dem Bahndamm einer Schmalspurbahn, die hier von 1901 bis 1937 zum Holz- und Erztransport in Betrieb war. Unser Weg führt uns an den alten vermodernden Brücken vorbei,

die Gleise sind schon vor langer Zeit entfernt worden und nur noch gelegentlich schauen die alten Schwellen aus dem Boden.

Unser Ziel sind die die Ostseite der Montezuma Falls,

mit über 100m einer der höchsten Wasserfälle Tasmaniens, dessen Fuss/Auslauf auf dieser schönen, neuen, dazu echt abenteuerlichen Hängebrücke überquert werden kann.

Endlich mal so eine Brücke die schwingt, schaukelt, gar manchen den Schweiss ins Gesicht treibt. Nach 2 weiteren Genuss-Überquerungen wandern auch wir zurück, sehen noch diese Pilze am Wegesrand, die wir mangels besseren Wissens schnell mal ‚tasmanische Igelpilze‘ getauft haben

und stehen ein paar km weiter am Beginn eines 4WD Tracks der von Westen her ebenfalls auf dem alten Bahndamm hoch zu den Montezuma Falls führt. Eigentlich wollten wir da nochmals rauffahren, aber der Track ist lt. Warnschilder ‚nach Regen unpassierbar‘, wir wissen nicht, wann hier der letzte Regen war, aber in den Spurrillen steht bereits unten am Einstieg das Wasser knietief und der Lehm, der Schlamm glänzt vor Feuchtigkeit. Wir gehen auf Nummer sicher und verzichten schweren Herzens auf diese Fahrt ins Ungewisse, fahren dafür nach Zeehan, schauen kurz am Heritage Center (AUD25 pP) vorbei

und ziehen dann weiter nach Trial Harbour,

einst florierender Erzverladehafen, dann Geisterstadt und nun Wohnsitz von ein paar Dutzend Idealisten, die hier ohne Einkaufsladen, Bar und Hotel das einsame Leben am Strand geniessen. Wir fahren noch bis zu eine SP am Ocean Beach in der Nähe von Strahan und erleben mal wieder so einen Traum-Sonnenuntergang am Meer.

Am nächsten Morgen geht es zurück nach Strahan, wo bereits die 2,5km (H/R) lange Wanderung zu den Hogarth Falls auf uns wartet.

Dann noch schnell hoch zum Cliff Lookout

bevor wir an einer Telstar Station endlich mal wieder für Stunden im Internet verschwinden können. In den letzten 8 Tagen ohne Netzzugang hat sich doch so einiges in unseren Postfächern angesammelt, ein Teil des Reiseberichtes wartet auf Veröffentlichung und in den nächsten Tagen verschwinden wir schon wieder im Busch, im kommunikationslosen Niemandsland. Geschafft, wir fahren weiter bis Queenstown,

besichtigen kurz das schöne kleinen Minenstädtchen am Rande der Nationalparks und beziehen ein paar km weiter an der Boat Ramp am Lake Burbury unseren heutigen SP.

Vorbei am Iron Blow Lookout,

einer ehemaligen Open Pit Mine, geht es weiter durch eine von Kupfer- und Goldminen geprägten Landschaft

zurück nach Queenstown

und dort direkt ins Empire Hotel.

Heute ist Super Bowl Sunday in Amerika, das Endspiel im American Football – und gestern Abend hat mir der Barkeeper hier versprochen, dass er das Spiel heute auf der Grossbildleinwand zeigen wird, Wer meine Leidenschaft für diesen Sport kennt, weiss, dass es da für mich kein halten gibt, nur die Liste der exotischen Orte an denen ich dieses Endspiel schon gesehen habe wird immer länger, zu Moskau, Peking (bereits mehrmals) und Harbin in der Mandschurei gesellen sich nun vom letzten Jahr Neuseeland-Südinsel und dieses Jahr Tasmanien. Man(n) muss nur lange genug suchen,…Gegen 16h Ortszeit hier, der Sieger steht fest, hat die Vince Lombardi Trophy in den Händen, es ist zu spät um noch was größeres zu unternehmen, wir fahren nur noch zurück zur Boat Ramp am Lake Burbury zum Abendessen, Dämmerschoppen,…
Nach dem süßen Nichtstun gestern ist heute wieder volles Wanderprogramm. Wir erreichen den Franklin Gordon Wildriver NP und wandern erst mal die 1,5km H/R zu den Nelson Falls,

bevor wir ein kleines Stück weiter bei 140Hm die 2,2km H/R, zum Donaghys Hill Lookout bewandern,

sehnsüchtig in die Ferne zur Frenchmans Cap blicken,

aber dahin sind es 3-5 (Wander-)Tage und dafür haben wir schon mal die Ausrüstung nicht an Bord. Wir brechen diesen Trail bereits nach einem km hinter der Swing Bridge ab,

denn das Vergnügen wollen wir uns auf keinen Fall entgehen lassen und wandern dafür auf dem kurzen Franklin River Natural Trail durch den Regenwald,

naturbelassenen Urwald.

Am Mt. King William Lookout sind wir an der Wasser / Wetterscheide angekommen,

Hinter uns, Richtung Westen der kalte Regenwald mit bis zu 4.000mm Regen pro Jahr, vor uns Richtung Osten trockene Eukalyptus Wälder. Am Besucherzentrum des Lake St. Clair NP treffen wir auf mehrere Wandergruppen die in 6 Tagen den ca. 80km langen Overland Track vom Mountain Cradle nach hierher zurückgelegt haben. Nichts mehr für uns, wir beschränken uns auf eine 5km lange Wanderung auf dem sogenannten 8-Kurs, am Seeufer ein vor 70 Jahren versunkener Ponton,

im Wald ähnlich wie zuletzt am Cradle Mountain ein Wombat beim Nachmittagspaziergang

und drüber der Himmel in den Farben Bayerns: Weiss und Blau,

Man(n) könnte fast heimwehkrank werden. Noch ein km mit dem Auto und wir erreichen den SP Boat Ramp an der Bronte Lagoon.
Wir sind in den Highlands von Tasmanien angekommen, einem wasserreichen Hochplateau, dessen zahlreiche Seen zur Energiegewinnung genutzt werden. Ganz in der Nähe von unserem Stellplatz bei Bronte Park eine uralte (>80 Jahre), aber immer noch voll genutzte hölzerne!!! ‘Wasserleitung‘

mit knapp 2m Durchmesser zur Speisung eines tiefer gelegenen Kraftwerkes. Tarraleah, einst vom Wasserkraftwerksbetreiber erstellten Arbeiter-Wohnort und wie so viele andere in der Gegend hier heute eine Ferienkolonie. Vom Lookout der Blick ins Tal entlang der stählernen Fallrohre

und nach eine 4km H/R Wanderung der Blick übers Tal auf die Tarraleah Falls,

mitten im Ort noch vorbei an dieser schottischen?? Kirche,

geht es weiter Richtung Süden bis Ouse, die Landschaft ändert sich, wir fahren durch weite, prärieartige Ebenen

und wenden uns wieder Richtung Norden, wandern knapp 3km H/R zu den enttäuschenden Victoria Falls,

einem wirklich traurigen Rinnsal irgendwo im Niemandsland und erreichen dann Waddamana. Einst ein Ort mit 2 grossen Wasserkraftwerken, heute nur noch eine riesige Umspannstation. Die Kraftwerke wurden Mitte 1970 vom Netz genommen, ein kleiner Teil wurde rückgebaut,

die größere Hälfte der Anlage in ein Museum verwandelt (Eintritt frei!!!)

und so kann heute in aller Ruhe durch den Maschinenraum gewandelt werden, kann man die Turbinen und Generatoren aus nächster Nähe besichtigen. Für uns eine tolle Idee der Verwertung so einer Industrieruine. In der Steppes Reservation Area noch ein schneller Blick in die alte Homestead,

Wohnort/Heimat von 4 Generationen einer schottischen Auswandererfamilie und mitten im angeschlossenen Park diese 12 von einem lokalen Künstler geschaffenen Skulpturen,

die sich hauptsächlich der einheimischen Tierwelt widmen.

Wir fahren noch bis Interlaken,

eine zwischen zwei Seen gelegene kleine Ansammlung von Holzhütten

und beziehen dort den SP auf dem CP an der Boat Ramp.
Über Bothwell mit seinen alten Steinhäusern

und einer fürchterlich überteuerten Whiskey Brennerei erreichen wir Hamilton, lassen uns in der Picknick Area zum Mittagessen nieder und treffen dabei auf ein paar alte Bekannte die auf einem ähnlichen Kurs wie wir durch Tasmanien reisen. Im Mt. Field NP, bewandern wir in 2h den 6km langen Lady Barron Circuit, der uns vorbei an den Russell Falls

und den Horseshoe Falls -

– sehen die nicht wie eine Mini-Version der Niagara Fälle aus, links der kleinere US Teil, rechts der mächtige Kanadische Anteil - zu den Tall Trees bringt,

uralte, riesige, bis zu 90m hohe Eukalyptus Bäume, die nach den kalifornischen Redwoods mit ihren bis zu 110m zu den höchsten Bäumen der Welt zählen. Zum Abschluss noch ein Blick auf die Lady Barron Falls

bevor wir uns für die Nacht auf den CP im Mt. Field NP (AUD 16/Nacht) zurückziehen.
Eigentlich wollten wir heute nur mal schnell droben am Dobson Lake den 40 Min (H/R) Pandini Grove Nature Walk entlang spazieren, aber dann entdecken wir mitten im Regenwald

einen Wegweiser, der uns auf dem Urquhart Track weiter nach oben zu den Skihütten bringt. Unsere Neugierde, unsere Abenteuerlust ist geweckt. Wir folgen dem Snow Gum Track zum Broad Valley Lookout, sehen drunten im Tal Lake Seal und Lake Webster

erreichen den Lake Seal Lookout

und sehen vor uns die Rodway Hut und das Tarn Shelf,

eine Hochebene mit kleinen und größeren Seen, die einst ein Gletscher hier aus den Felsen gekratzt hat (Tarn = Gletschersee). Das sind laut Wanderkarte doch gerade mal 4 Stunden Umweg, das müssen wir gesehen haben, da müssen wir hin. Dicht an all den kleinen Seen vorbei,

auch mal den Auslauf eines Sees entlang geht es stetig Richtung Tal.

Drunten am Twilight Lake

hat um 1930 der erste tasmanische Ski Club hier eine Unterkunftshütte gebaut,

die aber ab 1950 immer weniger genutzt wurde, 1980 dem National Park Service geschenkt dient sie heute als Notunterkunft mit angschlossenem Skimuseum.

Wir müssen noch bis zum Lake Webster, den wir von droben auf’m Berg ja schon bewundert haben absteigen, dann geht es den Lake Seal entlang wieder stetig bergauf, bis wir nach insgesamt 6h unsere 21km Runde bei 560Hm beendet haben und leicht geschafft für eine weitere Nacht auf den CP im Mt. Field NP (AUD 16/Nacht) zurückfahren.
Wir fahren in den riesigen Southwest NP, die ca. 80km hoch bis zum Lake Pedder um den irgendwie die Quadratur eines Kreises versucht wird. Zuerst wurde hier der einstmals kleine, romantische Bergsee mit 4 riesigen Staudämmen umzingelt, dann geflutet und so ein Stausee von über 242qkm zur Energiegewinnung geschaffen

und dann wurde das ganze Umland zum Nationalpark,

zur UNESCO geschützten Wilderness Area erklärt

und damit man sich mit der Technik leichter anfreunden kann, können selbst solche 140m hohen Riesendämme beim Sonntagnachmittag Kaffeeausflug kostenlos begangen, überquert werden.

Es wendet sich der Held mit Grausen, fährt zurück und weiter nach New Norfolk, findet dort Woolworth, Telstra-WiFi und einen SP an der RVFT-Boatramp.
Wir fahren weiter nach Hobart 220.000+Ew., besuchen dort erst mal den Sonntag Markt in der Murray Street

und gehen dann die Haupteinkaufsstrasse, die Elisabeth St. entlang Richtung Hafen

bis zum Parliament House, dessen Rasen heute in einen riesigen Kinderspielplatz verwandelt wurde,

wo die seltsamsten Fahrräder für Kleine

und für Große Gäste zum Ausprobieren zur Verfügung stehen.

Wir gehen die Kelly Stairs hoch zum Battery Point, einem der ältesten Stadtviertel hier mit schönen historischen Häusern,

schauen der ‚Ovation of the Seas‘ beim Auslaufen zu, mit ihren 4000+ Passagiere auf dem Weg zum nächsten Hafen.

Hier drunten am Hafen, an der Marina, am Wharf ist dieses Wochenende eine Holzboot Ausstellung, alles vom riesigen Nachbau eines Dreimasters über alte Segelschiffe bis zum hölzernen Kanu wird hier gezeigt, vorgeführt, angeboten. Die Marina randvoll mit Segelbooten gefüllt

und dazu noch ein Rahmenprogramm mit Live Music, mal Country

mal Blues

mit Räucherlachs Herstellung

und einer Fernseh-Kochschule in der bei unserem Besuch von einer Spanierin gelehrt wurde, wie Muscheln richtig gekocht

und serviert werden. Unser Rückweg durch die Innenstadt führt uns noch am schönen alten Postamt vorbei,

bevor wir dann etwa 60km weiter südlich unseren heutigen SP am RSL Club im RVFT Geeveston beziehen.
Wir fahren hoch in den Hartz Mountains NP, wollen dort ein paar kurze Wanderungen machen, aber der immer wieder einsetzende Regen, verbunden mit dichtem Hochnebel da droben auf’m Berg macht uns einen dicken Strich durch die Rechnung. Also fahren wir zurück nach Geeveston, fotografieren dort das für uns schönste Gebäude im Ort

und fahren dann immer weiter Richtung Süden, gelangen bei Dover wieder ans Meer

und erreichen schliesslich Southport, die südlichste Gemeinde

mit dem südlichsten Pub / Roadhouse Australiens.

Ab jetzt säumen nur noch Mini-Ansiedlungen wie Ida Bay den Wegesrand, ein paar wenige Häuser

und der Ausgangspunkt einer ‘Historischen Eisenbahn‘ Lokomotive mit Dieselmotor, Jahrgang 1947,

die hier 3 Mal am Tag Touristen für AUD 37 etwa 2 Stunden auf ihren ca. 14km langen Schmalspurgeleisen durch die Gegen schippert.
Bei S43°34‘58“, E146°53‘41“ sind wir wieder einmal am ‚Fin de la Routa‘, am Ende der befahrbaren Strasse angekommen, von hier aus geht es Richtung Süden nur noch zu Fuss weiter, eine Wanderung, die wir für Morgen, so das Wetter halbwegs mitspielt, eingeplant haben. Wir übernachten heute auf dem südlichsten CP Australiens, dem CP im Cockle Creek Southwest NP.
Am nächsten Morgen wandern wir vom Cockle Creek Southwest NP zur Whale Sculpture,

die zur Erinnerung an die ‚glorreichen Walfängerzeiten‘ hier errichtet wurde, als zwischen 1830 und 1850 bis zu 1000 Pottwale hier in Küstennähe abgeschlachtet wurden. Nur wurden damals die Kälber ebenfalls erlegt und so ging der Bestand der Wale sehr schnell zurück, der Walfang wurde unrentabel, man(n) musste sich der Landwirtschaft zuwenden. Irgendwie scheint in dieser Wildnis hier niemand Interesse daran zu haben, den Südlichsten Punkt Australiens zu Fuss zu erreichen. Man kann von hier aus nur noch 6-8 Tage durch die Wildnis Richtung Nordwesten Wandern, oder wie wir einem ca. 4km (H/R) langen Trail Richtung Nord-Osten,

immer dem Ufer entlang, mal auf dem Strand,

mal durch Gebüsch

bis zum Fischermans Point vordringen. Heute ein Blinklicht, das den Schiffen den Weg weist,

im Wald versteckt die Ruinen einer ehemaligen Lotsenstation

und immer wieder einmal schöne Ausblicke aufs Meer, tragen zur Kurzweil auf diesem Ausflug bei.

Es geht den ganzen Weg zurück über Dover bis nach Huonville wo wir auf die gegenüberliegende Halbinsel abbiegen und bei Wattle Grove diesen schönen SP am Wasser finden.

Der Abendsonnenschein trügt, in der Nacht wird es wieder mal bitterkalt (+/- 5)°,

Grund genug dieses Kapitel zu schliessen und auf besseres Wetter zu hoffen.

© Anja & Wolfgang, 2017
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Nachdem wir die letzten 2 Jahre auf dem amerikanischen Kontinent verbracht haben, zieht es uns diesmal wieder gegen Osten. In den nächsten 22 Monaten wollen wir Malaysia, Neuseeland und Australien erkunden.
Details:
Aufbruch: 15.10.2015
Dauer: 21 Monate
Heimkehr: 22.07.2017
Reiseziele: Malaysia
Singapur
Neuseeland
Australien
Der Autor
 
Anja & Wolfgang berichtet seit 9 Jahren auf umdiewelt.