Peking 1991

Reisezeit: Dezember 1991 - Januar 1992  |  von Herbert S.

Ming-Gräber

Heute wecken uns der eigene und der Hotelwecker pünktlich, so daß wir zum Frühstück auch noch ein Büffet sehen. Da Kurti und Mausi heute unpünktlich sind, haben wir neue Tisch-Nachbarn - auch sehr nette Leute aus Frankfurt, die uns Tips für die Akrobatik-Vorstellung geben können - es darf gevideot werden!-, da sie am ersten Tag in den falschen Bus eingestiegen waren und ein anderes Programm mitbekommen haben. Pünktlich um 9.00 Uhr sind alle am Bus und nach ca. 1 Stunde 15. Minuten sind ca. 200 Personen an der Ming-Gräber-Zugangsstraße, sie wälzen sich als große Touristen-Masse über die ca. 1 km lange Straße, so daß man nur mit Mühe ein Motiv auf Video bannen kann.

Die Nekropole der Ming-Herrscher liegt in einem etwa 40km2 großen Talkessel, im Norden, Osten und Westen von der Bergkette des Tian Shou vor ungünstigen Einflüssen geschützt. Ein gewaltiges Pailou (1540) kündigt den Heiligen Bezirk an. Das 'Große Rote Tor' (Da Hong Men, 1425). bewacht vom ‚Tigerberg' im Westen und vom ‚Drachenberg' im Osten, war früher der einzige Zugang zur Nekropole. die nach Süden hin von einer Mauer abgeschlossen war. 500 m weiter befindet sich ein Stelenpavillon mit der angeblich größten Stele Chinas (1435).

Die beidseitig der Straße aufgestellten Figuren (1435) gelten als die besterhaltenen mingzeitlichen Marmorstatuen. Insgesamt sind es 24 Tiere und 12 Menschen. Die Reihe beginnt mit Löwen, gefolgt von Xiezhi (Fabeltier). Kamelen (so, wie das Kamel bedürfnislos und klaglos schwere Lasten über weite Entfernungen trägt, so soll auch der Kaiser die Bürde des Landes tragen), Elefanten (Sinnbild unerschütterlicher friedliebender Regierung), Quin („Einhorn"; wird immer dann gesehen, wenn eine epochale Persönlichkeit auftritt, z. B. bei der Geburt des Konfuzius), Pferden. Die Straße macht hier einen leichten Knick, um böse Geister, die sich nur gradlinig fortbewegen können, zu verwirren.

Die Figuren der Geisterallee standen vor 50 Jahren bis zur Hälfte im Erdreich, heute hat man sie wieder freigelegt; leider sahen sich die Chinesen gezwungen, sie einzuzäunen, weil sie von Touristen als Kletterfelsen benutzt wurden.

Die Figuren der Geisterallee standen vor 50 Jahren bis zur Hälfte im Erdreich, heute hat man sie wieder freigelegt; leider sahen sich die Chinesen gezwungen, sie einzuzäunen, weil sie von Touristen als Kletterfelsen benutzt wurden.

Die Stein-Menschen stellen jeweils 4 Krieger. 4 Zivilbeamte und 4 kaiserliche Berater dar (je näher sie den Gräbern sind, desto höher ist ihr Rang.)

Am Parkplatz der Busse ist großes Tamtam der Straßenhändler, ich sehe an einem Stand den Soldaten meiner Wahl und erstehe ihn nach intensivem Handeln für 20 Yuan = 6,- DM - eigentlich ist das gar kein Souvenir, da der Terrakotta--Soldat aus einer ganz anderen Gegend kommt.

Danach fahren wir nochmals ca. 5 km zu den eigentlichen Gräbern, von denen nur zwei öffentlich zugänglich sind und nur eines unterirdisch besichtigt werden kann.

Die eigenlichen Gräberstätten halten, zumindest was das Unterirdische anbelangt, einen Vergleich mit dem Tal der Könige in Ägypten nicht aus. Die Wände sind nicht ausgeschmückt und die Sarkophage lediglich sauber lackierte Holzkisten. Das Äußere und die Landschaft sind jedoch sehr ansprechend. Die Lage am Bergrand ist durchaus mit dem Vorgenannten vergleichbar.

Die Ming-Gräber heißen auf chinesisch Shisanling. die ,13 Gräber', da 13 der 16 Ming-Kaiser (nebst Kaiserinnen und ersten Nebenfrauen) hier beigesetzt sind. Die Anlagen stellen die Vollendung der chinesischen Grabarchitektur dar.

unterirdische Grabkammern - bis zu 27 m tief

unterirdische Grabkammern - bis zu 27 m tief

Am Souvenir-Kiosk findet Mausi süße Stecknadel-Kissen, von denen unsere beiden Damen insgesamt 15 Stück erstehen. Kurti und Mausi haben inzwischen zwei Pelzmützen erstanden.

Nach kurzer Fahrt kommen wir in ein winziges Dorf, wo wir speisen sollen. Es ist ein traumhaftes kleines Hotel mit wunderschönem Innnenhof mit Wasserspiel und kleinen Pavillons. Allerdings stinkt es fürchterlich im Treppenaufgang zum Restaurant, so daß einem der Appetit vergehen könnte. Doch das Essen ist vielfältig und gut. Kurti meint, als ein ganzer Fisch aufgetragen wird, ganz spontan: 'Leck mich am Arsch, ein Fisch!'.

Nach dem Essen filmen wir noch ein paar Dorfbewohner, die nicht gefilmt werden wollen.

© Herbert S., 2015
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Retrospektive - nach den letzten Meldungen über unerträglichen Smog in Bejing wolte ich doch noch einmal mein Video aus vergangenen Zeiten herausholen. Vielleicht kann man Vergleiche anstellen.
Details:
Aufbruch: 26.12.1991
Dauer: 9 Tage
Heimkehr: 03.01.1992
Reiseziele: China
Der Autor
 
Herbert S. berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Herbert sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
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