Wann kannst du kommen?

Reisezeit: Juli / August 2019  |  von Beatrice Feldbauer

Ciudad del Este

Ich hatte ein Hotel mit Pool gebucht. Hat natürlich nichts gebracht, denn obwohl es hier wärmer ist, als in den letzten Tagen in Paraguay, so ist es doch immer noch Winter. Und der Pool wird gerade frisch gestrichen, wie mir mein Blick aus dem Hotelfenster sagt.

Nach dem ausgiebigen Frühstück sende ich meinem Taxifahrer von gestern eine WhatsApp. Kannst du um 11 Uhr vor dem Hotel sein, kannst du mir die Stadt zeigen? Er hat mir gestern seine Karte gegeben, fall ich heute einen Transport brauchen würde. Hugo heisst er und er antwortet umgehend.

Ciudad del Este. Eigenartige Namen haben diese Städte in Paraguay. Das fing an mit Asucion, Auferstehung, Independencia, Unabhängigkeit und jetzt Ciudad del Este, Stadt des Ostens.

Ich weiss nicht viel über diese Stadt. Im Netz gibt es viele Hinweise auf eine gefährliche Stadt mit hoher Kriminalität, Schmuggler, riesige Shopping-Centers. Man kommt hierher, um einzukaufen. Elektronik soll günstig sein. Eine Stadt im Dreiländereck. Da kommt mir Basel in den Sinn. Hat Ähnlichkeiten, ist aber trotzdem völlig anders. Aber auch hier trennt ein Fluss die Länder: im Westen Paraguay, im Norden Brasilien, im Süden Argentinien. Und eingekauft wird vielfach auch ennet der Grenze.

Dreiländereck, begrenzt durch den Paraná-River,der von Norden nach Süden fliesst. In Paraguay wird er gespiesen von Acaray im Norden und dem Monday-River im Suden. Vom Osten fliesst der Iguazu-River hinein.

Hugo, mein heutiger Taxista

Hugo, mein heutiger Taxista

Was gibt es zu sehen, in dieser Stadt? Hugo schlägt den Monday Fall vor, ein Wasserfall im Süden von Ciudad del Este. Ob sich das lohnt, ich werde morgen am Iguazu-Wasserfall sein.

Zuerst steuern wir die katholische Kirche an, weil ich nach der Kirche gefragt habe, die mir gestern auf der Fahrt mit dem Bus aufgefallen ist. Die werden wir auch noch besuchen, jetzt stehen wir vor der Lucas-Kirche. Ein schlichter Bau, etwas eigener Baustil, aber der Boden glänzt wie ein Spiegel. Mindestens 3 Putzfrauen sind dabei, den Boden aufzunehmen. Bien trabajo, gute Arbeit, sage ich zu einer der Frauen und zeige auf den Boden. Sie strahlt.

Als ich vor der Kirche die wunderschöne Bougainvillea fotografiere, will Hugo wissen, ob ich mich für Blumen interessiere. Ja sicher, bei dieser gefällt mir die intensive Farbe sehr gut. Das freut ihn, denn auch seine Senora hat gern Blumen. In ihrem kleinen Garten hinter dem Haus hat sie viele Blumen angepflanzt.

Ud dann meint er, ich müsse mir auch noch die Marienstatue mit der Brücke über einen kleinen Teich ansehen. Und das, obwohl er Reformiiert ist. Es gibt mehr Katholiken in der Stadt, aber es leben auch viele Reformierte hier.

Dann verlassen wir die Stadt und gelangen in den nächsten Ort. Es braucht einige Zeit, bis ich verstehe, dass er nicht vom Präsidenten erzählt, sondern dass diese Stadt so heisst: Presidente Franco. Wieder so ein eigenartiger Ortsname. Die Stadt liegt im Süden von Ciudad del Este und mir fallen die vielen Bäume in der Stadt auf. Und die Früchteverkäufer, die ihre Orangen und Zitronen am Strassenrand anbieten.

Auf dem grossen Parkplatz des Monday Falls hat es keine Autos, Hugo meint, er käme mit mir zum Wasserfall, damit ich nicht allein sei. Aufmerksam.

Durch eine schöne Anlage mit vielen exotischen Pflanzen kommen wir zum Fluss. Das Wasser hört man schon von weitem rauschen. Und dann sind wir da, oben, wo der Fluss hinunter fällt. Saltos del Monday. Ich bin überrascht, der Besuch lohnt sich auf jeden Fall. Fast 50 Meter hinunter stürzt sich das Wasser in einem gewaltigen Rauschen und Schäumen. Habt ihr in der Schweiz auch so grosse Wasserfälle, will Hugo wissen. Ich muss lachen. Ja, wir haben den grössen Wasserfall Europas, aber der Rheinfall ist nicht einmal halb so gross, wie dieser Monday-Fall. Monday heisst übrigens der Fluss. Hab ich was gesagt, von eigenartigen Namen in Paraguay?

Da hinten gibt es einen Lift, man kann bis ganz nach unten fahren. Magst du? Und ob ich will. Hugo bringt mich bis zur Lifttüre, doch dann macht er einen Schritt zurück. Ich kann da nicht hinein, ich ertrage das nicht. Etwas peinlich ist es ihm schon und er versichert mir, dass er auch schon unten war. Aber heute mag er nicht Lift fahren.

Also fahre ich allein hinunter, bestaune das riesige Wasser, die Kraft, die Energie, die spürbar ist und übe mich in der Wasserfall-Fotografie.

Erinnert mich an den Mattenlift in Bern.

Erinnert mich an den Mattenlift in Bern.

Zurück bei der Kasse bespricht sich Hugo mit der Kassierin darüber, was er mir noch zeigen könnte. Sie schlägt ein Museum vor, das von einem Schweizer gegründet wurde und sich mit der Kultur der Guarani, der Einheimischen Bevölkerung befasst. Doch mir ist nicht nach Museum, zu schön ist der Tag, zu warm scheint die Sonne. Auch für das Museum Planet 3D, das mir Stella empfohlen hat, habe ich heute keine Lust. Ist vielleicht auch lustiger, wenn man dieses zu zweit besucht. Jedenfalls wenn ich mich an die spassigen Fotos erinnere, die sie mir gezeigt hat.

Also fahren wir den nächsten Punkt an. ITAIPU binancional. Ich verstehe wieder einmal nicht was es da zu sehen gibt. Wir kommen zu einem grossen Tor, wo ich meinen Pass zeigen muss. Also etwas gewichtiges, offizielles. Allerdings sind wir auch hier die einzigen Besucher, die unter den schattigen Bäumen parkieren. Als ich das Bannner sehe, verstehe ich. Der Dreiländerpunkt. Hier wo der Iguazu-River in den Paraná-River mündet, treffen sich die drei Länder. Da unten ist eine Zollstation und dort ist die Fähre, mit der man direkt hinüber nach Argentinien setzen kann. Mit dem Auto fährt man sonst zuerst nach Brasilien, dann nach Argentinien. Scheint allerdings nicht sehr gefragt zu sein, diese Wasserverbindung. Auf der Fähre steht ein Auto und ein paar mehr müssten es schon sein, bevor die Fähre loslegt.

Der Iguazu-River, der hier so ruhig in den breiten Paraná-River fliesst, hat weiter oben die grossen Wasserfälle hinter sich.

links Brasilien, rechts Argentinien. Unten die Fähre, um nach Argentinien zu gelangen.

links Brasilien, rechts Argentinien. Unten die Fähre, um nach Argentinien zu gelangen.

Wir fahren zurück in die Stadt und kommen zur Heilig Geist Kirche. Das ist die, die mir gestern vom Bus aus aufgefallen ist. Wieder ein ungewöhnlicher Bau, mit grossen farbigen Glasfenstern. Innen erinnert sie mich irgendwie an russische Ikonen mit den grossen Malereien auf goldenem Untergrund. Eine eindrückliche Kirche, aber relativ neu.

Ziemlich grosse Geld-Sammel-Körbe.

Ziemlich grosse Geld-Sammel-Körbe.

Die neue Moschee.

Die neue Moschee.

Gibt es denn keine Kathedrale hier, oder einen Dom, eine Basilika? Doch, nach einigem Nachdenken, fahren wir die grösste Kriche, oder ist es die wichtigste an. Auch diese ist allerdings nicht alt, sondern feiert gerade ihr 50-jähriges Bestehen.

Während ich die Kirche von innen ansehe, kommt Hugo vor dem Eingang mit einer Frau ins Gespräch und als ich heraus komme, begrüsst sie mich freudig. Sie wird in einer Woche nach Europa reisen. Nach Rom. Zu einer Audienz beim Papst und sie freut sich natürlich riesig.

Sie ist Anwältin und eine regelmässige Taxikundin, erzählt mir Hugo beim Weiterfahren. Vor ein paar Jahren ist ihr Mann gestorben.

Möchtest du doch noch in ein Shopping-Center gehen? Hugo kann es nicht begreifen, dass es nichts mehr gibt, was er mir zeigen könnte.

Neiin, tut mir leid, ich bin nicht interessiert am Einkaufen, aber ich möchte wissen, was das für Sachen sind, die an diesen kleinen Verkaufstischen angeboten werden. Es scheinen Geschenke zu sein, sie sind mit glänzender Folie verpackt.

Ja das sind Geschenke. Morgen ist der dia de la amistad, der Tag der Freundschaft. Da schenkt man sich kleine Sachen. Auch ich werde noch etwas kaufen für meine Senora und morgen ist mein freier Tag. Hugo hat übrigens 7 Kinder. Nachdem das letzte ein Baron war, nach sechs Mädchen, hat er mit seiner Frau beschlossen, dass es jetzt genug sei.

Bevor wir endgültig zur Grenze aufbrechen, erklärt mir Hugo noch die Sache mit dem Kraftwerk im Norden der Stadt. Da wo der Fluss aus dem grossen See fliesst gibt es ein Flusskraftwerk, das man besichtigen könnte. Aber der Präsident hat es in den letzten Tagen an Brasilien verkauft, Jetzt gibt es täglich Manifestationen auf der Paraguay-Seite. Von einem Besuch wird abgeraten. Er ruft sogar extra noch einen Freund an, der dort arbeitet, aber der meint, es sei heute für Besucher geschlossen.

Also fahren wir zur Grenze, wo das letzte grosse Einkaufsenter steht, das Shopping des Ostens. Ich bekomme einen Stempel von Paraguay, dass ich ausgereist bin und auf der anderen Seite der Freundschaftsbrücke bekomme ich einen brasilianischen Stempel in meinen Pass. Und drehe meine Uhr um eine Stunde vor. Anderes Land, andere Zeit.

Bald sind wir bei meinem Hotel angekommen. Melde dich morgen, ich möchte wissen, ob alles gut läuft in Brasilien, verabschiedet sich Hugo.

Werde ich machen, muchas gracias para todo.

La puente del Amistad über den Paraná.-River

La puente del Amistad über den Paraná.-River

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Eine unerwartete Einladung ist der Start zu einer ungeplanten Reise.
Details:
Aufbruch: 15.07.2019
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 12.08.2019
Reiseziele: Paraguay
Brasilien
Der Autor
 
Beatrice Feldbauer berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.
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