Wann kannst du kommen?

Reisezeit: Juli / August 2019  |  von Beatrice Feldbauer

Marianela

Beim gemeinsamen Frühstück am Morgen beschliessen wir, den Klosterkomplex von Marianela zu besuchen. Peter hat ihn bei einem seiner Besuche bei Stella entdeckt und besucht den Ort jedesmal wenn er in Paraguay ist. Ich habe noch nie davon gehört und auch beim googeln kaum etwas darüber gefunden.

Isidro will uns hinfahren. Allerdings war er noch nie da und darum fahren wir zuerst etwas durch die Pampa. Dabei führt eine ganz gerade Haupstrasse nach Atyra. Doch wir haben für heute Abenteuer gebucht, also bekommen wir das auch. Jedenfalls ist die unbefestigte Strasse mit den Schlaglöchern und teilweise versunkenem Kopfsteinpflaster streckenweise ziemlich abenteuerlich. Und der klappernde Mitsubishi hat zu kämpfen, wenn es wieder ein wenig aufwärts geht. Doch Isidro ist das gewohnt. Stoisch lenkt er seinen Pickup über alle Unebenheiten und auch wenn ich schon befürchte, dass der stotternde Motor gleich den Geist aufgibt, fährt er mit einem Lächeln ruhig weiter.

Und dann entdecke ich doch mitten in der Pampa einen Spielsalon, oder vielleicht ist es das zukünftige Casino. Isidro muss mitten in der Strasse anhalten, damit ich davon eine Foto machen kann. Es blinkt und klingelt mitten im Nirgendwo. Schade, dass ich kein Kleingeld dabei habe, vielleicht habe ich eine Glückssträhne verpasst.

Vielleicht entsteht hier das neue Casino

Vielleicht entsteht hier das neue Casino

Nach 16 schlotternden Kilometern erreichen wir den Klosterkomplex in der Nähe von Atyra und ich komme erst einmal gar nicht mehr aus dem Staunen heraus.

Eine fantastische Anlage. Gebaut von Künstlern aus dem ganzen Land. Eine harmonische Bauform mit langen Arkaden, geschnitzten Holztüren, die zu den Zimmern führen. Jede Wand ist eine Augenweide, auch wenn sie nur aus einfachen Backsteinen gemacht ist. Jedes Detail ist genau bedacht. Die Böden sind mit unterschiedlichen Kacheln und geschliffenen Steinen bedeckt und kein Abschnitt gleicht dem anderen. Eine Harmonie aus Backsteinen und farbigen Kacheln. In den Nischen sind einfache Schmiedearbeiten, die Fenster der Kirche schmücken farbige Glasbilder. Auch der Innenraum der Kirche ist einfach und schnörkellos gestaltet mit hohen Stufen zum bequem sitzen.

Isidro

Isidro

Peter weiss, wo die fein gestaltete Krippe steht und vor allem weiss er, wo der Lichtschalter ist, so dass die ganze Anlage durch die abgenutzte Scheibe überhaupt sichtbar ist. Es sind nur kleine Figuren, aber ihre Gesichter sind sehr genau in Keramik ausgearbeitet. Auch hier eine grossartige künstlerische Leistung.

Ich kann mich kaum satt sehen, möchte nur schauen, staunen, geniessen.

Der ganze Bau wurde 1994 begonnen, aber erst 2008 fertig gestellt. Er wird geführt von einer Kongregation von Mönchen, von denen allerdings nur zwei hier leben, zusammen mit zwei Priestern. Die Räume kann man für Vorträge mieten, Hochzeiten werden hier durchgeführt und man kann sich in den Klosterräumen für ein Retreat oder für Seminare zurück ziehen.

Hier würde ich gern mal eine Lesung organisieren - oder zu einem Seminar einladen. Genau das richtige Ambiente.

Hier würde ich gern mal eine Lesung organisieren - oder zu einem Seminar einladen. Genau das richtige Ambiente.

Im kleinen Laden wird Gemüse und Salate verkauft und eingemachte Früchte. Ausserdem gibt es verschiedene Fruchliköre. Gern lädt uns die Verkäuferin zu einem kleinen Schluck ein. Leider konnte ich mir den Namen der Frucht nicht merken. Es sei eine orangenförmige Frucht, klein wie eine Kirsche. Jedenfalls schmeckt er fein, der süsse Likör.

Auch italienische Pasta wird angeboten und andere Esswaren aus Italien. Der Besitzer sei ein Italiener, er reise viel und bringe darum immer viele Spezialitäten aus Italien mit. Darum auch der Hinweis auf das italienische Cafe beim Eingang zum Kloster. Hier kehren wir ein, auch wenn wir die Bedienung beim Putzen eines Objektes stören und sie zuerst nicht sehr erfreut ist über unseren Besuch.

Wir bestellen Cappuccino und Crêpes, was ihr dann doch gefällt und sie verzieht sich in den kleinen Bereich hinter der Theke. Dort hören wir sie hantieren und die Liquadora will gar nicht mehr aufhören zu arbeiten. Wahrscheinlich macht sie den Teig für jede Crêpe einzeln, so wie sie sie auch serviert - mit überreichlich Nutella darin.

Dann kommt der Cappuccino und ich weiss erst gar nicht, ob wir uns vielleicht falsch verstanden haben. Doch, doch, meint sie auf meine Nachfrage. Das ist mit Mascarpone von unseren Kühen gemacht, ein altes Rezept aus Verona. Was will man da sagen. Wer will schon gegen Verona etwas einwenden. Und erst noch ein Originalrezept.

Da habe ich schon die Hälfte vom Mascarpone weggegessen - von Wegen Originalrezept aus Verona.

Da habe ich schon die Hälfte vom Mascarpone weggegessen - von Wegen Originalrezept aus Verona.

Einzig Isidro findet den Kaffee phänomenal, mir liegt er schon bald auf dem Magen und auch Peter scheint nicht ganz glücklich zu sein. Wie gut, dass die Bedienung wieder an den Tisch kommt und Peters Nachfrage gleich die ganze Grappa-Auswahl auf den Tisch bringt. Und auch da stehen lässt.

Zuerst hat sie es allerdings noch mit dem Schokoladenlikör versucht, dem wir tapfer widerstanden haben. Der Grappa aber schmeckt wunderbar und ist genau das richtige, den schweren Mascarpone etwas zu verteilen.

Von der Pergola vor dem Restaurant hängen Früchte. Pralle grüne und violette Früchte. Ich tippe auf Maracuya, Passionsfrüchte, doch die Bedienung verweist auf das Schild und meint, es wären Mburucuya, ein unaussprechlicher Name. Google meint aber trotzdem, dass ich mit Maracuya richtig gelegen bin.

Bevor wir das Gelände von Marainela verlassen, treffen wir auf eine Herde Kühe. Es sind die hier verbreiteten Brahma, eine Zebu-Art. Bestimmt sind sie die Produzenten der Mascarpone.

Für den Rückweg verzichtgen wir auf die abenteuerliche Fahrt auf den unbefestigten Strassen und folgen der asphaltierten Hauptstrasse. So kommen wir bald nach Caacupe, wo ich unbedingt einen Bankautomataen brauche. Bei der zweiten Bank klappt es dann auch mit dem Geldbezug. Es scheint, dass die Automaten hier etwas Probleme mit den ausländischen Karten haben. Ich bin froh, habe ich zwei Kreditkarten dabei, eine funktioniert meistens irgendwann.

Eigentlich war die Idee, dass wir am Abend zu einer Pizza ausgehen, aber inzwischen fühlen wir uns zu müde und von dem Cappuccino noch immer zu gesättigt, um noch in ein Restaurant zu gehen. Aber wir könnten uns vielleicht etwas besorgen um es zu Hause zu essen.

Isidro fährt uns durch die Dunkelheit und Peter und ich haben keine Ahnung, wo wir uns grad befinden. Es wird hier sehr früh dunkel, die Sonne geht schon um halb sechs unter und die Dunkelheit übernimmt schnell.

Irgendwo im Nirgendwo, hält er am Strassenrand an. Das soll eine Pizzeria sein? In einem winzigen Häuschen brennt Licht, wir gehen darauf zu. Ein Mann kommt heraus und winkt ab. Es gibt erst am Donnerstag wieder Pizza, erklärt er auf Deutsch. Man muss uns die Sprache wahrscheinlich ansehen. Dann schaut er Peter ins Gesicht, was in der Dunkelheit nicht ganz einfach ist und fragt: Bist du nicht der Vater von Stella, ich kenne dich von Fotos.

Das hilft aber doch nichts, denn der Holzofen ist kalt, wir ziehen von dannen. Die nächste Idee wäre ein Hamburger, wir fahren weiter. Doch leider ist auch die Hamburquesa heute geschlossen. Jetzt bleibt noch ein kleiner Imbisstand bei der Tankstelle. Es gibt Empanadas, die die Mama extra für uns zubereitet. Dazu zwei Flaschen eisgekühltes Bier und wir sind zufrieden.

Zu Hause geniessen wir unseren kleinen Imbiss in der Küche von Stella und verschwinden bald darauf in unsere Zimmer. Der Tag war ausgefüllt und ich will unsere Erlebnisse noch festhalten.

auch beim Imbiss gibt es einen Glücksspielautomaten

auch beim Imbiss gibt es einen Glücksspielautomaten

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Eine unerwartete Einladung ist der Start zu einer ungeplanten Reise.
Details:
Aufbruch: 15.07.2019
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 12.08.2019
Reiseziele: Paraguay
Brasilien
Der Autor
 
Beatrice Feldbauer berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.
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