Hello Canada - Roadtrip Vancouver -> Calgary
Jasper Tag 9
Gestern Abend haben wir uns dazu entschieden uns 2 Tickets für die Jasper Skytram zu buchen. Ganz schön kostspielig so eine Gondelfahrt
Pünktlich um halb 10 waren wir dann am Parkplatz der Gondel und warteten geduldig auf unsere Fahrt um 9.57 Uhr. Die Gondel fährt alle 9 Minuten hoch und gleichzeitig runter. Diese Seilbahn besteht aus 2 Gondeln, die nur gemeinsam fahren können. Immer eine hoch und die andere runter. Genau in der Mitte der 2 km langen Strecke fahren die Gondeln aneinander vorbei. Die ganze Anlage ist schon etwas älter. Baujahr 1963 - 1964. Gebaut, entworfen und geliefert wurde die Sky Tram von der Firma Pohlig-Heckel-Bleichert AG aus Saarbrücken (West Germany) Gute deutsche Qualität - hoffentlich
Mit ca. 15 anderen Leuten haben wir die 7 Minütige fahrt angetreten. Auf dem Weg nach oben hat uns noch ein Mitarbeiter der Gondel einiges über die Gegend, den Berg, die Skytram und den Waldbrand erzählt. Dabei erfuhren wir, dass der Brand durch lang anhaltende Hitze und darauf folgende Blitzeinschläge entfacht wurde. Der Waldbrand war so groß, dass er ein eigenes Gewitter entstehen ließ, was das Ganze nicht besser machte
Oben angekommen konnten wir sofort den grandiosen Ausblick auf das Tal bestaunen.
Da es dort oben nicht viel zu tun gibt, haben wir uns auf den Weg zum Gipfel gemacht. Wir folgten den ganzen anderen Touristen nach oben und mussten dabei ein weiteres Mal feststellen das unsere Fitness stark abgebaut hat. Auf unserem Weg nach oben sahen wir in einiger Entfernung ein Murmeltier ganz ruhig auf einem Stein sitzen. Natürlich musste wieder jemand kommen und die Situation stören. Ein Teenie näherte sich dem Tier und fragte lautstark seine Eltern "Do they attack?" Die Eltern sagten ihm noch er soll bitte Abstand halten, was der Junge ignorierte und mit seinem Handy näher ging um das Tier zu fotografieren. Wie zu erwarten flüchtete das Murmeltier.
Nach etwa der Hälfte des Weges wurde Nicole die Angelegenheit dann doch etwas zu hoch und ist wieder etwas den Weg zurück gegangen. Der "Weg" - ein aus ausgetrampelter Pfad auf dem Bergrücken war recht rutschig und nicht gerade fest. Das recht bescheidene Wetter hat auch noch seinen Teil zu der Situation beigetragen. Ich entschied mich weiter nach oben zu gehen um den Gipfel zu erreichen.
Etwas weiter oben legte ich dann eine kleine Pause ein. Der Aufstieg war ziemlich erschöpfend und die dünne Luft auf über 2200 m war auch nicht gerade reichhaltig an Sauerstoff. Während meiner Pause konnte ich ein Gespräch zwischen 2 Wanderinnen verfolgen. Die Ältere der Beiden war mit 69 Jahren alleine auf dem Berg unterwegs. Respekt!
Nach 10 Minuten durchatmen bin ich dann weiter nach oben gestiefelt. Nach dem Überqueren eines kleinen Schneefeldes habe ich die ältere Dame wieder gesehen. Sie ist auf dem Weg falsch abgebogen und hatte sich auf eine ziemlich blöde Stelle "verlaufen". Der dortige Untergrund bestand nur aus sehr kleinen dünnen Felsstücken. Mehr als rutschig. Sie stand fluchend (und sich über ihre Wortwahl entschuldigend) dort und wusste nicht, wie sie wieder auf den richtigen Weg kommen sollte. Hilfsbereit wie ich bin habe ich ihr zugerufen, ob sie Hilfe oder eine helfende Hand bräuchte. Sie entschied sich auf allen Vieren wieder zurück zu kommen. Ich bin ihr ein paar Meter entgegen gegangen, um sie eventuell doch noch zu unterstützen. Sie benötigte meine Hilfe nicht, bedankte sich bei mir und nannte mich einen echten Gentleman. Das hat mir noch niemand gesagt
Nach einigen weiteren Höhenmetern musste ich feststellen, dass der Gipfel nicht näher kommen wollte. Das Wetter wurde auch immer schlechter und Regen zog auf. Ich machte noch ein paar Fotos der leider sehr bewölkten und diesigen Gegend. Da kam die Dame ums Eck und rief freudestrahlend "I made it!" wir unterhielten uns noch eine ganze Weile bevor ich den Rückweg antrat. Die Dame blieb noch etwas um Fotos zu machen und dann auch zurück zu gehen, denn ihr Mann wartete unten auf sie. Die Beiden kommen aus Florida und sind der dortigen Hitze mit ihrem Camper entflohen. Sie erzählte mir, dass es in Florida manchmal wirklich zu heiß für sie sei. Letztes Jahr waren es dort angeblich 140° Fahrenheit. Das wären 60° Celsius. Kein Wunder, dass sie angehalten wurden das Haus nicht zu verlassen. Wenn sie Lebensmittel gebraucht haben riefen sie eine Bekannte an. Die konnte teilweise aber nicht mit dem Auto zum Supermarkt fahren, da sie im Auto vor lauter Hitze nicht atmen konnte. Da wäre ich auch vor der Hitze geflüchtet.
Auf dem Weg zur Bergstation habe ich dann einen Zahn zugelegt, da es immer mehr regnete. Nicole habe ich dann an der Gondel wieder getroffen. Ich habe durch das nette Gespräch mit der Dame etwas länger gebraucht als gedacht.
Wir haben noch den obligatorischen Magneten gekauft und sind ins Tal zurück gefahren.
Kaum unten angekommen klarte der Himmel auf und die Sonne kam raus. Na toll!
Nach der Skytram sind wir erst zurück in unsere Unterkunft und haben uns dort für den Nachmittag gerüstet. Während es oben auf dem Berg ungemütlich kalt und regnerisch war, wurde es im Tal in Jasper schon wieder so warm, dass man im T-Shirt laufen konnte.
Wir haben uns in der super Bäckerei ums Eck (Bear's Paw) noch zwei Sandwiches, etwas Süßes für den Nachmittag und jeder einen Kaffee to go geholt. Beim Kaffee bestand ich auf die volle Dröhnung und bestellte mir einen Latte Toffee Crunch, während Arno sich für einen Macchiato ohne Firlefanz entschied.
Ein bisschen musste ich lachen, als ich Arnos enttäuschtes Gesicht sah.. Sein Macchiato war ein Espresso mit etwas von dem bei der Zubereitung meines Kaffees übrig gebliebenen Milchschaums..
Mein Latte Toffee Crunch hielt natürlich, was er versprach.
Mit unserer Verpflegung machten wir uns auf den Weg zum Valley of the Five Lakes und sind dort den Wanderweg gelaufen, welcher an allen 5 Seen vorbeiführt. Leider war es sehr windig, so dass keine Chance auf Landschaftsspiegelungen in den Seen gab. Da der große Brand auch in diesem Tal gewütet hatte, führte der Weg die meiste Zeit durch den verbrannten Wald, so dass die Landschaft sehr bizarr wirkte. Die Wanderung hat uns trotz der Waldschäden sehr gefallen und man konnte erahnen, wie schön es hier sein muss, wenn man durch eine intakte Waldlandschaft wandert. Auf der zweiten Hälfte des Rundwegs entdeckten wir noch einen leuchtend blauen Vogel, welcher unseren Weg dreimal kreuzte. Da die Bäume keine Blätter mehr haben, konnte man den Vogel super beobachten. Eine spätere Internetrecherche ergab, dass es sich um einen hier beheimateten Hüttensänger handelt, welcher in beeindruckenden Blautönen vorkommt. Ein krasser Kontrast zu den verkohlten Baumstämmen.
Nachdem wir von dieser 1,5 stündigen Wanderung zurück am Auto waren, sind wir noch ein Stück den Icefields Parkway zu den Sunwapta Falls gefahren.
An diesem Wasserfall gibt es eine Brücke, die man mit einer kurzen Wanderung (2,8 km hin und zurück) erreicht. Dort haben wir noch ein paar Bilder geschossen und mal wieder die Kraft der Wassermassen, die in die Tiefe stürzen, bestaunt. Es ist schon Wahnsinn, welche Faszination Wasserfälle haben.
Zurück in der Unterkunft probierten wir unsere zuvor gekauften Teilchen aus der Bäckerei. Das Zeug war so süß und massig das wir beide unser Teilchen nicht zu Ende essen konnten. Arnos Zimtschnecke war nicht nur süß sondern auch noch zusätzlich mit Butter bestrichen...
Etwas später sind wir auf mein Bestreben mal etwas früher schlafen gegangen, da die "Schlafzeit" in unserem Urlaub bisher recht knapp gehalten wurde.
Und ich schlafe doch so gerne...
| Aufbruch: | 07.06.2026 |
| Dauer: | 3 Wochen |
| Heimkehr: | 27.06.2026 |