2 Jahre China

Reisezeit: März 2009 - April 2011  |  von Katrin Link

eine Mauer, ein Berg und 3 Millionen Hühner

30. Juni. 2009: Ein Fingerschnipp und schon wieder sind 4 oder 5 Wochen rum... Mein Chinesisch-Test war nicht so schlimm. Schriftlich war ich gut, mündlich war ich auch nicht schlecht. Wir sind anschließend in neue Klassen eingeteilt worden. Ich weiß bis heute nicht, warum ich mit meinen 65 Punkten in einer Klasse mit leuten bin, die im ersten Test schon über 80 Punkte hatten....

Am 24. Mai dann ging es endlich zur Chinesische Mauer. Wir sind 120 km nach Jinshanling gefahren. (soviel zum Thema: Ich geh jedes Wochenende auf der Mauer spazieren...) Es war superheiß an dem Tag. In Jinshanling angekommen mussten wir erst mal eine halbe Stunde bergauflaufen und zur Mauer zu gelangen. Ich hab mich da schon gefühlt, wie nach 4 Stunden berg auf und bergab in Pinggu. Und der eigentliche Trip sollte hier erst losgehen! Ich hab dann kurzfristig den Plan geändert.

Während die andern also die 10 km Turm für Turm ablaufen fahre ich mit dem Bus direkt zum Endpunkt, kaufe mir noch mal ein Ticket und laufe auf direktem Wege zur Seilbahn. Seilbahn-Angstüberwindungsphase 2: Alleine in einer offenen Kabine. Gott sei dank war es nicht so hoch. Eigentlich war es ganz angenehm.
Und dann war die Mauer ganz nah und ich war wieder glücklich. Oben angekommen, Mauer, soweit das Auge reicht. Wahnsinn! Mir ist die ganze Zeit eine Frau gefolgt, die mir Sachen verkaufen wollte und die nicht verstanden hat, dass ich nix kaufen möchte. Ich hab gesagt ich will würde gerne alleine weiter laufen, hat aber nichts geholfen. Sie hat dann in 5 Meter Abstand immer gerufen, ich soll vorsichtig sein. An Ende bin ich mehr oder weniger gerannt um sie abzuschütteln. Ich hab dabei nicht darauf geachtet, das ich bergab laufe. Der Weg zurück war dann sehr anstrengend und am Ende hat sie dann wieder auf mich gewartet. Da hab ich dann zum ersten mal die richtigen Töne getroffen, als ich auf chinesisch sagte ICH MÖCHTE KEINE SACHEN KAUFEN. (das ich nix kaufen wollte lang auch daran, dass ich in Jingshan schon einem netten Chinesen ein Buch abgekauft habe)

Nur vier Tage später gings dann auf zum nächsten Trip. Aufgrund des Drachenboot-Festivals hatten wir Donnerstag und Freitag frei. Zehn von uns machten sich auf zum Lingshan-Berg, der höchste Berg in der Nähe von Peking, auch als Little-Tibet bekannt. Zunächst machten wir aber einen Stop in Chuan di Xian, einem Dorf in den Bergen mit gut erhaltenen Häusern aus der Ming-Dynastie. Es war wie ein kleine Reise in einer Zeitmaschine. Die Zeit schien hier still zu stehen, wenn nicht ab und zu ein Auto vorbeigefahren wäre.

Anschließen ging es dann nach Lingshan. Wir haben im Hotel eingecheckt und die Gegend erkundigt.

In Lingshan gibt es kein Bed and Breakfast. In Lingshan gibt es statt Frühstück Fleisch

Es war kalt und regnerisch, ein Gefühl, dass ich aufgrund des Pekinger Klimas (täglich über 35°C, abends "kühlt" es auf ca. 28°C ab) fast schon wieder vergessen hätte. Ich konnte mich schon mal mit der Seilbahn vertraut machen und habe auch über die Option nachgedacht, mit dem Pferd zum Gipfel zu reiten. Am nächsten Tag gings dann rauf auf den Berg. Bergaufsteigen ist nicht meins. Ich hab manchmal das Gefühl, ich habe keine Muskeln in den Beinen. Ich habe einen Plan von der Bergregion gefunden, der ungefähr soviel aussagte, wie so manch handgemalter Plan, den ich am Anfang immer bekommen habe, wenn ich nach dem Weg gefragt habe. Während die andern dem Berg von ganz unten erklimmen wollten, machte ich mich auf den Weg zur Seilbahn. Omar bestand dann drauf, mitzukommen, weil er sagte, das wäre alleine zu gefährlich. Seilbahn-Angstüberwindungs-Phase 3 habe ich nicht bestanden. Das war ein einfacher Sessellift, der zunächst flach überm Boden, dann aber steil bergauf verlief. Die Fahrt dauerte über 20 Minuten und zusätzlich war es extrem kalt und extrem windig, sodass der Sessel hin und her schaukelte. Ober angekommen haben wir erst mal die Karte weggeschmissen, weil die nichts mehr aussagte. Omar wollte zum nächst erreichbaren Gipfel laufen, ich sagte halbherzig ok. Nach 100 m fragte ein Frau: Pferd reiten? Ich sagte aus vollem Herzen ja. Nach einem entspanntem Ritt in einer wunderschönen Natur führte uns unserer Pferde-Führer zum Gipfel.

Die letzten 500 m mussten wir raufklettern. Die Aussicht war atemberaubend. Ober angekommen trafen wir dann alle weggeschmissenen Karten zum Trotz den Rest der Gruppe wieder. Wir haben ca. 1 Stunde dort oben mit Picknick verbracht.

Kurz vor den ersten Erfrierungen machten wir uns auf den Rückweg. Der Pferdführer wartete schon etwas ungeduldig. Am Pferde-Ausgangspunkt wieder angekommen, haben wir uns unsere Hände erst mal an einem Feuer gewärmt und haben mit einigen Chinesen noch mal ein kleines Picknick gemacht. Die hatten sehr viel Spaß mit uns zwei halberfrorenen Europäern.

Der Weg mit der Seilbahn nach unten war noch schlimmer, als der Weg nach oben. Ich hatte über 20 Minuten meine Augen geschlossen. Seitdem habe ich auch kein Seilbahn mehr benutzt. An Überwindungsphase 3 muss ich noch arbeiten.

Vor zwei Wochen haben wir Freitagsnachmittags eine ökologische Hühnerfarm besucht. Ich habe keines der 3 Millionen Hühner gesehen, dafür haben wir uns angeschaut, wie aus Hühnerscheiße Biogas hergestellt wird.

Hier sind die Hühner:

und hier ist das Gas:

Vor neun Tagen habe ich mich mit Jennifer in die Verbotene Stadt aufgemacht. Es ist ein irres Gefühl. Man ist mitten in Peking, aber die Stadt drumherum mit all den Hochhäusern verschwindet hinter den Mauern sobald man eintritt.

Wir sind jetzt hier!

Wir sind jetzt hier!

Die Indische Reisegruppe wollte mit aufs Bild....

Die Indische Reisegruppe wollte mit aufs Bild....

Am Freitag steht schon wieder der nächste Test an und dann geht es nachmittags mit dem Zug in Richtung Meer. Da freu ich mich unheimlich drauf. Ein Tag am Strand bei blauem Himmel und Sonnenschein...

© Katrin Link, 2009
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Sooooo... am 29. März 2009 geht das Abenteuer los. Ich nehme mit 29 anderen Leuten aus ganz Europa am Science und Technology Fellowship Programm EU-China teil. Ab nach China und das für zwei Jahre. Die ersten sechs Monate werde ich in Peking sein um mit den anderen Chinesisch zu lernen und anschließend 18 Monate in Chongqing, um dort zu arbeiten.... Ich wünsch Euch viel Spaß beim Lesen.
Details:
Aufbruch: 29.03.2009
Dauer: 25 Monate
Heimkehr: April 2011
Reiseziele: China
Der Autor
 
Katrin Link berichtet seit 15 Jahren auf umdiewelt.
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