2 Jahre China

Reisezeit: März 2009 - April 2011  |  von Katrin Link

April 2010

April war geprägt von dem Versuch, im Labor zu Ergebnissen zu kommen, zu sehen, dass alles was man gelernt hat in China teilweise genau umgekehrt gemacht wird, von Nichtstun in der Freizeit und zwei Kurztrips: Ich war über Ostern in Guangzhou, um Claudio samt Familie zu besuchen. Ich würde es mal als Europäische Tage beschreiben, was die Osterfeier inklusive Kirchgang und das Essen betrifft. Die Ostermesse war für mich etwas ungewöhnlich. Die Kirche war bis zum Rand gefüllt und den Priester hab ich deshalb kein einziges Mal zu Gesicht bekommen. Ich habe nur leise die Stimme gehört. Es hingen überall Übertragungsmonitore, aber auch die konnte ich nicht sehen, weil wir an in einer Seitennische saßen. Ich habe mich das zweite Mal nicht wie in China gefühlt, weil ca. 80% der Besucher aus Afrika stammten. Über Guangzhou kann ich nicht so viel erzählen. Es ist eine von unzähligen Großstädten, die Tagsüber recht grau erscheinen und abends wie aus einem Dornröschenschlaf in etwas Buntes, Glitzerndes mutiert. Irgendwann sieht man nicht mehr so recht die Unterschiede in den Städten (die Ausnahme bei Nacht ist vielleicht Peking. Da gibt es weniger von dem buntem Lichtermeer und nur die Sehenswürdigkeiten sind beleuchtet. Platz eins aus der Glitzerfaktor-Liste hat aber immer noch Shanghai für mich) und das erste Mal hab ich mich nach einigen Tagen gefreut, zurück in mein kleines Beibei zu kommen.

in Guangzhou gilt das Gruppenticket erst ab einer Gruppengröße von 100 Personen....

in Guangzhou gilt das Gruppenticket erst ab einer Gruppengröße von 100 Personen....

Vom 21. - 25. April war ich in Nanjing beim zweiten STF Network Meeting. Tagsüber wurde sich das Hydraulik-Institut in dem Shirin arbeitet angeschaut, hier und da ein bißchen diskutiert und Abends ging es drei Abende hintereinander zu Paulaner. Am Ende konnte ich kein Paulaner-Bier mehr sehen. Samstag war dann noch ein bißchen Zeit für Sightseeing. Einige von uns sind zum Konfuziustempel. Das ist kein Tempel in dem Sinne, sondern ein großer touristischer Bereich. Der Tempel an sich ist nur ein kleiner Bereich darin. Ich habe mit Kevin eine Bootstour gemacht, während die andern in den Tempel sind. Ich habe den Tag genossen, weil es das erste Mal richtig warm und sonnig war.

Alle freuen sich. Die Sonne scheint und macht die Bäume grün... eeehhhm...nein.... gold!!!

Alle freuen sich. Die Sonne scheint und macht die Bäume grün... eeehhhm...nein.... gold!!!

der war so putzig, dem musste ich einfach einen handbemalten Fächer abkaufen.....

der war so putzig, dem musste ich einfach einen handbemalten Fächer abkaufen.....

Auch wenn der Sommer in Chongqing der wärmste in China sein soll mit Temperaturen über 40°C merke ich davon im Moment noch nichts. Dafür hatte ich aber vor meiner Abreise nach Nanjing das erste Mal, seit ich hier bin einen blauen Himmel. Da musste ich natürlich direkt die Kamera rausholen und ein Foto von meiner Aussicht machen.

juhuuuuuuuuuuuuuu, freu, freu.... blauer Himmel.... nach sechs Monaten....

juhuuuuuuuuuuuuuu, freu, freu.... blauer Himmel.... nach sechs Monaten....

gleiche Sicht,  aber das tagtäglich!!! Wo ist denn der Berg hin????

gleiche Sicht, aber das tagtäglich!!! Wo ist denn der Berg hin????

Auf dem Weg zum Flughafen habe ich auch das erste Mal so richtig die Natur um Chongqing herum gesehen, die wirklich atemberaubend sein kann mit all den kleinen grünen Hügeln und Häusern irgendwo im Nirgendwo. Aber dieser Anblick wird wohl selten sein. Vit hat es schön beschrieben: Ich lebe eben in einer Kaffeetasse mit all den Bergen drum herum und der Nebel sinkt wie die Milch in dieser Tasse immer nach unten.....
Zwischendurch war ich auch zwei Mal in Chongqing City, weil in den letzten Wochen zwei Mal Besucher aus Deutschland da waren. Hier hatte ich Gelegenheit, mir das Drei-Schluchten-Museum anzuschauen und war noch zweimal in Ciqikou, wo ich beim zweiten Mal die Initiative ergriffen habe, um mal die unbelebten Nebenstraßen langzulaufen. Das war wirklich interessant zu sehen, wie ursprünglich die Menschen dort noch leben. Ich hab mich ein bißchen gewundert, dass uns dann doch nicht so extrem nachgeschaut wurde, wie erwartet.

Eierverkauf in Ciqikou, abseits der Touristenstrasse

Eierverkauf in Ciqikou, abseits der Touristenstrasse

am Drei-Schluchten-Museum vor der Volkskonzerthalle, die in den 1950er Jahren nach dem Vorbild des Himmelstempels von Peking erbaute wurde

am Drei-Schluchten-Museum vor der Volkskonzerthalle, die in den 1950er Jahren nach dem Vorbild des Himmelstempels von Peking erbaute wurde

Für alle die immer noch nicht wissen, wo Chongqing ist  Chongqing ist genau in dieser Aushöhlung, die durch tägliches Drauftatschen der Besucher des Museum entstanden ist

Für alle die immer noch nicht wissen, wo Chongqing ist Chongqing ist genau in dieser Aushöhlung, die durch tägliches Drauftatschen der Besucher des Museum entstanden ist

Im April kam noch unglücklicher Weise einen Fahrradunfall mit blauem Auge, Narbe im Gesicht und verstauchter Hand dazu. Aber ich seh schon wieder ganz manierlich aus.
Heute ist Sonntag, der 16. Mai und ich war gestern mit Candy verabredet um in Beibei shoppen zu gehen. Sie schlug mir gestern vor uns um halb neun morgens zu treffen, was ich dann aber erst einmal verneint habe. Samstags morgens halb neun ist allgemein ein Zeitpunkt in Beibei, um sich zu treffen, mir sagt das aber eher weniger zu, weil ich ja nun mal auch gerne mal länger schlafen möchte. Wir haben uns dann auf halb 12 geeinigt.
Als ich um halb 12 am Treffpunkt ankam, wurde mir dann erst mal mitgeteilt, dass wir nicht in Beibei shoppen gehen sondern nach Chongqing fahren, nach Shapingba. Ich hoffte nur, dass das nicht einer der Orte ist, an denen ich die letzten Wochen schon so oft für kurze Zeit war. Dort angekommen konnte ich sagen: Ich was dort bisher noch nicht.
Wikipedia sagt mir gerade: Shapingba ist einer der dichtesten bewohnten Bereiche in Chongqing, mit einer Population von ca. 1 Millionen. Ein Stadtteil von Chongqing entspricht also der Einwohnerzahl von Köln. Ich hab die Menschen nicht gezählt, aber Shapingba ist in erster Linie ein Ort zum Einkaufen und drum herum gibt es schon unzählige Hochhäuser in denen man evtl. 1 Millionen Menschen erwarten könnte. Bisher bin ich immer davon ausgegangen, dass Jiefangbei der Shopping-Bereich in Chongqing ist. Jiefangbei hat auch eine Fußgängerzone und sieht eigentlich auf den ersten Blick genauso aus wie Shapingba.

Wir haben erst mal das gemacht, was man in China generell macht, wenn man irgendwo ankommt: Wir sind essen gegangen. In so einer Art chinesischem Pizza Hut gab es all you can eat. Danach sind wir dann ziellos durch die Shopping male gerannt. Da ist nämlich das, was Chinesen unter Shoppen verstehen: nix kaufen, nur kucken! Ich hab schon manchmal wehmütig hinter den Geschäften hergeschaut, in denen es Klamotten gab so ganz ohne Pailetten, Teddybären, etc... Da ich schlecht viel Geld für Kleidung ausgeben kann (ich wäre schon gerne in den Mango-Laden gegangen...) wenn ich mit Studenten unterwegs bin, habe ich alle Orte fein säuberlich fotografiert, um sie beim nächsten Mal wieder zu finden, wenn ich alleine dort hinfahren werde. In einer kleinen chinesischen Shopping Male wollten mich zwei Chinesinen zu Haar-Extensions überreden für umgerechnet 50 Euro. Auch wenn ich schon immer mal in meinem Leben schöne, lange und voller Haare haben wollte, hab ich das mal schön gelassen. Die Fixierungsmethode sah mir nicht so professionell aus und ich hätte mir die Haare später wieder rausschneiden lassen müssen. Außerdem lasse ich meine Haare ja eh gerade wieder wachsen.
Ansonsten: Ich bin im Moment nicht mehr chinesisch genug für das chinesische Leben und ich mag nicht mehr genügsam sein! Das liegt an vielen kleinen Dingen, wie z.B die sprachliche Barierre, die es unmöglich macht, ein tiefergehendes Gespräch zu führen. Ich freue mich immer, wenn ich zu irgendwas eingeladen werde, aber oft ist das auch anstrengend und der nebelverhangene Himmel trägt nicht zu einem Stimmungshoch bei. Das führt dazu, dass ich im Moment etwas lustlos bin und meine Freizeit damit verbringe, mir ganz viele Filme anzuschauen und mich durch youtube zu klicken. Trotz allem gibt es natürlich auch immer wieder diese kleinen Momente, über die ich mich freue. Im Moment freue ich mich jedes Wochenende ganz doll über meine riesige Bettdecke, die einfach auch dazu beiträgt, dass ich nicht aufstehen will Und gerade freu ich mich noch mehr auf meine Spaghetti Bolognese, die ich mir gekocht habe.

Viele Grüße aus Beibei-Chongqing, Chinaaaaaaaaaaaaaaaa

© Katrin Link, 2009
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Sooooo... am 29. März 2009 geht das Abenteuer los. Ich nehme mit 29 anderen Leuten aus ganz Europa am Science und Technology Fellowship Programm EU-China teil. Ab nach China und das für zwei Jahre. Die ersten sechs Monate werde ich in Peking sein um mit den anderen Chinesisch zu lernen und anschließend 18 Monate in Chongqing, um dort zu arbeiten.... Ich wünsch Euch viel Spaß beim Lesen.
Details:
Aufbruch: 29.03.2009
Dauer: 25 Monate
Heimkehr: April 2011
Reiseziele: China
Der Autor
 
Katrin Link berichtet seit 15 Jahren auf umdiewelt.
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