Norwegen – Lofoten 2010: Erfüllung eines Traumes

Reisezeit: Juni / Juli 2010  |  von Marion S.

2.Tag – Fahrt nach Digermulen

Fahrt nach Digermulen über Harstad (145 km)

Nach einem guten Frühstück in dem fast leer wirkenden Hotel fahren wir bei trüben Wetter wieder nach Harstad. Da Samstag ist und wir nicht wissen ob es in Digermulen einen Laden gibt wollen wir noch einkaufen. Außerdem wollen wir uns durch den kleinen Umweg über den Gullesfjord (Fähre Revsnes-Flesnes) von diesem Teil von Hinnøya ein Bild machen. Eingekauft ist kurz vor Harstad ausreichend und gut, im Städtchen in einem interessanten Cafe am Hafen noch einen Latte Macciato getrunken und dann leider erfolglos den Zugang zum Aussichtsberg auf Harstad gesucht.
So fahren wir auf der Rv 83 Richtung Revsnes. Das Wetter klart auf, es entfaltet sich ein angenehmer Sommertag mit fast 18°C. Die Strecke bietet herrliche Blicke auf Fjorde und Berge und die Insel Kvæøya, zu der gerade eine Strassenanbindung gebaut wird. Wir trödeln etwas herum und verpassen so die Fähre in Revsnes. Da Samstag ist wird die Mittagspause heute sogar etwas länger als in der Woche. Also fahren wir noch ein ganzes Stück am Austerfjord entlang um dann an einer Bank direkt am Wasser im herrlichsten Sonnenschein unser Mittagspicknick zu nehmen. Dieser eher ruhige Teil der Insel Hinnøya ist durchaus eine Reise wert. Durch diesen ungeplanten Aufenthalt mit Blick in die malerische Landschaft stellt sich das Urlaubsgefühl so richtig ein.
Nach zwei Stunden geht die Fähre, wir setzen über und fahren auf einer etwas holprigen Strasse in Kolonne bis zum Abzweig nach Sortland. Die meisten Autos biegen rechts ab, wir müssen jedoch weiter nach Süden zur 2007 fertiggestellten Lofast-Strasse (E10). Zunächst steigt die gut ausgebaute Strasse in einem langen Gebirgstal langsam an um dann durch 4 Tunnel und über Brücken die knapp 30 km bis zum Raftsund eine eindrückliche Landschaft zu präsentieren.
Da die Sonne herrliche Lichteffekte schafft und überall Haltebuchten zum Stop einladen, kommen wir nur langsam voran. Viele Wohnmobile stehen an schönen Plätzen, die Bewohner genießen davor die Aussicht und ihren Kaffee. Gleich nach einem Tunnel ist der Abzweig nach Digermulen.

Blick von der Lofast-Strasse Richtung Ytterfjord

Blick von der Lofast-Strasse Richtung Ytterfjord

Abzweig nach Digermulen

Abzweig nach Digermulen

Wir fahren aber erst einmal über die Raftsundbrücke und dann gleich wieder zurück, um den weiten Blick in den Fjord zu genießen. Noch 20 km am Raftsund entlang mit sprachlos machenden Landschaftseindrücken ob des Wassers und der schneebedeckten Berghänge gleich dahinter, und wir sind in Digermulen. Wo ist unser Ferienhaus? Zunächst halten wir am Fähranleger nach Store Molla. Ein kleiner Laden, der allerdings heute schon geschlossen ist, und ein Cafe mit frischem Kuchenduft beruhigen unsere Versorgungsängste. Ein Haus etwas 150 m hinter dem Fähranleger sieht aus wie die Abbildungen unseres Ferienhauses, aber da steht ein Auto davor und Leute wuseln herum. So fahren wir erst einmal durch den langgestreckten Ort bis zum Abzweig nach Årstein. Wieder zurück und sich doch dem besagten Haus genähert. Ja, es sind die Besitzer, die für die nächsten Gäste (wir sind das tatsächlich) das Haus noch reinigen. Wir verständigen uns auf englisch über einige Besonderheiten (nicht Waschmaschine und Geschirrspüler gleichzeitig anstellen) und nehmen dann unser einwöchiges Domizil in Besitz.
Warum Digermulen? Weil wir Ruhe abseits der Touristenrouten gesucht haben und einem Tipp von Geir aus dem Norwegen-Forum gefolgt sind. Außerdem ist dieses Haus eine Perle: aus dem Wohnzimmerfenster hat man bei klarem Wetter Panoramablick die 20 km hinauf bis zur Raftsundbrücke. Wie bestellt kommt gegen 16:30 Uhr das südgehende Hurtigrutenschiff und verschwindet im Trollfjord um nach ca. 25 min wieder aufzutauchen und fast vor unserem Fenster vorbei zu fahren. Direkt vor dem Haus ist eine kleine Bucht wo wir Ebbe und Flut eindrücklich beobachten können und etwas weiter gut sichtbar der Fähranleger und der Laden. Gegenüber unseres Hauseinganges majestätisch der Keiservarden und auf der anderen Hausseite der Friedhof mit seinen etwas hin- und herkippenden Grabsteinen und der Blick auf die Felswände des Trolltindan und der Store Molle. Das Haus selbst ist etwas älter, einfach, sehr persönlich, hier und da mit speziellen Eigenheiten, aber insgesamt praktisch und zweckmäßig. Highlight ist das Panoramafenster mit zwei bequemen Sesseln und Fernglas in Reichweite. Diesen Platz sollten wir noch genießen lernen.
Nach dem Einrichten und dem Begrüßungsabendessen (sind bei uns immer Nudeln) wollen wir im abendlichen Sonnenschein noch einen Trip auf eine kleine Anhöhe mit Leuchttürmchen machen. Es erneuert sich die schon bekannte Norwegenerfahrung: da es keine Wege gibt über Stock und Stein durch unwegsames Gelände mit Feuchtbiotopen und mehr Umwegen als einer Zielerreichung. Nach zwei Stunden sind wir zurück und nach der Beobachtung des nordgehenden Hurtigrutenschiffes kurz vor Mitternacht schlafen wir trotz Helligkeit zufrieden ein.

Blick aus dem Panoramafenster unseres Ferienhauses in Digermulen

Blick aus dem Panoramafenster unseres Ferienhauses in Digermulen

© Marion S., 2013
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Die Reise
 
Worum geht's?:
3 Wochen mit einem Mietwagen auf den Lofoten unterwegs. (11.06.2010 - 02.07.2010)
Details:
Aufbruch: 11.06.2010
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 02.07.2010
Reiseziele: Norwegen
Der Autor
 
Marion S. berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.