Eine Münchnerin in Kairo

Reisezeit: August 2007 - Februar 2008  |  von Isabel Rabe

Tanzende Männer

Heute gibt es mal wieder etwas zu erzählen. Ich hab mir schon Sorgen gemacht, wann ich das nächste Mal etwas Spannendes erzählen kann. Aber Bingo! Es hat sich spontan etwas ergeben.
Katja hat mich heute Abend noch gefragt, ob ich mit ihr und einigen Lehrern, mit denen sie z.Zt. eine Fortbildung macht, mit zu den Derwischtänzen gehen möchte. Und natürlich wollte ich!!
Erst sind wir noch über den Markt geschlendert, dann haben wir uns auf den Weg zum Veranstaltungsgebäude gemacht. Es lag in unmittelbarer Nähe zum Khan el Khalili. Eigentlich wollten wir ja allem Deutschen entfliehen, vor dem Eingang hat uns die Heimat sofort wieder eingeholt. Zuerst war noch relativ wenig los, doch mit zunehmender Besucherdichte wurde schnell klar, dass die Europäer in der Überzahl sind. Unverkennbar am Herdentier- und Anstell-Drängel-Verhalten. Da die Tänze immer sehr gut besucht sind, mussten wir dann natürlich auch mitmachen, um einen Platz zu ergattern...4. Reihe - wir habens also noch nicht verlernt. Die Kulisse an sich wäre schon einen Besuch wert gewesen. Wir befanden uns in einem großen, halb überdachten Innenhof, ein architektonisches Zusammenspiel aus Holz und Stein, dass an orientalische Harembauten erinnerte. Hohe Mauern, holzvergitterte Fenster und Erker, Säulen und gewölbeartige Zusatzräume. Der Innenhof (vor der Bühne ein trockengelegter Brunnen) war schnell gefüllt und schon bald begann das Spektakel. Auf dem Rundgang im 1. Stock formierten sich Musiker und ein Sänger, auf der Bühne fanden sich die in traditionelle Gewänder gekleideten Männer ein. Schon nach wenigen Trommel- bzw. Zimbelschlägen war das Publikum von dem Treiben auf der Bühne gefesselt und im Laufe des Abends sollte sich uns eine wirklich beeindruckende Vorstellung darbieten. In kürzester Zeit wurden die rhythmischen Trommelschläge zu stetigen, betörenden Klängen, die beschwörenden Tanzbewegungen der Derwische und der zu allem harmonisierende Gesang taten ihr Übriges...und die sich in Trance tanzenden Männer hypnotisierten das Publikum auf ihre ganz eigene Weise. Wir waren alle begeistert, und konnten gar nicht glauben, dass dieses eine Mal, an dem wir wirklich gerne etwas gegeben hätten, keiner von uns Geld oder ein Bakschisch verlangte. Der Tänzer, der sich wirklich mindestens eine halbe Stunde lang ohne Unterbrechung gedreht hat, hätte auf alle Fälle eine Entlohnung verdient...und wir konnten ihnen ja unter den Rock schauen Der heutige Abend zählt eindeutig zu meiner Reihe "Unvergessliche Momente in Kairo". Nach den Tänzen haben wir auch noch eine Runde auf dem Khan gedreht...und ja, ich hab wieder was gekauft Weil alles so schön war, musste ich mich gleich noch hinsetzen und vom heutigen Abend berichten... also tippe ich hier fleißig und esse nebenbei ne Banane und die Kekse, die ich heute frisch aus der Bäckerei ums Eck geholt habe. Jamjam. Es geht doch nix über einen guten Keks, und ich kann mich noch über die kleinen, aber so wichtigen Dinge im Leben freuen.

ordentliche Mucke

ordentliche Mucke

Heb das Röckchen!

Heb das Röckchen!

Achja, alle, die mit dem Begriff Derwische nicht so vertraut sind, möchte ich an dieser Stelle noch an unser allzeit beliebtes, jedoch wissenschaftlich-universitär verpöntes Onlinelexikon Wikipedia verweisen. Da werdet ihr geholfen!

© Isabel Rabe, 2007
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Die Reise
 
Worum geht's?:
..oder der Aufbruch zu einem 5-monatigen Praktikum an einer deutschen Schule in der Hauptstadt Ägyptens. Ich werde so oft wie möglich versuchen von meinem Leben, meiner Arbeit und dem "Kulturschock" Kairo zu berichten.
Details:
Aufbruch: 31.08.2007
Dauer: 5 Monate
Heimkehr: 02.02.2008
Reiseziele: Ägypten
Der Autor
 
Isabel Rabe berichtet seit 17 Jahren auf umdiewelt.