Zwei Bayern auf Reisen

Reisezeit: Mai - Dezember 2009  |  von Georg Holl

Australien 1.Teil: Melbourne

04.07. - 14.07.

Melbourne war eine großartige Zeit.
Und gleich voraus, ja, ich habe meinen Reisepass nach 3 Tagen wieder zurückbekommen, sehr viel Glück gehabt. Die Frau am Busschalter hat mir mitgeteilt, dass das eigentlich nicht so oft vorkommt, dass verlorene Pässe wieder auftauchen. Ich habe auch ernsthafte Sorgen bekommen, als ich im Hostel Warnschilder gelesen habe, dass Backpacker sich in Acht nehmen sollten, weil es zurzeit einige Diebe speziell auf Reisepässe abgesehen haben.
Melbourne ist mit über drei Millionen Einwohnern nach Sydney die zweitgrößte Stadt Australiens, und laut einer vor kurzem veröffentlichten Statistik leben dort die meisten unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen der Welt. Das spiegelt sich auch in der Stadt an den Gebäuden wieder. Es scheint so, als ob Melbourne aus unterschiedlichsten, verschiedensten Bausteinen besteht, die miteinander eigentlich nicht viel zu tun haben, aber trotzdem im Gesamten sehr interessant zusammen wirken. Jeder Block ist in gewisser Hinsicht wieder anders und spannend.
Die Stadt an sich ist eine große, übergeordnete Rasterstadt, die durch den Yarra-River geteilt wird. Das Zentrum der Stadt, in der das pure Leben herrscht und in dem sich die Hochhäuser befinden, ist aus dem Raster etwas herausgedreht, daraus ergeben sich an den "Schnittstellen" der Raster interessante Plätze, wie zum Beispiel den Queen Victoria Market.

Mein Hostel für die nächsten 10 Nächte lag direkt im Zentrum, an der bekannten "Flinters-Station" am Federation Square. Der Federation Square ist eine Kombination aus Platz und Gebäuden, welcher das Zentrum mit dem durch die Flinters Station abgeschnittenen Fluss (Yarra River) verbinden soll. Zwar sind die vor nicht einmal 10 Jahren geschaffenen Gebäude Ansichtssache in Bezug auf Architektur, doch erfüllt der Federation Square vollkommen seine Aufgabe: Es tummelt sich dort das Leben, es gibt dort Ausstellungen, Aufführungen, Platz zum Treffen und Verweilen, und sehr gut für meine Zeit in Melbourne: freies W-LAN, dadurch freier Internetzugang, heißt freie Telefonate nach Deutschland!

Ich war ganz froh, einmal für längere Zeit an einem Ort zu bleiben, wieder ein bissl erholen vom "Reisestress" (In der Früh das Gepäck zusammenpacken, abreisen, dies und jenes anschauen, weiter mit dem Bus, Übernachtungsmöglichkeit für diesen Abend suchen, Zimmer beziehen, informieren über den Ort, ach ja essen muss man ja auch noch (nicht schon wieder McDonalds) usw.). Leider nahm diese Auszeit mein Körper ein wenig zu ernst und ich lag erst einmal 1 ½ Tage krank im Bett. Die darauf folgenden Tage ging es dann zu den Docklands, quer durch die Stadt, zum Olympiagelände, in die "National Galerie of Victoria" (kleiner Tipp: nicht wie ich am Dienstag in Australien ins Museum gehen, weil dort fast alle Ausstellung geschlossen haben), Botanischen Garten, usw. Sehr zu empfehlen ist eine Fahrt auf den neuen "Eureka-Tower", welcher im 88. Geschoss die höchstgelegenste Aussichtsplattform der südlichen Erdhalbkugel besitzt und von dort sich ein grandioser Ausblick über Melbourne bietet. Ein sehr erschreckendes Erlebnis hatte ich im Ortsteil St. Kilda, bei dessen Pier zum Sonnenuntergang sehr viele Blau-Pinguine (die kleinsten Pinguine der Welt) vom offenen Meer zurückkommen, um zwischen den Felsen in ihr Nest zu gelangen: Über Schilder wird darauf hingewiesen, dass man ohne Blitz fotografieren soll, sich leise verhalten soll, nur auf dem Weg bleiben soll, usw. Doch die Leute hüpfen zwischen den Felsen umher, stellen sich den Pinguinen in den Weg, welche dann verwirrt umdrehen, und man sieht überall Blitze aufleuchten. Nach einiger Zeit waren die Blitze nicht gut genug und es begannen die Leute mit Taschenlampen die Pinguine zu blenden, und das schlimme daran war für mich, dass diese Leute ausschließlich aus Asien und Deutschland kamen! In solchen Fällen ist man nicht stolz Deutscher zu sein. Erschreckenderweise musste ich in den letzten Wochen feststellen, dass negativ auffallende Leute und Kinder, die mir aufgefallen sind zu 90% aus Deutschland kommen: traurig, aber wahr! Und es stellte sich heraus, dass ich nicht der einzige sein sollte, dem das aufgefallen ist.

Was man unbedingt auch machen sollte, wenn man in Melbourne ist, sich ein Rugby-Spiel nach Aussie-Rules im MCG-Stadion für 10 Euro anzuschauen. In das Stadion würden 110.000 Leute hinein passen, doch zum Spiel, das ich besucht habe, kamen nur 15.888 Personen. Leider viel zu wenig für dieses Stadion, und deshalb kam auch sehr selten Stimmung auf, obwohl das Spiel hin und her ging und sehr eng bis zum Spielende war. Es endete 101 zu 90, doch gibt es für jedes Tor 6 Punkte und für knappe Fehlversuche 1 Punkt.
Sehr kurios war, dass kurz vor den 3 Pausen hunderte Möwen ins Stadion geflogen kamen und sich das Spielfeld mit den Spielern geteilt hat, ein irrer Anblick!
Und absolut kurios ist, dass sich auf dem Spielfeld nicht nur die Spieler und 8 Schiedsrichter befinden, sondern auch einige "Wasserträger". Wenn sich das Spiel auf eine Seite verlagert, rennen unter dem laufendem Spiel auf der anderen Seite Leute hinein, damit die Spieler trinken können. Teilweise sehr unübersichtlich, wer nun Spieler, Schiedsrichter oder doch nur Wasserträger ist, und dazwischen sitzen und fliegen die Möwen. Hatte manchmal etwas wie auf einem Rummelplatz.

Doch das absolute Highlight in Melbourne war für mich das Leben im Hostel mit den unterschiedlichsten Menschen- und Kulturgruppen, und das Leben miteinander, dass man schon als eine große Familie bezeichnen konnte.
Zum Hostel ging es mit einem Aufzug in den 3. Stock, in der sich die Rezeption und die Gemeinschaftsräume befanden. In den weiteren 8 Geschossen darüber waren die Zimmer.
Über die letzten 3 Monate hat sich um Piet eine große, internationale Gruppe gebildet; Leute aus Japan, Südkorea, Dänemark, Neuseeland, Türkei, Italien, Niederlande, Italien, England, Norddeutschland, Kolumbien, Nepal. Und ich hatte das Glück, dass ich als Piets Freund automatisch in die Gruppe integriert wurde, dadurch hat sich auch mein Englisch in den 11 Tagen von "absolut miserabel" auf "miserabel" verbessert.

Gleich am ersten Abend, als der Niederländer (hab jetzt endlich die "Unterschiede" zwischen Holland, Niederlande und Benelux-Staaten" erfahren!) am Abend für einige Leute dort gekocht hat, hätte ich stundenlang dem Treiben in der Küche zuschauen können und es war faszinierend zu sehen, wie allein die Küche als Kontaktbörse und Kulturaustausch dient: Es ist selbstverständlich, dass man umherschaut, über die unterschiedlichen Essen staunt, spricht, probiert, Vorschläge gibt, versucht zu helfen, usw. Über den "deutschen" Reis staunen die Italiener und Türken, die Asiaten dagegen schmunzeln über diesen und die Art und Weise, wie er gemacht wird. Dagegen schütteln die anderen wiederum den Kopf, wie man ausschließlich mit Stäbchen kochen kann, und für Chefkoch Onur aus der Türkei ist die Gabel ein Zeichen der Zivilisation! Ein nettes, buntes, internationales Treiben. Meine Zimmerkollegen aus Irland waren auch sehr "interessant" auf ihre Art: In den 10 Nächten kamen die 2 Jungs immer zwischen 4.00 - 6.00 Uhr in der Früh heim und standen vor 18.00 Uhr am Abend nie auf: die sahen in den 10 Tagen nicht einmal Melbourne bei Tageslicht, unglaublich.
Die letzten Tage standen dann ganz im Zeichen Reiseplanung, Einkaufen für das kalte Tasmanien und Abschiedsessen. Es war für viele ein Anliegen, für Piets Abschied noch einmal speziell zu kochen: Samstagabend gab es Sushi, und ich habe noch nie so viel Sushiplatten auf einmal gesehen, und noch nie so hervorragendes Sushi gegessen. Auch gab es dann Russisch-Roulette auf Japanisch: 4 Sushi-Stücke waren übrig, eins sollte mit Wasabi präpariert werden: die letzten 4 mussten und dann ein Stück nehmen: und der Revolver war voll. Alle Stücke wurden präpariert!
Nächsten Tag gab's dann schnell noch einen Türkischen Snack zu Mittag, bevor am Abend die Koreaner die Küche übernahmen und ein wunderbares Abendessen zubereiteten. Einmalig! Italienisch gab es dann am letzten Abend in Melbourne, bevor es dann zusammen mit einem Norweger nächsten Tag mit der Fähre nach Tasmanien ging.

Federation Square

Federation Square

Yarra River mit Eureka Tower

Yarra River mit Eureka Tower

Sicht vom Eureka Tower

Sicht vom Eureka Tower

Skyline Melbourne

Skyline Melbourne

Sicht aus dem War-Memorial

Sicht aus dem War-Memorial

Albert-Park

Albert-Park

Melbounre von St. Kilda

Melbounre von St. Kilda

Japanisches Abschiedsessen

Japanisches Abschiedsessen

Essensregal im Hostel

Essensregal im Hostel

MCG-Stadion

MCG-Stadion

Mitten im Spiel

Mitten im Spiel

Koreanisches Abschiedsessen

Koreanisches Abschiedsessen

Goodbye Melbourne

Goodbye Melbourne

© Georg Holl, 2009
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Vom entspannten Liebesurlaub zur abenteuerlichen Männerreise in 2 Akten mit kurzem Zwischenspiel (Solo): 1. Akt: Schorsch und Claudi auf den Fiji-Inseln und in Neuseeland. Zwischenspiel: Schorsch von Cairns nach Melbourne 2. Akt: Schorsch und Piet über Australien und Indonesien quer durch Süd-Ost-Asien (Malaysien, Thailand, Kambodscha, Laos, Vietnam, China, Tibet, Bhutan, Nepal, Indien).
Details:
Aufbruch: 10.05.2009
Dauer: 7 Monate
Heimkehr: Dezember 2009
Reiseziele: Fidschi
Neuseeland
Australien
Singapur
Malaysia
Thailand
Laos
Der Autor
 
Georg Holl berichtet seit 15 Jahren auf umdiewelt.