Zwei Bayern auf Reisen

Reisezeit: Mai - Dezember 2009  |  von Georg Holl

Thailand: 4 Tage mitm Roller in den Nordosten Thailands

20.10. - 23.10.

So, bin zurück von meinem 4-Tages-Ausflug, und als Erstes muss man dazu sagen: Ich hab's überlebt. Echt wahnsinn, aber super, einer meiner absoluten Highlights in verschiedenster Weise auf meiner Reise bisher.
Zunächst war ich doch sehr verwundert, weil ich anscheinend bisher der Erste war, der in "Ayutthaya" für mehr als einen Tag einen Roller mietete. Obwohl der Ort eigentlich perfekt dazu ist: Außerhalb von Bangkok, wo man eh Keinem trauen kann und unmöglich ist, ohne Unfall aus der Stadt zu kommen und dennoch in einem Ort, wo es Verleihe gibt und man direkt in den touristisch wenig erschlossenen Nordosten Thailands kommt. 99 % aller Thailandbesucher sind im kulturellen Nordwesten, bei der Hauptstadt in der Mitte und bei den Stränden im Süden unterwegs. Der Nordosten interessiert anscheinend keinen, außer ein paar Leute, die mit dem Bus durchreisen, um bei der Hauptstadt von Laos die Grenze zu überqueren. Aber anscheinend gibt's nicht viel Leute (was echt sehr, sehr schade ist), die den eher noch zurückgebliebenen und armen Teil Thailands besuchen.
Die ersten beiden Verleihe fielen beinahe aus allen Wolken, als sie erfuhren, dass ich ein Gefährt für mehrere Tage will und weiter als 50km außerhalb der Ortschaft fahren will. Beim dritten Verleih hatte ich dann Glück, ich bekam einen Hondaroller, 100ccm für umgerechnete 6 Euro pro Tag! Ein Schnäppchen, wenn man es mit Deutschland vergleicht. Die Verleiherin war von meiner Idee gleich so angetan, dass sie alle möglichen Leute in der Umgebung zurief und denen begeistert erzählte, was ich vorhabe. Mit einigen Daumen nach oben und Winken von wildfremden Menschen ging dann meine Reise los.

Und schon die ersten Meter durch die Stadt sind schon ein reines Abenteuer: Man muss so fahren, wie es sich jeder 16-Jährige wünscht: wie ein kleiner Straßenraudi! Links, rechts an den Autos vorbei, den schneiden, da riskant zwischendurch, usw. Anders hat man keine Chance, man bleibt auf der Strecke. Alle Benimmregeln, die man noch beim Führerschein gelernt hat, müssen schnellstmöglich vergessen werden, weil sonst wird es wirklich gefährlich. Man muss genau so fahren wie auch die Einheimischen, denn auf das sind die Verkehrsteilnehmer dort eingestellt. Jedes Bremsen für einen anderen kann fatale Folgen haben, weil mit dem spekulieren die nicht! Aber das Beste in einer Stadt sind für die Mopedfahrer dann die roten Ampeln! Die Autos bleiben einige Meter vor der Haltelinie stehen, damit alle Moped- und Rollerfahrer vorne einscheren können. Es wird richtig um die beste Ausgangsposition gekämpft (bei langen Rotphasen sind dann schon locker mehr als 50 Rollerfahrer versammelt) und bei grün gibt es dann einen reinen Massenstart. Ein Traum, das macht Spaß! Herrlich!
Um sicher zu gehen, dass alles mit dem Roller (Vertrag gab es ja keinen) in Ordnung ist, bin dann noch kurz absichtlich in eine Polizeikontrolle hinein gefahren. Nur kam mir dann während der Kontrolle der Gedanke, dass es vielleicht doch nicht so die beste Idee sei, da ich eigentlich gar keinen Führerschein für diesen 100ccm-Klasse habe. Aber Führerschein interessiert hier eh keinen, Hauptsache man fällt nicht um und kann sich auf dem Gefährt halten. Alles Bestens mit dem Gefährt, und somit geht's weiter, hinaus auf den Highway, und der hat es in sich! Ich nahm mir vor, den ersten Tag ausschließlich auf dem Highway zu fahren und Kilometer zu reisen, damit dann die anderen drei Tage gemütlich über kleine Schleifen auf dem Landweg zurückfahren kann.

Der Highway besteht in der Regel aus 2-3 Schnellspuren, einer langsamen Spur und einem Standstreifen. Die Schnellspuren sind der Alptraum eines jeden Rollerfahrers... Ich hab mich einmal dorthin "verirrt", und hatte selten zuvor soviel Angst um mein Leben! Ohne Witz! Dort ist es wie in einem 2-Frontenkrieg, von allen Seiten herrscht Gefahr. Und man kommt nicht mehr heraus. Und wenn man dann hinter einem noch ein kurzes Gehupe hört, dann treibt es einem sofort den Angstschweiß auf die Stirn, weil im nächsten Moment einer von hinten kommt, und derjenige einen warnen will, dass er nun ein etwas riskanteres Überholen oder Spurwechsel vor sich hat.
Die langsame Spur ist überhaupt nicht befahrbar: Auf der Spur fahren fast ausschließlich Lastwägen, das wäre noch gar nicht so schlimm. Aber die Spur ist vollkommen kaputt, da sind Spurrillen drinnen, die teilweise über 5 cm tief sind, und Löcher, in denen kann man sich verstecken! Ich hab noch nie so riesige, tiefe Schlaglöcher gesehen.
Also bleibt nur noch der Standstreifen übrig, auf der fast alle Mopeds und Roller unterwegs sind. Aber auf dieser Spur geht es zu wie in einer Fußgängerzone, der wird für alles genutzt.
Um ein paar Beispiele zu nennen:
a) Fahrzeuge halten dort einfach an, um bei einem der unzähligen Stände an der Autobahn einzukaufen
b) langsamere Lastwägen scheren bei Steigungen auf diese Spur aus, wenn ihre Geschwindigkeit unter 20 km/h fällt, um nicht die langsame Spur zu blockieren
c) man nimmt die Spur auch her, um die Lastwägen auf der falschen Seite zu überholen, weil ansonsten müsste man ja die langsame, kaputte Spur queren um dann auf die mörderische Schnellspur zu kommen.

d) Aber nicht genug, die Spur wird auch benutzt um abzubiegen und um zu beschleunigen,
e) dann kommen auf der Spur minütlich "Geisterfahrer" entgegen, die in entgegengesetzter Richtung fahren,
f) dann steht wieder eine Person auf der Spur, welche gerade auf seine Kühe aufpasst, damit diese nicht auf die Straße laufen, weil diese gerade am Straßenrand grasen,
g) herumstreunende Hunde sind eh überall
h) und dann liegen teilweise riesige Schutthaufen dort herum.
Aber trotz alledem die beste und sicherste Spur, aber deshalb liegt die absolute Höchstgeschwindigkeit dort nur circa bei 80 km/h, meine Durchschnittsgeschwindigkeit lag irgendwo bei 60-70 km/h.
Aber schon ein tolles Erlebnis!
Und um einen herum die tollsten Landschaften, man könnte alle paar Meter stehenbleiben und fotografieren, aber dann herrscht wieder Gefahr von hinten.
Nach stundenlanger Fahrt auf den Highway kam ich erst abends dort an, wo ich eigentlich zur Mittagspause sein wollte, in "Phimai". Aber keine Chance, schneller und weiter zu fahren, also war mein ganzer Plan und Ziele wieder hinüber.
Von "Phimai" und dessen wichtige historischen Städte war dann ein wenig enttäuscht, dagegen von den Leuten dort sehr angetan. Obwohl "Phimai" wegen seiner Ruine ein wenig touristisch veranlagt ist, war ich der einzige "Tourist" an diesem Tag in der Stadt, und anscheinend auch seit langem wieder der Erste, der selbstständig und alleine hier her kam. Schon ein eigenartiges Gefühl, aber alle Menschen brutal nett und zuvorkommend, obwohl nur die wenigsten einige Wortfetzen Englisch konnten.
Nächsten Tag ging es dann weiter Richtung Nordwesten, dieses Mal nicht auf dem Highway, sondern auf Landstraßen. Und durch noch schlechtere Straßenverhältnisse und vielen Tieren auf der Straße, die sich einen Dreck darum scheren, dass ein Fahrzeug kommt, sank dann meine Durchschnittsgeschwindigkeit auf unter 50 km/h. Und waren bisher jedenfalls noch einige Straßenschilder auch auf Englisch geschrieben, setzte es nun vollkommen aus. Kein Anhaltspunkt mehr, nichts. Und natürlich hatte ich auch keine Straßenkarte. Also per Zufall mal links abgebogen, dann wieder rechts, dann mal wieder nach der Sonne orientiert; so ging es dann für ein paar Stunden durch die Gegend. Mit meinem ausgesuchten Ziel, die Ortschaft "Caiyaphum", welches jedenfalls im "Lonely Planet" erwähnt wird und ich dadurch wusste, dass es dort drei Schlafmöglichkeiten geben würde, hatte ich dann eh schon abgeschlossen. Aber die stundenlange Irrfahrt war sehr, sehr toll... Man kann's nicht beschreiben. Man meint, man ist in einigen Jahrzehnten zurück versetzt, mit einfachsten Mitteln arbeiten die Menschen in den Reisfeldern, leben in den Dörfern, usw.! Aber man sieht dennoch, den Leuten fehlt es an nichts (wenn man von unserem hohem Standard absieht). Geld spielt anscheinend keine allzu große Rolle, da wird eher noch untereinander mit Waren getauscht. Vor jedem Haus sind kleine Holzstände (Holzboden und Schilfdach), wo dann teilweise Personen sitzen, um deren Anbaugut oder andere Waren zu verkaufen oder zu tauschen. Die einen haben dort ihre Reissäcke, andere Obst und Gemüse, wiederum andere Früchte und Pflanzen, die ich noch nie zuvor sah. Und die, welche anscheinend nichts anbauen, bieten Getränke an. Die Leute fahren also vorbei, halten kurz an einem Stand an, tauschen oder kaufen und fahren weiter. Supermarkt oder Geldautomat gibt es nirgends dort in den ländlichen Gebieten.

Als mir dann nach einigen Stunden langsam mulmig wurde, ob ich überhaupt noch einmal hier herausfinde, kam ich dann an eine Kreuzung und konnte meinen Augen nicht trauen: Ein Schild mit englischer Schrift, und darauf stand "Chaiyaphum 45km"! Selten zuvor ein Schild so herbeigesehnt.
In "Chaiyaphum" ging es dann in ein "zünftiges" Hotel, pompöse Eingangshalle, Zimmer im 5. Stock, Blick über die Stadt, freies Internet, ... für 4 Euro! Und mit einem Chinesen der einzige Gast!
Hab mir sagen lassen, dass in den 1960s auf einen Schlag extrem viele Chinesen in diese Gegend kamen um dort zu reisen und Urlaub zu machen, deshalb entstanden innerhalb kürzester Zeit extrem viele und große Hotelkomplexe. Doch so schnell die Chinesen kamen, so schnell waren die auch wieder weg. Aber die Hotelkomplexe sind noch da, mein Zimmer zwar nicht mehr so sauber und im besten Zustand, aber was jucken einen schon drei Geckos an der Wand nach einigen Wochen in Asien? Dafür gab es Klopapier, welch Luxus!
Der Ort war dann noch mehr überrascht, dass sich dort ein Tourist mit westlichem Gesicht hinein verirrt hat, das kommt anscheinend alle paar Jahre nur vor.
Auch wenn es den Anschein hat, dass die Leute nicht viel Privates besitzen, so findet man doch in jedem Eck, in jedem Laden und sogar in jedem Straßenverkaufsstand einen Fernseher, und alle laufen. Und es scheint eine bestimmte Serie zu geben, die über den ganzen Tag läuft (jedenfalls sind es immer die gleichen Schauspieler), welche jeder anschaut. Und wenn dann bei diesem "Verbotenen Liebe" - Verschnitt eine "Clarissa von Anstetten" (oder wie auch immer die heißt/hieß) eine von ihren gemeinen Intrigen schmiedet, dann kann es schon sein, dass man 10 Minuten aufs Wechselgeld warten muss und die Straßen plötzlich leer sind, da sich alle Personen um die ganzen Fernseher versammeln. Egal ob jung oder alt, männlich oder weiblich!

Ich checkte dort gleich für zwei Nächte ein, um einen ganzen Tag nur in dieser Gegend umherzufahren, und das war toll. Mit Zufall entdeckte ich dann die "Stonehenge of Thailand", die wirklich über ein Schild dort so genannt werden. Doch wenn man die bewusst sucht, kann man die nicht finden, keine Chance! Außer man kann die thailändische Schrift lesen, dann vielleicht. Aber eine super tolle Landschaft, auf einem Hügel stehen Felsen herum, die teilweise mehr als 15 Meter hoch sind, echt phänomenal. Selten so eine beeindruckende Gegend gesehen, und absolut menschenleer!
Nächsten Tag ging es dann über die Stadt "Lopburi" zurück. Wieder hindurch durch Dörfer, und keinen richtigen Plan, in welcher Richtung ich unterwegs bin. Da wurde mir dann meine kleine Blauäugigkeit beinahe zum Verhängnis: Der Geldbeutel war leer (was hilft mir eine EC- oder Kreditkarte ohne Bank) und die Benzinnadel näherte sich immer schneller dem Anschlag. Einerseits ein etwas komisches Gefühl nicht flüssig unterwegs zu sein, aber andererseits wäre es genau in dieser Gegend überhaupt kein Problem gewesen. Ich gdenke, Hilfe hätte ich dort ohne Probleme sofort bekommen. Etwas erleichtert, aber auch ein wenig enttäuscht, kam dann mit dem letzten Cent im Geldbeutel und dem letzten Tropfen Benzin in "Lopburi" an, wo dann beides wieder auffüllen konnte. "Lopburi" ist bekannt für die Ruinenstätte, in welchen nun Affen leben und von denen behaust werden. Doch wer sich vorstellt, dass der Ort eher eine Geisterstadt ist, mit unzähligen Ruinen zwischen großen Bäumen, zwischen denen dann ein paar Affen idyllisch umher laufen, wird wie ich bitter enttäuscht. In Wirklichkeit ist der Ort "Lopburi" eine riesige Stadt in der knapp 100.000 Leute leben, und dann gibt es mitten im Ort an einer 4-spurigen Straße gerade einmal 2-3 Ruinen. Und dort wimmelt es von Affen, welche von noch größeren Affen mit Fotokameras (Menschen) gefüttert werden. Wie auf dem Marienplatz, nur sind dort Affen anstatt Tauben. Einige Affen sind so fett, die können sich gar nicht mehr bewegen. Ich war richtig froh, dass eh keine Zeit hatte, und flüchtete dann nach 10 Minuten aus diesem Ort!

Nach über 1.000km (und gerade einmal 10 Euro Benzinkosten!!!) auf dem Roller war dann mein 4-Tagesausflug leider schon zu Ende. Habe ernsthaft mir überlegt, den Roller der netten Frau abzukaufen (für 300 bis 400 Euro hätte ich den sicher bekommen), aber es hätte leider nur an den Grenzen und für meinen Plan, den Mekong hinunter zu reißen, Probleme gegeben.
Aber ich kann nur jedem wärmstens empfehlen, in Thailand nicht nur mit Zug oder Bus von einem Ort zum anderen zu reisen, sondern speziell mit einem Roller in den Nordosten Thailands zu fahren. Erfahrungen und Bilder (bei mir hauptsächlich nur im Kopf), die man nur auf dieser Weise machen kann. Ich habe nun mein Fortbewegungsmittel für den Rest meiner Reise gefunden: Mit Bus, Bahn oder Boot die langen Strecken, und dann mit dem Roller ins Hinterland! Aber nun muss es schleunigst in den Norden gehen, da meine Aufenthaltsgenehmigung für Thailand am 28.10. abläuft. Auch ein wenig kurios: Wenn man mit dem Flugzeug einreist, erhält man direkt eine Aufenthaltsgenehmigung (kein Visa) für 30 Tage, doch wenn man über Land einreist, nur über 15 Tagen. Das soll einer verstehen. Aber man darf so oft man will ausreisen und dann wieder einreisen, und bekommt immer wieder eine neue Aufenthaltsgenehmigung von 15 Tagen.

"Meine Fahrbahn", die Standspur

"Meine Fahrbahn", die Standspur

Phimai

Phimai

Mal wieder vom Regen überrascht, aber es gibt ja zum Glück dauernd diese Verkaufsstände, die als perfekte Unterstände herhalten

Mal wieder vom Regen überrascht, aber es gibt ja zum Glück dauernd diese Verkaufsstände, die als perfekte Unterstände herhalten

"Stonehenge of Thailand"

"Stonehenge of Thailand"

kleines Dorf irgendwo

kleines Dorf irgendwo

so weit das Auge reicht...

so weit das Auge reicht...

... idylle pur

... idylle pur

Lopburi, die Stadt der Affen

Lopburi, die Stadt der Affen

Oh yes, volltanken bitte!

Oh yes, volltanken bitte!

© Georg Holl, 2009
Du bist hier : Startseite Asien Thailand 4 Tage mitm Roller in den Nordosten Thailands
Die Reise
 
Worum geht's?:
Vom entspannten Liebesurlaub zur abenteuerlichen Männerreise in 2 Akten mit kurzem Zwischenspiel (Solo): 1. Akt: Schorsch und Claudi auf den Fiji-Inseln und in Neuseeland. Zwischenspiel: Schorsch von Cairns nach Melbourne 2. Akt: Schorsch und Piet über Australien und Indonesien quer durch Süd-Ost-Asien (Malaysien, Thailand, Kambodscha, Laos, Vietnam, China, Tibet, Bhutan, Nepal, Indien).
Details:
Aufbruch: 10.05.2009
Dauer: 7 Monate
Heimkehr: Dezember 2009
Reiseziele: Fidschi
Neuseeland
Australien
Singapur
Malaysia
Thailand
Laos
Der Autor
 
Georg Holl berichtet seit 15 Jahren auf umdiewelt.