Bis nach Südamerika und noch viel weiter.... :-)

Reisezeit: Juni 2011 - Juni 2013  |  von Matthias Juranitsch

Ecuador (Teil 2): Otavalo & Cotacachi

3.8. bis 6.8.2011

Hallo liebe Mitreisenden

An dieser Stelle wiedermal ein ganz herzliches Dankeschön für die lieben Rückmeldungen den Blog betreffend,... werde mich auch in Zukunft bemühen mit tollen Fotos und Erlebnissen aufwarten zu können...

Als also mein Abenteuer Galapagos zu Ende war, landete ich wiederum für drei Tage, einige Canelazos und einige Stunden mit Nate im Club "The Attic" in Quito. Wir ließen es zum Abschluss nochmal so richtig krachen, denn Nate verließ in diesen Tagen Quito in Richtung Argentinien um dort zu arbeiten. Langsam leerte sich somit die Casa Vida Verde in der ich ein Monat verbracht hatte, denn alle zogen weiter oder mussten nach Hause. Am letzten Tag saß ich dann alleine beim Frühstück,...alle weg ......also packte auch ich meine sieben Sachen und begab mich nach Otavalo. Rosa war so nett und brachte mich zur Busstation im Norden von Quito und los gings.... (Ähhm,...aja,....Sorry Rosa,....ich schulde dir ja immer noch die Parkplatzgebühr )

Cotacachi (das Dorf)

Cotacachi (das Dorf)

Otavallo und die Strecke dorthin kannte ich ja schon ein wenig von meinem ersten Wochenende in Ecuador - Fotos und Ausführungen bleiben daher an dieser Stelle aus.

Nach einigen Stunden erreichte ich Otavalo, nahm aber gleich den nächsten Bus in Richtung des mehr als verschlafenen Nests Cotacachi. Der Lonely Planet Guide verweist an dieser Stelle auf ein Sprichwort aus dieser Gegend "Prison in Otavalo is thousand times better than being let loose in Cotacachi".......Hmm, jetzt fragt sich der eine oder andere vielleicht "Na und warum fährst du dann dort hin?"

Streets of Cotacachi

Streets of Cotacachi

...und eine Kirche haben die dort natürlich auch,.....mit Jesusstatue am Kirchturm

...und eine Kirche haben die dort natürlich auch,.....mit Jesusstatue am Kirchturm

Cotacchi ist nicht nur der Name des Dorfs sondern auch der Name des dahinterliegenden 4.935 m hohen Vulkans.

"Na geh bitte!,.....der Typ will uns wohl verscheissern! Ein Vulkan? Hat der Idiot seine Lektion vom Cotopaxi-Massaker nicht gelernt?",...........he, Moment mal,.....ich hab nicht gesagt das ich auf diesen Vulkan rauf will,...lasst mich doch erst mal ausreden. VOR dem Vulkan Cotacachi nämlich liegt die Laguna Cuicocha,....und wegen der bin ich hier,.....nix Vulkanbesteigen und sterben,....nur einen kleinen See besuchen,...zufrieden?

Rechts hinten,....der Vulkan Cotacachi

Rechts hinten,....der Vulkan Cotacachi

Cuicocha ist ein Kratersee und eine Caldera (was so viel wie kesselförmige Struktur vulkanischen Ursprungs bedeutet).....bissl unverständlicher wird es dann schon wenn man Wikipedia dazu befragt:"Die Caldera entstand durch eine massive phreatische Eruption vor zirka 3100 Jahren, die einen pyroklastischen Fluss von etwa fünf Kubikkilometern Material erzeugte und die umliegende Gegend bis zu 20 cm tief mit vulkanischer Asche bedeckte.".......ich versteh kein Wort! phreatisch???,....pyrokla...was???...........naja, Fakt ist jedenfalls (und nur soviel ist wichtig),.... Cuicocha ist ein Kratersee mit 3 km Durchmesser, man kann drum rum wandern und die Gegend ist wunderschön!

Der Name Cuicocha kommt übrigens aus der Kichwa Sprache und setzt sich aus den Wörtern Cuy (für Meerschweinchen,....hab ich übrigens mittlerweile gegessen,....schmeckt wie ein fettes Hühnchen ) und Cocha (was so viel wie See heißt) zusammen. .....also Meerschweinchensee. In der Mitte des Sees befinden sich nämlich zwei kleine Inseln die angeblich wie zwei Meerschweinchen aussehen sollen,.....meines Erachtens benötigt man dazu allerdings viel Fantasie, jede Menge Alkohol oder andere bewusstseinserweiternden Substanzen um in diesen Felsbrocken Meerschweinchen zu sehen (wiederum eher was für den Double-Rainbow-Mann auf Youtube: "Wow,...a double-guinea-pig,...what does that mean?" .....für alle die den jetzt noch immer nicht kennen: Please press here!).

Cuicocha mit seinen zwei Meerschweincheninseln :-p

Cuicocha mit seinen zwei Meerschweincheninseln :-p

In Cotacachi wählte ich das bisschen außerhalb liegende Hostal "Quinta la Posada" in dem ich meinen eigenen kleinen Bungalow mit grünem Vorgarten bekam,....gemütlicher und sauberer Innenraum,......jedoch im Bad - "Ohh, mein Gott,...der Duschkopf des Vergessens,....nicht schon wieder!"..... zu meiner Freude bekam ich hier jedoch keine Stromschläge,...allerdings auch nicht allzuviel warmes Wasser

Am nächsten Morgen machte ich mich auf den Weg zur Laguna Cuicocha (mit dem Bus ins nahegelegene Quiroga - Taxi um 5 Dollar bis zum Parkeingang - Ticket um 2 Dollar gelößt - los geht's). Den ganzen Tag verbrachte ich damit den See oben am Kraterrand zu Umrunden. Die Landschaft war wunderschön und so genoss ich es nach den Tagen am Meer doch wieder in bergiger Landschaft rumzuwandern. Plötzlich roch ich etwas,.....ein bekannter Duft schoss in meine Nase,......Erinnerungen an ein fernes Land,.....als ich um eine Kurve komme sehe ich ein kleines Waldstück mit Nadelbäume ?!? (ob Fichte oder Tanne kann ich jetzt nicht sagen),.....was ich roch war der in unseren Breiten so typische Waldgeruch,....Nadelbäume gibts hier eigentlich garnicht,.......genauer gesagt waren es die ersten Nadelbäume seit rund 2 Monaten. Die Vegetation beschränkt sich hier in diesen Höhen lediglich auf braungrüne Büsche,.....

Meerschweinchensee

Meerschweinchensee

Jetzt denkt ihr euch vielleicht "Jetzt spinnt er endgültig,....wow, Nadelbäume - wie spannend!" Dieser typische Waldgeruch weckte aber sofort Erinnerungen an zu Hause in mir,....ein bisschen Heimweh nach den grünen, saftigen Wäldern in Österreich zwischen all den eher trockenen braungrünen Andenhügeln. Die Anden sind fantastisch - riesig groß, weitläufig, beeindruckend - aber eben nicht mit unserer grünen Landschaft zu vergleichen, eher eine Vegetation wie im Karstgebiet am Balkan oder in Griechenland.

Zufrieden und im Waldgeruch versinkend nahm ich mein Buch, setzte mich in den kleinen Wald und genoss das "Fleckchen Heimat"

Am Nachmittag wurde ich nach erfolgreicher Umrundung der Laguna von meinem in der Früh in Quiroga (kleine Stadt in der Nähe von Cotacachi) angeheuerten Taxifahrer abgeholt. Auch hier zeigte sich wiederum der praktizierte Wahnsinn mit dem die Leute hier ijre Autos fahren. Mein Taxler hatte nämlich seinen zweijährigen Enkel dabei, der während wir mit Karacho bergab über die enge Schotterstraße rasten unangeschnallt auf Opas Schoß saß oder mal eben am Beifahrersitz stand (?!?). Die Leute hier halten offensichtlich alle nicht so viel von Airbag, Anschnallen, Sicherheit im Straßenverkehr,....Überleben, oder ähnlichen Dingen

...mal kurz meine Füße am Nadelbaum-Waldrand ausgeruht

...mal kurz meine Füße am Nadelbaum-Waldrand ausgeruht

Am nächsten Morgen ging's dann auch schon zurück nach Otavalo. Da ich den Samstagsmarkt aber schon kannte, erkundigte ich den Rest des Ortes.

Vormittags besuchte ich eine Ecuadorianerin die im "Mercado 24 de Mayo" einen Essenstand betreibt. Die nette Ecuadorianerin hatte ich zwei Tage zuvor bei meiner Fahrt nach Cotacachi im Bus kennengelernt und am Vortag bei meiner Rückfahrt nach meiner Cuicocha-Umrundung erneut im Bus angetroffen. Nachdem wir beide Busfahrten viel geplaudert hatten nahm sie mich am Vortag in Cotacachi kurzerhand mit zum Abschlussfest der kirchlichen Sommerschule für Kinder. Als ich dort in einer Art Lagerhalle ankam war ich umzingelt von zig Kindern die mich "Gringo" mit neugierigen Augen betrachteten. Der Dorfpfarrer drückte mir gleich mal Empanadas und einen alkoholfreien Canelazo in die Hand. Danach plauderte ich in meinem spärlichen Spanisch mit den Einheimischen. Der Dame die mich eingeladen hatte versprach ich am nächsten Tag bei ihr im Markt in Otavalo auf ein Mittagessen vorbeizukommen.

links: Abschlussfest - mitte: wie bekommt man 80 Kinder in einen Viehtransporter - rechts: Mutter & Tochter

links: Abschlussfest - mitte: wie bekommt man 80 Kinder in einen Viehtransporter - rechts: Mutter & Tochter

Bei diesem Mittagessen stellte sie mir tags darauf auch gleich mal mit einem Schwiegermutterlächeln ihre Tochter vor und fragte mich ein bissl aus....

Die Gegend von Otavalo ist erz religiös und so wurde mir bei meinen Plauderei beim Kinderfest und beim Mittagessen im Mercado von den Anwesenden immer folgende drei Fragen gestellt:
1. Wie heißt du?
2. Woher kommst du?
3. Bist du katholisch?

Bei der ersten Person unternahm ich noch den Versuch zu erklären, dass das mit der Kirche in Europa nicht so tolle und wichtig sei wie eben in Südamerika,....viele Skandale in den vergangenen Jahren das Vertrauen in die Kirche vermindert haben,....ich zwar auf eine bestimmte Weise gläubig sei, mich aber mit der Organisation Kirche nicht identifizieren könne......usw. ........ offene Münder! Verständnisloses Kopfschütteln! Unterdrückte Empörung!........"Holt Holz,....der Kätzer gehört verbrannt! Hexer! Teert und Federt ihn und jagt ihn aus dem Dorf!" .......ok, ganz so arg war es nicht,... bei allen anderen 147 mal die mir in diesen 3 Tagen die oben genannten drei Fragen gestellt wurden änderte ich um Ärger zu vermeiden meine Taktik und antwortete in weiterer Folge stets :
1. Matthias!
2. Austria!
3. Si, estoy catolico y creo en dios mucho!

Trotz all dieser Fragerei war ich schwerst begeistert von all der Gastfreundschaft die ich hier erfuhr. Zurück in Quito scherzten wir dann dennoch, das nächste Mal gleich volles Risiko zu spielen und auf die Glaubensfrage mit verzerrtem Gesicht und grollender Heavy-Metal-Musikstimme "Nein, ich bin überzeugter Satanist" zu antworten ......

in the streets of Otavalo

in the streets of Otavalo

Am Nachmittag nahm ich dann spontan den Bus zum nahegelegenen Lago San Pedro am Fuße des Imbabura. Dort angekommen entschloss ich mich einen Bootsausflug mitzumachen. Am Landungssteg stand auch ein Schild "$2 /persona".
"Hey, das hört sich ja richtig billig an...."
Ein französisches Pärchen fand dieses Angebot auch verlockend und so saßen wir einige Minuten später zu dritt im Boot und fuhren raus auf den See. Der nette Kapitän unseres Vergnügungsdampfers grinste uns unentwegt zu (was wir auch (noch) nicht eigenartig fanden).

Der Ausflug war landschaftlich gesehen sehr schön,....vom See aus den hoch aufragenden Vulkan Imbabura vor Augen zu haben war wirklich beeindruckend.

OK!.....Frage: Wem ist bis hierher der von mir (uns) begangene Idiotenfehler aufgefallen! Der Ich-bin-ein-dummer-Tourist Fehler! Ein Fehler den man nur einmal macht! ???? Irgendeine Idee?

Imbabura Vulkan

Imbabura Vulkan

...und nochmal mit weniger Farbe

...und nochmal mit weniger Farbe

Genau!!!
Verlasse dich NIE auf das was auf irgendeiner mickrigen Tafel steht! Frage IMMER nach!

Als wir Richtung Steg zurückfuhren, stellte Dumm-grinsender-Kapitän-Nemo den Motor ab und forderte uns auf zu zahlen. Also drückten wir ihm jeder 2 Dollar in die Hand und bedankten uns für die tolle Fahrt,.......Ok, sagte er - 6 Dollar,....fehlen noch 14!.........????..........Wie jetzt 14? ........Der Preis von 2 Dollar pro Person hätte nur dann gegolten, wenn das Boot auch voll gewesen wäre,....ansonsten kostet das Boot 20 Dollar. Naja,...wir hätten eben fragen sollen! Auf eine Diskussion ließ sich der alte Pirat gar nicht erst ein,....er hatte ja schließlich auch den Schlüssel für den Motor! ...und so hatten wir nur zwei Möglichkeiten: Meuterei auf der Bounty - also Kapiän über Bord werfen, oder zähneknirschend 20 Dollar zu bezahlen!

.....und so warfen wir den dreckigen Betrüger über Bord, und fuhren alleine zurück an Land.....

...grins nicht so blöd,...Halsabschneider!

...grins nicht so blöd,...Halsabschneider!

Nein, natürlich nicht,....wir zahlten und ärgerten uns!

Später am Nachmittag fuhr ich mit den Studenten der Sprachschule die an diesem Tag Otavalo von der Schule aus besuchten zurück nach Quito - für meinen allerletzten Tag! Abends ging es wiederum nach "La Ronda",....welches wir jedoch schnell wieder verließen,.....erneute Prohibition! Da am nahegelegenen Plaza de Santa Domingo irgendein Musikfestival stattfand empfanden die Stadtpolitiker dieses Ereignis für wichtig genug wieder einmal ein Alkoholverbot auszurufen (zu unserem Glück nur in der Gegend dieses Platzes und so gings Richtung Mariscal).

Imbabura vom See aus

Imbabura vom See aus

Nach einer lustigen Nacht im,...ja genau,..."The Attic" wurde ich in aller Früh aufgeweckt. Rosa war so nett und ließ mich für diese Nacht in ihrem Haus übernachten und bot auch an mich erneut zur Busstation zu bringen. Ursprünglich wollte ich mich Richtung Süden halten,....meine ständigen Pläne nervten mich jedoch dermaßen und so beschloss ich, nachdem Mitstudentin Steffi am nächsten Morgen Richtung Jungel aufbrach, kurzerhand meinen Plan über Bord zu werfen und ebenfalls den Bus nach Tena am Rande des Jungels zu nehmen. Ich hatte vor eine Woche bei einer indigenen Community im Jungel zu verbringen und danach das zu machen für das die Gegend um Tena bekannt ist: White Water Raften!,....dazu aber nächstes mal.

Euer Matthias

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Ab Juni 2011 geht es einmal um die Welt,...so ist zumindest der Plan,…wie lange es tatsächlich dauert und wo es dann überall hingeht wird sich noch zeigen... Dieser Blog ist für alle, die wissen wollen wo auf der Welt ich mich gerade rumtreibe und was ich dort so erlebe. Das erste Jahr in Südamerika ist leider schon vorüber,...aber im Herbst geht's sofern alles klappt weiter in Richtung Asien und Ozeanien ,-) Freu mich natürlich über Nachrichten im Guestbook. Viel Spass beim „Mitreisen“!
Details:
Aufbruch: 15.06.2011
Dauer: 24 Monate
Heimkehr: Juni 2013
Reiseziele: Ecuador
Cotopaxi
Peru
Bolivien
Chile
Argentinien
Paraguay
Uruguay
Brasilien
Österreich
Der Autor
 
Matthias Juranitsch berichtet seit 10 Jahren auf umdiewelt.
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