Bis nach Südamerika und noch viel weiter.... :-)

Reisezeit: Juni 2011 - Juni 2013  |  von Matthias Juranitsch

Peru:: Trujillo

10.9.2011

Hola amigos?

Nach meinem Umweg ins Andenhochland erreichte ich also schließlich doch Trujillo. Für die Besichtigung der örtlichen Sehenswürdigkeiten blieb mir nur ein Tag, da ich spätestens am 24sten September in Lima sein musste (mein Zug nach Huancayo ging an diesem Tag) und ich plante zuvor in Huaraz an einem mehrtägigen Trek in den Cordilleras Blancas teilzunehmen. Ein Tag!......ausreichend!

Ich stieg in aller früh aus dem Nachtbus von Cajamarca kommend aus,.....und stand in der Wüste! In Peru ist so gut wie der gesamte Küstenstreifen eine sehr trockene Angelegenheit. Schon in Mancora sah ich nur Sand und braunen Fels und das sollte sich hier in Trujillo nicht ändern. Durch diese Trockenheit finden sich hier allerdings auch zwei außerordentliche Sehenswürdigkeiten. Huacas de la Luna y del Sol (Die Tempel des Mondes und der Sonne) und der Palast von Chan-Chan.

Kathedrale von Trujillo

Kathedrale von Trujillo

Eigentlich wollte ich ja keine Tour mitmachen, ließ mich aber von einem Tourveranstalter am Plaza de Armas anquatschen und zu einer Tour überreden,....im Nachhinein glaub ich eine gute Entscheidung, denn alles selbst mit dem Taxi an nur einem Tag zu unternehmen artet eher in Stress aus. Auf der Fahrt lernte ich dann auch noch Patrizio aus Arequipa kennen,....und so konnte ich an diesem Tag mein Spanisch etwas üben.

Der Tempel des Mondes - Huaca de la Luna

Der Tempel des Mondes - Huaca de la Luna

Der Tempel der Sonne - Huaca del Sol

Der Tempel der Sonne - Huaca del Sol

Unser erster Stop waren die Tempel des Mondes und der Sonne - Huacas de la Luna y del Sol. Diese von der Mochekultur aus Adobe (wir erinnern uns: Gatsch und Stroh) erbauten Tempelanlagen sind sehr beeindruckend. Besichtigen kann man von den beiden allerdings nur den Huaca de la Luna,....also den Mondtempel und dabei handelt es sich eigentlich um rund 5 Tempel die übereinander gebaut wurden,....denn offensichtlich wollte jeder Herrscher das zuvor Dagewesene übertreffen und baute auf den bestehenden Tempel eine weitere (den alten Teil umschließende) Etage. Doch nicht nur die noch immer existierenden Adobeziegel sind das was diesen Tempel so einzigartig macht,....die Wände weisen eine Vielzahl von bemalten Ornamenten auf, darunter auch Darstellungen des verehrten Gottes (mit großen Augen und noch größerem Mund und gekräuseltem Haar,....kein fescher Kerl), einer Art kulturellem Kalender und der gesellschaftlichen Hierarchie.

....bäähh! is der schiach!

....bäähh! is der schiach!

...uralte Wandbemahlungen - von unten nach oben die Gesellschaftshierarchie

...uralte Wandbemahlungen - von unten nach oben die Gesellschaftshierarchie

Spaßig an diesem Ausflug waren insgesamt drei (!) Mädchenschulklassen. Die jungen Chicas schlichen schüchtern um mich herum,...kicherten,....tuschelten in Gruppen. Schließlich kam dann doch deren Professor zu mir und fragte mich ob es mir was ausmachen würde mit den Mädchen ein "Gringo"foto zu machen. Klar, warum nicht! Also machten wir ein Foto. ...und noch eines,....und eines mit jedem Mädchen alleine,.....davon nun aber aufgeweckt und jede Schüchternheit über Bord werfend wollte jedes Mädchen aller drei Schulklassen, alleine und mit den besten Freundinnen ein Foto mit dem Gringo haben,....kichernd, und aufgeregt,...also mutierte ich zum Fotomodell

Was soll ich euch sagen,.....so ein Leben als Sexsymbol ist nicht leicht ...man hat das Gefühl die Mädchen mögen einen nur weil man ein gutaussehender Gringo ist....sie schauen nicht auf deine inneren Werte Man fühlt sich,...hmmm,....so aufs Äußere reduziert

Später im Bus sinnierte ich darüber vielleicht an der Fernsehschow "Perus Next Top"Gringo"modell" teilzunehmen,....aber ich glaube ich könnte es nicht ertragen wenn eine Lateinamerikanische Heidi Klum (Conzuela Clumenita,...oder so) schließlich sagen würde "Matthias?! Gringo?! Lo Siento, pero hoy no tengo una fotografia para ti !!!"

Also beendete ich meine Top"Gringo"modell-Karriere noch bevor sie richtig losging,......es ist besser so,......

...und noch mehr Tempel...

...und noch mehr Tempel...

Danach ging's zum Drachentempel,....nichts anderes als ein riesiger Lehmhaufen,.....nicht mehr,...nicht weniger! Archäologen mögen darin etwas ganz Besonderes sehen,....für mich war es eher unspannend,....man steht auf einem Haufen Adobeziegeln und....hmmm,....?,....und,......???,......nein,...kein "und",....nichts mehr,...man steht einfach nur auf einem Haufen Adobeziegeln!

Adobeziegelhaufen......der Drachentempel,....wie unspannend!

Adobeziegelhaufen......der Drachentempel,....wie unspannend!

Wesentlich beeindruckender waren da schon die Palastruinen von Chan-Chan.

Chan-Chan war die Hauptstadt der Prä-Inka-Kultur Chimu und soll angeblich zur damaligen Zeit (900 bis 1470 n.C.) die größte Stadt in Südamerika und eine der größten der Welt gewesen sein,....rund 60.000 bis 100.000 Menschen sollen hier gelebt haben (die Quellen sind sich da jetzt nicht so ganz einig). Heute ist nicht mehr viel übrig...... Schmuckstück ist der letzte Chan-Chan Palast,....der Tschudi Palast,....diesen versuchen Archäologen zu erhalten und teilweise wiederherzustellen. 75% der Palastanlage sind original,....der Rest besteht aus wiederhergestellten Teilen. Die Chimukultur existierte so ca von 900 bis 1470 nach Christus (wobei man da unterschiedliche Angaben im Internet findet), danach wurden sie von den Inkas überrannt,.....die Inkas damals unter der Führung von Tupac Inca Yupanqui (ich erwähne den Inkakkönig hier eigentlich nur, weil ich's irgendwie lustig fand, dass die alten Inkas so coole Rappername hatten,... also so wie Tupac Amaru Shakur = 2Pac = amerikanischer Rapper in den 90ern )

Der große Platz im Palast von Chan Chan

Der große Platz im Palast von Chan Chan

....von Wächtern flankiert....

....von Wächtern flankiert....

Die Chimu bauten sich diese riesige Stadt Chan-Chan in der Nähe des heutigen Trujillo,....alles nur aus Adobeziegeln,....und jeder ihrer 10 Herrscher baute sich darüber hinaus einen eigenen Palast. So gibt es also (bzw. gab es, denn der Großteil ist zerstört) 10 Paläste in einer Ära von rund 570 Jahren,....je ein Palast alle 57 Jahre,...denn der Vater baute sich einen Palast und als der dann starb baute sich der Sohn einfach einen neuen Palast,....usw. .......sowas nenn ich mal Beschäftigungspolitik).

...in den Palastruinen von Chan Chan...

...in den Palastruinen von Chan Chan...

....eine Vielzahl von Ornamenten: Vögel, Wellen, Fische,....

....eine Vielzahl von Ornamenten: Vögel, Wellen, Fische,....

So zwischen der renovierten Palastruine umherzuwandern ist wirklich beeindruckend,....das Ding ist riesengroß. Man wandert über riesige Innenhöfe unterschiedlicher kultureller Bedeutung. Über lange Gänge, flankiert von meterhohen Adobemauern, erreicht man die unterschiedlichen Palasträumlichkeiten. Nur einige Teile des Palastes waren tatsächlich überdacht,....bei dieser Trockenheit war wohl kein Dach notwendig. Umgeben ist der Palast von einer rund 10 bis 12 Meter hohen Lehmmauer, in ihrer Gesamtlänge wohl mehrere Kilometer lang. Die Wände im Plastinneren weisen noch Originalornamente in Form von Wellen, Fischen, Vögeln und anderen Mustern auf. Viele dieser Ornamente wurden zur Vervollständigung des Gesamtbildes wiederhergestellt,.....im Urzustand muss der Palast sehr beeindruckend gewesen sein. Die Tour hat sich für mich jedenfalls gelohnt.

.....uralte Keramik mit der wohl ältesten erhaltenen Bemalung in diesem Palast,....es zeigt den Chan Chan König beim Wegwerfen eines Stück Pergaments,....das Zeichen symbolisiert die Verbundenheit mit der Natur dieser Kultur

.....uralte Keramik mit der wohl ältesten erhaltenen Bemalung in diesem Palast,....es zeigt den Chan Chan König beim Wegwerfen eines Stück Pergaments,....das Zeichen symbolisiert die Verbundenheit mit der Natur dieser Kultur

Nach Besichtigung des Tschudi Palasts ging's dann noch ans Meer ins nahegelegene Huanchaco. Berühmt ist dieser Ort wegen der noch immer von den ansässigen Fischern verwendeten Schilfboote,... den "Caballito de Totora" (=Schilfpferdchen). Diese 2003 vom Instituto Nacional de Cultura del Perú zum nationalen Kulturgut erklärten Schilfboote wurden schon vor tausenden von Jahren von diversen Prä-Inkakulturen in dieser Form gebaut und verwendet. Fischer rudern am vorderen Teil des Bootes kniend, eine Aussparung zwischen den Schilfrohren am Heck des Bootes dient als Stauraum für den Fischfang.

Caballitos de Totora - Schilfpferdchen

Caballitos de Totora - Schilfpferdchen

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der Weg nach Huanchaco....

der Weg nach Huanchaco....

Abends ging es dann zurück zum Busterminal. In der Warteschlange für den Nachtbus nach Huaraz stehend traf ich nach rund einem Monat und rund 800 Kilometer südlicher durch Zufall auf Steffi, der Mitstudentin aus Quito, mit der ich ein Monat zuvor den gleichen Bus Richtung Dschungel, Richtung Tena genommen hatte.....die Welt ist ja so klein! Diesem Zufallsphänomen begegnet man beim Reisen dieser Art übrigens öfters,....da die Backpacker irgendwie alle der gleichen oder zumindest einer sehr ähnlichen Route folgen, trifft man sich oft Monate und mehrere hundert Kilometer weiter wieder.....

Gegen 22 Uhr bestiegen wir den Bus Richtung Huaraz,...Richtung Andenhochland,....Richtung Cordilliera Blancas. Unser Ziel: Einen der vielen Treks in den Cordilleras mitzumachen - Treks die Nacional Geographic zu den schönsten der Welt zählt. Dazu aber nächstes Mal mehr.

Euer Matthias

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Ab Juni 2011 geht es einmal um die Welt,...so ist zumindest der Plan,…wie lange es tatsächlich dauert und wo es dann überall hingeht wird sich noch zeigen... Dieser Blog ist für alle, die wissen wollen wo auf der Welt ich mich gerade rumtreibe und was ich dort so erlebe. Das erste Jahr in Südamerika ist leider schon vorüber,...aber im Herbst geht's sofern alles klappt weiter in Richtung Asien und Ozeanien ,-) Freu mich natürlich über Nachrichten im Guestbook. Viel Spass beim „Mitreisen“!
Details:
Aufbruch: 15.06.2011
Dauer: 24 Monate
Heimkehr: Juni 2013
Reiseziele: Ecuador
Cotopaxi
Peru
Bolivien
Chile
Argentinien
Paraguay
Uruguay
Brasilien
Österreich
Der Autor
 
Matthias Juranitsch berichtet seit 10 Jahren auf umdiewelt.
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