Bis nach Südamerika und noch viel weiter.... :-)

Reisezeit: Juni 2011 - Juni 2013  |  von Matthias Juranitsch

Ecuador (Teil 2): Tena & Comunidad "Rio Blanco"

07.08. bis 15.08.2011

Hola amigos!

Am nächsten Tag kam ich nach rund 5 Stunden (die ich aufgrund meiner nächtlichen Aktivitäten am Vorabend einfach mal im Bus durchschlief ) in Tena am Rande des Dschungels an...... nach einem Monat "frieren" in Quito war die Hitze und die Luftfeuchtigkeit ein (angenehmer) Schlag ins Gesicht

Da Sonntag war, war die Stadt wie ausgestorben und so gab's an diesem Tag noch nicht allzuviel zu erleben. Ich bezog sogleich das von zwei Dänen am Vorabend beim Billardspielen im "The Attic" empfohlene Hostal "Briso del Rio". Das Hostal liegt an der Stelle wo Rio Tena und Rio Pano zusammenfließen, direkt am Ufer....bietet somit eine nette, chillige Aussicht. Am Ufer kann man in der Nachmittagssonne wunderbar bei einem Buch ausspannen ("Von was denn bitte ausspannen?,.... du tust doch sowieso den ganzen Tag nix?",......ok, "faulenzen" triffts wahrscheinlich besser) oder kurz mal im Fluss die Abkühlung suchen. Das Hostal selbst ist sauber und sehr gemütlich und der Besitzer Maximo unheimlich nett und hilfsbereit. Im Erdgeschoss des Hostals hat sich eine Schweizerin mit Ihrem Café eingemietet - Café Tortuga - wunderbar umfangreiches Frühstück (auch wenn man teilweise ewig aufs Frühstück warten muss,....die Kellner sind super nett aber halt typisch für dieses Land nicht mit Effizienz gesegnet ).

Rückblickend war Tena für mich eine der besten Orte in Ecuador,....noch nicht zu touristisch, warmes Klima, abends am gegenüberliegenden Flussufer Party, Sonne den ganzen Tag, mein täglicher Ausflug ins Cafe Tortuga zum Frühstück und zur Hamburgerbude an der Ecke zum Abendessen ,......so wurden aus geplanten 4-5 Tagen dann schließlich doch 8 Tage. Lonely Planet meint, Tena sei eine Stadt in der Reisende schon mal vergessen könnten wieder abzureisen - stimme ich vollinhaltlich zu!

....aber zurück zu den Geschehnissen! Leider hatte am Sonntag keiner der Tourveranstalter geöffnet und so verbrachte ich den restlichen Tag mehr oder weniger mit,....hmmm,....Nichts-Tun,...genau!

Rio Hollin nahe Tena

Rio Hollin nahe Tena

Ich Tarzan.....

Ich Tarzan.....

Am Montagmorgen ging ich dann jedoch nach einem Frühstück im 'Tortuga' schnell mal zur Agency Ricancie um meinen Dschungeltrip für die nächsten Tage zu buchen. Die Agency wurde irgendwann in den 70ern von den indigenen Comunidades im nahegelegenen Dschungelgebiet gegründet um deren wirtschaftliche Lage durch "Ökotourismus" zu verbessern - und das Konzept funktioniert. Angeboten werden mehrtägige Trips in den Dschungel bei denen man in den Comunidades wohnt und so sieht wie diese Leute so leben, ihr täglich Brot verdienen, am Feld arbeiten, Kunsthandwerk herstellen, usw.. Daneben lernt man ein wenig der kulturellen Gepflogenheiten der hier lebenden Leute näher kennen.

Bei diesem Ausflug in den Dschungel geht es weniger darum wilde Tiere zu Gesicht zu bekommen sondern vielmehr darum sich damit "zu konfrontieren" wie andere Menschen leben (müssen). Soviel kann ich schon mal verraten - als luxusverwöhnter Europäer führt das zwangsweise dazu die "Probleme" mit denen wir zu Hause konfrontiert sind bzw. die hektische, meist auf monetäre Belange ausgerichtete Lebensweise in Europa von Grund auf zu hinterfragen,.....die Perspektive verrückt sich ein wenig nach einer Woche Dschungel,....

Streets of Rio Blanco

Streets of Rio Blanco

links die Schule - rechts die Kirche

links die Schule - rechts die Kirche

Man darf sich das jetzt allerdings auch nicht so vorstellen, dass alle Einwohner halbnackt im Bastenröckchen herum hüpfen, Tag ein Tag aus Regentänze aufführen oder der Schamane jeden Morgen ein Lamm opfert um in dessen Eingeweiden den Ausgang der Ernte vorherzusagen . Die Leute hier tragen normale Kleidung, jene die in Tena studieren haben Handy und teilweise email und Facebook, den Tag verbringen die meisten mit der Arbeit in der Landwirtschaft, am späten Nachmittag spielen manche Volleyball am Dorfplatz, ihre landwirtschaftlichen und kunsthandwerklichen Produkte verkaufen sie in Tena an Händler oder direkt an Touristen......

Das Dorf selbst wirkt beim Betreten allerdings meilenweit entfernt von irgendwelchen Standards. Verstreut stehen einzelne einfach errichtete Holzbaracken mit Aussparungen für Fenster und mit Stroh oder Blech gedeckten Dächern. In den Hütten ein Lehmboden im Erdgeschoss bzw. bei Vorliegen eines Obergeschosses ein einfacher Bretterboden. Ein schwarzer Schlauch ragt aus der Wand und dient als Wasserquelle. Ein einfacher Holztisch und ein Gaskocher dienen neben verbeulten Blechtöpfen als Küche. In der ganzen Community gibt es keinen Strom und so dauert der Tag von 4 Uhr früh bis 7 Uhr am Abend,....denn in der Nacht ist es stockfinster,....und es wäre zu teuer die Nacht ständig mit Kerzen zu erhellen. Erst seit 2 Monaten ist das Dorf mittels Schotterstraße mit der Außenwelt verbunden,....davor bedeutete ein Ausflug ins nahegelegenen Tena eine ein- bis zweitägige Reise.

im Dorf,......Kaffee trocknet vor den Häusern am Dorfplatz,....das Gebäude auch zugleich der "Supermarkt" des Ortes

im Dorf,......Kaffee trocknet vor den Häusern am Dorfplatz,....das Gebäude auch zugleich der "Supermarkt" des Ortes

Küchen-Badezimmer-Bereich in einem anderen Haus

Küchen-Badezimmer-Bereich in einem anderen Haus

Unsere zwei Guides (Ramones und Henry, beide um die 18 Jahre) gehen in Tena zur Schule und wohnen in dieser Zeit auch in der "Stadt". Auf meine Frage was ihnen nun besser gefallen würde - die Einfachheit (aber eben auch die Armut) im Dschungel oder der Fortschritt und die Annehmlichkeiten der Stadt (Strom, Internet, Kino, Essen, Weggehen,...) meinten beide, ohne auch nur den Anflug eines Zweifels zuzulassen, der Dschungel - la comunidad! Das größte Problem als sie nach Tena gingen war für sie der Lärm und die ständige Helligkeit in der Nacht, der Verkehr, die Hektik auf den Straßen, der Verkehr, die Unruhe ,usw.........dazu sei noch kurz erwähnt, dass Tena nur ein Dorf mit 27.000 Einwohnern ist,......möchte gar nicht wissen wie schlecht es den beiden geht wenn man die in Manhatten Downtown aussetzt.

Kanufahrt nach Rio Blanco

Kanufahrt nach Rio Blanco

Dschungelpflanzen

Dschungelpflanzen

...wie ging's jetzt aber weiter? In der Agency traf ich am Montagmorgen auf Margot und Benjamin aus Frankreich die ebenfalls einen Trip in den Dschungel unternehmen wollten und so starteten wir rund eine halbe Stunde später zu dritt nach Rio Blanco. Um dort hinzukommen mussten wir zunächst mit dem Taxi 30 Minuten zum nahegelegenen Rio Napo fahren und auf ein Motorkanu umsteigen. 30 Minuten Kanufahrt später und wir waren im Dschungel. 2 Stunden Fußmarsch durch den Dschungel bergauf, bergab und wir kamen vor Schweiß und Luftfeuchtigkeit durchnässt in der Community an.

unser Unterkunftsbereich

unser Unterkunftsbereich

mein 5 Sterne Luxusapartement im Dschungel

mein 5 Sterne Luxusapartement im Dschungel

Die nächsten Tage unternahmen wir täglich mehrstündige Wanderungen durch den Dschungel und in die Community. Nachdem es hier ja keine Förster gibt ist man im Dschungel ständig von Leben und Tot, also neu Aufblühendem und Abgestorbenem umgeben,.....der Duft nach blühenden Pflanzen vermengt mit dem Modergeruch abgestobener Pflanzen,.....Natur,....unaufgeräumt wie beim Schamanen unterm Sofa . Unser Guide Ramones war übrigens der Sohn des Schamanen und wusste somit unheimlich viel über die Verwendung der einzelnen Pflanzen (medizinisch, rituell, handwerklich).

So aß ich eine Pflanze die wie ein Philodendron aussah aber wie Knoblauch schmeckte. Ich sah wildwachsenden Ingwer oder Lianen, welche 2 bis 3 Liter Wasser beinhalten (falls man mal am Verdursten ist). Stand zwischen den meterhohen Wurzeln 200 bis 400 Jahre alter riesiger Bäume deren Wurzeln handwerklich Verwendung finden oder in dem man auf sie draufschlägt zur Urwaldkommunikation dienen. Ich biss in eine Blatthülle hinein woraufhin jede Menge Ameisen herauskamen die ich dann auch gleich verspeiste - Zitronenameisen, sollen angeblich das Gehör für kurze Zeit verbessern und schmecken wie schon Ihr Name sagt nach Zitrone,....glaubt es oder glaubt es nicht - lecker! (hab auch schon überlegt einen Ameisen-Cuba-Libre zu mixen,....der Absatz wäre zu Hause aber wohl enden wollend ). Ramones ritzte einmal einen Baum an, die Flüssigkeit die daraufhin aus dem Baum austrat sah aus wie Blut,.....nicht nur bissl rotes Wasser,...nein, Blut wie als hätte man eine Sau am Baumstamm geschlachtet,.....mann nennt die Flüssigkeit auch "Sangre de Arbol",...also "Blut des Baumes",.....verreibt man die Flüssigkeit fängt sie zu schäumen an,...eine Art natürliche Seife, die von der Community auch verkauft wird. Wir sahen einen Laubfrosch in der Größe eines Fingernagels, Termitenbehausungen in Baumkronen, Honigbienen in hohlen Baumstämmen und noch jede Menge anderer Dinge.

...der Baum ist richtig alt!

...der Baum ist richtig alt!

der Fluss hinter dem Wohnbereich der Touristen

der Fluss hinter dem Wohnbereich der Touristen

Kinder im Fluss

Kinder im Fluss

Zur gleichen Zeit wie wir (also Margot, Benajmin und ich), war auch ein Gruppe Italiener in der Community. Eines war schnell klar,..."Dies'eh,..eh,...personas di Italia, si?,.....sind'eh nikt'eh geaignet'eh fur,....como si dice...ornitologo?....eh,...si,...Vogelbeobakter" Wie man nun mal unsere südlichen Nachbarn kennt,....lautstark herumfuchtelnd im Dschungel herumstapfend, bei jeder kleinen Ameise "MAMA MIA,...." schreiend, aber ständig den Guide fragend, warum denn da jetzt keine Tiere zu sehen seien???? "EHH! HENRY,...DIMMI! PERCHE NO VEDIAMO GLI ANIMALI???"

Kaffetrocknen vor'm Haus

Kaffetrocknen vor'm Haus

Getierse in der Community

Getierse in der Community

.....und am Abend sammeln die Kinder den getrockneten Kaffe ein und füllen ihn in 50 Litersäcke

.....und am Abend sammeln die Kinder den getrockneten Kaffe ein und füllen ihn in 50 Litersäcke

Am zweiten Tag standen wir alle um 5 Uhr zum rituellen Tagesbeginn auf. Da der Tag hier schon um 7 Uhr am Abend endet, beginnt er auch viel früher. Die Familien sitzen um ein Lagerfeuer zusammen und trinken eine Art Salbeitee, der Kraft für den Tag geben soll. Der rituelle Hintergrund ist das Vertreiben der Nacht, der bösen Geister, der bösen Tiere und das Begrüßen des Tages. Der Morgentee wird aber auch dazu verwendet den Tag zu planen. Ich blieb dann noch bis zum Frühstück mit unseren Guides und anderen aus der Community alleine am Lagerfeuer sitzen (die anderen gingen alle nochmal schlafen),...angenehme und interessante Morgenplauderei am Lagerfeuer. Nach dem Frühstück wanderten wir rund zwei Stunden durch den Urwald zu einem verborgenen Wasserfall mit mehreren Kaskaden. Zum Glück waren wir schon rund eine halbe Stunde vor den Italienern am Wasserfall und konnten so dessen Ruhe und Schönheit zumindest kurz genießen,....bis der Italoexpress in die Ruhe reindonnerte. Den Wasserfall konnte man glücklicherweise weiter hinaufklettern, was den Italienern zu umständlich war , und so genossen wir mehrere Stunden in natürlichen Pools schwimmend oder auf Felsen liegend den Urwaldklängen lauschend.

verborgener Urwaldwasserfall

verborgener Urwaldwasserfall

Am dritten Tag ging es dann zur Yucca und Bananenernte und zur Rekultivierung selbiger. Da zeigten sich auch die harten Arbeitsbedingungen mit denen diese Leute hier zu kämpfen haben - eine Stunde durch den teils schlammigen Urwald nur um mal zur Finca zu gelangen.

Yucca (ihr erinnert euch, die nach Kartoffel schmeckende Wurzel) ist eine einfach zu kultivierende Pflanze (auch wenn danach ständig um die Yuccapflanzen herum aufkeimendes Unkraut arbeitsintensiv ausgerupft werden muss) Man reißt den Strauch aus und gelangt so an die Wurzeln. Den restlichen Strauch zerhackt man in 20 cm Stücke, lässt dies einen Tag liegen und steckt diese Stücke einfach wieder in die Erde,.....fertig! 6 Monate später hat man einen neuen Yuccabaum,....also kein Umgraben, Pflügen, oä. Ähnlich funktioniert das mit dem Bananenbaum,...kleine aufkeimende Triebe werden weggehackt und an einer anderen Stelle eingepflanzt,....fertig! 6 Monate später - Bananenbaum. Das Anpflanzen ist also sehr leicht, die Pflege der Felder jedoch sehr aufwändig,....hier wächst ja alles so schnell,...eben auch Unkraut.

ein Mann sollte: einen Yuccabaum pflanzen und einen Bananenbaum sowieso

ein Mann sollte: einen Yuccabaum pflanzen und einen Bananenbaum sowieso

Mit den ausgerupften Yuccawurzeln gings dann in eine Hütte im Dorf zur Herstellung von "Chicha",....einem wie Sauermilch schmeckenden Getränk, dass hier alle Tag ein Tag aus trinken. Yucca wird gekocht, zu Püree zermantscht und einige Tage stehen gelassen zur Fermentierung (oder Alternativ spuckt die Hausfrau hinein! oder verwendet eine Art Karotte, alles zur Fermentierung). Das Ganze wird dann mit Wasser vermengt und getrunken,.....lecker! (in unser Chicha wurde nicht hineingespuckt,....sagte man uns zumindest )

Oben: in einem Haus in Rio Blanco - die Wäsche, die Küche
Unten links: Blick auf Rio Blanco Unten rechts: Zubereitung von Chicha in der Küche

Oben: in einem Haus in Rio Blanco - die Wäsche, die Küche
Unten links: Blick auf Rio Blanco Unten rechts: Zubereitung von Chicha in der Küche

Am Nachmittag sahen wir dann einigen Dorfbewohnern beim Volleyballspiel zu. Unser Guide fragte uns ob wir Fußballspielen wollen,....ich antwortete ich sei Österreicher und so beschlossen wir statt dessen ebenfalls Volleyball zu spielen,....genauer gesagt EcuVolley (3 mal 3 Spieler,....spielt in Ecuador jeder!) Offensichtlich hat sich die Qualität (oder eben das Fehlen selbiger) des österreichischen Fußballs bis in den Dschungel Ecuadors herumgesprochen

Let's play...

Let's play...

Am letzten Tag gingen wir dann noch im Fluss neben der Community Goldwaschen und fanden tatsächlich nach rund 2 Stunden waschen insgesamt rund ½ Gramm Gold....im Wert von rund 20 Dollar. Entlang des Flusses sieht man mehrere Familien mit motorisierten Wasserpumpen im Schlamm sitzen,....Tag ein Tag aus pumpen sie den Uferschlamm durch Siebe. Kinder (!!!) tauchen dazu unter Wasser um immer tiefer in den Uferschlamm vorzudringen. An einem Tag schaffen solche Pumpen teilweise bis zu 3 Gramm Gold,....von dem leben diese Familien dann,.....kein Gold?,....naja,....kein Einkommen! Diese Goldsuche ist einerseits menschlich betrachtet unhübsch anzusehen (Kinderarbeit, Abhängigkeit von "Uferschlamm"),.....und auch ökologisch ein Problem in dieser Region, da somit nach und nach Ufergebiete zerstört werden.

Am Nachmittag gings dann durch den Dschungel zurück zur Bootsanlegestelle und nach einer kurzen Fahrt am Motorkanu gönnten wir uns erschöpft ein Bier im erstbesten Restaurant.....

Goldwaschen,...rechts die Ausbeute von 2 Stunden,.....kaum zu erkennen,...ein halbes Gramm

Goldwaschen,...rechts die Ausbeute von 2 Stunden,.....kaum zu erkennen,...ein halbes Gramm

Ach ja,....am letzen Abend verpasste man uns allen als Communitybesucher eine Tätowierung als Andenken,.....au!, das hat weh getan! Wogegen ich mich meine gesamte Jugend gewährt hatte trat nun ein,...ein Oberarmtatoo mit der Bedeutung "Vergangenheit - Gegenwart - Zukunft und die Sonnenstrahlen für den Dschungel".

...tätowiert und gezeichnet von 4 Tagen....

...tätowiert und gezeichnet von 4 Tagen....

Ok,....es war kein echtes Tatoo! Die verwenden hier dafür eine farblose limonenähnliche Frucht, die nach einer Nacht auf der Haut pechschwarz wird und danach für 8 Tage anhält,.....mittlerweile bin ich also wieder de-tatooisiert!

Unterkunftsbereich

Unterkunftsbereich

Fazit: Der Dschungelaufenthalt war eine tolle Erfahrung, aber auch super anstrengend! Die ständige Schwitzerei, zu wenig Flüssigkeit, kleine Essensportionen, stundenlange Wanderungen,....all das nagt an der Substanz und so sahen wir als wir zurückkamen nicht unbedingt erholt aus (siehe Augenringe im Tatoofoto ).

Neben den landschaftlichen Eindrücken, den interessanten Ausführungen unseres Guides zu Pflanzen, Tieren, Tradition usw., dem Besuch des verborgenen Wasserfalls, den kulturellen Aspekten (handwerklich, traditionell, etc.) war für mich vor allem einprägsam, wie diese Menschen hier leben! Nicht bewerten wollend wer nun besser dran oder gar glücklicher ist, haben sich bei mir jedenfalls die persönlichen Perspektiven und Ansichten verschoben!

Streetlife in Rio Blanco

Streetlife in Rio Blanco

12.08. und 13.08.2011

Nach einem Tag ausruhen und Krafttanken im Hostal und am Ufer des gegenüberliegenden Flusses ging ich mit meinem neu eingetroffenen Zimmerkollegen Pau aus Barcelona in das nebenan liegende Office des Tourveranstalters "Aqua-Extreme". Beide wollten wir White-Water-Rafting ausprobieren,....in dieser Gegend angeblich ein tolles Abenteuer. Uns wurden von Miriam (im Office) dann auch gleich mehrere Touren auf Class III Flüssen angeboten,......Class II hörte sich aber irgendwie lahm,...eher nach Kindergeburtstag an,....sie meinte, möglich wäre auch Class IV, aber nur wenn wir noch mindestens zwei weitere Personen auftreiben könnten. Als wir so diskutierten, was wir nun tun sollten, kamen Gareth (UK) und Martin (AUS) in den Laden mit der Absicht <Raften,...aber mal so richtig!> Perfekt!,...und schon hatten wir für den nächsten Tag unsere Class IV - Raftingtruppe am Rio Jondachi beisammen.

Class IV,....da geht's dann schon richtig zu Sache,....sagte man uns

Unser Guide war Miriams Bruder Diego,...ein verrückter Typ der sich einige Zeit davor mit einem Kanu irgendeinen 25 Meter Wasserfall runterfallen hat lassen (und überlebte!),.....ein Foto dieses Wahnsinnsritts hängt im Office,.....die Tat an sich ist übrigens in ganz Ecuador unter Tourveranstaltern bekannt,....so sagte mir Wochen später in Banos mein Canyoningguide " Ah,....Diego,...el es loco,....Cascada de 25 metros"

Class IV Rafting Crew - totalmente loco! (von links nach rechts: Martin, Marie, ich, Mädl aus Quito, Gareth, Pau,....)

Class IV Rafting Crew - totalmente loco! (von links nach rechts: Martin, Marie, ich, Mädl aus Quito, Gareth, Pau,....)

Am nächsten Tag gings dann also zum Raften,....im Endeffekt waren wir sogar zu acht, denn noch zwei aus Quito und Marie (USA) hatten sich uns angeschlossen. Der Rio Jondachi liegt in einer Art Dschungelcanyon mitten im Jungel und so fährt man in einer Umgebung die an Filme wie Tomb Raider oder Indiana Jones erinnert. Die Fahrt verläuft mehrere Stunden zwischen den steil ansteigenden mit hohen Urwaldbäumen bewachsenen Flanken des Canyons, ......von Zeit zu Zeit mündet ein Wasserfall in den Fluss, fällt zwischen den Bäumen zig Meter einfach neben einem in den Fluss. Toll an dieser Tour ist, dass man insgesamt rund 4 Stunden im Wasser verbringt (und das um 50 Dollar!),.....mit Anfahrt, Pause und Rückfahrt also ein voller Tagesausflug. In anderen Orten in Ecuador werden gleich teure Touren mit maximal 2 Stunden im Wasser angeboten.

...ja,...da lach ich noch......

...ja,...da lach ich noch......

Der Trip war ein Wahnsinn! Leider fiel ich bei einer Stromschnelle als erster ins Wasser,....gegen die Strömung zu kämpfen... sinnlos,....man wird herumgeschleudert wie in der Waschmaschine,....die Wasserwalzen drücken einen ständig unter Wasser,....man schluckt ständig nur Wasser,......flach aufs Wasser legen heißt die Devise,...einfache gesagt als getan,.....beim Versuch donnerte ich mehrmals mit voller Wucht mit Knie und Schienbein an im Wasser verborgene Felsen. DAS tat richtig weh!!!

Trotzdem gings erst danach richtig los,.....in den Stromschnellen werden wir durchgeschüttelt,....fallen über kleine Treppen mehrere Meter in Wasserwalzen.....tauchen mit unserem Boot wieder aus der Gischt auf......FORWARD! FORWARD! Der Befehl von Diego,...und wir paddeln um unser Leben. Mehrere Male geht der eine oder andere über Bord,......mehrere Male steht das Boot gänzlich unter Wasser, wird unterspült,......ans obere Ende klettern heißt dann die Lösung, dass das Wasser auch wieder abrinnen kann......ganze zwei mal dreht es uns das Boot ganz um,...alle im Wasser! Das erst mal war mehr "Fun",.....wir hätten es wohl noch geschafft um diesen Felsbrocken, aber wir wollten ja alle Abenteuer.....das zweite Mal.......

FORWARD, FORWARD, PULL, PULL,.....

FORWARD, FORWARD, PULL, PULL,.....

.....wir schaffen es nicht mehr am Felsen vorbei und stürzen mit dem Boot rund 2 bis 3 Meter in eine Wasserwalze die uns das Boot einfach nur umdreht,....alle unter Wasser,....jeder klammert sich an sein Paddel (30 Dollar wenn man's endgültig verliert ),......Rückenlage,.....treiben lassen,....jeder wird in dieser starken Strömung mehrmals unter Wasser gedrückt,.....wiederum stößt man sich ständig an den Felen unter Wasser,.....Schmerzen!,.....kein Ende der Stromschnelle in Sicht,......leichtes Unbehagen steigt in einem auf,.......vor mir der nächste große Felsen mit entsprechendem dahinterliegendem Sog,.....wieder Sekunden unter Wasser......

Nach mehreren Minuten schaffen wir es dann alle an einer ruhigeren Stelle wieder an Bord,.....alle mit Abschürfungen und 2 Liter Jondachi-Fluss-Wasser im Bauch,.....allen ist das Lachen erstmal vergangen,....keiner fand DAS lustig....

Gareth ist kreidebleich,.....er sagt er hatte richtig Angst,....atmete bereits jede Menge Wasser ein,....hatte Angst abzusaufen,......verlor beim Sturz ins Wasser seinen Ehering (das kleinste seiner Probleme wie er meint),.......

Danach rudern wir alle ein wenig geschockt weiter,.....so arg,....damit hatte doch keiner gerechnet.....

Gegen das Wasser hast du keine Chance!

.......

.......

Nach einer kurzen Pause und einigen gut überstandenen adrenalindurchtränkten Stromschnellen geht es uns dann aber allen wieder besser,...nur Gareth freut sich, wie er sagt, wenn das dann endlich alles vorbei sei....

Als wie nach insgesamt 4 Stunden am Fluss an Land gehen, sind wir uns alle einig "Wahnsinn! Eine geniale Tour in unbeschreiblicher Landschaft,...Adrenalin pur! ...und ein Wahnsinnsspass" (auch Gareth stimmt uns schließlich zu,....will aber Class IV Flüsse künftig meiden)

Sonnenuntergang am Rio Jondachi/Rio Hollin

Sonnenuntergang am Rio Jondachi/Rio Hollin

Nach diesem Erlebnis blieb ich, da mir Tena so gut gefiel, noch bis Montagmorgen und nahm dann den Bus Richtung Quilotoa,....einem Kratersee auf 3.914 m. Von meinen Erlebnissen dort,....nächstes Mal.

Euer Matthias

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Ab Juni 2011 geht es einmal um die Welt,...so ist zumindest der Plan,…wie lange es tatsächlich dauert und wo es dann überall hingeht wird sich noch zeigen... Dieser Blog ist für alle, die wissen wollen wo auf der Welt ich mich gerade rumtreibe und was ich dort so erlebe. Das erste Jahr in Südamerika ist leider schon vorüber,...aber im Herbst geht's sofern alles klappt weiter in Richtung Asien und Ozeanien ,-) Freu mich natürlich über Nachrichten im Guestbook. Viel Spass beim „Mitreisen“!
Details:
Aufbruch: 15.06.2011
Dauer: 24 Monate
Heimkehr: Juni 2013
Reiseziele: Ecuador
Cotopaxi
Peru
Bolivien
Chile
Argentinien
Paraguay
Uruguay
Brasilien
Österreich
Der Autor
 
Matthias Juranitsch berichtet seit 10 Jahren auf umdiewelt.
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