Bis nach Südamerika und noch viel weiter.... :-)

Reisezeit: Juni 2011 - Juni 2013  |  von Matthias Juranitsch

Bolivien: Rurrenabaque & der Madidi Nationalpark

21.11.2011 bis 05.12.2011

Hallo liebe Mitreisende!

Zunächst mal gaaanz herzlichen Dank!,......über 70 Guestbookeintragungen,...das is der Hammer! ....und ich freu mich jedesmal wie ein Kleinkind vor dem Weihnachtsbaum ,....Danke!
Und natürlich auch danke für die lieben Mitteilungen via Mail oder Facebook,....da kommt dann schon immer ein bissl Heimweh auf!

Letztes Mal am Ende bestieg ich den Flieger nach Rurrenbaque,...rund 238 Kilometer Luftlinie von La Paz entfernt im Dschungel von Bolivien. Wie schon gesagt zog ich es vor den nur rund 40 Minuten dauernden Flug nach Rurrenabaque zu nehmen anstatt 20 bis 24 Stunden in einem holprigen Bus zu sitzen. Die 40 Minuten Flug waren aber auch,....hmmm,...sagen wir "spannend".

Als ich aufs Flugfeld am Flughafen von La Paz trat, stand ich vor einer kleinen, mickrigen, etwas älteren Propellermaschine,....gerade mal Platz für 18 Personen,... der Gang im Flugzeug wies lediglich eine Höhe von vielleicht 160 cm auf,... da mein Sitz in der letzten Reihe lag, musste ich also gebückt wie der Glöckner von Notre Dame den Gang entlang schlurfen. Mein Platz hatte die Größe eines Kindersitzes und den Komfort einer Parkbank . Die kommenden 40 Minuten ging es dann unter lautem Getöse der Propeller und ständigem durch Turbulenzen hervorgerufenem Auf und Ab in Richtung Dschungel,... aber immer noch besser als 24 Stunden Bus dacht ich mir.

Schon kurze Zeit nach unserem Start in La Paz waren grüne riesengroße Wälder unter uns zu erkennen. Braune breite Flüsse schlängelten sich durch dieses Grün. Der ganze Flug erinnerte mich aufgrund der alten klappernden Maschine, dem Propellergetöse, der Hitze, den ungemütlichen Sitzen und dem Blick auf den Dschungel an irgendwelche Abenteuerfilme aus den 80er Jahren. In diesen Filmen flogen die Hauptakteure auch immer mit solchen oder noch klapprigeren Maschinen in den Dschungel,....manche erreichten ihr Ziel und suchten die kommenden 90 Filmminuten nach versunkenen Dschungelstädten und verschollenen Schätzen,...andere jedoch stürzten auf dem Weg zum geplanten Ziel mitten im Dschungel ab,....*schluck*,..... die kommenden 90 Filmminuten versuchten sie dann von Moskitos durchlöchert und von Jaguaren und Riesenschlangen gejagt irgendwie zu überleben,.... Kannibalen aus dem Weg zu gehen,... nicht von Menschenfressenden Riesenameisen verspeist zu werden, usw...... *nervöswerd*,..... "Hoffentlich stürzen wir nicht ab,.......Ahhhhh!,.......".............. "REISS DICH ZUSAMMEN!!!"

Mein Ausflug in den bolivianischen Dschungel: ...eine Lehmpiste als Landebahn,... ein Flieger nicht für Klaustrophobe gebaut.... eine Holzhütte als Terminal,......

Mein Ausflug in den bolivianischen Dschungel: ...eine Lehmpiste als Landebahn,... ein Flieger nicht für Klaustrophobe gebaut.... eine Holzhütte als Terminal,......

Nach 40 Minuten landeten wir am Flughafen von Rurrenabaque,.....der Blick aus dem Fenster zeigte..... Bäume,...nichts als grüne Bäume weit und breit. Unsere kleine Propellermaschine holperte auf einer Lehmpiste dem "Terminal" entgegen,.... einer kleinen Hütte mit Holzveranda.

Diese Lehmpiste hatte schon was von Abenteuer ...bei meinem Abflug aus Rurrenabaque rund zwei Wochen später hatte es die Nacht davor so stark geregnet, dass die Lehmpiste ein einziger Sumpf war,....unbenutzbar,... das Flugzeug konnte deswegen nicht bis zum Terminal fahren und so wurden wir mit einem Bus durch den ganzen Schlamm "gefahren". Das Flugzeug wartete quer am Ende der Landebahn stehend auf uns,.... Naja,...im Dschungel ist alles etwas anders.

Vom Terminal ging's dann mit einem alten ausrangierten Schulbus hinein nach Rurrenabaque. Die Stadt, an einem Fluss gelegen ist richtig nett. Sehr ruhig,...das Leben spielt sich auf der Straße ab,.... Als Unterkunft wählte ich das Hostal Tucanes de Rurre einer gemütlichen Unterkunft nahe der Hauptstraße.

.... der Weg in die Pampas,....3 Stunden geradeaus!

.... der Weg in die Pampas,....3 Stunden geradeaus!

Ich war nach Rurrenabaque gekommen um an zwei Touren teilzunehmen - der Pampastour und der Jungletour. Als Touroperator wählte ich die mir empfohlene Agencia Mashaquipe. Mashaquipe wird von einheimischen Familien geleitet und das Geld kommt über 40 Familien zu Gute. Ich wählte die Agencia aber speziell wegen deren Flexibilität. Touren werden an die individuellen Bedürfnisse und Wünsche angepasst und auch während der Tour kann man sich ohne Probleme umentscheiden. Die ersten 3 Tage sollte es in die Pampas gehen und danach für 5 Tage in den Dschungel.

Die Pampas sind ein flaches mit Flüssen durchzogenes Gebiet welches dann irgendwann in den Dschungel übergeht. Die Fauna und Flora unterscheidet sich grundlegend von der des Dschungels. Auf der Pampastour sieht man in erster Linie jede Menge Tiere die sich an den Flussufern oder im Fluss tummeln. Der Dschungel ist,...naja,...Dschungel halt,...jede Menge Bäume, Insekten und wenn man Glück hat sieht man auch größere Tiere.

Am nächsten Morgen ging es mit dem Jeep zunächst drei Stunden einer kerzengerade Schotterstraße entlang. Bei unserer Anreise erfuhren wir gleich am eigenen Leib was es mit dieser "Regenzeit" auf sich hat,....denn es regnete Unmengen. Innerhalb kürzester Zeit stand die Schotter-Lehmstraße dermaßen unter Wasser, dass unser Jeep auf dem schlammigen Untergrund teilweise ins schlenkern kam.

...am Fluss...

...am Fluss...

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Untergebracht wurden wir in einer gemütlichen Lodge am Ufer eines Flusses. Die kommenden Tage sollten mehrere Bootsfahrten auf diesem Fluss stattfinden,..... wir mussten allerdings zunächst bis zum Nachmittag warten bis der Regen nachließ. Danach ging's zu unserer ersten Erkundungsfahrt. Da der Regen die Luft abgekühlt hatte dampfte der Fluss geheimnisvoll,....Nebelschwaden zogen über die Wasseroberfläche.

... nachdem der Regen aufgehört hat,....ein dampfender Fluss

... nachdem der Regen aufgehört hat,....ein dampfender Fluss

Wir paddelten leise mit unserem Boot flussabwärts. In den Bäumen am Fluss saßen unterschiedlichste bunte Vögel die lautstark zu schreien begangen sobald sie unsere Anwesenheit bemerkten.

....diese Vögel schupfen ihr Jungen in den Fluss damit sie schwimmen lernen,....später im Leben hingegen schwimmen sie nie wieder,....das versteh mal einer

....diese Vögel schupfen ihr Jungen in den Fluss damit sie schwimmen lernen,....später im Leben hingegen schwimmen sie nie wieder,....das versteh mal einer

...wenn ich meinen Hals riiiichtig lang streeeecke kann ich fast das andere Ufer sehn

...wenn ich meinen Hals riiiichtig lang streeeecke kann ich fast das andere Ufer sehn

An den Ufern lagen hier und da Krokodile im Unterholz versteckt. Unser Guide Ismael fuhr mit unserem Boot immer nah ans Ufer ran. Sobald uns die Krokodile bemerkten glitten sie vom Flussufer ins Wasser und verharrten dort absolut regungslos. Ismael schob das Boot dann meist näher ans Krokodil ran,... und so bot sich folgende Situation: Ich saß im Boot,... der Bootsrand ca 20 cm entfernt,....neben dem Bootsrand im Wasser nur wenige Zentimeter enfernt der riesige Kopf eines Krokodils...... "Huaaahhhh!"..... Große goldene Knopfaugen die einem ständig folgen,.... und am großen Kopf angebracht, noch ein viiiiel größerer Körper der regungslos im Wasser liegt. Diese Krokodile sind schon eigenartig,....Minutenlang rühren sie sich keinen Zentimeter und dann plötzlich mit einem hektischen Rucken, wie als würden sie um sich schlagen, unter lautem Getöse und umherspritzendem Wasser tauchen sie ab.... Da man damit nicht rechnet schreck man sich erst mal richtig toll,....das Quieken der Französin im Boot hinter einem bringt einen dann aber doch zum Lachen . Einem Krokodil soooo nahe zu sein ist furchtbar aufregend und ein geniales Erlebnis.

pst!,...nicht bewegen

pst!,...nicht bewegen

...ganz nah am Boot *schluck*

...ganz nah am Boot *schluck*

Wir unternahmen auch zweimal eine Bootsfahrt mitten in der Nacht. Komische Geräusche die vom Ufer her klingen,... Grillen zirpen,.... in absoluter Dunkelheit leuchteten wir mit unseren Taschenlampen das Ufer ab,.... an der dunklen Wasseroberfläche mehrmals zwei golden leuchtende Augen - Krokodile die in der Dunkelheit auf ihre Beute warten. Das Ranfahren an die Krokodile und deren hektisches Abtauchen ist in der Dunkelheit noch um vieles gruseliger als am Tag. Ismael (unser Guide), der den Fluss offensichtlich auswendig kennt, fuhr mit uns teilweise ohne Licht den Fluss entlang. Die Geräusche aus der Uferböschung und der Gedanke an die in der Nähe im Wasser lauernden Krokodile machte das unheimlich und irgendwie spannend,....Was wenn wir mit unserem Boot umkippen würden?

...die Pampas bei Nacht...

...die Pampas bei Nacht...

... und bei Sonnenaufgang...

... und bei Sonnenaufgang...

...und schließlich im Morgengrauen...

...und schließlich im Morgengrauen...

Die kommenden Tage fuhren wir mehrmals den Fluss auf und ab. In einem größeren Bereich erhoben sich aus dem Wasser ab und zu rosa Schemen. Es waren die Rücken der pinken Flussdelphine die neugierig um unser Boot herumschwammen und von Zeit zu Zeit auftauchten um Luft zu holen. Im Mai und Juni, wenn der Fluss weniger Wasser führt sieht man in den verbliebenen tieferen Flussgebieten teilweise zwanzig Delphine auf einmal. Man kann dann mit ihnen schwimmen,...und sie sind zu dieser Zeit dermaßen neugierig, dass sie einen Schwimmer dann schon mal anstupsen. Im November jedoch verteilen sich die Delphine auf den ganzen Fluss und so sieht man sie seltener.

In einem größeren Bereich mit Flussdelphinen meinte unser Guide dann wir könnten hier schwimmen gehen... "Ääähm? und die Krokodile dort drüben am Ufer???" " Keine Sorge,....die schwimmen nicht hierher ins tiefe Gewässer,...kein Problem" ....." Oooookey?!?! *schluck*" .....Also sprangen wir (nervös um uns blickend) ins Wasser,..... dass das Wasser braun, trüb und undurchsichtig war verringerte unsere anfängliche Nervosität nicht unbedingt

Wieder zurück an Bord gingen wir dann einige Meter weiter Fischen,......genauer gesagt Piranhafischen...... "Äähhm?!?! Ismael? .....hier gibt's Piranhas?!? .....ich meine,...wir sind gerade in einem Fluss geschwommen in dem es vor PIRANHAS wimmelt?" *schluck*

Was mich im Nachhinein noch immer etwas schaudern lässt, ist dass die Piranhas die Köder an unseren Angelleinen innerhalb von wenigen Sekunden und äußerst brutal abnagten,.....geradezu vom Haken rissen,..... keine Ahnung ob sie den gleichen Appetit bei Menschen zeigen würden, wenn diese kleine Wunden aufweise würden?

jump #11

jump #11

...von denen wimmelt es hier auch,.... Flussschildkröten

...von denen wimmelt es hier auch,.... Flussschildkröten

Als wir dann weiterfuhren sahen wir am Ufer,....hmmm,....wie beschreibt man diese Viecher? Vielleicht erinnert sich ja der Eine oder Andere an die 80er Jahre Kinderserie "Die Mummins"(siehe dazu folgendes Youtubevideo: Mummin-Youtubevideo ),....so eine Art Nilpferd,....für alle die sich daran erinnern,...genau so sehen diese Tiere aus.

Für alle Anderen,... die Dinger sehen aus wie eine Kreuzung aus einem Schwein, einem Meerschweinchen, einer Ratte, und einem Biber,....mit dem Gesicht eines kleinen Nilpferdes,...und sind ungefähr 1,5 Meter groß (lang). Tatsächlich gehören diese Tiere (deren Namen ich vergessen hab) zur Gattung der Ratten,...es handelt sich also eigentlich um 1,5 Meter große Riesenratten,.....die aber unheimlich putzig anzusehen sind,.....ich hätte gerne eine mitgenommen

Die Mumins

Die Mumins

Row, row, row your boat,
Gently down the stream.
Merrily, merrily, merrily, merrily,
Life is but a dream.

Row, row, row your boat,
Gently down the stream.
Merrily, merrily, merrily, merrily,
Life is but a dream.

Auch gerne mitgenommen hätte ich einen der neugierigen Yellow-Monkeys. Diese süßen gelben Äffchen turnen in den Sträuchern und tiefhängenden Ästen am Flussufer herum. Es ist verboten Affen (oder andere Tiere) zu füttern,...da sich diese dann daran gewöhnen würden und nicht mehr selber auf Nahrungssuche gehen würden. Was man aber machen kann, dass die kleinen Affen näher kommen, ist ihnen eine Banane zu zeigen (irgendwie ja total fies ) Sobald die kleinen Rabauken die gelbe Banane erspähen versuchen sie an sie ranzukommen,...und so kann es schon sein, dass ein Affe plötzlich einem auf der Schulter oder dem Kopf herumturnt. Leider verloren wir zwei Bananen an die Affen,....man darf die kleinen Racker nicht unterschätzen,....die sind wieselflink und gerissen,....die reißen einem die Banane mit einer unglaublichen Geschwindigkeit und Kraft aus der Hand,...

Yellow Monkey

Yellow Monkey

"Ok Männer, Banane gesichtet! Einsatztrupp A,...ihr geht von Rechts vor,...Einsatztrupp B ihr folgt mir über die linke Flanke!"
.....diese Yellow Monkeys sind ja sowas von gerissen

"Ok Männer, Banane gesichtet! Einsatztrupp A,...ihr geht von Rechts vor,...Einsatztrupp B ihr folgt mir über die linke Flanke!"
.....diese Yellow Monkeys sind ja sowas von gerissen

...."Männer,...Zugriff, Zugriff!"......."Juhuu, ich hab die Banane"....

...."Männer,...Zugriff, Zugriff!"......."Juhuu, ich hab die Banane"....

Wir verbrachten also die zwei Tage der Pampastour unheimlich viel am Fluss. Zu erwähnen seien vielleicht noch die negativen Seiten...... Moskitos! Moskitos sind wesentlich größer als die gemeine österreichische Sumpfmücke,....und wenn sie stechen hat man nicht diesen kleine unangenehmen roten Punkt der ein bisschen juckt,....nein man fühlt sich in die ärgste Zeit der Pubertät zurückversetzt, denn an der Stelle wo man gestochen wurde wuchert innerhalb kürzester Zeit ein Riiiiiiesentippl,....ein Krater,...das letzte Einhorn,... und das Ding juckt zum aus der Haut fahren. Moskitos haben leider auch die Angewohnheit in Gruppen aufzutreten und wenn man nicht aufpasst hat man innerhalb weniger Minuten mehrere Duzend Stiche zu verzeichnen. Warum sind die Einheimischen davon nicht betroffen? Ismael erzählte mir, dass sie zwar auch gestochen würden, aber keine allergische Reaktion in Form eines Riesentippls hätten,....da sie von Kindesalter mit diese Mistviechern leben müssten gewöhne sich ihr Körper daran (Das ist ja sowas von UNFAIR!)
Der normale Tourist kann sich da nur mit einem Insektenschutzmittel weiterhelfen,....dabei kommt es auf die Menge an DEET (ein für die Moskitos nicht so angenehmes Nervengift) an. Die zwei Franzosen die an der Tour teilnahmen erklärten mir, sie haben sich ein nicht zu starkes Mittel besorgt,...den zu viel DEET sei sicher nicht gesund. Ich sagte "Des is mir wuascht!" und legte mein Hochprozentiges DEET auf. OK! Die Verpackung sagt, dass die Creme die Haut reizen kann und man den Kontakt mit Plastik meiden soll, da dieses dann schmelzen würde (!!!). Das es die Haut reizt merkt man daran, dass es nach dem Einschmieren plötzlich unheimlich heiß um einen herum wird,...........aber wenn's hilft

...und tatsächlich saß ich im Boot ganz vorne,....keine Moskitos um mich herum,....zunächst dache ich "Na vielleicht gibt's derzeit grad wenige"
,....der Franzose am Sitz hinter mir nervte mich indessen....Wir fuhren ruhig den Fluss hinunter,....einziges Geräusch das Eintauchen des Paddels ins Wasser,...ansonsten nur die Laute von Tieren in der näheren Umgebung. ....absolute Stille.....

....nur der Franzose wetzte ständig hin und her,...setzte sich ständig anders hin,..."Mein Gott! Kann der Typ nicht endlich stillsitzen? Der zerstört die gesamte Ruhe!"..... Als ich mich wütend umdrehe sehe ich den Franzosen und seine Freundin in einer schwarzen Wolke! Geschätzte (und nicht übertriebene) 100 Moskitos surrten um die beiden herum,...ihre Kleidung von schwarzen Punkten überseht... in diesem Moment war ich über meinen Insektenschutz mehr als glücklich und ein bissl schadenfroh den besserwisserischen Franzosen gegenüber

Moskitostiche
Frankreich : Österreich  78  : 3  
...hier im Gebiet mit weniger Moskitos ,...am Fluss wars ärger

Moskitostiche
Frankreich : Österreich 78 : 3
...hier im Gebiet mit weniger Moskitos ,...am Fluss wars ärger

Am dritten Tag ging's dann schon in der Früh zurück nach Rurrenabaque. Unser Guide erklärte uns nämlich, dass aufgrund des vielen Regens ein Spaziergang in den Pampas eigentlich sinnlos wäre, da sich Anakondas und andere Tiere schon längst in trockenere Gefilde zurückgezogen hätten. Hier zeigte sich die Flexibilität und die Bemühungen von Mashaquipe, denn Ismael schlug uns vor, den dritten Tag doch einfach in einen Dschungeltag umzutauschen anstelle ihn hier zu vergeuden,....aber die Entscheidung läge natürlich bei uns. Und so beschlossen wir nach Rurrenabaque zurückzufahren und gleich am Nachmittag die Jungletour anzutreten.

... in Richtung Jungle-Lodge am Rio Beni...

... in Richtung Jungle-Lodge am Rio Beni...

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Einige Stunden später fuhren wir in einem Boot rund zwei Stunden lang den Fluss von Rurrenabaque kommend hinauf in Richtung Madidi Nationalpark. In diesem Nationalpark hat Mashaquipe eine gemütliche Lodge von der aus der Dschungel erkundet werden kann. Da ich mich entschlossen hatte mindestens 5 Tage im Dschungel zu verweilen, jedoch nicht ausschließlich in der Lodge bleiben wollte, sondern vielmehr plante mitten im Dschungel in einer Hängematte zu schlafen, wurde mir ein neuer Guide zur Seite gestellt,....coool,...ein Guide ganz für mich alleine (keine Mehrkosten!). Ismael trat hingegen mit den beiden Franzosen und den beiden Holändern die kürzere Dreitagestour an.

hooooohe Bäume sind im Dschungel nicht selten

hooooohe Bäume sind im Dschungel nicht selten

Die kommenden Tage wanderten mein Guide und ich durch den Dschungel,...von Camp zu Camp. Auch in der Nacht und früh morgens unternahmen wir abenteuerliche Erkundungstouren in den Regenwald. Leider sind wir ein bisschen Walt Disney Dschungelbuch-Tarzan-König der Löwen geblendet,...denn in der Wirklichkeit scheinen in der Nacht wenn man mit der Taschenlampe ins nahe Gebüsch leuchtet nicht duzende von Augenpaaren auf,....in der Realität sind die Tiere scheu und meiden jeden Kontakt. Man muss also sehr leise durch den Dschungel schleichen um Affen, Wildschweine Vögel oder vielleicht sogar eine Tapir, ein Gürteltier oder einen Jaguar zu Gesicht zu bekommen,... Für die großen Tiere braucht man schon großes Glück um sie zu sehen,....Glück das ich leider nicht hatte. Aber wir fanden nahe unserer Camps zumindest Spuren von Tapiren und Jaguaren und obwohl mir der Blick auf die großen Tiere verwehrt blieb, sah ich viele interessante Tiere und verbrachte eine tolle Zeit im Dschungel.

viel Glück gehabt: Howler Monkeys sieht man eher selten, weil sie sehr scheu sind,...Juhuu!

viel Glück gehabt: Howler Monkeys sieht man eher selten, weil sie sehr scheu sind,...Juhuu!

Getierse im Dschungel: 
großer grüner Hü-Hüpf-Heuschreck (harmlos)
Riesenameise (harmlos aber deliziös  )
Krabbenspinne (gefährlich, nicht nur wegen ihrer Krabbenscheren)
Riesenschmetterling (harmlos)

Getierse im Dschungel:
großer grüner Hü-Hüpf-Heuschreck (harmlos)
Riesenameise (harmlos aber deliziös )
Krabbenspinne (gefährlich, nicht nur wegen ihrer Krabbenscheren)
Riesenschmetterling (harmlos)

Was natürlich dazugehörte, war diverse Dinge auszuprobieren,... Kräuter und Wurzeln die als Medizin gelten aber auch für die hier Aufgewachsenen kulinarische Delikatessen. So öffneten wir einen Termitenbau und aßen Termiten (roh). Mein Guide zeigte mir Nüsse am Boden.... Käfer legen ihre Eier in diese Nüsse und nach einiger Zeit kann man sehr nahrhafte proteinhaltige Maden aus den Nüssen kletzln und verspeisen,....roh oder gebraten,....ich probierte beides,....die kleinen sich auf meiner Zunge umher windenden Maden schmeckten,...hmmm,....wie Erdnussbutter

Als wir zu unserem ersten Camp kamen sah ich mehrere Löcher im Boden aus denen Riesenameisen krochen. Es gibt mehrere Arten von Riesenameisen,....die Unguten, deren Biss bis zu 24 Stunden höllisch schmerzt und teilweise zu Halluzinationen führt,....und die harmlosen einfach nur riesigen Ameisen die einem nichts zu Leide tun...

Mein Guide hob so eine Ameise vom Boden auf, riss ihr die Beine aus und warf sie sich in den Mund,..... meinem Credo alles auszuprobieren folgend tat ich es ihm gleich,....das mit dem Beineausreissen ließ ich allerdings sein und so krabbelte eine Riesenameise auf meiner Zunge herum,....hmmm,... ehe sie zerkaut wurde . ....schmeckt wie Erdnussbutter (anscheinend schmecken alle Insekten wie Erdnüsse).

Mein Guide klärte mich drüber auf, dass diese Ameisen als Delikatesse gelten und ein Kilo in Rurrenabaque um 70 bis 80 Bolivianos (rd 8 EUR) zu verkaufen wären. Mmmm, lecker!

Offensichtlich zog ich aber den Zorn des Ameisengottes Ormiga (=spanisch für Ameise) auf mich, denn in den folgenden Tagen krabbelten ständig agressive rote und andersfarbige Ameisen auf mir herum und bissen mich bei jeder Gelegenheit ,....dachte ich bis dahin Moskitos sein lästig, verschob sich mein Feindbild eindeutig in Richtung Ameisen.

Mahlzeit  ....Maden und Riesenameisen,....hmmm,....schmecken alle irgendwie wie Erdnussbutter

Mahlzeit ....Maden und Riesenameisen,....hmmm,....schmecken alle irgendwie wie Erdnussbutter

Schlafen im Dschungelcamp

Schlafen im Dschungelcamp

Interessante Pflanzen bekam ich auch zu Gesicht. Da war zB ein Baum der nach Knoblauch stinkt und auch so schmeckt und gut gegen Insektenstiche hilft. Ein anderer Baum ist höchst giftig. Seine Flüssigkeit wird aber ab und zu zum Fischen verwendet,....wie fragt ihr? Ungefähr 10 Liter der Baumflüssigkeit in den Fluss geschüttet entziehen dem Wasser allmählich den Sauerstoff,.... rund 1 Stunde später schwimmen alle Fische verkehrt rum an der Wasseroberfläche,...eine einfache Möglichkeit Unmengen von Fisch zu fangen.

Am Fluss: ,....plötzlich erheben sich hunderte Vögel und fliegen in den Sonnenuntergang...

Am Fluss: ,....plötzlich erheben sich hunderte Vögel und fliegen in den Sonnenuntergang...

Sonnenuntergang am Fluss
komische Wolken: "Der Mann in den Wolken" & "Schweinewolke Babe"

Sonnenuntergang am Fluss
komische Wolken: "Der Mann in den Wolken" & "Schweinewolke Babe"

Am dritten Tag stiegen wir einen kleine Berg mitten im Dschungel hinauf,....oben angekommen standen wir an einer steil abfallenden Felswand . Unter uns der Dschungel,....Bäume soweit das Auge reichte. Hinten am Horizont schlängelte sich der Fluss auf dem wir gekommen waren wie eine Schlange durch die Ebene. In der Felswand und auf den Bäumen zig Papageie,....lautstark kreischend aber wunderschön. Von unserem Aussichtspunkt aus konnten wir sie sehen wie sie über die Baumgipfel flogen,...gemeinsam in Flugformationen oder auch einzeln. Ihre rot-blau-grünen Federn leuchteten in der Nachmittagssonne - ein Wahnsinnsausblick.

am Papageien-Aussichtspunkt

am Papageien-Aussichtspunkt

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Am vierten Tag in der Früh bauten wir uns ein Floß aus großen Baumstämmen. Wir vertäuten die Stämme mit Lianen, banden unsere Rucksäcke fest und ließen uns den Fluss hinunter zurück zur Junglelodge treiben,..... ein super Spass,... mehr Abenteuer geht wirklich nicht mehr. (btw: Mashaquipe ist die einzige Agencia die diese Floßtour macht)

....mit dem selbstgebauten Floss die 5 Kilometer zurück zur Lodge...

....mit dem selbstgebauten Floss die 5 Kilometer zurück zur Lodge...

Mashaquipe Jungle-Lodge

Mashaquipe Jungle-Lodge

...Abenddämmerung am Fluss

...Abenddämmerung am Fluss

Den letzten Tag wollte ich eigentlich bei einer im Dschungel lebenden Familie verbringen und lernen wie man Artesania (händisch hergestellter Schmuck) herstellt. Leider kam es ganz anders.... den La Paz hatte mich eingeholt. Wie ich berichtete stand mein Körper und La Paz wegen diverser hygienischer Bedingungen auf Kriegsfuß und so erwachte ich mit Fieber, Magenkrämpfen und allem was dazu gehört, dehydriert in der Dschungellodge. Die Jungs von Mashaquipe kümmerten sich richtig toll um mich,....brachten mich (da es sowieso mein letzter Tag war) schließlich mit dem Boot zurück nach Rurrenabque und gingen mit mir zum besten Arzt der Stadt,....der für seine Konsultation 30 Bolivianos (3 EUR) verrechnete und Antibiotika um 50 Bolivianos (5 EUR) verschrieb. Da ich mich auskurieren wollte verschob ich daher auch meinen Flug nach Trinidad/Santa Cruz um zwei Tage,....die Umbuchung kostete mich 3 EUR,....also entbehrlich

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...und zu späterer Stunde...

...und zu späterer Stunde...

Als ich Freitags wieder gesund und munter war, nahm ich den Flieger nach Santa Cruz im Osten Boliviens mit 4 stündigem Zwischenstopp in Trinidad. Trinidad war ganz nett aber nicht aufregend. Santa Cruz in dem ich mehrere Tage verbringen wollte, verließ ich wegen Nichtgefallen schon nach zwei Tagen wieder. Santa Cruz ist einfach nur eine für bolivianische Verhältnisse moderne größere Stadt ohne großartige Geschichte oder historische Bauten. Die meisten Touristen kommen hier nur her um nach Samaipata weiterzureisen,...dafür hatte ich aber keine Zeit und so beschloss ich in die Hauptstadt Boliviens weiter zu reisen,....der wunderschönen weißen Stadt - Sucre. Den Aufenthalt dort genoss ich richtig,....hmmm,...aber davon nächstes Mal.

Ein schönes neues Jahr euch allen,

Euer Matthias

Leaving on a jet plane, don't know when I'll be back again

Leaving on a jet plane, don't know when I'll be back again

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Ab Juni 2011 geht es einmal um die Welt,...so ist zumindest der Plan,…wie lange es tatsächlich dauert und wo es dann überall hingeht wird sich noch zeigen... Dieser Blog ist für alle, die wissen wollen wo auf der Welt ich mich gerade rumtreibe und was ich dort so erlebe. Das erste Jahr in Südamerika ist leider schon vorüber,...aber im Herbst geht's sofern alles klappt weiter in Richtung Asien und Ozeanien ,-) Freu mich natürlich über Nachrichten im Guestbook. Viel Spass beim „Mitreisen“!
Details:
Aufbruch: 15.06.2011
Dauer: 24 Monate
Heimkehr: Juni 2013
Reiseziele: Ecuador
Cotopaxi
Peru
Bolivien
Chile
Argentinien
Paraguay
Uruguay
Brasilien
Österreich
Der Autor
 
Matthias Juranitsch berichtet seit 10 Jahren auf umdiewelt.
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