Bis nach Südamerika und noch viel weiter.... :-)

Reisezeit: Juni 2011 - Juni 2013  |  von Matthias Juranitsch

Chile (Teil 2): Pucon & von Puerto Octay bis Puerto Montt

03.02.2012 bis 16.02.2012

Hola Amigos

...wie letztes Mal erzählt, begab ich mich am 2. Februar per Bus auf den Weg nach Pucon im Lake District von Chile, südlich von Santiago gelegen. Dazu fuhr ich aber zunächst mal zum Busbahnhof von Valparaiso und stellte mich in der langen Schlange vor einem der Busse an, bekam mein Gepäckticket und mein dicker Rucksack in seiner Schutzhülle verschwand im Bauch des Reisebusses. Ich wurde von hinten angerempelt,...dachte mir aber noch nix dabei. Als ich in den Bus stieg und ich nach meinem kleinen schwarzen Notizbuch suchte, in dem sich mein Busticket befand, fiel mir auf, dass mein kleiner Rucksack eine Spur offen war....Hmmm...?!?!....ich weiß es nicht genau, vielleicht hab ich den Reißverschluss ja selbst ein wenig offen gelassen, jedenfalls war mein kleines Notizbuch ab diesem Tage verschwunden. Vielleicht hab ich's ja auch verloren, vielleicht wurde es mir aus dem Rucksack gestohlen,...ich weiß es nicht. Jedenfalls waren somit all meine Reiseaufzeichnungen und Tipps die ich über die Monate gesammelt hatte verloren. Panisch durchwühlte ich meinen Rucksack,...kein Notizbuch,...weg,...verschwunden. Die Tipps für die kommenden Reiseziele hatte ich aber zum Glück ebenfalls am Computer abgespeichert,...viel problematischer war hingegen, dass ich nun in einem Bus saß, jedoch kein Ticket hatte,...aber was konnte schon großartiges passieren,...die können mich ja nicht als blinden Passagier irgendwo auf der Autobahn rauswerfen,...können sie nicht....*schluck*,....oder?

Lago Villarica und Pucon

Lago Villarica und Pucon

Ich hatte einen Platz in den hinteren Reihen des Busses und sah so die nächsten 30 Minuten den Ticketkontrolleur immer näher auf mich zukommen. Ein kleiner, etwas rundlicher, schwitzender Chilene. In meinen Spanischkenntnissen herumsuchend legte ich mir eine entschuldigende Erklärung für das Fehlen meines Tickets zurecht: "Ähhh, Senior,...tengo un problem! Yo pierde mi boleto...o tal vez esta en mi mochilla! ....no, se! *sonreir*" (Ähm, Senior,...ich hätte da ein kleines Problem! Ich hab mein Ticket verloren oder es ist in meinem großen Rucksack,...ich weiß es nicht *grins*". Offensichtlich passiert das nicht allzu häufig,...denn der Kontrolleur war, als er schließlich bei mir ankam und ich mein Sprüchlein aufsagte, völlig verwirrt, was tun? Nach einigem Überlegen meinte er, wenn mein Ticket nicht in meinem großen Rucksack sei, müsse ich vermutlich selbiges nochmal voll bezahlen, er müsse das aber mit dem Busfahrer besprechen. Ich tat auf unschuldigen, ahnungslosen, armen Touristen,...mich tausendmal für die Umständlichkeit entschuldigend. Nach mehrmaligen hin und her und Rücksprachen mit dem Busfahrer wurde ich dann aber doch mitten in der Nacht mit lauten Beschimpfungen auf einem Autobahnparkplatz aus dem Bus geworfen.

rechts hinterm Baum das Hostel "El Refugio",...dahinter der Vulkan Villarica

rechts hinterm Baum das Hostel "El Refugio",...dahinter der Vulkan Villarica

Habt ihr das jetzt wirklich geglaubt .....nein, ich wurde natürlich nicht aus dem Bus geworfen,...man zeigte Verständnis für meine Situation und so musste ich nur den Minimumtarif von rund 5 EUR bezahlen und die Sache war gegessen..... Südamerikaner sind ja sowas von unkompliziert!

Um 7 Uhr früh am 3. Februar kam ich schließlich in Pucon an. Mit seinen rund 14.000 Einwohnern (samt Umgebung) liegt die kleine Stadt am Südufer des Lago Villarica. Hinter der Stadt ragt der 2.480 m hohe AKTIVE!!! Vulkan Villarica empor,...dazu aber später. Die Stadt ist ein Touristenmagnet,....ein Adventuredorf. Ich wurde von mehreren Reisenden gewarnt, dass es hier vor Touris nur so tummle, alle waren sich aber trotzdem einig, dass der Ort trotz alledem Charme besitze. Da wo man Unvereinbarkeit vermutet, nämlich Touristenmassen vs. ruhiges nettes Städtchen am Lande, findet man doch tatsächlich, für mich zumindest, einen der nettesten Orte meiner Reise. Wer nicht so viele Touristen sehen will, geht einfach nicht in die Haupteinkaufsstraße. Im übrigen Ort tummeln sich zwar auch Menschenmassen, aber es sind weniger die Ballermann-Sauf-und-Party-Touristen, sondern vielmehr Adventurer auf der Suche nach Rafting, Mountainbiketouren usw., sowie Kletter- und Wanderfreaks. Gemütliche Naturbegeisterte die am Abend bei BBQ und einigen Gläschen Wein den Tag ruhig ausklingen lassen,... und so blieb ich an Stelle der geplanten 7 Tage dann doch 9 und nahm am Ende schweren Herzens Abschied von diesem wundervollen Ort, mit der Gewissheit, dass ich wiederkommen würde.

aktiv und ständig qualmend,...ok,...das sind jetzt aber gewöhnliche Wolken

aktiv und ständig qualmend,...ok,...das sind jetzt aber gewöhnliche Wolken

Da um diese Zeit Hochsaison herrschte, buchte ich schon von Valparaiso aus meinen Aufenthalt im Hostel "El Refugio"via Hostelbooker.com. Das von einem Holländer geleitete Hostel gehört für mich zu den besten Hostels in meinen bisherigen 8 Monaten Südamerika. Ich betrat das Hostel in aller Früh. Ein herzliches Willkommen, massig Informationen über mögliche Touren, sauber, angenehmes Ambiente,...ein geniales Hostel, dass ich nur jedem Puconreisenden ans Herz legen kann.

Da Check-Out aber erst um 11 Uhr war, und dass Hostel (verständlicherweise) ausgebucht war, musste ich erst warten, bis mein Bett im Dorm frei war. Nach und nach kamen weitere Reisende im Hostel an,...Ankommende von den unterschiedlichsten Zipfeln in Chile und Argentinien,...wir alle mussten warten und so begannen wir eben zu plaudern. 30 Minuten später hatte sich so eine kleine Gruppe zusammengefunden,....unterschiedlichste Nationalitäten,... nie zuvor getroffen,.... die sich dennoch benahm als wären alle seit mehreren Jahren die besten Freunde. Voller Euphorie wurden so die nächsten Tage gemeinsam geplant "Ok,...morgen Rafting,...übermorgen Vulkanbesteigung,...was haltet ihr von großem BBQ heute Abend,....Juhuuuu!". Dass sich so schnell eine wirklich tolle Truppe zusammen gefunden hatte, machte den Aufenthalt natürlich doppelt angenehm. Die Truppe erhielt in den folgenden Tagen immer mehr Verstärkung durch neue Ankommende. Wer war alles dabei (ich hoffe ich vergesse jetzt niemanden): Ran aus Israel mit dem ich dann noch weitere 2 Monate zusammen reiste, Hannah aus Wales, Nicole, Stijn und Fleur aus Holland, Eoin aus Irland, Simon aus England, Torsten und Michel aus Deutschland, Francesco aus Italien, Carlos aus Spanien, Chris aus Australien... undundund...

Den ersten Abend verbrachten wir sodann mit BBQ und Wein,...was sonst.

der Strand von Pucon

der Strand von Pucon

Geplant,...getan! Am nächsten Tag ging's also gleich mal zum Rafting. Den Fluss mit Level 3-4 ging es zu überwinden. Wir waren rund 2 Stunden im Wasser und es war wie immer ein richtiger Spaß,...auch wenn ich leider sagen muss, dass auch dieser Raftingtrip nicht an jenen in Tena, Ecuador herankommt. Trotzdem, es war ein Mordsspass, wir wurden durch und durch nass im 10 Grad kalten Wasser, Sprangen von einer Klippe in die Tiefen des Flusses (für mich fast zu hoch, aber wer will schon als Feigling gelten "Ahhhhhh! Ich will nicht sterben!" und paddelten uns die Seele aus dem Leib um nicht zu kentern. Müde aber glücklich ging's zurück ins Hostel,....am Abend BBQ+Wein

Rafting #1

Rafting #1

Rafting #2

Rafting #2

Rafting #3

Rafting #3

Rafting #4

Rafting #4

Am dritten Tag hieß es früh aufstehen! Wir alle waren vor Allem wegen einer Tour hier her gekommen, nämlich der Besteigung des hinter der Stadt gelegenen Vulkans Villarica. Wie schon gesagt der Vulkan ist 2.480 m hoch und aktiv. Das bedeutet, dass er Tag und Nacht vor sich hin qualmt. Gerade in der Nacht, wenn die Lichter der Stadt erloschen sind bietet sich somit ein Schauspiel sondergleichen. Das glühende Magma im Vulkankrater lässt die aufsteigenden Schwefelschwaden in einem rötlichen Schimmer leuchten,... der Vulkan leuchtet somit mystisch und bedrohlich in der Nacht.

aktiver Vulkan bei Nacht

aktiver Vulkan bei Nacht

Da der Vulkan aktiv ist, heißt das natürlich auch, dass er rein theoretisch jederzeit ausbrechen könnte. Den letzten größeren Ausbruch mit Schlammlawine gab es 1971 und insgesamt wurden in den letzten 500 Jahren 50 Ausbrüche registriert. Daher gibt es zwei Frühwarnsysteme in der Stadt. Zunächst befindet sich in der Mitte der Stadt eine Ampel,....grün - keine Gefahr,...gelb - pack schon mal deine Sachen, rot - "LAUF FOREST,...LAUF!!!!" (Forrest Gump ).

Vulkanampel auf grün,....ok,..also alles Bestens

Vulkanampel auf grün,....ok,..also alles Bestens

Des Weiteren geht jeden Tag um Punkt zwölf Uhr mittags die Sirene los,....daran gewöhnt man sich. Eines Abends, als wir wieder mal unser BBQ genossen, ging die Sirene los,....den Blick hättet ihr sehen müssen. Uns blieb das Stückchen Steak im Hals stecken,....auf lautes Lachen folgte eisiges Schweigen,.....verunsicherte, leicht bleiche Gesichter,...."Werden wir jetzt sterben?"....

Nea vom Hostel beruhigt uns,...einmal Tuten - Feuer in der Stadt,...zweimal Tuten - irgendwas anderes (sry kann mich nicht mehr erinnern für was das war) ,....dreimal Tuten - "Flieht, ihr Narren!" (Herr der Ringe 1 ),....nichts wie los und den Sammlungspunkt am Strand vom Lago Villarica aufsuchen. Was man dort dann allerdings tut war mir persönlich ja unklar....kein sehr angenehmer Gedanke zwischen See und Lavamassen eingeschlossen zu sein,....heißt es dann "Schwimm um dein Leben!" oder wird man mit Gummibooten (die in der Hitze der Lava aber sicher schmelzen würden) raus auf den See geschippert?,...ich weiß es nicht.

Nachdem der Schreck überwunden wurde, genossen wir,....ja, ihr ahnt es BBQ + Wein.

4 Uhr früh,...Aufbruch zur Vulkanbesteigung

4 Uhr früh,...Aufbruch zur Vulkanbesteigung

...aber ich bin schon wieder von meiner Geschichte abgekommen,....also am dritten Tag hieß es früh aufstehen. Man kann den Vulkan um 4 Uhr oder um 6 Uhr besteigen. 6 Uhr bedeutet Touristenmassen quälen sich wie eine Ameisenstraße die Serpentinen zum Kraterrand hoch und das erste Stück wird mit einem Sessellift zurückgelegt,...was ich persönlich ja als Beschiss empfinde. Die Hälfte der Strecke mit dem Sessellift zurücklegen, dann einige Minuten wandern und danach großspurig von "DER VULKANBESTEIGUNG" erzählen.

Blick aufs nächtliche Pucon

Blick aufs nächtliche Pucon

Pucon in der Morgendämmerung

Pucon in der Morgendämmerung

Unserem Sportsgeist folgend beschlossen wir also um 4 Uhr los zu gehen um die Touristenmassen zu meiden und auf eine Sesselliftfahrt zu verzichten und somit den ganzen Vulkan zu Fuß zu besteigen. Im Dunklen gingen wir los, den rot glühenden Vulkankegel vor uns. Insgesamt ging es an die 1.450 Meter hoch bis zum Kraterrand. Jetzt fragt sich der Flachlandtiroler vielleicht "Ja, aber war das nicht gefährlich, anstrengend, technisch herausfordernd?",.... Hinsichtlich Anstrengung gingen die Meinungen auseinander,...je nachdem wie viel Bergsteigen man gewohnt ist, würde ich sagen, es ist mittel-anstrengend bis anstrengend,...so keuchten die weniger Bergerfahrenen die steilen Flanken des Vulkans hoch, während die Erfahreneren zügig und ohne größere Anstrengung den Kegel erklommen,....aber müde waren wir danach alle. Technisch gesehen ist der Villarica aber als einfach zu bezeichnen, ein in Serpentinen sich den Kegel hinauf schlängelnder Weg ohne technisch anspruchsvolle Stellen oder gar gefährlichen Passagen.

Francesco und ich

Francesco und ich

...is noch weit?

...is noch weit?

Beim Anstieg setzte nach und nach der Sonnenaufgang ein. Die Morgensonne tauchte die umliegenden Berge zunächst in ein tiefes heller werdendes vielschichtiges Blau. Der Himmel im Übergang aus dem nächtlichen Schwarz, hin zum gräulichen Blau der Morgendämmerung bis hin zur violetten, orangen Morgenröte. Der Lago Villarica still am Fuße des Vulkans. Pucon und der Nachbarort Villarica aufgrund der städtischen Beleuchtung als grelle Punkte in der sich auflösenden Dunkelheit. Als wir bereits mit Eispickel und Steigeisen bewaffnet den letzen Anstieg zum Krater ansteigen, schiebt sich die grelle Sonne über den Bergkamm und taucht den Gletscherteil in grelles weiß. Ein wunderbarer Anblick und eine Wahnsinns Aussicht auf die umliegende Gegend.

Farbenspiel bei Sonnenaufgang

Farbenspiel bei Sonnenaufgang

.... österreichische-italienische Berdkammeraden

.... österreichische-italienische Berdkammeraden

...da kummt die Sun...

...da kummt die Sun...

...mit Steigeisen und Eispickel geht's hoch....

...mit Steigeisen und Eispickel geht's hoch....

Um 10 Uhr erreichten wir schließlich den Gipfel,...den qualmenden Kraterrand. In der beißenden Schwefelwolke fällt das Atmen schwer, die Augen und die Nase brennen,....gerade angekommen will man auch schon wieder weg aus dieser unwirtlichen Gegend.

shadows

shadows

...am Kraterrand,....Schwefelqualm,....

...am Kraterrand,....Schwefelqualm,....

jump #19

jump #19

Nach einem kurzen Imbiss etwas unterhalb des Kraters geht es am Hosenboden rutschend den Gletscherpart hinunter. In einer Schneerinne rutscht man die hunderten von Metern bergab,...einfach genial,...ein Spaß! Natürlich machten wir Fotos und Videos,....
Als ich mit dem Video dran war, war ich voller Begeisterung und legte mich hinsichtlich Geschwindigkeit natürlich voll ins Zeug. Fürs Video laut grölend "Wuhuuuu!".

Resultat: Am Ende der Rinne konnte ich nicht mehr bremsen und räumte so einige Bergkammeraden wie beim Kegeln aus dem Weg "ALLE NEUNE!",....peinlich,... das Alles wurde natürlich auch noch auf Video festgehalten,...und so trägt das Video nicht den Titel "Villarica - sportlich, elegant hinunter am Hosenboden" sondern eher "2 Fast 2 Stupid - dummer übermütiger Österreicher senst Wandertruppe aus dem Weg"....zum Glück hab nur ich eine Kopie des Videos,.... sonst wäre es vermutlich schon auf YouTube

hinunter geht's am Hosenboden

hinunter geht's am Hosenboden

Huiiii! ....."Ich kann nicht bremsen!!!,...Ahhhh!"

Huiiii! ....."Ich kann nicht bremsen!!!,...Ahhhh!"

Am frühen Nachmittag kamen wir zufrieden aber müde im Hostel an. Nach kurzer Siesta und BBQ mit Wein ging's des Abends in die Therme "Los Pozones". In den neben einem Fluss gelegenen, mit natürlichem, richtig heißem Thermalwasser gefüllten Naturbecken pflegten wir für einige Stunden unsere vom Berg geschundenen Knochen. Nach Mitternacht kehrten wir für unseren wohl verdienten Schönheitsschlaf ins Hostel zurück,....die Thermen jedenfalls zu empfehlen.

Die kommenden zwei Tage verbrachte ich dann mit Nixtun am Strand von Pucon oder im Hostel. Auch der Kontrast von schwarzen Sandstrand (Vulkangestein), tiefblauen Lago Villarica und dem immer präsenten Vulkan hat schon etwas Besonderes. Pucon hat mehrere Strände, ich war aber zu faul die ruhigeren Strände am Stadtrand aufzusuchen und so lag ich eben wie in Lignano zwischen hunderten von Sonnenschirmen eingekeilt am Strand,....nichts desto trotz,...angenehme Tage am Strand.

Hydrospeed

Hydrospeed

Als mittwochs der Adrenalinspiegel schon wieder Normalniveau erreicht hatte, beschlossen wir etwas Neues auszuprobieren - Hydrospeed.

Wie beim Rafting lässt man sich da die Stromschnellen hinab, diesmal jedoch auf einem Schaumstoffbrett im Wasser schwimmend,...sozusagen Bodysurfen im Süßwasser,....sehr lustig,...aber auch saukalt, trotz Neoprenanzug. Die Tour wäre auch richtig toll gewesen, hätten an der Tour nicht das chilenische Feindbild No#1 teilgenommen - eine israelische Reisegruppe.

Bevor sich nun political-correctness-Moralisten zum Aufstand erheben,...lässt mich erst mal erzählen . 99 % der Israeli begeben sich nach ihren 2 bzw. 3 Jahren Militär auf Weltreise. Die, welche alleine Reisen sind richtig lustig, höflich, benehmen sich gut, räumen ihren Mist weg und sind tolle Reisekammeraden,...weswegen ich auch annähernd 2 Monate mit einem reiste (First Sergeant Ran Bigon ),...

Anders hingegen sind Israelis wenn sie in Gruppen einfallen,...und das ist jetzt nicht nur meine Meinung. In Hostels teilweise gefürchtet, manche nehmen gar Israeligruppen gar nicht mehr auf, sind sie laut, hinterlassen überall ihren Mist und führen sich wie pubertierende 12 Jährige auf. Ran, der Arme, fand sich immer wieder mal in der Position des "Fremdschämens" wieder und mehrmals hörte ich ihn sagen "Ahh, diese idiotischen Gruppen,... deswegen haben wir so einen schlechten Ruf,...ich mag diese Gruppen einfach nicht!".
Aber warum sind sie "DAS Feindbild No#1" in Chile? Ich komm nochmal in einem späteren Kapitel darauf zurück,...zunächst aber nur so viel. Ein Israeli hat im Dezember 2011 Klopapier im chilenischen Nationalpark Torres del Paine verbrannt und dabei den Großteil des Nationalparks abgefackelt. Mehrere Wochen war der Park geschlossen und es dauerte ewig bis die Flammen gelöscht werden konnten. Genaueres aber wie gesagt, wenn ich euch über Torres del Paine berichte. Wegen dem Benehmen der Gruppen und eben wegen dem Abfackeln von DEM chilenischen Nationalpark, haben die Israelis an Reputation in Chile merklich eingebüßt.

Bei unserer Hydrospeedtour ergab sich aber folgendes Bild:
Ich und 2 Engländer mit Helm am Kopf und Board unter unserem Körper warteten gemeinsam mit unserem Guide im Wasser.
Guide zu den Israeli: " Setz bitte deinen Helm auf und komm ins Wasser"
3 min....
"Setz bitte den Helm auf!!!"
3 min....
"SETZ VERDAMMT NOCH MAL DEN HELM AUF!!!!"

"..und jetzt komm bitte ins Wasser,...nimm dein Bord und spring rein"
3 min...
"...ins Wasser,....komm,.... UND DU!!! SETZ DEN HELM AUF!!!"
3 min...
"SETZ DEN HELM AUF UND KOMM INS WASSER!!!"

nach einigem hin und her, und einigen weiteren Minuten Warten, in denen das kalte Wasser meine Füße irgendwie taub erscheinen ließ,....waren dann endlich alle 9 Israelis (mit oder ohne Helm) im Wasser. Mehrere Minuten später und schon einen sichtlich genervten Tourguide an meiner Seite, hatten dann auch endlich alle ihre Helme auf.

"Bitte bleibt jetzt zusammen,...immer mir nach"

Wie 12 jährige verzogene Einzelkinder dachten die Israelis gar nicht daran auf den Guide zu hören und stoben auseinander,....den Ausführungen in puncto Sicherheit unseres Guides gar nicht erst zuhörend....

"BLEIBT ZUSAMMEN! UND HÖRT HER...."
"Ich sag's euch,...Hydrospeed ist nicht ungefährlich, ihr müsst daher zu eurer eigenen Sicherheit meinen Anweisungen folgen,...WER DASS NICHT KANN, DER FÄHRT DEN FLUSS IM BOOT HINUNTER UND FÜR DEN IST DIE TOUR VORBEI!!! CLARO?"

Anstelle einzusehen, dass es Sinn macht dem Guide zu folgen und zusammen zu bleiben stoben wieder alle auseinander,...spritzten mit dem Wasser um sich, lachten und ignorierten den Guide.... eine Israelin schnauzte den Guide sogar an "Ach sei ruhig, ich hab für die Tour bezahlt,... mir is das egal,... wenn du keine Ruhe gibst fahr ich eben ohne dich den Fluss hinunter... was willst du da machen?"

Dem Guide, den Engländern und mir blieb erst mal der Mund offen stehn,... der Guide fasste sich dann aber doch wieder und regelte die Situation noch irgendwie diplomatisch....

Mehr oder weniger alle in einer Reihe (eher weniger),...ging es dann die erste "Stromschnelle" hinunter,...wobei Stromschnelle konnte man dieses bisschen vor sich hin blubbernde Wasser gar nicht nennen. Die Engländer und ich mussten dann seeeehr breit grinsen ,.... zwei der israelischen Mädchen (darunter auch die Freche) flüchteten sich nach dieser "Stromschnelle" voller Panik ins Boot . Die Hose gestrichen voll vor so viel Wasser, zogen sie es doch vor die Tour freiwillig im Boot zu beenden.

Für den Guide und uns hieß das "Ende gut, alles gut!",.... denn die meisten der Israeli, soviel Wasser offensichtlich nicht gewohnt, waren von dem Moment an zahm wie Lämmchen.

Am Abend gab es,....ja,...BBQ und Wein,... und nein,..es wurde uns nicht zu blöd, Abend für Abend den Grill anzuwerfen,.... dazu war das alles einfach zu lecker

Nationalpark Wekewekwekwek,....oder so

Nationalpark Wekewekwekwek,....oder so

Den darauffolgenden Tag fuhren Ran und ich in den nahegelegenen Nationalpark Huerquehue,... was man übrigens <werkewe> ausspricht,.... die Tage davor hieß der Nationalpark wegen diesem unaussprechlichen Namen eigentlich immer nur "Wekewekewewe" für uns,..wir wurden aber auch so von allen verstanden,....aber ich schweife schon wieder ab...

...ok,...Nationalpark Huerquehue....

...ok,...Nationalpark Huerquehue....

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also früh morgens ging es in den Nationalpark,.... landschaftlich sehr beeindruckend und wunder schön. Bergauf, bergab in tiefgrünen Wäldern besucht man so den ganzen Tag über mehrere Seen, in denen man auch schwimmen kann,...auch wenn deren Temperatur eher als "sehr kühl" einzustufen ist. Man kommt auch an einigen Wasserfällen vorbei.

Seen im Nationalpark

Seen im Nationalpark

müde Füße bei der Mittagspause

müde Füße bei der Mittagspause

jump #20

jump #20

Da es ein Nationalpark ist, werden umgestürzte Bäume mehr oder weniger liegen gelassen,.... und so sieht man mit etwas Fantasie mystische Figuren, gar Gesichter und Tiere in den verschnörkelten Baumresten....aber seht selbst:

Der Taucher

Der Taucher

Die Schlange

Die Schlange

Das Alte Gesicht am Wasserfall

Das Alte Gesicht am Wasserfall

Die folgenden Tage verbrachte ich dann eher ruhig am Strand, im Hostel oder in der Stadt, ehe sich am 12. Februar die bunt zusammengewürfelte Pucontruppe auflöste und alle ihres Weges zogen. Einige traf ich einige Tage später wieder,...in Puerto Montt, von wo aus wir gemeinsam die Navimag Fähre ins tiefe Patagonien nehmen wollten,...nach Puerto Natales,...davon aber im nächsten Kapitel.

Ich fuhr mit einem Minibus ins verschlafene Puerto Octay am Lago Llanquihue. Auch hier erhebt sich aus der Ebene ein Vulkan,...schneebedeckt, still, inaktiv - der Vulkan Osorno. Von Puerto Octay, in dem ich mit Jerome aus Frankreich an einem Tag den Wasserfall am Fuße des Vulkans besuchte, handelte ich mich die folgenden Tag bis nach Puerto Montt weiter.

Puerto Octay - Blick auf den Vulkan Osorno

Puerto Octay - Blick auf den Vulkan Osorno

Blick vom Hostel aus,.... auf den Vulkan Osorno

Blick vom Hostel aus,.... auf den Vulkan Osorno

Wasserfall am Fuße des Vulkan Osorno

Wasserfall am Fuße des Vulkan Osorno

Jerome und ich bedienten uns dabei der hier durchaus üblichen und günstigsten Transportmöglichkeit - dem Hitchhiking. Für mich war Autostoppen ja völlig neu,....in Österreich nie von mir praktiziert,... in Bolivien undenkbar. Hier im Süden, wo Busse rar sind, ist Autostoppen sehr verbreitet und da es so verbreitet ist, dauert es immer nur wenige Minuten, bis ein Auto anhält und einen mitnimmt. Mehrmals auf der Strecke werden dann auch, neben einem selbst, noch weitere meist lokale Autostopper mitgenommen. Die Chilenen in dieser Gegend gehören zu den herzlichsten und nettesten Menschen die ich auf meiner Reise bisher getroffen habe. Sie sind interessiert und hilfsbereit. So fuhr ein Autofahrer mit uns extra 5 Kilometer weiter um uns an einer Busstation raus zulassen - sicher sei sicher,... ein anderer fuhr mit uns 30 Minuten durch das Örtchen Frutillar um für uns das von uns gesuchte Museum zu finden. So was würd ich gerne mal in Österreich sehn, wo jeder glaubt, Autostopper sind doch eh alles Serienkiller

Hitchhiking für Anfänger,...und gemäß dem "Hitchhiker's guide through the galaxie von Douglas Adams" lautet das Motto: DON'T PANIC

Hitchhiking für Anfänger,...und gemäß dem "Hitchhiker's guide through the galaxie von Douglas Adams" lautet das Motto: DON'T PANIC

im Örtchen Frutillar am Strand,....

im Örtchen Frutillar am Strand,....

Jerome und ich in Frutillar

Jerome und ich in Frutillar

Naja,....nach 4 Tagen erreichten wir schließlich Puerto Montt. Ich kaufte mir, da hier wesentlich günstiger als im Süden, Zelt und Campingzubehör für Patagonien. Das Wetter war schlecht, es regnete pausenlos. In der Bar an der Ecke der Straße zu meinem Hostel, traf ich schließlich vereinbarungsgemäß, Ran und Hannah wieder. Gemeinsam bestiegen wir Tags darauf die Navimag-Fähre nach Puerto Natales. Von der Fährfahrt und den Abenteuern in Patagonien aber nächstes Mal.

Euer Matthias

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Ab Juni 2011 geht es einmal um die Welt,...so ist zumindest der Plan,…wie lange es tatsächlich dauert und wo es dann überall hingeht wird sich noch zeigen... Dieser Blog ist für alle, die wissen wollen wo auf der Welt ich mich gerade rumtreibe und was ich dort so erlebe. Das erste Jahr in Südamerika ist leider schon vorüber,...aber im Herbst geht's sofern alles klappt weiter in Richtung Asien und Ozeanien ,-) Freu mich natürlich über Nachrichten im Guestbook. Viel Spass beim „Mitreisen“!
Details:
Aufbruch: 15.06.2011
Dauer: 24 Monate
Heimkehr: Juni 2013
Reiseziele: Ecuador
Cotopaxi
Peru
Bolivien
Chile
Argentinien
Paraguay
Uruguay
Brasilien
Österreich
Der Autor
 
Matthias Juranitsch berichtet seit 10 Jahren auf umdiewelt.
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