Szenen aus Vietnam

Reisezeit: Mai 2014  |  von Misch und HO :-)

Szene 16 - Das halbe Millionen-Taxi

Am Busbahnhof - welcher eigentlich mehr eine normale Strasse ist, angekommen überwachten wir erst einmal die Entladung unseres Gepäcks. Nicht, dass wir misstrauische Menschen wären, aber wenn gefühlte 100'000 Touristen und fast genau so viele Taxifahrer und Busfahrer um einen herumschwirren, macht es schon Sinn, ein Auge auf seine zwei, drei Taschen zu haben.

Während Ho also ein genaues Auge auf die Taschen hatte, welcher er zu ergattern hatte, trat Misch in Verhandlungen mit den Taxifahrern und bald hatte man rausgefunden, wo wir hinwollten. Der geflissentliche Taxifahrer trat die Tour freundlich wie er ist an einen Kollegen ab - Aha! - und schon befanden wir uns mit unseren sieben oder mehr Sachen im Taxi, welches sofort losfuhr, und schon an der ersten Ecke knapp 30'000 Dong auf dem Zähler hatte. Solchermassen sensibilisiert - wir sind ja nicht sensibellos, wie dem einen oder anderen von uns bereits einmal unterstellt wurde - beachteten wir den Taxameter genau, welcher gar wundersame Dinge machte. Kaum war er nach ein paar weiteren hundert Metern auf 100'000 Dong sprang er doch sogleich auf 105'000 Dong und in derselben Sekunde auf 130'000 Dong. Die Route war auch sehr interessant, fühlte sie ich doch wie eine grosse Rundfahrt an. Rundfahrt im nahezu runden Sinne übrigens. Der Reisende an sich ist ja nicht ganz der Dummheit zugeneigt und weiss zu bemerken, dass langes geradeausfahren, abbiegen nach links, weiteres langes geradeausfahren und abbiegen nach links, gefolgt von längerem geradeausfahren und abbiegen nach links doch schon mal 3/4 eines Quadrats sind. Wir vermuteten alsbald, dass wir irgendwann wieder nach links abbiegen mussten, doch just in dem Moment als Misch knapp zu Ho sagte, dass wir an dieser Stelle bereits mit dem Bus durchgefahren sind fuhr der Taxifahrer geradeaus. Er fuhr über eine grosse Kreuzung und schon sahen wir unser Hotel in gar nicht allzu weiter Ferne. Eine Distanz, die wir in dieser Zeit schneller hätten laufen können. Der Taxifahrer deutete uns dass das Hotel in der Nähe sei, während sein Taxameter mittlerweile schon bei fast 400'000 Dong stand. Er fuhr noch ein wenig weiter geradeaus als notwendig, bog dann zweimal links ab und schon waren wir sozusagen vor unserem Hotel, an dem der Taxifahrer ca. 50 Meter vorbeifuhr um an der Seite anzuhalten.

Holger wollte aussteigen, was jedoch aufgrund der verriegelten Türen nicht ging. Der Taxifahrer wollte sein Geld erst haben. Die letzten beiden Aktionen des Fahrers hatten den Taxameterstand mittlerweile übrigens über 500'000 Dong getrieben, also etwas mehr als USD 25.00.

Das war der Moment, in dem Misch fragte, warum der Fahrer denn mit einem so grossen Umweg genau an der Strasse vorbeigefahren ist, wo wir mit dem Bus angekommen sind. Die Gegenfrage des Fahrers war, wieviel wir zahlen wollten.
Holger wollte eigentlich an der Stelle gar nicht erst zahlen, sondern erst einmal raus aus dem Taxi und sagte dem Fahrer, dass dieser die Türe öffnen sollte. Was natürlich nicht geschah, da der Fahrer ja erst noch sein Geld wollte. So ging es eine kurze Weile hin und her, Worte wie Betrüger und ähnliches vielen, Holger insistierte das eine oder andere Mal, dass der Fahrer die Tür öffnen solle, was dieser natürlich weiterhin nicht tat und irgendwann wurde es Holger zu dumm, er beugte sich nach vorne um den Schlüssel vom Zündschloss abzuziehen, was zumindest bedeutete, dass die Zentralverriegelung sich öffnen würde und der Fahrer nicht so einfach wieder mit uns weiterfahren konnte.
Das erboste den Fahrer doch sehr, aber Misch hatte mittlerweile zumindest eine Tür geöffnet, was ein weiterfahren verunmöglichte, woraufhin der Fahrer erneut nachfragte, was wir zu zahlen bereit wären. Ho mittlerweile recht genervt beschied ihm, dass er USD 10.00 zahlen würde, woraufhin die Türen sich auf einmal öffneten, der Wagen entladen wurde und Misch das Geld heraussuchte, um den Fahrer die ihm zustehenden USD 5.00 zu überreichen.
Der jedoch fand das gar nicht lustig und bestand weiterhin auf seinen USD 10.00, er wolle USD 5.00 von jedem. Misch fand jedoch, dass das zuviel wäre und sagte ihm dass diese USD 5.00 mehr als genug seien, worauf hin der Fahrer Misch leicht zur Seite stiess in sein Vehikel stieg und davonbrauste.

Ja ja... das Leben ist einfach gemein. Wir sind mit "nur" 100'000 Dong davongekommen (immer noch zuviel für die Distanz, aber wir hatten ja ein, zwei Gepäckstücke mehr als bei unserer Ankunft in Vietnam) und der Fahrer statt der erhofften USD 10.000 nur die Hälfte bekommen. Ganz nach dem Motto:

Bescheisst DU mich, bescheiss ICH Dich...

© Misch und HO :-), 2014
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Zum Routing: Flug von Zürich nach BKK mit Swiss, Weiterflug nach Hanoi. Zwei Nächte Hanoi, eine Nacht Halong Bay, Flug nach Hue, zwei Nächte dort. Transfer nach Hoi An, hier vier Nächte, dann der Nachtzug nach Mui Ne. Nach zwei Nächten dort irgendwie nach Ho Chi Minh City gelangen, zwei Nächte in Saigon verbringen. Dann nach BKK fliegen, auf ein Feierabendbierchen mit Cyrill gehen, übernachten und powershoppen; zuletzt dann noch der Rückflug mit Swiss nach ZRH.
Details:
Aufbruch: 01.05.2014
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 18.05.2014
Reiseziele: Vietnam
Thailand
Der Autor
 
Misch und HO :-) berichtet seit 12 Jahren auf umdiewelt.