In 82 Tagen durch Süd-Ost Asien

Reisezeit: November 2010 - Februar 2011  |  von Anna Müller

Vietnam: Easy Rider Tour

Wir waren noch keine Stunde in Nha Trang, da wurden wir schon von Dung, einem Easyrider, angesprochen. Der erste Eindruck war recht positiv und so ließen wir uns von Dung und dessen Halbbruder Jong auf Motorrädern in ein Cafe bringen.
Dort klappte Dung sein Notebook auf und wir wurden ausführlich mit Infos, Bildern und Feedback-Berichten versorgt. Innerhalb von 4 Tagen sollten wir auf Motorrädern von Nha Trang nach Mui Ne gebracht werden - fernab der typischen Touristenroute. Alles klang richtig gut (sehr interessant & ein bisschen abenteuerlich) und kurze Zeit später lernten wir noch den zweiten Fahrer, Eddi, kennen. Die Beiden entkräfteten auch unsere letzten Bedenken:

Wie wird das Wetter unterwegs sein, hoffentlich kein Regen? "Nein, keine Regenzeit und auch in den letzten Tagen war alles trocken."

Kriegen wir unsere riesigen Rucksäcke und sonstiges Gepäck wirklich alles auf die Motorräder? "Klar, absolut kein Problem"

Könnte etwas unbequem sein, 4 Tage auf einem Motorrad zu sitzen? "Nein, es gibt ja unterwegs eine Menge zu sehen und somit auch viele Stopps".

Das Ganze ist mit 50 EUR pro Person und Tag zzgl. Hotelkosten relativ teuer! Das sehen Dung und Eddi anders, "you get what you pay", lassen sich aber dennoch auf 47 EUR "runterhandeln".

Nun gut, Dung und Eddi machten einen wirklich zuverlässigen, netten Eindruck und weil wir unbedingt schleunigst Nha Trang verlassen wollten, buchten wir - ohne lange zu überlegen - bei den Beiden die Tour für den übernächsten Tag.

Los geht´s !!

Tag 1 - No rain no fun

Pünklich um 8:30 Uhr steht Eddi vor unserem Hotel, allerdings ohne Dung. Er überreicht uns einen Brief von Dung in dem steht, dass ihm leider etwas dazwischen gekommen ist und er als Ersatz seinen Halbbruder Jong schickt. Jong war vorgestern ebenfalls mit im Cafe, wir konnten ihn allerdings nicht kennenlernen, denn er spricht nicht ein Wort englisch. Na prima, das geht ja schon mal gut los. Absagen möchten wir jedoch auch nicht, denn wir möchten keinen Tag länger in Nha Trang bleiben.

Unsere Rucksäcke und Taschen werden in wasserfeste (?) Säcke gepackt und auf den Motorrädern verstaut. Wir steigen auf und brausen tatsächlich mit den Beiden davon. Die ersten Kilometer wirken noch etwas unheimlich aber es macht auf jeden Fall Spaß. Wir fahren an der Küste entlang, machen Halt in einem Fischerdorf und Eddi erklärt uns die Herstellung der runden Fischerbötchen (die sind z. T. aus Kuhmist). Es geht weiter Richtung Landesinnere und es beginnt zu regnen. Beim nächsten Stopp zum Mittagessen sind wir komplett durchweicht. Unsere Rucksäcke werden aus den wasserdichten (a-ha!) Säcken gepackt, wir ziehen uns um und bekommen Regenkleidung. Leider großteils defekt bzw. nicht ausreichend und so bleiben wir nicht lange trocken.

Bis wir gegen 17 Uhr - ziemlich fertig und erneut durchweicht - unser Hotel in Buon Ma Thout erreichen, besuchen wir eine Ziegelsteinfabrik, ein Waisenhaus sowie eine Pfeffer- und Kakaoplantage. Vom Regen abgesehen macht die Fahrerei wirklich sehr großen Spass.

Tag 2 - Es gibt viel zu sehen
Am zweiten Tag fahren wir nur ca. 80 Kilometer, bekommen dafür aber eine Menge zu sehen.

Ganz gleich was wir besichtigen, (Imkerei, Kaffeeplantage, Pilzzucht, Hühnerfarm etc.) Eddi kann die Abläufe und Details sehr gut erklären.

Besonders ausführliche Infos gibt es zum Minderheitendorf "Jun". Verschiedene Vökergruppen wurden in diese Region umgesiedelt und leben hier nun in erbärmlichen Verhältnissen. Etwas missmutig erklärt er uns, dass die Regierung hier u.a. für Schulbildung und ärztliche Versorgung aufkommt, er hingegen für seine zwei Kinder Schulgeld zu zahlen hat. Das Verhältnis zu diesen Völkern ist spürbar schlecht.

Als nächstes besuchen wir eine Familie mit wunderschönem Obst und Gemüsegarten und essen die weltbesten Maracujas. Bevor wir gehen wird eine Holzbox geöffnet und Eddi verziehrt uns mit ganz goldigen, 2-Monate jungen Mini-Pythons. Als Steigerung wurde uns dann noch das Muttertier um den Hals gelegt.

Unsere heutige Unterkunft ist ein schönes Resort am Lak Lake, die wir allerdings auch diesmal nicht trocken erreichen.

Tag 3 - Es wird kalt
Geübt schwingen wir uns heute in den Sattel und fahren nach Dalat. Die Stecke führt über dschungelbewachsene Berge und durch Täler, endlose Serpentinen. Die Strassenverhältnisse sind nicht besonders gut: manche Strassen scheinen nur aus Schlaglöchern zu bestehen, an anderen Stellen stecken wir im Matsch fest.

Eddi zeigt uns eine Maracujaplantage sowie den absolut großartigsten Buddha den wir je gesehen haben (und das waren wirklich einige).

Hier und heute zeigt sich sehr deutlich das Problem, das manche Vietnamesen (oder Asiaten im allgemeinen?) nicht sagen können, dass Sie etwas nicht verstehen oder die Antwort nicht kennen. Hier die Geschichte dazu:

Wir stehen am Eingang zur Tempelanlage, Eddi verschwindet irgendwo hin und Dung, der kein Englisch versteht, soll uns zu den Statuen etc. führen. Vorher würde ich aber gerne noch auf die Toilette - irgendwo auf der Anlage muss eine sein - es prässiert bereits.
Ich: Toilett?
Dung: Nickt, winkt, ich solle ihm folgen.
Wir stehen in einem Raum voll Buddhas, ich möchte nicht unhöflich sein, zeige mich interessiert und fotografiere, muss aber eigentlich ganz dringend.
Ich: Toilett, please !!!
Dung: hebt den Finger, sagt "ahhh", winkt wieder. Ich folge.
Wir gehen ein paar hundert Meter, er vorran und zeigt auf etwas hinter der Ecke. Ich freue mich, laufe schneller und mir entgleisen die Gesichtszüge als Dung auf den großen - zugegeben fantastischen Buddha zeigt.
Ich: No! Toilett !!
Dung: Nickt, grinst ganz stolz und macht mit den Händen vor dem Gesicht die fotografier-Gestik.
Ich (verzweifelt - die Analge ist groß, nirgendwo ein Schild, so viele Gebäude): "Toilett, Restroom, 00, WC, Pipi": Nichts funktioniert. Mein Freund führt als Mann per Gestik vor, welchen Ort ich suche. Aber obwohl er sich Mühe gibt und seine Bewegungen meiner Meinung nach eindeutig sind, schüttelt Dung nun verständnislos mit dem Kopf, und macht wieder das photografier-Zeichen, allerdings etwas entmutigt, er tut mir fast schon leid.

Neben uns sitzen ein paar Mädchen in Schuluniform auf einer Bank. Ich frage auf englisch nach der Toilette. Die Mädchen kichern, halten sich die Hand vor den Mund und schauen mich mit großen Augen an. Das das auch nichts wird ist mir in dem Moment klar. Gedanklich sehe ich mich schon hinter den nächsten Zier-Strauch pinkeln. Als plötzlich -für mich sind bereits gefühlte Minuten vergangen - eines der Mädchen sagt "once again, please, slowly". Meine Rettung. Alle Mädls begleiten mich den gefühlt 1 km langen Weg (tatsächlich waren es wohl "nur" ca. 200 Meter) zu einer extrem grausamen, aber erlösenden Toilette.

Hätte Dung bereits am Anfang deutlich gemacht, dass er keine Ahnung hat, was ich will. Hätte ich mich am Anfang gleich selbst auf die Suche begeben, oder jemand anderen gefragt, oder er hätte Übersetzungshilfe holen können... oder, oder. Aber dann hätte ich auch eine Geschichte weniger.
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Ausserdem sehen wir heute bei der Seidengewinnung zu.
Die Cocons (incl. Raupe) werden in kochendem Wasser eingeweicht, was der Raupe nicht gut bekommt. Anschliessend werden die Fäden gezogen, aufgewickelt und getrocknet. Für ein Kleid werden ca. 3000 Tiere benötigt.
Wir fahren weiter, nicht ohne 3 Cocons in unsere Jackentaschen geretten zu haben und plötzlich wird es kalt. Wir nähern uns Dalat, (1.500 Meter über dem Meeresspiegel), ziehen bei ca. 12 Grad Fleecejacken an und erreichen etwas fröstelnd unser Hotel.

[f]Tag 4 - Hit the road[/f]
... das Motto der Easyrider. Ingesamt sehen wir auf der gesamten Strecke nur drei weitere davon. Ansonsten begegnet uns ausserhalb von Dalat nicht ein Tourist. Da Europäer nur selten in diese Gegenden kommen, werden wir von den Vietnamesen interessiert begutachtet und die Kinder winken uns lachend zu.

Heute macht die Fahrt so richtig Spass. Wir verlassen Dalat bei Sonnenschein, besichtigten noch das Crazy House (seltsame Architektur, mit unzähligen Treppchen und Mini-Räumen) und machten uns auf den Weg nach "unten". Die bergige, bewachsene Landschaft verwandelte sich in eine wüstenähnliche Ebene und dann, urplötzlich ragten Sanddünen empor. Innerhalb von 4 Stunden Fahrt (ca . 200 km) änderte sich das Klima von feuchten 15 Grad auf über 30 Grad. Wir haben Mui Ne erreicht.

Besuch im Waisenhaus

Besuch im Waisenhaus

... nur eine von vielen Transportmöglichkeiten

... nur eine von vielen Transportmöglichkeiten

© Anna Müller, 2011
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Fast 3 Monate Urlaub, knapp 12 Wochen Sommerwetter während in Deutschland der Schnee fällt. Wir tauschen für 82 Tage Arbeit und Alltag gegen neue Eindrücke und Erlebnisse.
Details:
Aufbruch: 22.11.2010
Dauer: 12 Wochen
Heimkehr: 11.02.2011
Reiseziele: Thailand
Vietnam
Kambodscha
Philippinen
Deutschland
Der Autor
 
Anna Müller berichtet seit 14 Jahren auf umdiewelt.