Nebensaison Januar/Februar/März in Swakopmund

Reisezeit: Januar - März 2026  |  von Manfred Sürig

Eine Tour nach der angesagten Windrichtung planen

morgens Nordnordwest, nachmittags süddrehend und zunehmend

Als Segler in Dänemark wüßte man, wie man zu segeln hätte: Morgens Richtung Süden und nachmittags wieder zurück nach Norden.
Mit dem Fahrrad in Swakopmund geht das unmöglich, weil gleich südlich hinter dem Swakopriver die Wüste beginnt und die Hauptstraße nach Walfishbay im Süden wird rücksichtslos von den Autos in Beschlag genommen, für Radler unmöglich zu benutzen.
Alle meine Versuche, statt dessen mal weiter in den Norden vorzustoßen, habe ich mir verkneifen müssen, weil ich nie sicher war, wann der stärkere Südwestwind am Nachmittag einsetzt.
Wie kann ich da das Wetter überlisten ?
Bleibt nur, morgens mal früher zu starten, gegen den dann noch schwächeren Nordwestwind bis an den Nordrand von Swakopmund, zur MILE 4 zu fahren und dann Straßen zu nutzen, die nach Osten oder Südosten führen, bevor der Nachmittagswind einsetzt.
Da lockt noch einmal die Millionärssiedlung Rossmund Village mit ihrem Clubhaus mit gutem Mittagstisch.
Vom Mittagessen gestärkt bleibt dann nachmittags der Rückweg westwärts nach Kramersdorf zu meiner Pension übrig, bei dem ich dann testen muß, ob meine Kondition noch ausreicht.
Heute ist Sonntag, vielleicht auch weniger Autoverkehr, dazu Sonne satt, also starte ich diesen Versuch mal !
Mit Tempo 12 km/h schaffe ich es, durch die schönen Villenvietel entlang des Küstensaums etwa 8 Kilometer bis zur Mile 4, dem größten Campingplatz Swakopmunds mit über 300 Stellplätzen, die in der Hauptsaison zwischen Weihnachten und Neujahr alle belegt sein sollen.
Das Eingangstor ist auch heute geöffnet, nur dahinter ist alles leer:

Wenn auch die andern Campsites im Norden Namibias so leer sind, werden wir uns auf unserer geplanten Tour mit dem Wohnauto wohl nirgends vorher anmelden müssen.

Wenn auch die andern Campsites im Norden Namibias so leer sind, werden wir uns auf unserer geplanten Tour mit dem Wohnauto wohl nirgends vorher anmelden müssen.

Lebhafte Bautätigkeit in allen Stadtteilen, sogar sonntags !

Von der Mile 4 führt eine Ocean View Ave nach Osten. Da kann ich meine Windjacke ausziehen und mich vom Rückenwind schieben lassen. Links wird die Ozeansicht schon wieder zugebaut, große Bagger bauen die Straßen, Wasser- und Stromversorgung für den nächsten Stadtteil.
Das werden wahrscheinlich auch wieder Villenviertel für auswärtige Geldanleger.
Nach 2 Kilometern komme ich an die Salt Road nach Henties Bay, auf der ich weitere 2 Kilometer Südkurs nehme, erfreulicherweise wieder mit Rückenwind. Allerdings hüllen mich alle überholenden Autos in die Staubwolke, die sie aufwirbeln.
Dann folgen 8 Kilometer Ostkurs Reguit Str in die Wohnviertel der hiesigen Einheimischen.
Hier überholen mich allenfalls noch Taxis und der Rückenwind läßt mich den Anstieg vergessen.
Die Straße ist sogar gepflastert und hat Straßenlampen auf beiden Seiten. Sie führt genau nach Osten in die Stadtteile Mondesa und Matutura.
Links stehen Tausende ziemlich gleichartige Steinhäuser, eingerahmt von kleinen Mauern, Holzzäunen oder Paletten oder ausgedienten Autoreifen. Immerhin ein bescheidener Wohlstand. Die Straßenbezeichnungen lassen auf die Bauherren schließen: Uranuim :vielleicht von der Urangrube fur die bei ihr tätigen Arbeiter gebaut ?
Rechts fällt der Blick auf die Slums der Ärmsten der Armen.

Fast alle dieser selbst errichteten Hütten scheinen unbewohnt zu sein. Sollten es die Bewohner zu etwas mehr Wohlstand gebracht haben und sich ein Steinhäuschen zugelegt haben ?

Fast alle dieser selbst errichteten Hütten scheinen unbewohnt zu sein. Sollten es die Bewohner zu etwas mehr Wohlstand gebracht haben und sich ein Steinhäuschen zugelegt haben ?

Auch ein Randbezirk von Swakopmund

Zwischen den beiden Vierteln ein Wüstenstreifen von etwa 400 Metern Breite, durch den eine Hochspannungsleitung führt. Je weiter ich ostwärts fahre, desto schlechter wird der Straßenzustand, aber links werden Hunderte von weiteren einfachen Steinhäusern gebaut. Auch heute am Sonntag wird weiter gearbeitet.

außen herum nach Rossmund Village

Die Straße endet, aber eine Spur von einigen Autos führt mich in einem kleinen Bogen auf eine Kette von Begrenzungspfählen zu, hinter denen eine Schnellstraße von Walfishbay nach Henties Bay führt.
An einer Stelle sind 2 Pfähle ausgerissen, die Autospur führt auf diese Schnellstraße !
Den Weg nehme ich, er führt nach Südosten und gegen 12 Uhr kann ich den Rückenwind noch voll auskosten! So fahre ich einen Bogen östlich von Swakopmund durch die Wüste, nur gelegentlich begegnen mir dort Autos oder ich werde überholt - kein Problem, der Standsstreifen der Straße ist breit genug und führt mich bis auf das riesige Autobahnkreuz, wo die Abzweigung nach Windhuk erreicht wird.
Dann bin ich wieder in bekanntem Gelände und biege rechts ab in die Mulde von Rossmund Village.
Mein Tacho zeigt 41 gefahrene Kilometer in nur 2 Stunden, so schön kann Radeln in Sonne und Rückenwind sein !

...und den Golfplatz besichtigen

Vom Clubhaus des Golfclubs kann man die Größe des Geländes kaum überblicken, da werde ich es mal mit dem Fahrrad abfahren, was Autos hier ja nicht dürfen !
Nach Westen ist die Straße abgesperrt, aber dort wird doch auch gebaut, per Fahrrad komme ich auch hin und fahre weiter, bis ich an eine Begrenzung komme: das ist der Zaun zur Wüste dahinter!
Ich fahre den Bogen weiter nach links, jede kleine Nebenstraße führt durch neue Baustellen am Rand des Golfplatzes, Alle Häuser mit drei Garagen, das meiste bereits verkauft, an einer Baustelle kann ich auch mal den Preis entziffern:

8 Leute sind ständig damit beschäftigt, das Gelände sauber zu halten, dazu haben sie schweres Gerät zur Verfügung, das den Abfall auf den Begrenzungszaun zuschiebt.

8 Leute sind ständig damit beschäftigt, das Gelände sauber zu halten, dazu haben sie schweres Gerät zur Verfügung, das den Abfall auf den Begrenzungszaun zuschiebt.

Wasser steht zur Verfügung

Dazwischen die Grünflächen mit den Golfspielfeldern, die ständig mit Wasser bespritzt werden.
Das Gras muß aber auch kurz gehalten werden, damit man gut Giolf spielen kann. Das erledigen Spingböcke, wenn gerade die Golfspieler nicht auf der Wiese sind.

8 Kilometer Rundfahrt durch den Golfplatz

Nach weiteren 45 Minuten immer am Rand des Golfplatzes entlang komme ich am äußersten Ende der bewohnten Siedlung heraus, durch die ich vor einigen Tagen schon gefahren bin und kann mich erneut an der dortigen Gartenpracht der Steingärten vor den Villen erfreuen.
Im Clubhaus nach dem Mittagessen steht dann das Finale gegen den aufgefrischten Westwind auf dem Programm, 10 Kilometer zurück bis Kramersdorf, für die ich dann 75 Minuten benötige.
65 Kilometer Swakopmund und Umgebung an einem Tag, das reicht !

© Manfred Sürig, 2025
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Schneesturm im Deutschen Norden und 25 Grad in Windhuk/Namibia. Nichts wie weg, wenn man's noch kann. Mit 88 will ich's erneut versuchen! Mal sehen, was sich dort in einem Jahr verändert hat.
Details:
Aufbruch: 13.01.2026
Dauer: 8 Wochen
Heimkehr: 11.03.2026
Reiseziele: Namibia
Der Autor
 
Manfred Sürig berichtet seit 20 Jahren auf umdiewelt.