Kanada - Von der West-zur Ostkueste oder doch erstmal in den Norden?

Reisezeit: Mai 2010 - September 2011  |  von Isabel Maltan

Blachfordlakelodge: Tanzende Seelen

George und ich waren fuer vier Tage die Hausverwalter der Lodge, da Mike in die Stadt zurueck musste.
Unsere Aufgaben bestanden vor allem darin den Strom und somit die Kuehlung am Laufen zu halten, was hiess, dreimal am Tag Diesel nachzufuellen und morgens und abends den grossen Generator zu starten.
Ausserdem musste ich morgens, mittags und abends an einer Messstation die Temperatur, Niederschlag, Windstaerke ablesen, Windrichtung und Wolkenform bestimmen und an das Feuerdepartment telefonisch Bericht erstatten (Gar nicht so einfach mit einem Satellitentelefon, da die Verbindung meist ziemlich schlecht war und dann auch noch alles in englisch ).
Und wir mussten in der Lodge uebernachten, um den Baeren davon abzuhalten durchs Fenster reinzuklettern (Hatte er zwei Tage bevor ich hier angekommen bin versucht, wurde aber von Mike durch einen Warnschuss verjagt. Ich frag mich auch wie er das machen wollte, da die Fenster ziemlich klein sind ).

mal bei Sonnenschein gesehen
Der Baer versuchte doch tatsaechlich bei diesem kleinen Fenster (mittlere Fensterfront, rechts unten) ins Haus zu gelangen

mal bei Sonnenschein gesehen
Der Baer versuchte doch tatsaechlich bei diesem kleinen Fenster (mittlere Fensterfront, rechts unten) ins Haus zu gelangen

Aber es gab keine Notfaelle, keine Baeren zu verjagen und der Strom lief.
So verfloss die Zeit entspannt, wir erledigten, was sonst noch anstand (malern und Farbe abkratzen)

Ich konnte nur schwer widerstehen, barfuss in der Farbe rumzulaufen und mich anstatt des Decks anzumalen

Ich konnte nur schwer widerstehen, barfuss in der Farbe rumzulaufen und mich anstatt des Decks anzumalen

und ich verbrachte die Nachmittage mit Lesen, Kayaking

Ein bisschen zerstrubbelt nach einem Schwimmbad und einem Schlaefchen
immer dabei die Baerenhupe

Ein bisschen zerstrubbelt nach einem Schwimmbad und einem Schlaefchen
immer dabei die Baerenhupe

oder damit die stuermische See, eingemummelt in meine Decke und im Hintergund das Knistern und Knacken des Feuers, zu betrachten.

Meine Zimmerwahl fiel auf Sonnenaufgang 2, wo ich direkt am Fenster schlief und mich vom Rascheln der Birkenblaetter in den Schlaf wiegen liess.

Eines Abends war ich so muede, dass ich schon um halb neun ins Bett ging.
Als ich gegen zwei aufwachte, sah ich am sternenklaren Himmel einen gelben Schleier.
War es das, wofuer ich es hielt? Vor Aufregung schlug mir das Herz bis zum Hals!
Den Schlaf aus den Augen gerieben, schnell in die Jeans gesprungen, meine Decke umgeschlungen und raus auf den Balkon.
Keine Wolke truebte den Himmel, der Sturm verwehte diese, die Sterne funkelten und vom Osten bis in den Norden schimmerten die Nordlichter.

Wusstet ihr, dass sie sich bewegen?
Ich dachte immer sie stuenden starr oder die Bewegungen waeren fuer unser Auge nicht sichtbar am Himmel.
Was fuer ein Irrtum!
Sie fingen an zu fliessen, zu gleiten, zu verschwinden und in neuer Form wieder aufzutauchen.
Wie Farbe, die immer wieder neue Wege findet oder ein Seidenschal, der im Wind weht.
Sie leuchteten, irisierten, verloren ihren Glanz, nur um so intensiver wieder zu erscheinen. Total faszinierend!

Ich kann jetzt auch gut verstehen, warum man lieber den Tag verschlaeft, um dieses Wunder zu betrachten, nur um sie zu sehen!
Ich weiss schon, dass es dafuer ganz prosaische naturwissenschaftliche Erklaerungen gibt, aber ich halte mich lieber an das Wunder .
Es gibt unzaehlige Sagen, mein Favorit aber ist die der Yukon-Inuit, die die Nordlichter fuer die tanzenden Seelen der Rehe, Beluga Wale, Seehunde und Lachse halten.

Die Aurora Borealis kann in einem bestimmten Band am besten gesehen werden.
In diesem Bereich befinden sich unter anderem Yellowknife, Nordvik (Russland), Tromsoe (Norwegen).
Dort koennen die northern lights in jeder klaren Nacht vom Herbst bis in den Fruehling gesichtet werden.
Interessant fand ich, dass man sie nicht besser ausmachen kann je weiter man in den Norden geht.

In einer stillen, windlosen Nacht kann man auch den Klang dieser vernehmen.
Wie sie sich wohl anhoeren?
Wie der Schneewind, der ums Haus heult oder mehr wie ein leises Wispern oder vielleicht wie Eis, das bricht oder das Knirschen von Schnee unter den Schuhen?
Wer weiss! Ich hoffe ich kann es bald rausfinden.
Ich freue mich auf die naechsten Naechte und auch wenn bei uns die Temperatur innerhalb einer Nacht von zwoelf auf sechs Grad gefallen ist, werde ich die folgende klare in meinem Schlafsack unter dem Sternenhimmel verbringen.

Der Morgen danach
Alles sieht wie frisch gewaschen aus

Der Morgen danach
Alles sieht wie frisch gewaschen aus

Letzte Morgenschwaden wabern ueber den See

Letzte Morgenschwaden wabern ueber den See

© Isabel Maltan, 2010
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Trudele durch die Welt. Sie ist so schoen; Gib dich ihr hin und sie wird sich dir geben. Kurt Tucholsky
Details:
Aufbruch: 16.05.2010
Dauer: 16 Monate
Heimkehr: September 2011
Reiseziele: Kanada
Der Autor
 
Isabel Maltan berichtet seit 14 Jahren auf umdiewelt.
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