Neun kleine Inselchen - die Azoren

Reisezeit: April 2012  |  von Herbert S.

Insel Sao Miguel: Ponta Delgada

Da es in der Zwischenzeit in der Ebene wieder voll sonnig ist, können wir zur Stadtbesichtigung von Ponta Delgada schreiten. Wir parken etwas außerhalb in der Nähe der Igreja Mae de Deus ohne zeitliche Beschränkungen im Osten der Stadt.

Igreja Mae de Deus

Igreja Mae de Deus

Wer ein verträumtes Inselstädtchen erwartet hat, wird sich wundern über die Modernität der betriebsamsten Stadt der Azoren.
Doch beim Schlendern durch die Gassen entdeckt man eine Reihe
altehrwürdiger Bauten aus verschiedenen Jahrhunderten und spürt azoreanische Gelassenheit.
Die Stadt besteht aus drei historischen Vierteln, benannt nach ihren Pfarrkirchen: Sào José im Westen, Säo Pedro im Osten und Sào Sebastiao in der Mitte.

Auf dem Weg in die Stadt kommt Ulrike im merdaco die Idee zum Abendessen: Toast Hawai mit Azoren-ANANAS! haha. Wir besuchen allerdings auch den im Reiseführer aufgeführten König der Käse. Und ich finde die seltsamen dreieckigen Enten-Muscheln, die ich auf Faial gegessen habe.

Ananas bis zum Abwinken -

Ananas bis zum Abwinken -

beim rei dos queijos - dem König der Käse

beim rei dos queijos - dem König der Käse

lapas im rohen Zustand

lapas im rohen Zustand

Die Hauptkirche Sao Sebastiao wurde zwischen 1531 und 1547 erbaut, wo zuvor eine kleine, dem Heiligen Sebastian geweihte Kapelle stand. Ihre ganze Formgebung zeigt, trotz des schmückenden Beiwerks an den Aussenmauem, einen portugiesisch-gotischen Stil. Im 18. Jahrhundert wurde die Fassade in barockem Stil verändert. Zwei Seitenportale, vier Fenster im Zwischenflügel und ein achtflachiges Rundfenster, das mit einem barocken Sims umrahmt ist, wurden eingefügt. Das Innere der Kirche wurde mit kostbaren Zedernholzschnitzerein und anderen seltenen Holzarten sowie mit Figuren aus dem 17. und 18. Jahrhundert bereichert. Die Sakristei enthält bemalte Wandkacheln und Palisanderholzmöbel aus dem 17 Jahrhundert. Außerdem sind noch der Kirchenschatz, die große Kollektion an goldverziertem Altarschmuck und Decken aus dem 14. Jahrhundert sehenswert

Die Stadttore aus dem 18. Jahrhundert sind eine eigenwillige Konstruktion und ein Wahrzeichen der Stadt. Durch den Mittelbogen gingen schon die Könige D.Pedro IV. und D. Carlos sowie andere berühmte Besucher.

Auch an diesem Platz Largo da Republica liegt das Rathaus, die camara municipal aus dem 16.Jh. als typisches azoreanisches Renaissance-Rathaus mit Außentreppe. Der Uhrenturm stammt aus späterer Zeit.

Wir sind inzwischen am Hafen angekommen, in dem gerade ein großes Kreuzfahrtschiff angelegt hat.
Dort liegt auch die Festung Sao Bras. Der Bau der Verteidigungsanlage gegen die Korsaren begann 1552 auf einem das Ufer beherrschenden Felsvorsprung. An der nach Norden zeigenden Mauer steht ein den Soldaten des Ersten Weltkriegs gewidmetes Denkmal. Das Fort ist Sitz des Kommandos der militärischen Zone der Azoren und Militärmuseurn der Azoren.

Wir haben inzwischen die westliche Pfarre von San José erreicht. An der Praca 5 de outubro liegt die zugehörige Kirche.
Die ursprüngliche Kirche ist aus dem 16. Jahrhundert, der Umbau der heutigen Kirche wurde im Jahre 1709 begonnen. Sie ist ein weitläufiges Gebäude mit einer einfachen aber majestätischen Fassade, mit Portal und Gallerie. Der Innenraum ist in drei Schiffe mit bemalten Kuppeln aufgeteilt. Alle Altäre sind aus wertvollen vergoldeten Schnitzereien. Die Wände der Hochkapelle sind mit blau-weißen Wandkacheln aus dem 18. Jahrhundert ausgekleidet.

Am gleichen Platz liegt Nossa Senhora da Esperanca. Das Kloster ist eng mit dem Kult um den "Senhor Santo Cristo dos Milagres" verbunden, einer Christusstatue, die Papst Paul III. den Nonnen schenkte, als sie in Rom waren, um sich die päpstliche Genehmigung für die Gründung des Klosters im Vale de Cabaços zu erbitten. Beide Gebäude wurden im 16 Jahrhundert erbaut.
Die Schnitzereien des Hochaltars sowie die Wandkacheln sind neu. Dagegen sind die von Diogo Bernades gestalteten Wandkacheln des unteren Chores aus dem 18. Jahrhundert von unschätzbarem Wert.

Durch die belebte Geschäftsstrasse geht es weiter nach Osten

Am Jardim do Colegio liegt die barocke Igreja do Colegio. Ihr Bau wurde 1737 begonnen, aber die Vertreibung der Jesuiten aus Portugal 1760 verhinderte die Fertigstellung. So fehlen beispielsweise die beiden Türme - heute ist ein Museum für sakrale Kunst dort untergebracht.

Jardim do Colegio

Jardim do Colegio

Igreja todos os santos

Igreja todos os santos

Der Rückweg zum Auto führt uns noch an dem prächtigen Bau des Museo Carlos Machado vorbei.

Das Museo Carlos Machado ist wegen Neuordnung der Sammlung zur Zeit geschlossen.

Das Museo Carlos Machado ist wegen Neuordnung der Sammlung zur Zeit geschlossen.

Mit dem Auto fahren wir dann noch zum Jardim Antonio Bores, der mitten in der Stadt ein wenig Urwaldempfinden mit riesigen Bambussträuchern, Baumfarnen und gewaltigen Bäumen vermittelt.

Und zu Hause gibt es dann den Toast Hawai auf azoreanisch!

© Herbert S., 2012
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Nachdem wir uns in manchen Wüsten rumgetummelt haben, wollten wir nun einmal frisches Grün genießen. Dazu sind die Azoren mit praktisch nur einer Jahreszeit (täglich etwas Frühling, etwas Sommer und etwas Herbst) bestens geeignet.
Details:
Aufbruch: 01.04.2012
Dauer: 15 Tage
Heimkehr: 15.04.2012
Reiseziele: Portugal
Der Autor
 
Herbert S. berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Herbert sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
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