3 Monate Freiwilligenarbeit in Togo

Reisezeit: März - Juni 2012  |  von Johannes Dolle

Als Weißer in Afrika

Als weißer Europäer in Togo zu sein ist ein abenteuerliches Erlebnis. In der Tat ist es sehr einfach mit den einheimischen Leuten in Kontakt zu kommen. Man nimmt dort automatisch eine ganz besondere Rolle ein. In den meisten Ländern Afrikas werden die Weißen mit dem Wort der jeweils regionalen Sprache für „Weißer“ angesprochen; dort wo ich war, werden sie Yovo genannt. Wenn man also als Yovo durch die Straßen von Atakpamé geht, wird man sehr häufig von Leuten angesprochen, die sich mit einem unterhalten wollen oder unterschiedliche Anliegen haben. Wenn man über den Markt läuft, möchten einem alle Verkäufer etwas verkaufen. "Yovo, möchtest du eine Ananas kaufen?", "Yovo, möchtest du ein T-Shirt kaufen?" oder "Yovo, möchtest du einen Ventilator kaufen?" habe ich tatsächlich alles zu hören bekommen.
Besonders heftig sind allerdings die Kinder. Sie rufen wirklich alle "Yovo, Yovo", freuen sich sehr und jubeln teilweise wie verrückt, wenn man einfach nur die Straße entlang läuft. "Yovo, Yovo, Bon soir. Ca va bien? - Merci!" Zu Deutsch in etwa: "Weißer, Weißer. Hallo, wie geht´s? - Danke!" Diesen Spruch singen die meisten Kinder, wenn man kommt. Auch die ganz Kleinen, die noch gar nicht richtig sprechen können, singen, bzw. nuscheln es schon mit. Wenn man als Yovo dann den Kindern noch den Kopf tätschelt oder ihnen einen coolen Handschlag gibt, freuen sie sich umso mehr. Ein paar Mal habe ich an die Kinder der Nachbarschaft Eis verteilt und die Stimmung, die daraufhin herrschte war wirklich atemberaubend! Für nur etwa 1€ konnte ich jeweils einen großen Sack voll Tüteneis erwerben.

Ein Weißer unter vielen Afrikanern [23]

Ein Weißer unter vielen Afrikanern [23]

Wenn man sich vorstellt, in Deutschland würde jemand einem Schwarzen "Neger, Neger" hinterherrufen, wäre es wohl ein riesiges Unding. Dass einem in Togo permanent "Weißer, Weißer" hinterhergerufen wird, ist jedoch vollkommen normal.
Ein paar Mal bin ich auch von Leuten nach Geld gefragt wurden. Einmal fragte mich ein Junge, der mich gar nicht kannte, ob ich denn nicht seine Fußballmannschaft trainieren wollen würde. Und ein Bekannter fragte mich, als ich ihn auf der Straße traf, nach kurzer Begrüßung sogleich, ob ich eine Hose für ihn kaufen wolle. Ich sagte ihm, dass ich nicht der Weihnachtsmann sein und im Nachhinein war es ihm, glaube ich, auch sehr unangenehm.
Insgesamt sind die Togolesen dabei aber immer sehr freundlich einem gegenüber. Dass einmal jemand unfreundlich zu mir war, habe ich absolut nie erlebt. Wenn ich jemanden nach dem Weg gefragt habe, bestand die Person meistens darauf, mich direkt dorthin zu führen, auch wenn ich drei Mal sagte, eine Beschreibung würde ausreichen. Als ich einmal mein Handy und auch andere Dinge verloren habe, habe ich alles wieder zurück erhalten. Zudem sind sie sehr neugierig und wollen immer viele Dinge von einem wissen. Da in Atakpamé auf 100 000 Einwohner auch nur ungefähr 10 Weiße kommen, nicht verwunderlich.
In der Tat ist es sehr einfach mit Einheimischen Bekanntschaften zu schließen. Sehr häufig bin ich von verschiedenen Togolesen nach Hause eingeladen worden oder gefragt worden, ob ich etwas mit ihnen unternehmen möchte. Ich habe bei verschiedenen Fußballtreffs, teilweise spontan mitgespielt, bin dabei überall freundlich empfangen worden und immer jedes Mal gefragt wurden, ob ich noch einmal wieder komme. "Willkommen" ist ein Wort, welches die Togolesen sehr gerne und häufig einem gegenüber benutzen. Außerdem wurde ich auch von Frauen sehr häufig und teilweise recht offensiv angeflirtet.
Doch bei einem so hohen Maß an Freundlichkeit stellt sich natürlich zwangsläufig die Frage, ob die Leute in ihrem Interesse und ihrer Neugier gegenüber mir tatsächlich mich als Person meinten oder ob sie eher an meinem Geld interessiert sind oder andere Interessen verfolgen. So wurde, wenn ich mit Togolesen etwas gegessen oder getrunken habe, auch immer davon ausgegangen, dass der Yovo bezahlt. Tatsächlich hat man schon als europäischer Student bzw. Abiturient einfach unglaublich viel Geld dort für die Verhältnisse. Es war schon manchmal etwas komisch.
Naja, zumindest hatte ich aber doch den Eindruck, dass die Togolesen auch untereinander meist freundlich miteinander umgehen und einfach recht kontaktfreudig sind. Insgesamt war es immer eine sehr friedliche und positive Atmosphäre, welche in Atakpamé vorherrschte.

Kindergarten in Lomé [24]

Kindergarten in Lomé [24]

© Johannes Dolle, 2015
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Eine nette Gastfamilie, eine amüsante deutsche Radiosendung, viele kontaktfreudige Menschen, eine turbulente Szene mit einem Taschendieb und eine schwere Krankheit nach der Rückkehr
Details:
Aufbruch: März 2012
Dauer: 3 Monate
Heimkehr: Juni 2012
Reiseziele: Togo
Der Autor
 
Johannes Dolle berichtet seit 6 Jahren auf umdiewelt.
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