3 Monate Freiwilligenarbeit in Togo

Reisezeit: März - Juni 2012  |  von Johannes Dolle

Mein Praktikum an der Schule

Einige Tage nach meiner Ankunft in Atakpamé bin ich mit meinem Gastvater Richard zur Schule namens St. Albert gegangen. Dort hatten wir einen Termin beim Schulleiter zur Vorstellung für mein geplantes Praktikum. Bei der Schule St. Albert handelte es sich für die dortigen Verhältnisse um eine eher besser gestellte Schule. Dennoch gehen auch hier über 40 Schüler in eine Klasse. Viele junge Menschen absolvieren dort ihr Abitur, welches ebenfalls 13 Jahre dauert. Leider haben nicht alle Kinder überhaupt die Möglichkeit in die Schule zu gehen, bzw. eine weiterführende Schule zu besuchen, da die Schulen gebührenpflichtig sind. Lediglich die Grundschulen sind gebührenfrei.

Schule St. Albert

Schule St. Albert

Nachdem ich zu Anfang auch ein paar Stunden im Sportunterricht dem Lehrer assistiert habe, habe ich mich im weiteren Verlauf meines Praktikums ausschließlich auf den Deutschunterricht konzentriert. Die drei Deutschlehrer, allesamt Togolesen, von denen nur einer jemals in Deutschland gewesen war, waren sehr nett und natürlich sehr froh, mit mir als einem „echten Deutschen“ zusammen zu arbeiten.
Ungefähr jeder Zweite, der in Togo das Abitur absolviert, lernt Deutsch als zweite Fremdsprache in der Schule. Dabei waren es alles Oberstufenschüler, welche nicht wesentlich jünger waren als ich. Insgesamt haben viele Leute in Togo ein großes Interesse an Deutschland und der deutschen Sprache.
Zunächst habe ich alle Deutschklassen der Schule je einmal besucht und die Schüler hatten die Aufgabe mir Fragen zu stellen, wenn möglich in Deutsch, ansonsten in Französisch. Dabei waren die Schüler sehr einfallsreich. Es wurden viele Fragen über mich persönlich gestellt, über meine Hobbys, meine Familie, meine beruflichen Pläne. Bei der Frage, ob ich eine Frau hätte, war die Aufregung immer wieder groß.
Weiterhin wurden viele Fragen über Deutschland allgemein gestellt, über das Wetter, das Essen, die Landschaft, die Religion und Politik. Es waren einige wirklich witzige, manchmal nicht ganz ernst gemeinte Fragen dabei, beispielsweise fragte mich eine Schülerin, ob es in Deutschland Hexen gäbe. Aber auch einige überraschend intelligente Fragen, welche davon zeugten, dass die Schüler sich schon ganz gut mit Deutschland auskannten. So fragte ein Schüler, ob die Deutschen sauer auf die Polen und die Tschechen wären, da Deutschland nach den Weltkriegen Gebiete an Polen und Tschechien abtreten musste.
Ich beantwortete die Fragen in Deutsch, die Lehrer übersetzen es ins Französische. Die Atmosphäre war immer sehr ausgelassen, die Schüler zeigten wirklich großes Interesse und auch als die Stunde schon vorbei war, kamen immer noch viele Schüler zu mir, hatten weitere Fragen und wollten sich mit mir in Deutsch unterhalten.
Ferner unterstütze ich die Lehrer auch in der Unterrichtsvorbereitung und half ihnen dabei Klausuren zu korrigieren. Teilweise unterrichtete ich eigenständig, indem ich mit Gedichten von Joachim Ringelnatz arbeitete und ich führte Ausspracheübungen mit den Schülern durch. Es war ein tolles Gefühl für mich, in einem fremden Land meine eigene Muttersprache zu unterrichten!

Togolesischer Schüler [39]

Togolesischer Schüler [39]

© Johannes Dolle, 2015
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Eine nette Gastfamilie, eine amüsante deutsche Radiosendung, viele kontaktfreudige Menschen, eine turbulente Szene mit einem Taschendieb und eine schwere Krankheit nach der Rückkehr
Details:
Aufbruch: März 2012
Dauer: 3 Monate
Heimkehr: Juni 2012
Reiseziele: Togo
Der Autor
 
Johannes Dolle berichtet seit 6 Jahren auf umdiewelt.
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