addicted to life

Reisezeit: April 2020 - Dezember 2021  |  von Markus Knüsel

und am ende ist doch alles anders

leere luzerner gassen...

leere luzerner gassen...

… wo sich sonst tausende touristen tummeln

… wo sich sonst tausende touristen tummeln

geschlossene cafes und restaurants aufgrund corona

geschlossene cafes und restaurants aufgrund corona

corona neuigkeiten teil 1

wir schreiben heute den 7. April 2020. ein datum, welches in meinem kalender seit rund einem halben jahr ganz dick angestrichen war. es hätte der start von einer ganz langen reise mit vielen abenteuer werden sollen. 1 jahr vorbereitung und vorfreude stecken dahinter, und jetzt das. mein herz blutet!

bis noch vor wenigen wochen machte ich mir kaum gedanken darüber, dass ich die reise nicht antreten könnte. und ich hatte keine sekunde in meinem leben daran gedacht, dass jemals eine pandemie meine reisepläne durchkreuzen könnte. das war so unrealistisch wie die möglichkeit, dass mir im garten ein eisbär auf den kopf fällt.

nun ist aber der weisse riese doch geflogen und hat mich unter sich begraben; costa rica hat die grenzen dicht gemacht und die fluggesellschaft hat den flug gestrichen – gestrandet in der eigenen wohnung. aber ich halte mich mit klagen zurück, es gibt da draussen millionen menschen, denen geht es viel schlechter als mir, also ball schön flach halten, knüsi.

mitte märz zog claudia zu mir in die wohnung. zwei jahrzehnte junggesellen dasein war geschichte und durch den beschluss vom bundesrat, durften wir beide gleich die ersten zwei gemeinsamen wochen homeoffice machen. definitv kein warmstart für unsere neue wohngemeinschaft.
neben dem homeoffice reflektiere ich kurz meine letzten paar wochen: 2x pro woche einkaufen für meine eltern, steuererklärung und einzahlungen für meine eltern erledigen, garten frühlingstauglich machen, meine hölzernen afikanischen skulpturen beizen, wohnung fertig einrichten und rugby wm final von 2019 von hinten nach vorne gucken. da jegliche sportveranstaltungen abgesagt wurden, zeigte supersport den final in der endlosschlaufe. und ich bin immer noch jedes mal voll geflashed. an den kleinen dingen soll man sich in solchen zeiten festhalten, sagt man. zum glück bin ich nicht england supporter, sonst wäre mir dieser lichtblick auch noch verwehrt geblieben.

und was brauchte es an nerven, wenn man dem treiben draussen zuschauen musste. mein verständnis von „zu hause bleiben“ vergleiche ich mit einem schwarzen nashorn: man sieht es noch kaum da draussen und genau so sollte das auch mit all den leuten sein, bleibt verdammt nochmals zu hause. aber weit gefehlt: jugendliche in gruppen am grillieren und chillen, risikopatienten gemütlich am einkaufen, schwatzen und umarmen.
einmal mehr zeigte es mir auf, wie platt zudem das ganze influencer-dasein ist. wenn es das einzige problem ist, dass man nicht mehr wöchentlich seinen side cut schneiden kann oder dass man sich nicht mehr am strand rekeln darf - da dieser geschlossen ist - dann geht es unserer welt wohl immer noch viel zu gut. oder es fehlt einfach an hirnmasse. tragischerweise erreichen solche quatschfressen durch ihre kanäle ziemlich viele junge leute und haben dadurch eine gewisse negative macht auf unsere gesellschaft.

wie geht es mit der geplanten reise weiter? das business in der computerbranche brummte gut in den letzten monaten, laptops & co. waren ziemlich gefragte ware. somit kann mich mein bisheriger arbeitgeber für weitere 2 monate weiterbeschäftigen. eine tür schliesst sich, dafür öffnet sich eine andere: auch claudia fand einen befristeten job für mindestens 3 monate inklusive option auf weitere 3 monate. somit haben wir ein bisschen zeit gewonnen, um unsere reisepläne neu zu beurteilen, die situation in europa, afrika & südamerika zu beobachten und dann über das weitere vorgehen zu entscheiden.

wie geht es mir? die letzten wochen waren emotional reine berg- und talfahrt. meine gedanken waren zwischen hoffnungsvoll, depremiert, vorwärts schauend, kopfschüttelnd, schreiend bis f**k that shit. aber wie es manchmal so ist, die guten dinge im leben (in meinem falle das reisen) sind oft nicht immer die einfachsten und die hoffnung stirbt zuletzt. ich meine, dass man sich herausforderungen immer wieder stellen sollte. manchmal funktioniert es nicht aufgrund einer verletzung, eines fehlenden visas oder eben wegen eines viruses. ein anderes mal, weil der kopf einfach noch nicht bereit dafür ist. aber wer sich den grossen aufgaben des lebens immer wieder stellt, wird letztendlich auch gewinnen. denn wenn du dich gut fühlst, bist du auch glücklich. und wenn du glücklich bist und dich mit glücklichen statt mit negativen menschen umgibst, wirst du eine art magnet für positive und glückliche erfahrungen. glückliche menschen verstärken dein eigenes glück. daran ist nichts selbstsüchtiges. das ist eine einfache lebensregel, du musst bei dir selbst anfangen. aber eben, in solchen ausserordentlichen lebensphasen gab es schon auch der eine oder andere nicht so glückliche tag, ich probierte einfach das maximum aus der situation heraus zu holen, auf meine art und weise.

persönlich hatte corona auch was gutes: ich kann nun doch an die hochzeit meiner freunde justine & raffi dabei sein, hätte ich sonst verpasst.

was macht mir angst? während wir in europa feierten, gewinne scheffelten und in einer utopie blase lebten, wurden um uns herum grenzen geschlossen, mauern hochgezogen und längst vergessen geglaubte übel wie nationalismus und xenophobie wieder ausgepackt. vergleiche ich die heutige welt mit der welt vor 10 jahren, dann befinden wir uns politisch in einer abwärtsspirale, die zum ausrasten ist. getrieben von angst und missgunst wählen menschen ihre eigenen errungenschaften ab. plötzlich finden wir leute wie trump, johnson, putin, erdogan oder den chinesischen clown an der macht und/oder diese bauen sie weiter aus. europa zerbrach beinahe an der aufgabe, eine million menschen würdevoll in seine 500 millionen bevölkerung zu integrieren – aus angst, diese 0.2 prozent würden ihnen ihre identiät rauben.

was lässt mich positiv in die zukunft blicken? die natur! wenn ich sehe, wie sich die natur nur schon während den letzten wochen von unserem jahrelangen, teuflischen tun erholt hat, dann sehe ich das als einen sehr positiven punkt am ganzen corona desaster. folgender spruch hat mich die letzten wochen begleitet:

es fühlt sich ein bisschen so an, als hätte die erde uns auf unser zimmer geschickt, um darüber nachzudenken, was wir getan haben

was können wir in zukunft besser tun? vielleicht unsere freiheit noch kreativer leben und dadurch ängste abbauen. reisen, kultur aufsaugen, diskutieren. und vor allem: träume verwirklichen. wäre da nur nicht momentan das blöde virus, welches mich daran hindert...

in diesem sinne, bleibt alle gesund!

immer wieder schön: springboks sind rugby-weltmeister!

immer wieder schön: springboks sind rugby-weltmeister!

beizen meiner afrikanischen souvenirs

beizen meiner afrikanischen souvenirs

repacking meiner reisesachen

repacking meiner reisesachen

© Markus Knüsel, 2020
Du bist hier : Startseite Die Amerikas Costa Rica und am ende ist doch alles anders
Die Reise
 
Worum geht's?:
dem sommer durch die welt folgen
Details:
Aufbruch: 07.04.2020
Dauer: 20 Monate
Heimkehr: Dezember 2021
Reiseziele: Costa Rica
Schweiz
Kolumbien
Italien
Frankreich
Deutschland
Dänemark
Schweden
Live-Reisebericht:
Markus schreibt diesen Reisebericht live von unterwegs - reise mit!
Der Autor
 
Markus Knüsel berichtet seit 11 Jahren auf umdiewelt.
Bild des Autors