addicted to life

Reisezeit: April 2020 - Dezember 2021  |  von Markus Knüsel

eat. sleep. surf. repeat

specht im garten

specht im garten

unser baumhaus zimmer

unser baumhaus zimmer

die fahrt nach santa teresa war lang, beschwerlich, staubig, holprig und dehydrierend. obwohl wir ein shuttle von nosara aus gebucht haben, welches uns viel mehr pausen gönnte als die öffentlichen busse, kriegte ich schon relativ früh kopfweh.

aber sobald santa teresa erreicht, kriegte ich bessere laune, das hostel war super schön eingerichtet, wir kriegten sogar ein zimmer im baumhaus. es gab einen netten garten und einen surfbrettverleih, das meer war lediglich 200 meter entfernt und shops, restaurants + food courts gleich um die ecke. herz was willst du mehr?

santa teresa – der heilige gral. der ort, wo du jedes gespräch führst, als wäre es dein letztes, in der du den nächsten gin tonic bestellst, als wäre es dein erster und alles zusammen in freiheit geniesst, als gäbe es in der tat keinen morgen mehr. nach einer woche in dieser stadt willst du dein leben ändern, deine beziehung beenden, alles bestandene in frage stellen und deine koffer von nun an nur noch hier auspacken, weil es sich wie verschwendung anfühlt, nur hier eine minute ohne dieses pulsieren verbringen zu müssen. so wurde es mir jedenfalls mehrfach angepriesen. und ja, die stadt hat schon was magisches und einzigartiges. aber ne, dieses dorf ist nicht ganz so krass wie oben beschrieben. zwar hat mir die stadt sehr gut gefallen und hatte ihren reiz. aber es ist inzwischen auch schon ein bisschen zu touristisch, der geheimtipp ist nicht mehr so geheim. und was für ein staub, liebe leute. man hat es also nicht geschafft, ein so florierendes städtchen mit einer geteerten strasse zu versehen. alles schotterstrasse, welche unglaublich unangenehmen staub erzeugt. weiss die hölle, wieso niemand das ändert. und plötzlich haben alle die blöden covid masken freiwillig getragen, damit sie nicht eine voll verstaubte lunge nach hause brachten. mein fazit dazu: und dem ende treffen wir mad max, oder wie? aber sonst ganz tolle stadt.

erste nacht im baumhaus war die hölle, die mücken haben uns gefressen. aber wir lernten schnell und kauften uns ein mückennetz und schon kriegten wir die restlichen nächte ruhigen schlaf. ausser wir hatten laute nachbarn, was auch noch oft vorkam oder der kleine ventilator konnte nicht genügend runterkühlen in der nacht.

der erste surf war super toll, ich ging auf teufel komm raus los. es ist mittags. gut, da keine gefahr besteht von der dunkelheit überrascht zu werden. schlecht, weil die hitze in bereiche steigt, die ich als «jenseits von erträglich» bezeichne. völlig ausgepowert und dehydriert kam ich nach 90 minuten aus dem wasser. gliederschmerzen, erhöhte temperatur und ein kleiner sonnenstich waren die folgen davon. mein rücken und nacken waren immer noch steif wie rostige eisen scharniere, trotzdem ging es am zweiten tag wieder in die wellen. diese waren zwar nicht mehr so toll wie am vortag, aber immer noch super für spiele auf dem longboard. tag drei war dann nicht mehr so viel los, die wellen hatten kaum kraft und deshalb war auch nicht mehr so viel mit surfen. ich war zwar draussen, aber ausser spesen nix gewesen. tag 4 und 5 war flach, da war gar nix los. zum glück habe ich das board mal für drei tage gemietet und nicht für die ganze zeit in santa teresa.

ein teil von tag 3, tag 4 und 5 waren eine leichte enttäuschung. das ist wie bei allem im leben – wenn man es nicht oft genug macht, dann verliert man das gefühl dafür. am besten geniesst du die guten zeiten und machst das beste aus den schlechten. dazu trägt sicherlich auch bei, dass surfen vor allem geduldsübung ist. es vergehen jahre, bevor du dich im wasser ansatzweise kompetent fühlst. den grossteil deiner zeit verbringst du ohnehin mit warten. da sitzt du am strand und wartest auf den swell, der doch schon hätte da sein sollen, leider aber erst morgen kommt. im meer ist es ähnlich. im gegensatz zur leistungsgesellschaft jedoch hängt es ausnahmsweise mal nicht von dir ab. du musst nichts tun ausser warten und dich dem wellen rhythmus anpassen. dein wahrnehmungsfeld öffnet sich. du denkst weniger. spürst mehr. dann fühlst du das nächste set und fängst unbewusst an zu paddeln. nicht weil der vordermann lospaddelt, sondern weil du die welle spürst – so, wie der geschulte jäger das reh spürt, bevor es in die lichtung tritt. ich versuchte es mit free living – folge dem glück und geniess die zeit im meer.

santa teresa war richtig chillig. neben dem surfen hatte ich auch meine ersten yogaversuche. und es hat sowas von spass gemacht, dass ich mir gut vorstellen kann, dies häufiger zu tun. am strand lesen und sonnenuntergänge anschauen gehörten auch zum tagesprogramm. am letzten tag gab es noch einen wasserleitungsbruch im zimmer oberhalb von uns, dass unsere beiden kulturbeutel komplett nass waren, sei nur am rande erwähnt.

als wir auf den bus für die weiterreise warteten, parkierte jemand sein auto wie alle in costa rica ihre autos parkieren; direkt am strassenrand. man parkiert lieber irgendwo und riskiert ein verkehrschaos als einen meter zu viel laufen zu müssen. unglücklicherweise wurde das auto neben einem schon parkierten auto geparkt und on top noch an einer kreuzung. ein mietauto übersah beim umkurven den randstein und schlitzte sich wohl den ganzen boden auf. dumm gelaufen.

der bus musste wegen dem falschparkierer auch in der strassenmitte stoppen. wir fuhren nach cobano ins landesinnere. der busfahrer war heiss wie ein pittbull, maskenverweigerer oder leute die das gepäck falsch hinstellten wurden angeschnauzt. die reise war sauheiss, saustaubig, und zum glück nicht sehr lange. der bus von cobano nach montezuma war dann viel gemütlicher unterwegs.

montezuma – ein hippie dorf, welches wir ziemlich leer und ohne viele touristen kennenlernen durften. aber man sieht ganz genau, wie das sonst ohne covid abgegangen wäre. mir jedenfalls gefiel es ruhiger besser. wir fanden ein yoga studio mit meeresblick und die erste stunde mit freaky eva war anstrengend aber auch relaxend zugleich.

wir zogen seit langem wieder einmal die wanderschuhe an und machten uns auf den weg zu einem wasserfall bzw. zu drei wasserfällen, welche sich hintereinander aufreihten. wir haben es tatsächlich geschafft, den steilen weg runter zu wasserfall 3 zu verpassen und sind den hügel im dickicht hochgerobbt, bis maps me uns sagte; ne ihr seit falsch!
einmal gefunden, war dann der pool unter dem wasserfall super erfrischend. es gab einige, die den 4 meter sprung vom wasserfall in den pool wagten, meinstens wegen instagram. der 12 meter sprung vom wasserfall 2 wagten sich nur zwei leute. war eine glücksache, denn man sah nicht den grund im pool, russisch roulette quasi. wir gingen zurück zu wasserfall 1 und dort war es schön ruhig und familiär. eine amerikanische familie verweilte dort schon eine weile und ihr kleines kind wollte von einem felsvorsprung springen, getraute sich aber nicht. der vater war im wasser und redete ihr gut zu, doch es wollte einfach nicht klappen, die angst war zu gross. alle leute vor ort redeten ihr gut zu und als sie doch noch sprang, klatschten alle leute. man sah den stolz in ihren augen. ende gut, alles gut.

von montezuma aus fuhren wir dann mit dem speedboot auch zur bekannten tortuga island raus. mit auf dem boot waren ein franzose, ein deutscher und zwei serbinnen, eine bunt gemischte gruppe also. bei der überfahrt sahen wir rund ein dutzend gepunktete, spielende delphine. das schnorcheln war nicht so der hit, da ziemlich wellig und das wasser dadurch sehr trüb war. die insel war sehr hübsch, jedoch ein wenig zu touristisch für meinen geschmack. weisser sandstrand und pissewarmes wasser, was will man mehr? genau, tiere! auf der insel hatte es tatsächlich rehe und einen pfau. die zweite schnorchel session war dann ein bisschen besser, jedoch kein vergleich zu zanzibar oder ägypten. auf dem weg zurück nach montezuma erblickten wir dann erneut buckelwale und einen manta rochen.

zurück im hostel steht dann auf einmal thomi vor mir, welchen ich im jahre 2015 in kapstadt kennen gelernt habe. im facebook habe ich schon gesehen, dass er auch in costa rica unterwegs ist, aber ich habe ihn nicht kontaktiert, weil ich mir sicher war, dass wir uns über den weg laufen. et voila!

der letzte tag in montezuma starteten wir wieder mit yoga und liefen dann den strand entlang, bis zu einem netten fluss. hübscher spot dachten wir. war es auch, aber es wurde ausschliesslich schweizer deutsch gesprochen, also ein schweizer enklave. auf dem rückweg noch plastik eingesammelt und meine ersten südafrikaner kennengelernt. gemäss claudia bin ich gleich wieder in den südafrikanischen slang reingefallen. auch die südafrikanische familie hatte plastik am strand gesammelt und uns einen sack zur verfügung gstellt. das kleine mädchen der familie war dann so zucker süss, als sie uns auch ihren gesammelten müll in den sack gab. jööö-faktor 1000 und früh übt sich.

wer in montezuma mit dem gedanken spielt, surfen zu gehen, dafür muss man schon gut einen an der murmel haben, was aber nicht heisst, dass es nicht möglich ist.

dann kam die nacht vor der speedboot überfahrt nach jaco. das erste mal spielte mein magen so richtig verrückt. dank immodium klappte es trotzdem, aber es fühlte sich nicht wirklich gut an. durch das speedboot sparten wir 6-7 stunden busfahrt inkl. fähre, also war dies die beste option.

man stellt sich vor, dass das speedboot an den strand kommen muss, wo sich bis zu 1.5 meter hohe beachbreaks brechen, somit müssen die immer wieder raus und das wellenset abwarten. zuerst haben die helfer das gepäck aufs boot verladen, wieder raus wellenset abwarten, dann bestiegen alle personen das bootes innerhalb 3 minuten bis zum nächsten wellenset...

die überfahrt war sehr angenehm (bis auf siehe unten in der rubrik reisen & aufreger), wir haben sogar einige rochen gesehen, 2-3x bisher noch nicht gesehene springende rochen. einfach herrlich.

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reisen & covid

in der nicoya halbinsel war covid kein grosses thema, weil auch die leute – falsch die touristen – sich einfach an keine vorgaben halten. eine externe yoga-besucherin (expad) meinte, ihr ginge es schlecht und sie habe sich deshalb selber in quarantäne geschickt und war dann drei tage später wieder im hostel aufgekreuzt – ohne maske. einfach nur dumm!

bei der busfahrt nach montezuma oder auch auf dem speedboot werden die masken beim einsteigen angezogen und dann gleich runter zum kinn genommen, während das einheimische personal immer die maske anhaben. das ist so was von respektlos, wenn man die bestimmungen in einem anderen land nicht beachtet. daumen runter für die meisten touris, dann bleibt doch verdammt nochmals zu hause

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reisen & aufreger

eigentlich wollte ich ja diese rubrik nur einmal anwenden, jedoch zum gegebenen anlass muss ich das mindestens für diesen blogeintrag beibehalten. wie bereits erwähnt, hatten wir das taxiboot von montezuma nach jaco gebucht. ebenfalls habe ich auch erwähnt, dass ich aufgrund von magenproblemen nicht so gut geschlafen hatte und mir nur dank medikamente die überfahrt überhaupt leisten konnte. das boot war also voll, alle waren pünktlich, also meinte ich jedenfalls. gepäck und leute waren schon alle auf dem boot, als eine dame mit maske unten am kinn mit der crew wild diskutierte, anscheinend fehlten noch zwei leute. und tatsächlich, da lagen wir also vor der küste montezumas und warteten und warteten und warteten. 30 leute eine ganze halbe stunde in den schaukelden wellensets. endlich trafen sie ein. und was war das? ein, zwei, drei, vier, nein, fünf grosse koffer und dann noch etwas so viele tragtaschen. er: neureicher israeli mit kippa und einem unfotogenen honigkuchenpferd-gesicht gesegnet, la coste hose und la coste shirt, frech lächelnd und filmend mit handy wie die träger all seine sachen aufs boot hieven. sie: neureiche israelin mit mega klunker am finger, super kardashian brille, aufgespritze lippen welche aussahen wie ein pavian arsch und haar extensions, welche man von einer meile her schon gesehen hatte. also bestiegen sie das boot. von „ups sorry, wir haben es verkackt“ weit gefehlt, man setzte sich als wäre nichts geschehen und auf die zweite bitte, dass sie eine maske anziehen sollten, hatten sie doch bei all dem vielen gepäck tatsächlich keine maske dabei. „jesus christ...!“, schnaubte der matrose und dann ihnen freundlicherweise zwei zur verfügung zu stellen. aber die liebe dame positionierte die maske dann auch gleich am kinn, ihr make-up durfte ja nicht kaputt gehen. kaum losgefahren steht der volldepp dann auch auf (sie ebenfalls), um irgendwelche filme zu machen, wie das boot ins meer raus fährt. ah ja, neuerdings filmt man gleich mit zwei handys, muss ganz hipp sein. mit grosser wahrscheinlichkeit hatte er noch ein drittes mobile bei sich, volldepp!

als ich dann aber meinte, die abfahrt könne nicht getoppt werden, täuschte ich mich leider. jaco in sichtweite musste die dame logischerweise ihre gucchi tasche holen, darf ja unter keinen umständen ein wasserfleck drauf kommen. und wie erwartet, war sie die erste, welche das boot verlassen wollte, schliesslich musste sie ja unbedingt eine zigarette rauchen. er hingegen gab sich seelenruhig zum bug und telefonierte mit einem seiner telefone und bahnte sich seinen weg nach hinten. mit all seiner einhergenden uncoolness meinter er, dass der coolste aller neureichen sei. bis auf claudi und den deppen hatten schon alle das boot verlassen und ein wellenset bahnte sich wieder an, also war eile geboten. er machte immer noch auf dicke hose und gab keine anstalten, trotz aufforderungen das boot zu verlassen, auch wenn schon 4 bis 5 personen ihn anschrien. erst als claudi ihn an der schulter packte und bestimmt „move“ sagte, fragte er, was mit seinem gepäck passiere. wie bitte? alles gepäck war noch an board, also verlass doch einfach das verdammte boot. letztendlich schaffte er und auch claudi den sprung vom boot. an land ging das theater aber dann weiter, weil nach dem entladen von etwa der hälfte aller gepäckstück noch eine koffer von seiner allerliebsten fehlte, machte er wieder einen auf panik und behinderte die gepäckträger. auch war es ihm unter seiner würde, den einen oder anderen koffer selber zum taxi zu tragen. sie schoss den vogel ab, als eine frau dastand, um sonnenbrillen zu verkaufen. ihr blick verriet alles; du bist unter meiner würde, sei glücklich dass du mich ohne konsequenzen überhaupt ansprechen darfst. bow, so respektlose leute habe ich seit monaten nicht mehr gesehen und mir wurde speieübel. zum glück fuhr dann unser bus los und der alptraum hatte ein ende.
fazit: neureiche verwöhnte vollhonks, sie sollte ihren kopf nicht nur benutzten, damit die mütze bzw. kippa hält
aufregfaktor: ich kochte fast über...

sonnenuntergang am strand von santa teresa

sonnenuntergang am strand von santa teresa

surfregeln

surfregeln

staubige sache...

staubige sache...

hello world

hello world

© Markus Knüsel, 2020
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Die Reise
 
Worum geht's?:
dem sommer durch die welt folgen
Details:
Aufbruch: 07.04.2020
Dauer: 20 Monate
Heimkehr: Dezember 2021
Reiseziele: Costa Rica
Schweiz
Kolumbien
Italien
Frankreich
Deutschland
Dänemark
Schweden
Live-Reisebericht:
Markus schreibt diesen Reisebericht live von unterwegs - reise mit!
Der Autor
 
Markus Knüsel berichtet seit 11 Jahren auf umdiewelt.
Bild des Autors
Aus dem Gästebuch (3/13):
Christof 1631089588000
Göte­borg... ich war vor etwa 25 Jahren auch mal dort - ir­gen­dwie erkenne ich meine Gefühle von damals in deinen Worten wieder. Es gib­t/gab ohne Zweifel auch sehr schöne Ecken, aber auch viele Orte, wo es einfach ziem­lich ab­ge­fuckt und schmut­zig zu und her geht.
Toni von Moos 1620391077000
Hoi Knüsi - Du u­nerm­üdlicher Rei­se­berich­te-­Schrei­ber ...

vie­len Dank für die immer sehr inte­res­santen Berich­te aus der fremden Welt, ob­wohl's dann oft auch ne­ga­ti­ve Ein­drücke sind (po­li­tisch, corona & nat­ürlich Deine überaus von Dir ge­lieb­ten "Sel­fie-­Grin­gos" ...
Ich bin dann ges­pannt auf Deine Fah­rkünste, dh ob Du Dir was ab­schau­en kon­ntest für Deine ho­met­rips mit Deinen Woh­nmo­bil­!
sa­lut Toni & Maya
Antwort des Autors: hi toni
besten dank für dein feedback. ich probiere möglichst objektiv zu schreiben und da gehört auch das negative dazu.. aber schlussendlich überwiegt das positive natürlich bei weiten.
was meine fahrkünste anbelangt; unser vw bus ist so langsam und hat so wenig ps, da nützen mir die gelernten erfahrungen aus kolumbien kaum was...
anonym 1619069270000
Super und sehr aus­führlich gesch­rie­ben, man ist "da­bei"­.....ob man in diesen Zeiten unter­wegs sein muss, muss jeder für sich selbst ent­schei­den. Je­den­falls ist Deine Reise ein Er­leb­nis, um das Dich viele ben­ei­den werden. Wie Du andere Touris, z. B. aus FR und USA besch­reibst, er­schreckend, diese Nai­vität und Rücksich­tslo­sig­keit ge­genü­ber an­de­ren. Bleib gesund!
LG Esther