addicted to life

Reisezeit: April 2020 - Dezember 2021  |  von Markus Knüsel

the planet is our playground

niedergeschriebene gedanken zum reisen

seit wann ich reise? seit 99. ungefähr im jahre eins oder zwei nach jesus christ. und obwohl ich mich auf der 6ten weltreise befinde, kommen in mir ab und zu gewisse zweifel übers reisen auf. dieses ohnmächtige gefühl hatte ich aber immer wieder auf meinen bisherigen reisen, aus verschiedenen gründen.

der auslöser für meine jetzigen gedanken sind verschiedener natur. zum einen ist eine person aus meinem beruflichen umfeld unverhofft verstorben, es gibt einen krankheitsfall in meinem familiären umfeld, welcher mich ziemlich belastet. dann war da noch das zoom meeting mit meinen ehemaligen wegbegleiter in afrika und auch noch die gespräche mit mike. und natürlich der ständige wegbegleiter; f##k covid.

das zoom meeting mit meinen ehemaligen weggefährten hat mich ein wenig aufgewühlt. wir sprechen hier von 20 leuten aus 13 verschiedenen ländern, welche sich alle zusammen virtuell trafen, um sich nach 10 jahren wieder mal auszutauschen. ich habe mich im vorfeld wirklich extrem darüber gefreut und es hat spass gemacht, all die leute wieder zu sehen. mit einigen leuten war ich noch in kontakt, mit gewissen nur noch ab und zu auf facebook oder dann eigentlich gar nicht mehr. viel hat sich getan, in der gruppe wurde munter geheiratet, aber auch gleich munter wieder geschieden, man hatte kinder gezeugt, man ist schwanger, man kaufte häuser und hypotheken wurden aufgenommen... und ich bin tatsächlich der letzte mohikaner, ich bin der einzig übrig gebliebene reisende. während alle von zu hause aus vor dem cheminee oder vom büro aus quatschten, sass ich im garten, schwitzte mir einen ab und hatte im hintergrund einige palmen. diese tatsache kann man mit dem lauf der zeit begründen und es wäre auch kein ding für mich gewesen, wenn da nicht die fragen gekommen wären? „wie finanzierst du all die vielen reisen? hast du geerbt oder im lotto gewonnen? kredit aufgenommen?“ oder „machst du dir kein schlechtes gewissen wegen covid und trotzdem unterwegs zu sein?“ ich spreche hier von meinen weggefährten in afrika, wir waren fast ein ganzes jahr zusammen auf dem gleichen lastwagen unterwegs, haben nichts ausgelassen und für mich waren das die krassesten reisenden – ever! und dann stellen solch vertraute leute mir solche fragen. ich war einfach nur enttäuscht. ich meine, grundsätzlich kämpfe ich mit den gleichen problemen wie alle anderen, mit dem kapitalismus zum beispiel; du brauchst geld, damit du machen kannst, was du willst. in einigen länder wie in der schweiz geht das besser und schneller, aber brauch ich mich dafür zu schämen? einige heiraten mit diesem geld, andere kaufen sich davon ein auto, wieder andere setzen kinder in die welt, alles braucht kapital. nur der unterschied, dass ich genau dieses kaptiel für meine nächste reise brauche und nicht für gesellschafliche klischees. schlussendlich drauf geschissen, es ist ja mein leben.

wenige minuten nach dem call kontaktierte mich leight und farron (der damalige fahrer und seine frau) nochmals und sie meinte, dass sie mich wahnsinnig beneiden und ich genau mein leben weiter leben soll wie bisher. die welt war teilweise wieder in ordnung für mich, denn die meinung dieser beiden personen bedeutet mir sehr viel. das reisen hat mich gelehrt loszulassen. das loslassen, was wir nicht kontrollieren können. leben und leben lassen, unserem bauchgefühl zu folgen und von unserem fehlern zu lernen. mit dem glauben an sich selbst und seinen träumen ist es leider so wie mit vielen anderen dingen im leben. man sollte sich lieber auf sich selbst verlassen. leider!

der todesfall und die krankheitsgeschichte zeigt mir dagegen einmal mehr auf, dass sich gewisse dinge extrem schnell ändern können. wer nicht ab und zu ins ungewisse aufbricht, wird nie am ziel seiner träume ankommen.

in meinem früheren leben war ich ein büro hengst. heute bin ich vieles: weltreisender, hobby-aussteiger, surfer und yoganer. abgefahren, wie du dein altes leben hinter dir lässt, auch sei es nur für eine gewisse zeit.

in diesem sinne, noch ein spruch zum nachdenken:

stop waiting
for friday
for summer
for someone to fall in love with you
for life

happiness is achieved when you stop waiting for it and make the most of the moment you’re in now

© Markus Knüsel, 2020
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Die Reise
 
Worum geht's?:
dem sommer durch die welt folgen
Details:
Aufbruch: 07.04.2020
Dauer: 20 Monate
Heimkehr: Dezember 2021
Reiseziele: Costa Rica
Schweiz
Kolumbien
Italien
Frankreich
Deutschland
Dänemark
Schweden
Live-Reisebericht:
Markus schreibt diesen Reisebericht live von unterwegs - reise mit!
Der Autor
 
Markus Knüsel berichtet seit 11 Jahren auf umdiewelt.
Bild des Autors
Aus dem Gästebuch (3/13):
Christof 1631089588000
Göte­borg... ich war vor etwa 25 Jahren auch mal dort - ir­gen­dwie erkenne ich meine Gefühle von damals in deinen Worten wieder. Es gib­t/gab ohne Zweifel auch sehr schöne Ecken, aber auch viele Orte, wo es einfach ziem­lich ab­ge­fuckt und schmut­zig zu und her geht.
Toni von Moos 1620391077000
Hoi Knüsi - Du u­nerm­üdlicher Rei­se­berich­te-­Schrei­ber ...

vie­len Dank für die immer sehr inte­res­santen Berich­te aus der fremden Welt, ob­wohl's dann oft auch ne­ga­ti­ve Ein­drücke sind (po­li­tisch, corona & nat­ürlich Deine überaus von Dir ge­lieb­ten "Sel­fie-­Grin­gos" ...
Ich bin dann ges­pannt auf Deine Fah­rkünste, dh ob Du Dir was ab­schau­en kon­ntest für Deine ho­met­rips mit Deinen Woh­nmo­bil­!
sa­lut Toni & Maya
Antwort des Autors: hi toni
besten dank für dein feedback. ich probiere möglichst objektiv zu schreiben und da gehört auch das negative dazu.. aber schlussendlich überwiegt das positive natürlich bei weiten.
was meine fahrkünste anbelangt; unser vw bus ist so langsam und hat so wenig ps, da nützen mir die gelernten erfahrungen aus kolumbien kaum was...
anonym 1619069270000
Super und sehr aus­führlich gesch­rie­ben, man ist "da­bei"­.....ob man in diesen Zeiten unter­wegs sein muss, muss jeder für sich selbst ent­schei­den. Je­den­falls ist Deine Reise ein Er­leb­nis, um das Dich viele ben­ei­den werden. Wie Du andere Touris, z. B. aus FR und USA besch­reibst, er­schreckend, diese Nai­vität und Rücksich­tslo­sig­keit ge­genü­ber an­de­ren. Bleib gesund!
LG Esther