addicted to life

Reisezeit: April 2020 - Dezember 2021  |  von Markus Knüsel

mike und die unendliche suche nach dem tapir

dschungelwanderung

dschungelwanderung

... das erste was wir am meer resp. an der lagune sehen, sind zwei surfer. die mussten für diese welle kilometer weit laufen...

... das erste was wir am meer resp. an der lagune sehen, sind zwei surfer. die mussten für diese welle kilometer weit laufen...

adler

adler

pelikane

pelikane

tucan

tucan

die fahrt von dominical in den dschungel kostete nerven, und das nicht wenig. wieder einmal machten uns die öffentlichen busse einen strich durch die rechnung. im hostel war ein fahrplan aufgelegt, welcher besagte, dass um 11 uhr ein bus nach palmar norte fährt. von diesem ort müssten wir dann nochmals einen bus nehmen nach sierpe, wo dann eine stündige bootsfahrt auf uns warten sollte. so war jedenfalls der plan. aber eben, wir waren ja noch in dominical. der eigentümer des hostels meinte, dass der bus doch schon um 10.30 uhr los fährt. also liefen wir um 10.15 los und claudi fragte an der bushaltestelle bei den nachbarn extra nochmals nach. die meinten ebenfalls 10.30 uhr. also warteten wir frohen mutes auf den bus, es kam dann auch gleich einer angefahren. die antwort auf unsere frage „palmar norte“ (und zeigfinger wink in die richtung) klang etwa so, als wäre der bus explodiert und einige menschen haben dadurch einen schwarzen russkopf gekiegt. entweder das oder der busfahrer wollte uns erklären, wie seine katze tangotanzen gelernt hatte. ich verstand nix, aber wenigstens liess er uns nicht in den bus, definitiv ein zeichen, dass es nicht der richtige bus war.
also warteten wir auf den nächsten bus, aber der war dann mit noch einem anderen ort angeschrieben und definitiv falsch. danach kam nichts mehr, langes warten. um 11.15 tauchte dann der bus doch noch auf, ich hatte den glauben daran verloren, claudi war aber von anfang an überzeugt gewesen, dass er noch kommt. der bus hätte um 11 uhr losfahren sollen in dominical (also am gleichen ort wo wir warteten), hatte einfach schon bei der ersten haltestelle 15 minuten verspätung, so läuft das hier. der bus war komplett leer und wir die einzigen gäste. er fuhr aber jedes kaff an und immer mehr leute stiegen dazu, so dass eine grossstadt vor palmar – in puerto cortez – der bus dann richtig voll war. von einem busbahnhof in palmar norte war auch keine rede, es war eine haltestelle, mehr nicht. mit händen und füssen kommunizierend fanden wir dann die bushaltestelle nach sierpe. mit den nächsten bus hätten wir mit grosser wahrscheinlichkeit aber die fähre verpasst, also nahmen wir ein taxi für die 15 kilometer.

mit etwas flauem magen und zu vorderst im schnellboot ging es dann einen fluss entlang bis ins meer raus. die wellen waren so hoch, dass ich mehrmals vorne beim bug beinahe den kopf anschlug, nochmals glück gehabt.

in drake bay holte uns mike ab und fuhr uns zu seinem heim. absolute abgeschiedenheit, ursprünglicher geht es wohl kaum. am rande des naturreservats corcovado, gebaut und verwaltet von einem ausgewanderten schweizer, umgeben von wenigen einheimischen. bis noch vor wenigen jahren gabe es dort weder strassen noch strom, seit einer woche hat mike sogar glasfaseranschluss. aber eben, wir waren seit einem jahr die ersten gäste, covid hat mike voll auf dem falschen fusse erwischt. eine einzige kneipe gab es im dorf, welche wir gleich am ersten tag besuchten. super leckeres lokales essen bei extrem sympatischen leuten. einzig die bellenden und knurrenden hunde störten die idylle, selbst bei tageslicht drehten diese dinger am rad, wenn wir vorbei liefen.

all in! am ersten tag begaben wir uns auf eine total 12 km lange wanderung. bei glühenden 35 grad und 90 prozent luftfeuchtigkeit eine wahre mammutsaufgabe. ziemlich schweisstreibende angelegenheit jedenfalls. aber dank mikes tipp konnten wir zuerst einen pfad durch den dschungel folgen, welcher eigentlich nur den „einheimischen“ bekannt ist. somit hatten wir natürlich schon 100% dschungelfeeling und wir sahen unmengen von schmetterlingen und ameisenstrassen. mal den strand erreicht, wartete eine süsswasser lagune auf uns, die dringend nötige abkühlung war einfach nur himmlisch. adler, pelikane und diverse echsen beobachteten uns beim planschen. der weg am meer entlang war dann naturmässig wieder das komplette gegenteil vom dschungel, atemberaubende standlandschaften, einfach nur traumhaft schön. zu hause erwarteten uns im garten bereits aras und tucans von weitem. nach einer wohlverdienten dusche zu hause entdeckten unsere zimmernachbarn philipp aus schweden und lucy aus england ein faultier im garten. der tierische abschluss machte dann ein scorpion auf der veranda am abend.

tag 2 stand eine geführte tour im nationalpark auf dem programm. 5 uhr in der früh aufstehen, mike brachte uns (unsere zimmernachbarn fuhren auch mit) zum bootssteg, wir bretterten rund einen stunde auf dem offenen meer richtung eingang des nationalparks, kurzes fiebermessen und los konnte es gehen mit der tour. unser guide javier lief guten mutes mit uns los und wir alle trotteten hinter im her. die grosse suche nach dem tapir war also gestartet. gesehen haben wir aber trotz grösstem einsatz von javier keines. dafür konnte sich das gesehne portfolio auch ohne tapir sehen lassen : kauze, echsen, aras, adler, spechte und dutzende weitere vögel, brüll- und klammeraffen, fledermaus, nasenbär beim trinken (ausgehölter baum, schnauze rein) und ein wildschwein. der tag im nationalpark war anstrengend aber sehr erfüllend. nach der arbeit das vergnügen, so zu sagen: mike fuhr uns zu einem einsamen strand in der nähe. reisekatalog feeling pur; einsamer strand, umgeben von regenwald, nur wir, das meer und einen sonnenuntergang der sonderklasse.

wer ist aber eigentlich dieser mike, von dem ich schon die ganze zeit erzähle? mike ist ein vor jahren ausgewanderter schweizer, welcher claudi vor 7 jahren bei ihrem letzten besuch in costa rica kennenlernen durfte. mike ist eine total lustige und hilfsbereite person und ich bin sehr froh, durfte ich ihn näher kennenlernen. der klassische aussteiger, der mit der schweiz und vorallem den schweizern nicht mehr klar kam. mir wurde in den gesprächen mit mike schnell klar, welche bürden dieses paradies mit sich bringt. das leben da kann schön hart, abgeschieden und auch gefährlich sein. dem frohsinn von mike tut das ganze aber nichts ab, im gegenteil. vielleicht braucht er genau diese umstände, um eine solche frohnatur hervorzubringen. für mich war diese begegnung mit ihm, der so wenig besitzt und trotzdem ein glückliches leben führt, unheimlich wertvoll. daheim in der schweiz, wo sich alles nur ums geld und besitz dreht, sollte man sich regelmässig an diese menschen erinnern. das hilft einzuschätzen, was im leben wirklich zählt und was nicht. das korrekte an mike ist mike selbst. die ersten drei jahre lebte mike im zelt, kaufte sich danach ein wenig land und hat inzwischen schon drei häuser gebaut und sein kleines paradies errichtet. du musst kein astronaut werden, wenn du ein guter gärtner bist. trotz verarschung von costa ricaner beim landkauf, grossen visa problemen, der korruption im lande und anderen widrigkeiten, nennt mike costa rica sein zu hause, er besitzt auch den costa ricanischen pass seit einigen jahren.

und was hatte mike für geschichten auf lager, dann kratze ich mit meinen reisegeschichten nur an der oberfläche. spinnenbisse, spukende häuser, spital- und polizeigeschichten. glaubt mir, mike hätte eine rolle in blood diamond sehr glaubwürdig verkörpern können. mike hat nichts ausgelassen und deshalb mag ich ihn auch so wahnsinnig gut.

den dritten tag nahmen wir müde und angenehm in angriff. den morgen verbrachten wir wieder mit mike, reden und lachen. am nachmittag folgten wir einem pfad in den dschungel; ein paar hundert meter zum fluss, dann ein paar hunter meter den fluss hoch und plötzlich erschien ein wunderschöner wasserfall. 20 meter oder so und ganz alleine für uns. 20 meter gefallene wassertropfen gaben uns regenwald shower feeling und nackenmassage. mike erzählte uns, dass sich in diesem fluss auch tapire herumtreiben, aber auch an diesem tag hatten wir keine tapire gesichtet.

seit unserer ankunft werden wir von moskittos geplagt, die unzählige juckenden bisse an unseren beinen hinterlassen. dazu kommen dengue und unheimliche reptilien, die irgendwo im unterholz auf uns lauern. verständlich, dass die menschheit immer versucht hat, dem dschungel zu entkommen. nur wir wollten nichts lieber als dahin zurück zu kehren, wo anscheinend so viel unheil wohnt. dieser tapir musste vor die linse. erneut machten wir uns auf zum fluss, aber auch am letzten tag fanden wir nur die spuren von diesen netten kreaturen, zu scheu um sich uns zu zeigen.

am letzten abend haben wir zusammen über dem feuer gekocht und nochmals ein wenig dschungelfeeling erhalten. die giftigste spinne kreuzte auf und auch scorpione trauten sich wieder aus den gebüschen. das vor tagen erspähnte faultier war ebenfalls noch immer im garten von mike und die vögel sangen uns zum abschied lieder zu.

die rückfahrt ging einiges schneller von statten. um 7 uhr brachte uns mike zum bootssteg, ein grösseres und besseres boot holte uns ab. und auch der kapitän war gut drauf, es kam nämlich zu einer brenzligen situation, als wir uns mitten in brechenden wellen wieder fanden. er löste das aber mit bravour und mit viel ps.
bereits in drake bay buchten wir über mike ein taxi von sierpe nach uvita. und das klappte dann auch einwandfrei. marcos holte uns ab und fuhr uns nach uvita, wo ich dann bundesliga live ticker verfolgte und später dann einen zoom call hatte mit meinen früheren reisefreunden aus dem jahre 2010/2011, der transafrika tour. den tag rundete eine leckerere falaffel pita ab. life is good!

nach ausschlafen und einem deftigen frühstück packten wir unsere rucksäcke und machten eine wanderung zu einem wasserfall. die wanderung war unplanmässig an der prallen sonne, aber der wasserfall war es wert. es war wochenende und somit waren auch alle einheimischen unterwegs. man konnte den felsen hoch klettern und entweder runterspringen oder dann im wasserfall quasi mit einner rutschbahn runtersliden. ich beliess es beim zuschauen, nicht so mein ding.

tags drauf erkundeten wir den nationalpark am strand von uvita. es gibt dort eine sandbank, welche von oben wie eine walflosse aussieht. jedoch sieht man die sandbank auch nur bei ebbe bzw. bei ebbe kann man rüberlaufen. moses feeling kam auf, denn links und rechts bahnten die wellen den weg auf dich zu, ohne wirklich nass zu werden, also gewissenermassen ein korridor durchs meer - so was ähnliches habe ich bisher auch noch nie gesehen.

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reisen & covid

in drakebay war covid oder massnahmen dagegen praktisch inexistent. zwar gab es gemäss mike zwei fälle im ort, wo es die ganze familie erwischte, aber danach war wieder normales treiben. klar, in den shops, auf dem boot oder im nationalparks wurden masken getragen, aber sonst sah man sie kaum. und eben, dann waren wieder einmal mehr die touris aus england, welche es einfach nicht schaffen, an den wenigen orten anzupassen; die anweisungen wurden gekonnt ignoriert.

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reisen & aufreger
engländer sturzbetrunken beim wasserfall in uvita, überall urinierte er hin und wollte frauen anfassen, geht gar nicht. zum glück war der tourguide auch gleich wieder weg mit ihm.

haus-faultier bei mike zu hause

haus-faultier bei mike zu hause

nasenbär

nasenbär

wildschwein

wildschwein

auf der suche nach dem tapir

auf der suche nach dem tapir

wasserfall - mitten im dschungel und nur schwer zu erreichen

wasserfall - mitten im dschungel und nur schwer zu erreichen

© Markus Knüsel, 2020
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Die Reise
 
Worum geht's?:
dem sommer durch die welt folgen
Details:
Aufbruch: 07.04.2020
Dauer: 20 Monate
Heimkehr: Dezember 2021
Reiseziele: Costa Rica
Schweiz
Kolumbien
Italien
Frankreich
Deutschland
Dänemark
Schweden
Live-Reisebericht:
Markus schreibt diesen Reisebericht live von unterwegs - reise mit!
Der Autor
 
Markus Knüsel berichtet seit 11 Jahren auf umdiewelt.
Bild des Autors
Aus dem Gästebuch (3/13):
Christof 1631089588000
Göte­borg... ich war vor etwa 25 Jahren auch mal dort - ir­gen­dwie erkenne ich meine Gefühle von damals in deinen Worten wieder. Es gib­t/gab ohne Zweifel auch sehr schöne Ecken, aber auch viele Orte, wo es einfach ziem­lich ab­ge­fuckt und schmut­zig zu und her geht.
Toni von Moos 1620391077000
Hoi Knüsi - Du u­nerm­üdlicher Rei­se­berich­te-­Schrei­ber ...

vie­len Dank für die immer sehr inte­res­santen Berich­te aus der fremden Welt, ob­wohl's dann oft auch ne­ga­ti­ve Ein­drücke sind (po­li­tisch, corona & nat­ürlich Deine überaus von Dir ge­lieb­ten "Sel­fie-­Grin­gos" ...
Ich bin dann ges­pannt auf Deine Fah­rkünste, dh ob Du Dir was ab­schau­en kon­ntest für Deine ho­met­rips mit Deinen Woh­nmo­bil­!
sa­lut Toni & Maya
Antwort des Autors: hi toni
besten dank für dein feedback. ich probiere möglichst objektiv zu schreiben und da gehört auch das negative dazu.. aber schlussendlich überwiegt das positive natürlich bei weiten.
was meine fahrkünste anbelangt; unser vw bus ist so langsam und hat so wenig ps, da nützen mir die gelernten erfahrungen aus kolumbien kaum was...
anonym 1619069270000
Super und sehr aus­führlich gesch­rie­ben, man ist "da­bei"­.....ob man in diesen Zeiten unter­wegs sein muss, muss jeder für sich selbst ent­schei­den. Je­den­falls ist Deine Reise ein Er­leb­nis, um das Dich viele ben­ei­den werden. Wie Du andere Touris, z. B. aus FR und USA besch­reibst, er­schreckend, diese Nai­vität und Rücksich­tslo­sig­keit ge­genü­ber an­de­ren. Bleib gesund!
LG Esther