addicted to life

Reisezeit: April 2020 - Dezember 2021  |  von Markus Knüsel

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crozon

crozon

crozon - atlantikwall

crozon - atlantikwall

ploumanac'h

ploumanac'h

ploumanac'h

ploumanac'h

treguier

treguier

ja was hat uns nun diese gegend schönes gebracht? eine ziemliche deutsche enklave; leider mit vielen herumnörgelnden deutschen. und vielen deutschen surfer. und vielen deutschen pärchen mit baby, welche wohl ihre elternzeit mit surfen verbringen. aber alles der reihe nach. beim anfahren des spots wusste ich noch nicht, dass crozon so ein hotspot bei den deutschen surfern ist. auf einmal wurde im ganzen areal nur noch deutsch gesprochen, an der rezeption sprach man uns gleich auf englisch an, obwohl wir mit französisch begannen. erinnerungen an den gardasee kamen auf. dann gab es viele surfer, welche mehr „rosamunde-pilcher-kelly-slater“ waren, als sie wirklich surfen konnten. und da waren noch die „eltern-auszeitler-surfer“, welche ich super kuul fand, denn die machten meiner meinung nach alles richtig.

aber eben, als wir am vorabend ankamen, musste ich natürlich zuerst die wellen checken, am ende war ich natürlich ein bisschen fickerig aufs surfen. hätte das einfach so nicht erwartet. und die wellen waren am abend zuvor gar nicht so schlecht, es gab einen kleinen board/anzug-verleih, also könnte was gerissen werden. also machten wir uns nach dem frühstück mal auf richtung strand. das meer rauschte leise. zu leise um mir die birne wegzusurfen. aber die landschaft mag auch ohne wellen fast vollkommen sein, mama natur wusste hier ganz genau, wie man absolute perfektion an die küste schmeissen konnte. zudem gab es ja auch noch einen nachmittag zu surfen, auch wenn der forecast nicht darauf hindeutete. wir liefen die dünen und die steile küste entlang bis kerloc'h, wo es noch einen surfspot gab, bei welchen sogar surfbare wellen vorhanden waren. jedoch gab es da weder boardverleih noch einen zeltplatz. wir versüssten uns den aufenthalt dort mit moules & frites und liefen dann den gleichen weg zurück zum surfspot vor dem zeltplatz. naja, nicht wirklich der stoff, aus dem der film „endless summer“ entstand. der onshore wind drückte die wellen noch zusätzlich runter, so dass es nur weissen schaum und gebrochene wellen im dauerrythmus von 5 sekunden gab. also keine guten voraussetzungen sich in einen nassen & vollgepissten miet-anzug zu zwängen und sich in diese kalte, sandfessende kleine waschmaschine zu setzen und dafür noch 30 euro hinzublättern. und trotzdem blutete mir ein wenig mein herz.

der letzte montag in frankreich begann ziemlich gut, doch schon bald setzte regen ein und dieser hörte nicht mehr auf bis zum schlafen gehen. wir fuhren aber trotzdem noch einige dinge auf der crozon halbinsel an, denn die hatte ziemlich viel zu bieten. als erstes sahen wir uns die batterie de kerbonn an. ein teil des atlantikwalls mit vielen gräben, bunkern und kanonen. genutzt wurde diese batterie schon im ersten weltkrieg, wurde auch von den franzosen gebaut und im ww II von den deutschen kampflos übernommen und ausgebaut. beton lässt grüssen. dann fuhren wir in den nahegelegenen grand dahouet, super schöne kliffengegend inklusive ihren inseln les tas de pois. später besuchten wir noch eine schlossruine eines bekannten französischen dichters und noch eine nahegelegene ausgrabungsstätte mit hinkelsteinen. der regen wurde aber immer schlimmer und wir entschieden, brest und umgebung aussen vor zu lassen. es war sturm angekündigt mit starken regenfällen. wir bevorzugten es, im norden – besser gesagt in ploumanac'h – zwei tage zu verbringen anstatt dann in zwei tagen hunderte kilometer zu fahren und unterwegs die dinge anzuschauen. ploumanac'h erwartete uns ebenfalls mit regen und sturm. am nächsten morgen sollte es in gewissen surfspots frankreichs bis zu drei meter hohe wellen geben. mal schauen, wie es morgen an den rosa klippen ausschaut.

nach einer stürmischen nacht und einem herunter genommenen zelt (vorsichtshalber) widmeten wir uns den ganzen tag der côte de granit rose, auf gut deutsch der rosafarbenen granitküste (hat aber nichts mit granit xhaka zu tun). überall lagen riesige und komisch geformte granitkolosse aufeinander. im meer draussen sah man die starke ebbe/flut sehr gut, wenn die steine noch trocken lagen und dann einige stunden später im wasser standen oder davon umschlossen waren. auch auf dem land waren die grossen steine überall, viele häuser baute man hier aus diesem gestein. und noch was ist mir aufgefallen; die häuser wurden alle um diese steine erstellt, diese durften also nicht umgesetzt werden beim kauf/bau des hauses. somit kam es nicht selten vor, dass ein schmuckes haus neben einem riesen granit teil stand. die umgebung und die steine gefielen mir super, zeigte mir wieder die wilde seite der bretagne. natürlich durfte auch nicht der regen fehlen, einmal verregnete es uns prompt, obwohl der wetterbericht nichts davon ansagte. naja, bretagne halt.

regen begleitete uns auch den heutigen tag. beim aufstehen, während dem frühstück, beim zusammenräumen. kaum losgefahren schüttete es aus vollen kübeln. wir fuhren ein nettes dorf mit dem namen tréguier an. dort fanden wir eine wunderschöne kathedrale vor im gothischen stil, welche sogar ich im innern anschauen musste. draussen rundherum gab es super schöne alte häuser. sogar der regen hatte aufgehört, wenigstens die erste halbe stunde. wir machten uns dann weiter zur nächsten stadt – paimpol. im 18ten jahrhundert einer der wichtigsten fischerhäfen in frankreich, wo man sich zu dutzenden auf nach island zum dorsch fischen machte. wurde aber durch die motorschiffe abgelöst, heute fischt man nur noch muscheln und austern. der regen ging uns so was auf den sack, dass wir beschlossen, in einer netten kneipe zu lunchen. nicht bewusst ausgewählt, aber der mann der besitzerin war noch der einzige aktive fischer vom dorf und gab es auf der menukarte nur das was der mann morgens aus dem wasser gefischt hatte. lecker fisch und sehr schönes ambiente. danach schlenderten wir – immer noch bei regen – durch die super schönen gassen der stadt und den nicht mehr so tollen hafen. ausser segeljachten war da gar nichts mehr zu sehen. der einzige fischer musste wohl sein schiff vor dem hafen parken...
die 130 kilometer nach saint malo fuhren wir dann am nachmittag. in saint malo wollten wir die steinskulpturen am meer noch anschauen, aber das fiel auch ins wasser. wir wollten es am nächsten tag versuchen. so viel regen musste kompensiert werden, wir genehmigten uns abends eine extraportion dessert und hofften auf besserung am nächsten tag.

und diese besserung traf ein, zwar noch nicht beim frühstück. es war saukalt draussen und auch noch als wir mit den drahteseln losfuhren. doch dann löste sich die bewölkung immer mehr auf und wir konnten den ganzen tag sonne tanken. wir fuhren in die altstadt von saint malo. eine sehr idyllische altstadt, umgeben von einer hohen stadtmauer, welche bei flut ein wenig ins meer hinaus gebaut ist. wir umliefen die stadtmauer zuerst, dann suchten wir die verwinkelten kleinen gassen auf. ich war verwundert, wie gut erhalten all diese alten bauwerke auch sein mochten. jedoch rechechierten wir ein wenig im internet und erfuhren, dass 1944 die allierten die altstadt zu 85% in schutt und asche gebombt hatten, nachdem die deutschen nicht kapitulieren wollten. aufgrund von alten plänen und fotos wurde die altstadt wieder wie damals nachgebaut. ein letztes mal hier in frankreich gab es nochmals meine geliebten moules & frites und den besten kaffee seit italien. und nicht einmal zu wahnsinns touripreisen, denn die stadt war komplett nur auf touristen ausgerichtet. aber die stadt gefiel mir unheimlich gut und war froh, bekam ich diesen tipp von toni (wie natürlich auch alle anderen tipps von ihm). leider mussten wir heute auch schon wieder abschied nehmen vom meer, denn am nächsten tag begann bereits die rückreise, die zweite impfung stand an. den abend genossen wir dann einfach mal beim nachtessen vor dem bus und mit sonne im gesicht. tat richtig gut. jedoch kurz nach einer runde beachball und duschen kam der regen zurück...

heimfahrtage waren halt wie sie heissen; man fährt nach hause. 380 kilometer abgespuhlt, das meiste auf autobahnen oder dann autostrassen, wo uns auch immer das navi hinleitete. über rennes nach orleons, richtung paris. machte zwar nicht sinn, war aber tatsächlich die schnellste route, die uns das navi ausgerechnet hatte. in chateaudun verliessen wir die autobahn. diese gegend kannten wir bereits sehr gut vom letzten jahr, damals nächtigten wir sogar dort. wir wollten aber dieses mal in orleons halten, da wir das noch nie zuvor sahen. von chateudun aus fuhren wir nur noch auf überlandstrassen, dafür hatten wir eine richtig schöne landschaft zu bestaunen.

orleons erkundeten wir wieder mit dem drahtesel, der zeltplatz lag direkt an der loire etwa 5 kilometer ausserhalb der stadtmitte. die kathedrale war erstes und eigentlich auch einziges ziel. bow, was für ein geiler gothischer bau. hat mir sehr gut gefallen. danach schlenderten wir noch durch die gassen und bestaunten die netten häuser. in dieser stadt liesse es sich leben, schöne gegend am fluss und ganz viele schöne kneipen, restaurants und bars, welche zum verweilen einluden. der zeltplatz füllte sich am abend auch langsam, die holländer und deutschen hatten ferienanfang! eine holländische familie parkte ihren wohnwagen dann auch quasi direkt vor unserer seitentür. aber was solls, war ja nur für eine nacht.

heimfahrttag 2, nichts neues im westen. wir fuhren, wir regten uns über die fanzösischen autofahrer auf, wir hörten bravo hits musik und... wir hatten endlich unsere gewünschte hulatänzerin im auto, klimaneutral wohlverstanden. denn sie tanzte nur, wenn auch die sonne schien (also in bretagnie hätte sie wohl nie getanzt). über auxerre fuhren wir nach dijon, eine stadt welche wir auch vom letzten jahr her kannten. gleicher zeltplatz, unmittelbar vom stadtzentrum aber auch an einem see gelegen. leider spielte der regen bei der ankunft einen strich durch die rechnung, also begnügten wir uns zuerst mit food einkauf und einer crepe am see. der aufgesuchte supermarkt lag zwar nur wenige hundert meter vom zeltplatz entfernt. dummerweise wurde gerade die strasse und eine brücke saniert, also mussten wir durch ein quartier abkürzen und plötzlich fanden wir uns in der unschönen seite von frankreich wieder. banlieue von dijon, ein ort wo wir uns nicht wohl fühlten. der supermarkt war dann auch eher ein superdiscounter und gleich beim betreten hauten sich zwei schwarzafrikaner gegenseitig fast die rüben ein. der eine arbeitete dort an der kasse, der andere war kunde. also nix wie weg. die crepe am see war zwar lecker, es regnete wieder, also zogen wir uns zum bus zurück und genossen selbst gebrauten kaffee. als der regen wieder nachliess, fuhren wir mit dem velo nach downtown und tätigten noch senfeinkäufe. als der regen zurück war, setzten wir uns in ein restaurant und verköstigten uns. ziemlich trocken kamen wir dann wieder zurück, das gewitter war vorüber.

die fahrt von dijon nach hause war angenehm und die strassen waren ziemlich leer, auch keine lastwagen am sonntag. wir erreichten emmenbrücke am frühen nachmittag. das frankreich abenteuer war leider schon geschichte, aber claudi und ich freuen uns auf das, was uns das zweite halbe jahr reisen noch so zu bieten hat.

paimpol

paimpol

st. malo

st. malo

st. malo

st. malo

orleon

orleon

© Markus Knüsel, 2020
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Die Reise
 
Worum geht's?:
dem sommer durch die welt folgen
Details:
Aufbruch: 07.04.2020
Dauer: 20 Monate
Heimkehr: Dezember 2021
Reiseziele: Costa Rica
Schweiz
Kolumbien
Italien
Frankreich
Deutschland
Dänemark
Schweden
Der Autor
 
Markus Knüsel berichtet seit 12 Jahren auf umdiewelt.
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