addicted to life

Reisezeit: April 2020 - Dezember 2021  |  von Markus Knüsel

sweden you beauty

norrköping - ehemlige kleiderindustrie hochburg

norrköping - ehemlige kleiderindustrie hochburg

archipel auf vestervik

archipel auf vestervik

art in vestervik

art in vestervik

nach zwei städten setzten wir unsere reise auf dem land fort. wir fuhren ins etwa 80 kilometer entfernte städtchen mit dem namen östhammar. zum ersten mal auf diesem trip sahen wir die baltische see. über nacht kam in uppsala wind (biese) auf und die gefühlten temperaturen sanken enorm. auch in östhammar das gleiche, der wind wehte uns um die ohren. gut verpackt liefen wir die altstadt mit den schmucken häuser ab, wir besuchten den kleinen hafen und fanden wieder ein hübsches café, wo wir uns stärken konnten. daraufhin suchten wir einen zeltplatz der anderen art auf. es war eigentlich ein club-zeltplatz, also ohne member kein zulass. die hatten aber 17 pitches für auswärtige und wir waren die einzigen dort. der platz lag direkt an einem fjord und wir genossen die zeit am strand mit lesen. wanderwege hatte es leider keine und als es dann wieder ziemlich kalt wurde, zogen wir uns in den bus zurück.

eine glasklare nacht bescherte uns kalte 4 grad draussen, einige grad wärmer im bus. meine neu erworbene wolldecke erfüllte ihren zweck, ich hatte keine eiszapfen an den füssen. aber es war schon frisch, vorallem am morgen beim aufstehen.
wir verliessen den nördlichsten punkt unserer reise und machten uns auf richtung stockholm. wir peilten aber noch einen zeltplatz nördlicher der hauptstadt schwedens an, in kapellskär. von diesem ort gab es fähren nach finnland oder ins baltikum, aber deswegen landeten wir nicht hier. vom zeltplatz aus gab es einige wanderwege, zwei davon liefen wir am nachmittag gemütlich ab. der wald war aber nicht mehr so märchenhaft, es musste hier vor einiger zeit ziemlich heftig gestürmt haben. es lagen hunderte bäume am boden, einen kleinen teil des wanderweges war sogar gesperrt. um so schöner aber die strände und der weg am baltischen meer entlang. am schluss fuhr dann noch eine fähre an uns vorbei, was für ein koloss. richtig laut und schnell, produzierte sogar einige (schwach-surfbare) wellen.

wir machten uns auf richtung stockholm, der hauptstadt von schweden. die fahrt von kapellskär nach city down town kann man in etwa so beschreiben: autostrasse (nur eine spur), autobahn (zwei spuren), autostrasse, autobahn, autostrasse, autobahn mit baustelle, mehrere autobahnen, welche zusammen kamen. dann nahm ich noch einmal die falsche ausfahrt. ab 12 uhr mittags konnte man auf dem zeltplatz einchecken, wir fuhren 12.02 vor. also war die falsche ausfahrt gar nicht so schlecht, sonst wären wir noch zu früh dort gewesen. der zeltplatz war aber etwas anderes als bisher; lediglich ein stellplatz unter einer autobrücke, welcher über die sommermonate als diesen benutzt wurde, danach wieder ein normaler parkplatz. duschen und wc waren in einem container und auch strom konnten wir beziehen. kurz darauf machten wir uns mit dem velo auf in die stadt. die altstadt lag nur etwa 2.5 kilometer entfernt und am rande der altstadt parkten wir die drahtesel und liefen los. um cecile und reto wieder zu treffen. zusammen assen wir lecker fisch und meatballs in einem schmucken restaurant, dann trotteten wir in der hauptstadt umher; königspalast, staatsoper, reichstag, diverse museen und genossen die nette stadt. die alten bauten der stadt gefielen mir extrem gut. einmal sperrten polizisten die strassen, weil ein staatsoberhaupt vorbeifuhr, wir tippten auf zypern. als es bereits stockdunkel wurde, besuchten wir noch zusammen ein italienisches restaurant, bevor wir uns dann mit dem velo auf den heimweg machten. diese stadt machte lust auf mehr, selbst der stellplatz war besser und ruhiger als gedacht.

früh standen wir auf, denn wir hatten die waschmaschine auf den nächsten morgen reserviert. und uns überraschte dieser stellplatz gleich nochmals, ziemlich gut organisiert für einen provisorischen platz. 3 stunden und 3 waschmaschinen später standen wir mit sauberen und trockenen kleider da.
wir zogen erneut mit den velos in die altstadt, trafen später cecile und reto am harbour, um dann gemeinsam essen zu gehen. der kellner war ne wucht, der war so lustig, der konnte mir sogar köttbular (hackfleisch bällchen) mit kartoffelstock verkaufen, obwohl ich kartoffelstock nicht so mag. also bestellte ich french fries, bekam die auch mit etwas stock auf den teller, da man alles probieren müsse, und der war so lecker... - werde das biene-maya-lachen des kellners nicht mehr so schnell vergessen. danach unternahmen wir zusammen eine hafenrundfahrt und kriegten viele interessante infos über die stadt und den hafen. zum abschied von cecile und reto assen wir nochmals zusammen in einem kleinen netten restaurant.

am dritten tag zogen wir alleine um die häuser. wir nahmen das velo und fuhren zum vasa museum. wir wollten dies eigentlich gar nicht besuchen, jedoch überzeugten uns cecile und reto davon.
vasa war ein schiff, welches 1628 wegen schwerwiegenden konstruktiver instabilität sank und das auf der jungfernfahrt. wegen einer kleinen böe & bei normalen seegang geriet das schiff schon sehr früh in schieflage und sank nur 1.3 kilometer vom hafen entfernt. das schiff blieb dann 333 jahre in 30 meter tiefe liegen. in den 60er jahren hob man das schiff hoch. das vasa schiff ist heute das best erhaltene schiff des 17. jahrhunderts und besteht aus 98% originalteile.

man muss sich aber vorstellen, dass das holz beim trocken geschrumpft wäre, also musste man 17 jahre lang das ganze schiff bewässern und „imprägnieren“, damit sich das holz nicht zersetzt, da es ja schon so lange unter wasser lag. noch heute werden zur neutralisierung chemische mittel und eine komplexe klimaanlage eingesetzt, denn die gefahr der zersetzung oder verformung ist immer noch gross. das museum gefiel mir sehr gut und man kriegte sehr viele & interessante infos. mit einem feinen abendessen beendeten wir den aufenthalt in der hauptstadt.

der winter hielt einzug. die ganzen tage in stockholm waren schon saukalt und windig, so dass ich mir eine wollmütze kaufte. die tagestemperaturen waren gefühlt unter 10 grad, in der nacht fühlte es sich um den gefrierpunkt an. und dies änderte sich auch nicht, als wir am nächsten tag weiterzogen. sehr weit kamen wir nicht, wir besuchten den tyresta nationalpark, welcher sich südöstlich von der hauptstadt befand. am parkplatz bemerkten wir gleich, dass es nahe an stockholm lag und, dass es weekend war – praktisch voll der parkplatz. wir liefen zwei routen ab, eine kleinere rundstrecke von 2 km und dann noch eine grössere von 5 km. der wald war wie immer in schweden sehr schön, jedoch haben wir einen solchen wald auch schon sehr oft gesehen (also nichts neues) und durch die etlichen besucher auch nicht so ruhig wie sonst. zudem pfiff ein richtig heftiger wind um die ohren, was das wandern nicht so angenehm machte. nach einer weile fuhren wir dann nach gälö (nicht zu verwechseln mit gölä), wo wir einen zeltplatz aufsuchten. auf der fahrt sahen wir auf einer offenen wiese 3 rehe, vom zeltplatz aus dann gleich 5 weitere, welche sich durch nichts stören liessen.

trotz sehr lauten nachbarn, schlief ich ziemlich gut und fühlte mich richtig erholt. nach dem frühstück liefen wir eine rund 5 km lange rundwanderung um die halbinsel gälö's, wo man an die vielen inseln und scheren sehen konnte. leider war das wetter nur ein wenig besser, es regnete nicht mehr, dafür war es kalt und windig, der boden war nass und glitschig. der ausblick war aber sehr nett, bei schönem wetter muss die umgebung der traum sein. 9 rehe begrüssten uns dann auf einem feld neben dem zeltplatz. eifrig wurde gefressen, gespielt oder herumgesprungen.
wir fuhren danach weiter nach nynäshamn, welches ebenfalls an der baltischen see liegt. im osten nichts neues, es war saukalt und windig. dennoch liefen wir ins stadtzentrum und genehmigten uns eine fika (kaffee und kuchen/süssigkeiten). der zeltplatz war praktisch leer, im sommer muss hier der bär tanzen. der zeltplatz hatte hier sogar diverse wasserrutschbahnen in die baltische see und einen hohen sprungturm. das alles schloss man schon vor wochen und in der küche, beim duschen oder auf den klos waren wir alleine. wir sind definitiv am ende der saison angelangt.

der nächste tag begann schon bedenklich schlecht, es regnete wieder einmal und war saukalt. zudem crashte ich den tolino von claudi beim schliessen der hinteren tür und auch mein magen streikte ein wenig an diesem morgen.
wir fuhren dann los richtung nyköping. zuerst passierten wir die stadt södertalje auf der autobahn. in dieser stadt lagen der hauptsitz und die werke von scania nutzfahrzeugen. und richtig krass; links und rechts der fahrbahn fand man nur gebäude mit dem scania schriftzug, alles komplett auf eine firma ausgerichtet. in nyköpfing besichtigten wir erneut zeichnungen auf flachen steinen aus der brozenzeit. aber auch hier beruhten alle angaben auf annahmen. es gab dort wohl einmal ein vikingerdorf, welches gut geschützt in einer bucht lag. die stadt selber war nicht schön und deshalb zogen wir noch eine stadt weiter nach nörrköpping. schon den ganzen tag sahen wir immer wieder von der autobahn aus rehe auf weiden, total über ein dutzend. auf dem zeltplatz hatten wir dann erneut tierischen besuch, drei feldhasen futterten gemütlich vor der küche im regen.

grosses programm am nächsten tag. zwar fuhren wir total nur 120 kilometer, aber die geplanten stopps hatten es in sich. zuerst peilten wir norrköpping city centrum an. dort gab es viele nette industriebauten von der früheren textilindustrie. obwohl diese industrie schon seit etlichen jahren nicht mehr ansässig war, baute man diese gebäude einfach um in hochschulen, wohnhäuser, museum, cafes oder geschäfte. das ortsbild war immer noch voll auf industriebau aus, aber modern. der fluss in der stadt verlor total rund 25 meter höhe, da die industrie zum anfang ihre energie vom wasser bezog und teilweise läuft das wasser noch heute unter diesen gebäuden durch. ich dachte mir nur, dass wir in emmenbrücke ja was ähnliches vorweisen könnten, hoffe die umsetzung klappt ähnlich wie hier in norrköpping.
zweiter halt an diesem tag war söderköping, welches ebenfalls an zwei flüssen – besser gesagt an zwei kanälen – lag. geschmückt mit schönen, alten und farbigen gebäuden. die kirche und der spezielle turm oder das stadthaus sahen wunderschön aus. wir assen gleich am kanal in einem kleinen restaurant zu mittag, richtig lecker und noch hausgemacht.
danach begaben wir uns auf den weg nach vastervik, wo wir dann auch gleich übernachten wollten. der einzige zeltplatz, der noch geöffnet hatte war ein monsterplatz mit hunderten von stellplätzen, hütten, einer eigenen schwimmhalle und und und. der preis war für nebensaison unverschämt hoch, aber da wir müde waren, buchten wir den platz. gegen frühen abend gingen wir auf einen erkundungs-spaziergang auf dem camping. auf einmal entdeckten wir die camping eigenen archipel, welche jeweils mit einer brücke verbunden waren. die inseln waren einfach phantastisch, zusammen mit dem abendlichen licht – perfekt! so stellte ich mir schweden immer vor! und abends entdeckten wir, dass auch das kleider waschen inklusive war, also machten wir den waschtag zur waschnacht. nachdem wir die ganze küche, waschküche, essensbereich und die archipel für uns alleine hatten, relativierte sich der hohe preis ein wenig.

die nacht war wohl die kälteste bisher, 4 grad am morgen um 7 uhr. was ich so früh schon mache? konnte nicht mehr schlafen, da kalt. zum glück hatte ich noch die wahnsinns-idee gehabt, den elektrischen heizofen mitzunehmen – hintergedanke dafür war aber der ebenfalls eingebaute ventilator für heisse nächte, diesen habe ich kein einziges mal gebraucht auf der reise. den heizer benutzten wir in den letzten 2-3 wochen fast täglich, wenn wir strom hatten. sonst machten wir es mit herbies standheizung im bus kuschelig. heute standen wieder rund 150 kilometer auf dem programm. zuerst besichtigten wir aber noch vastervik down town. kleinere nette hafenstadt, welche mir nicht so behagte wie claudi. im sommer muss hier wohl der bär tanzen, ansonsten ruhig und ein bisschen ausgestorben.
nach 100 kilometer machten wir fika pause. kaffe und kuchen mit viel sahne. so good! apropos fika; vor zwei tagen sahen wir per zufall eine gedenktafel mit dem titel „schweizeriet“. unter diesem übertitel fanden wir dann mit unserer übersetzungsapp heraus, dass anfang 19tes jahrhundert ein „schweizeri“ ein café mit alkoholausschank war und dies ausgewanderte schweizer nach schweden brachten. und nun unsere schlussfolgerung; wenn wir schweizer die besten kuchen/torten/süssigkeiten-backkünste nach schweden brachten und seither das hier so stolz zelebriert wird. nun, wer hat wohl fika erfunden? hä? sicher nicht ricola, aber die schweizer!
weiter ging es nach kalmar, wo wir einen noch geöffneten zeltplatz anfuhren. an der reception kam dann die übliche frage, ob wir einen stellplatz mit oder ohne strom möchten. der unterschied machte volle 16 schweizer franken aus? was zum f##k soll das denn? wir nahmen natürlich ohne strom und der platz war nicht einmal diesen betrag wert. ein voll altes klohaus, im neuen hat es gerade mal 3 klos und so uneben wie kein bisheriger platz. wir waren aber müde und hatten keinen bock auf weitere suche zu gehen. wir liefen noch rund 3 kilometer zum kalmar schloss, welches eines der grössten und besterhaltesten schlösser von schweden sein soll. das war es auch, wunderschön erhaltenes schloss mit original kanonen, wären da nicht die kritzeleien in den wänden gewesen: nour + ausar = liebe, barca oder kalle was here. was verdammt nochmals geht in euren dummen köpfen vor? ist doch der welt egal, ob sich nour und ausar lieben (trotzdem schön für sie), barca ist ohne messi eh keinen cent mehr wert und zur hölle scheissegal ober der kalle (hoffe es war nicht karl-heiz rummenigge) tatsächlich hier war. interessiert niemanden und hört endlich auf solche schönen bauwerke oder historische fundstellen zu verunstalten. was müssen die leute in 2000 jahren (falls es die tatsächlich noch geben sollte) von uns denken, was wir für dumpfbacken waren, ausser plastikwaste und umweltverschmutzung nichts im kopf?

streetart in vestervik

streetart in vestervik

schloss in kalmar

schloss in kalmar

koooooootz

koooooootz

© Markus Knüsel, 2020
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Die Reise
 
Worum geht's?:
dem sommer durch die welt folgen
Details:
Aufbruch: 07.04.2020
Dauer: 20 Monate
Heimkehr: Dezember 2021
Reiseziele: Costa Rica
Schweiz
Kolumbien
Italien
Frankreich
Deutschland
Dänemark
Schweden
Live-Reisebericht:
Markus schreibt diesen Reisebericht live von unterwegs - reise mit!
Der Autor
 
Markus Knüsel berichtet seit 11 Jahren auf umdiewelt.
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