addicted to life

Reisezeit: April 2020 - Dezember 2021  |  von Markus Knüsel

die ruhe nach dem wahnsinn

30.12.2020, 6 uhr in der früh – wir schliessen die wohnungstür zu, natürlich wie angekündigt 360 grad linksherum. und das ziemlich schnell bei diesen kalten temperaturen draussen. noch ein letzter blick zurück und überglücklich, dass es endlich losgehen kann.

über weihnachten noch familie und freunde verabschiedet, corona conform natürlich, schliesslich will man ja kein risiko mehr eingehen. das ging aber relativ gut über die bühne, habe ja auch schon ein bisschen erfahrung damit. eingehende emails oder anrufe vom globetrotter trieben mir viel mehr schweissperlen auf die stirn. aber alles lief optimal. zwar kriegte ich eine mail von der swiss, jedoch beinhaltete die lediglich eine flugänderung mit zwischenlandung in punta cana auf der dominikanischen republik. aus zwei flügen mach eins und nun war auch klar, wieso der flug über nacht plötzlich doppelt so teuer und praktisch komplett ausgebucht war. aber wenigstens keine stornierung.

der zug brachte uns nach zürich flughafen, wo wir gleich unser gepäck abgeben wollten, damit ja wirklich nichts mehr schief geht! beim gate angekommen – chaos pur. der flug war voll bis zum letzten platz und 14 stunden mit maske, das kann ja heiter werden. und genau da fing schon das erste problem an, denn auch corona ignoraten fliegen gern an die wärme. da gab es die üblichen verweigerer, welche die maske kaum über den mund kriegten geschweige über die nase. eine junge dame toppte aber alle, sie meinte ein schal reiche vollkommen aus. ich wunderte mich, dass sie so überhaupt ins flugzeug gelassen wurde. ihre entschuldigung war: sie hätte keine dabei. gehts noch dümmer? die swiss crew gab der armen dame sogar eine, ich sah sie aber den ganzen flug nur mit schal herumrennen. kurz vor der immigration auf costa rica hatte sie dann plötzlich eine maske auf, die zollbeamten waren wie scharfe hunde drauf. mit solchen leuten wird die welt demnächst ziemlich sicher den bach runtergehen.

der flug verging leider nicht wie im fluge, da unterhaltungsprogamm langweilig und essen eher wenig und nicht so lecker. da erging es dem sänger stress und freundin ronya furrer wohl besser, wenn man business class fliegen darf. der sänger stand beim einchecken gleich neben mir und ich muss sagen, so ohne weite hip hop kluft gleicht der stress eher einem schmächtigen schuljungen als einem gangsta rapper. aber dies nur so als randnotiz. apropos bekannte gesichter. nach 10 stunden flug, 1x verlassen des flugzeuges und erneuter gepäckkontrolle in punta cana bemerkte ich laura aus emmen bzw fanden wir es gemeinsam heraus, dass wir an den gleichen ort fliegen. mit maske ist das wiedererkennen manchmal nicht so einfach. obwohl man sich vorstellen muss, dass sich zwischen ihr und mir nur eine einzige person und ein gang befand. nun gut, gute story zu beginn der reise und da ist bereits das erste aha-erlebnis, welche nur das reisen schreiben kann.

san jose erwartete uns mit heissen temperaturen und einem mächtig starken regenschauer. unser hotel erreichten wir dennoch trocken. aber hundemüde. schliesslich waren wir schon 21 stunden auf den beinen. duschen, kurz was zwischen die rippen kriegen und ab ins land der träume. am ersten tag erkundeten wir nach einem grossen frühstück die stadt. sofern es was zu erkunden gab. geschäftige strassen, viel lärm und einfach eine normale wüste lateinamerikanische grossstadt. wir standen nun am ende eines erreignisreichen jahres. im hostel wurde gefeiert, einfach mit wenigen gästen und auch ohne claudia und mich. der jetleg war einfach zu gross um da noch künstlich wach zu bleiben. wir hatten das privileg im 2020 ein paar stunden länger zu verweilen, weil es ja sooo schön war. lustigerweise passieren in hostels auf reisen zu silvester immer wieder die selben dinge: kotzende leute. egal wo auf der welt, es passiert, die elche röhrten auch in costa rica.

am neujahrstag war public holiday und dementsprechend die am vortag noch so lauten strassen ziemlich ausgestorben und leer. ausser den vielen obdachlosen war praktisch niemand zu sehen. nach kurzem abstecher und fruchtsaft in town, widmeten wir uns aber zunehmendst lieber um unsere zukunft und die hiess tortuguero, eine dorf im dschungel. normalerweise kommt man da mit zwei bussen und einer bootsfahrt ziemlich einfach hin. die erste busfahrt hatten wir bereits am silvester abend gelöst. dann stellte claudia aber fest, dass der zweite bus wegen covid gar nicht fährt. seit dem virus wurde alles runtergefahren und nun fahren die public transporte häufig nicht mehr oder nicht mehr planmässig. f##k you covid! auch unsere anfragen beim hostel vor ort wurden nicht beantwortet und das hostel in san jose kannte nur jemand der jemand kannte, der mit einem minibus uns evtl direkt zum bussteg fahren könnte. es kann doch nicht sein, erster spot und es funktioniert nichts? frustessen war angesagt und es funktionierte tatsächlich. dieser jemand der jemand kannte konnte uns am nächsten tag direkt zum bootssteg fahren. also geht doch, wieso nicht gleich?

© Markus Knüsel, 2020
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Die Reise
 
Worum geht's?:
dem sommer durch die welt folgen
Details:
Aufbruch: 07.04.2020
Dauer: 20 Monate
Heimkehr: Dezember 2021
Reiseziele: Costa Rica
Schweiz
Kolumbien
Italien
Frankreich
Deutschland
Dänemark
Schweden
Der Autor
 
Markus Knüsel berichtet seit 14 Jahren auf umdiewelt.
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