addicted to life

Reisezeit: April 2020 - Dezember 2021  |  von Markus Knüsel

summertimez sadness

campieren im garten

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"haus" laufstrecke

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urban gardening

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giessbach fälle

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top of europe - jungfrau joch

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eiger, mönch und jungfrau

eiger, mönch und jungfrau

aussicht auf den brienzersee von der schynigen platte

aussicht auf den brienzersee von der schynigen platte

für mich war jeher das leben der sommer. wenn ich also drei monate sommer in der schweiz hatte, konnte ich drei monate lang draussen chillen, am see mich brunzeln lassen oder an festivals gehen & die sau rauslassen. egal was sonst so passierte, danach konnte ich mich zuhause verkriechen und hatte ein weiteres jahr geschafft. schon mit jungen 20 jahren wurde mir aber klar: wenn drei monate sommer in der schweiz für mich ein jahr bedeuten, müsste ich es nur schaffen, drei sommer pro jahr (den vierten brauche ich nicht, da fällt die fasnacht rein) zu haben, dann hätte ich in meinem leben statt noch weitere 50 sommer noch 150 sommer übrig! was für eine tolle überlegung und sicherlich auch ein ursprung meiner reiseaktivitäten.

wie es aber so ist, findet man sich im gesellschaftlichen leben mit dem älterwerden wohl oder übel im geregelten alltag wieder. täglich klingelt der wecker, aufstehen, ab ins büro und den kaptialismus unterstützen. das soll nicht heissen, dass mir meine jobs keinen spass machten. wenn man aber daran denkt, mit ein paar freunden im leeren linup zu sitzen oder in afrika leoparden beim jagen zu beobachten, entspricht das ganze nun doch wiederum dem klassischen hamsterrad. weit weg sind dann meine berechnungen mit den 150 sommer, welche ich ja mal offen haben sollte…

jedoch konnte man vor 20 jahren auch nicht wissen, dass ein virus das seine dazu beiträgt, dass im jahre 2020 höchstens «1x sommer» dazu kommt. dieser verdammte covid hat mich aber so was auf dem falschen fuss erwischt und immer noch ist kein ende in sicht. ich klage nicht, dass ich einen schlechten frühling und sommer gehabt habe, im gegenteil. ich habe das gärtnern lieben gelernt in einer nicht erwarteten dimension. ich habe viel sport gemacht, laufe wöchentlich meine runden, kraft training im garten oder eine schwimmrunde im see. und da ich mich in den letzten monaten auch vom alkohol fernhalte lebe ich so gesund wie noch nie zuvor. meine beiden lieblings fussballvereine feierten in deutschland und england den meister titel und ich verbrachte eine wundervolle wanderwoche in interlaken (inkl. jungfraujoch). das füllte zwar das stoke-level verlässlich bis zur wohlfühlmarke auf, aber einmal im jahr ist einfach zu wenig, mir fehlt das reisen!

das stornieren der reise nach südamerika war mentaler knock out und nicht einfach wegzustecken, schliesslich habe ich grosses fernweh. das ding fernweh beschreibt die menschliche sehnsucht, vertraute verhältnisse zu verlassen und sich die weite welt zu erschliessen. das wort «fernweh» steht im wörtlichen gegensatz zu heimweh, der sehnsucht nach der heimat.

corona brachte mir wörter wie unplanbar oder unvorhersehbar in mein leben, welche sich mit fernweh nicht sonderlich gut vertragen und in keinster weise mag fernweh shut downs und/oder grenzschliessungen, weil sonst findet man sich wieder zuhause oder besser gesagt beim heimweh. genau das ist mir passiert. der erste «nach-corona-plan» sah vor, im juli zu starten. der fiel schon nach wenigen wochen ins wasser und claudia und ich konnten unsere arbeitspapiere bis ende oktober verlängern. brauch ja nicht zu erwähnen, dass wir beide äusserst froh darüber sind, dass wir arbeit gefunden haben. aber eben, das fernweh interessiert diesen fakt weniger, vor allem weil man ferien immer egoistisch wählen muss, urlaubstage sind rares gut und jeder einzelne wird/wurde wohlüberlegt genommen. fernweh scheint unheilbar. trost bietet da nur die tatsache, dass ich mit diesem leiden nicht alleine bin da draussen.

relative schnell reifte plan zwei nach corona; geplante & gebuchte afrikatour vom kommenden november bis februar antreten und die stornierten monate in südamerika hinten anhängen. stand heute: claudia und ich besteigen das flugzeug mitte november richtung nairobi, mit dabei ein schwerer rucksack am rücken, grosse mütze auf dem kopf und viel mückenspray im gepäck.

durch viele gespräche mit leuten in südafrika und südamerika, durch spenden und zurück gekehrte freunde weiss ich aber auch, dass der tourismus auf der ganzen welt stark geblutet hat. viele hostels mussten dicht machen, reiseleiter sind arbeitslos und restaurants haben für immer geschlossen, politische unruhen sind praktisch unumgänglich. es hatte nicht jeder staat die möglichkeit, auf die schnelle milliaraden kredite zu sprechen, wie das hier in der schweiz der fall war. als dankeschön für das schnelle handeln des staates gibt es harrsche reaktionen aus dem volk oder beschiss bei der kreditvergabe, ich krieg das kalte kotzen. ich will euch eine kurze geschichte erzählen: mein bruder moses aus südafrika bat mich um essensgutscheine, damit er wenigstens seine frau und seine kinder ernähren kann. er hatte über 10 jahre in meinem lieblings backpackers gearbeitet und wir hatten bei jedem besuch zusammen saulustige stunden verbracht. er verliess eines morgens vor ca. 3 wochen das haus in den town ships von jeffreysbay mit der gewissheit, dass er abends seine familie nicht mehr ernähren kann und der kampf gegen den hungertod begonnen hat. er schämte sich in grund und boden mich nach unterstützung zu fragen und doch war das wohl sein einziger ausweg, uns europäer um hilfe zu bitten. nebenbei erwähnt; er hatte immer einen job gehabt, corona und der lock down hat ihm diesen genommen. und hier in der schweiz geht ein donnerwetter los, wenn betriebe ihre kurzarbeitsentschädigung einige tage später erhalten als geplant. wo bleibt da die relation?

so, genug politisiert, wo war ich? ah, ja; option 3. (umwelt aktivisten überspringen diesen block bitte…)

claudia und ich haben uns spontan einen vw bus gekauft. california t4, ausgebaut und mit dachzelt. ich weiss, zum spass um die welt reisen - wenn auch sparsam - ist generell für jeden verantwortungsbewussten weltenbummler eine konfrontation mit seinen eigenen widersprüchen. ich war in den letzten 20 jahren sehr häufig unterwegs, möchte auf dieser reise den verbrauch mit allen mitteln reduzieren und lange reisen mit wenig aufwand den vorzug geben, um meinen fussabdruck auf ein minimum zu beschränken. das war übrigens auch schon das ziel der geplanten reise (also option 1 und 2). aber zum einen gab es da dieses super angebot aus der engeren familie für diesen bus, denn ich hatte mich nie aktiv um einen bus umgeschaut. der ausschlag für den kauf des buses gab uns aber die grosse möglichkeit, die reise auch trotz corona irgendwo in europa starten zu können, wenn option 2 entfallen sollte. europa bietet so viel; natur, surf, verschiedene kulturen und gaaaaaanz viel leckeres essen. spontanität wird aber sicherlich weiterhin gefragt sein.

wer mich kennt weiss, dass ich schon viel um die welt gereist bin und einige spannende abenteuer erleben durfte. aber die wahrheit ist auch, ich war ab und zu enttäuscht oder gelangweilt von den hochgelobten schönsten orten dieser welt. der zugang des massentourismus hat die magie so vieler schöner und kultureller schauplätze dieser erde zerstört. wie viel engagement oder opfer muss der mensch heutzutage denn noch bringen? die leute werden in reisebussen zu den orten gekarrt oder zu foto spots getragen. der wert, den diese orte einst verkörpert haben, ist verwässert. der kapitalismus und unsere konsumgesellschaft öffnen dem massentourismus türen, die oft besser verschlossen bleiben sollten. vielleicht kann covid-19 da ein bisschen abhilfe schaffen, auch wenn sich das perfide anhört. ich erhoffe mir durch corona und dem vw-bus dem massentourismus ein bisschen zu entgehen, denn hohe erwartungen sind schlechte reise gefühle.

in diesem sinne; die besten dinge im leben kann man nicht planen, sie passieren einfach. bleibt gesund!

als homage für die sportlichen erfolge, habe ich in meinen wanderferien die shirts meiner mannschaften mit stolz getragen: springboks - rugby weltmeister (giessbachfälle)

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fc bayern - deutscher meister und pokalsieger, champions league noch offen (jungfraujoch)

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liverpool fc - englischer meister (schynige platte - im hintergrund eiger, mönch und jungfrau)

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die neuste errungenschaft und frischeste buddy & reise option: vw bus t4

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© Markus Knüsel, 2020
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Die Reise
 
Worum geht's?:
dem sommer durch die welt folgen
Details:
Aufbruch: 07.04.2020
Dauer: 20 Monate
Heimkehr: Dezember 2021
Reiseziele: Costa Rica
Schweiz
Kolumbien
Italien
Frankreich
Deutschland
Dänemark
Schweden
Der Autor
 
Markus Knüsel berichtet seit 12 Jahren auf umdiewelt.
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