Mein Mittel gegen Fernweh - einmal um die Welt

Reisezeit: Februar 2006 - Februar 2007  |  von Baba B.

Kambodscha: Siem Reap und die Tempel von Angkor

10.04.06

Die Tempel von Angkor - das Wahrzeichen und der ganze Stolz der Nation. Die Einheimischen bekommen glaenzende Augen, wenn sie davon erzaehlen, erinnert es doch an die glorreichen Tage Kambodschas und laesst die tragischen Kriegsjahre und die schwierige Gegenwart etwas vergessen.

Um die Tempel-Anlage zu sehen, ist erst mal ein happiges Eintrittsgeld faellig. 20 USD fuer einen Tag, 40 fuer einen 3-Tages-Pass und 60 Dollar fuer eine ganze Woche. Sicherlich ein fairer Preis, fuer das was man geboten bekommt, aber donnoch ein halbes Vermoegen fuer kambodschanische Verhaeltnisse. Da fragt man sich doch: was passiert mit so viel Geld in einem so armen Land, wo das Durchschnittseinkommen bei etwa 250 Dollar pro Jahr liegt...!?? Soviel zahlt man uebrigens auch fuer eine einzige Uebernachtung in einem der in Siem Reap aus dem Boden schiessenden Luxushotels... Verrueckte Welt!! Fest steht, dass diejenigen, die die Einnahmen am dringensten benoetigen wuerden, sicherlich keinen Cent davon jemals zu Gesicht bekommen. Stattdessen versickert das Geld irgendwo im tiefen kambodschanischen Korruptions-Sumpf. Nicht verwunderlich also, dass die mausarme Bevoelkerung auch ihr Stueckchen vom Kuchen abhaben moechte. So gehoeren bettelnde Kinder leider zum alltaeglichen Strassenbild. Bedauerlicherweise wissen auch deren Eltern, dass grosse, traurige Kinderaugen und ein herzzerreissendes "Money for food, pleeeaaaase!!" am meisten Geld einbringt und so ist anstatt Schulbank druecken, betteln oder verkaufen von kleinen Souvenirs angesagt. Allerdings ist es schoen zu sehen, wie schnell die Kleinen vergessen, was sie eigentlich wollten, wenn man sich etwas mit ihnen unterhaelt und sie einem mit Stolz ihr gelerntes Englisch praesentieren !!

Um die Tempel ohne zu stressen und in aller Ruhe bestaunen zu koennen, habe ich mich mit einem 3-Tages-Pass und einem Drahtesel ausgeruestet - ich sag ja... fit wie ein Turnschuh !!

Diese imposanten Bauwerke angemessen zu beschreiben und in Worte zu fassen ist fast unmoeglich. Deshalb versuch ich es erst gar nicht und lasse an dieser Stelle mal die Bilder sprechen...

ANGKOR WAT - DIE MUTTER ALLER TEMPEL
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TA PHROM - LARA CROFT LAESST GRUESSEN
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ANGKOR THOM - TEMPEL DER STUMMEN?? GESICHTER
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3 Tage durch die riesigen Anlagen zu steifen, war dann aber doch genug. Ich war schon kurz davor in den faszinierenden Bauwerken nur noch ein paar alte Steinhaufen zu sehen. Diagnose: eindeutig Tempel-Koller ! Eine absolut Tempel-freie Beschaeftigungstherapie war die einzige Moeglichkeit mich wieder davon zu kurieren.

Also, auf nach Kompong Phluk - ein Dorf komplett auf Stelzen gebaut. Die Bewohner hausen in luftigen Hoehen von 5-7 Metern. Diese Konstruktionen offenbaren sich allerdings nur waehrend den trockensten Monaten des Jahres, da in der Regenzeit alles ueberflutet ist und die Huetten nur noch per Boot erreichbar sind.

Auch hier war ich wieder mal ueberwaeltigt von der Herzlichkeit der Menschen. Im kleinen Tante-Emma-Laden auf Stelzen, wo ich mich mit Durstloeschern eindecken wollte, bin ich Rajana begegnet, der Dorflehrerin, die mir gleich eine kleine "Stadtfuehrung" anbot. Da liess ich mich natuerlich nicht zweimal bitten. Bald wurden wir vom halben Dorf begleitet und unter vielen neugierigen Augen wurde ich in die oertliche Pagoda gefuehrt - zur Abwechslung aber nicht auf Stelzen, sondern auf einem Huegel gebaut. Von einem Moench bekam ich alle Buddha-Bilder an den Waenden erklaert. Nur leider habe ich kein einziges Wort verstanden, da das alte Maennlein keine Zaehne mehr hatte und sich sein Englisch dementsprechend nach Kauderwelsch anhoerte. Aber er war soooo suess, dass ich einfach nur grinsen und zustimmend nicken konnte .
Als naechstes fuehrte mich Rajana in ihr Reich - die Schule. Die Klassenzimmer waren nicht viel mehr als kleine, dunkle Kammern mit ein paar Holztischen und Baenken ausgestattet. Ich konnte gar nicht glauben, dass hier jeweils 60 Schueler reingequetscht werden. Hatte fast ein wenig Mitleid mit Rajana. 60 kreischende Kids und eine Lehrerin in kleinstem Raum zusammengepfercht - konnte mir lebhaft vorstellen, was hier taeglich abging. Leider konnte ich dieses Treiben nicht live miterleben, da gerade Ferien waren. Stattdessen gab es von Oberlehrerin Nadia eine kleine private Englisch-Stunde fuer Rajana und Vishnu, einem kleinen Jungen, der mich nicht eher wieder gehen liess, bevor ich ihm nicht jedes einzelne Foto in meiner Digitalkamera gezeigt und beschrieben hatte !!
Zum Schluss zeigte mir Rajana noch ihr Zuhause, das sie sich mit ihren Eltern und 8 Geschwistern teilt. Die Huette besteht aus einem einizigen grossen Raum, in dem geschlafen, gekocht, gegessen, gespielt... halt einfach alles gemacht wird. Ein Wort fuer Privatsphaere kennt man hier gar nicht. Es gibt weder Strom noch fliessend Wasser. Gekocht wird auf einer kleinen Gasflamme und als Dusche dient ein Wasser-Trog hinter dem Haus!

Ein seltsam bedrueckendes Gefuehl macht sich in mir breit, wenn ich daran denke, dass lediglich einige Kilometer entfernt nur so mit Dollar-Noetchen um sich geschmissen wird. Und hier werde ich mit Lebens-Bedingungen konfrontiert, unter denen wir luxusverwoehnten Westler wohl gar nicht lebensfaehig waeren....

Stelzendorf Kompong Phluk...

Stelzendorf Kompong Phluk...

...mit seinen Bambus-Wolkenkratzern !

...mit seinen Bambus-Wolkenkratzern !

Warten auf die grosse Flut, von der im Hitze-Monat April lediglich ein kleiner Tuempel uebrigbleibt.

Warten auf die grosse Flut, von der im Hitze-Monat April lediglich ein kleiner Tuempel uebrigbleibt.

Englisch-Stunde mit Vishnu und Rajana...

Englisch-Stunde mit Vishnu und Rajana...

© Baba B., 2006
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Nachdem mich mein andauernd akutes Reisefieber bereits zu einigen wunderschönen Fleckchen der Erde geführt hat, ist nun die Zeit gekommen für meinen ersten längeren Trip rund um den Globus.
Details:
Aufbruch: 01.02.2006
Dauer: 13 Monate
Heimkehr: Februar 2007
Reiseziele: Thailand
Similan Islands
Kambodscha
Laos
Malaysia
Indonesien
Der Autor
 
Baba B. berichtet seit 18 Jahren auf umdiewelt.