Teil 2 - Pyrenäen 2012 (Katalonien/Aragon) - Spanien

Reisezeit: September / Oktober 2012  |  von Uschi Agboka

Valle Gistain - Ruta de las Ermitas

34. Tag - Valle Gistain - Tella - Valle de Anisclo - Buerba - Labuerda

5. Oktober 2012 - Freitag - 34. Tag
Camping Boltana, Ctra. N 260, km 442, Ctra. Margudgued, Boltana, Huesca - Aragon (Spanien)
Desfiladero de las Devotas - Valle de Gistain - La Inclusa - Plan - San Juan de Plan - Gistain - Ruta de las Ermitas - Tella - Dolmen von Tella - Escalona - Valle de Anisclo - Valle de Vio - Buerba - Labuerda
Fahrzeit: 5 1/2 Std. - 152 km

Ein herrlicher Morgen, draußen 12 Grad und die Sonne lacht vom Himmel. Um 10.30 Uhr fahren wir los, über Ainsa, durch die enge Schlucht Desfiladero de las Devotas, 1.600 m lang, die gerade mal Platz lässt für die schmale Straße und den Fluss Platz.
Nach Salinas biegen wir ab auf die A 2609 in das Valle de Gistain (auch Tal von Plan oder Tal Chistau). Es ist kalt und dunkel, die Straße wird enger und enger, dann folgende viele dunkle Tunnel. Gott sei Dank begegnet uns niemand.

Valle de Gistain wird beherrscht von dem Fluss Cinquetat, der sich in Salinas mit dem Rio Cinca vereinigt. Noch bis vor wenigen Jahren war das Valle de Gistain eines der isoliertesten Täler der Pyrenäen. Zu den Schwierigkeiten, den Engpass Las Devotas bei Lafortunanda zu durchqueren, kam der Durchgang durch La Inclusa, was heute durch mehrere Tunnel möglich gemacht ist. Hier, in diesem noch jungfräulichen Tal mit Landschaften von spektakulärer Schönheit, findet man noch die reine Kultur der pyrenäischen Gebirgswelt. Die Bewohner legen keinen Wert auf Massentourismus. Große Hotelbauten sucht man vergeblich. Für Besucher stehen die Casa Rurales als Unterkunft an. Für Bergsteiger mit Erfahrung, ist hier der ideale Ausgangspunkt, um die Berge (über 3.000 m) zu besteigen. Die Menschen sind noch eng mit den traditionellen Handwerksformen verbunden. In kleinen Betrieben wird gedrechselt und gewoben wie schon seit Jahrzehnten.

Wir kommen nach Plan. Dieser Ort wurde berühmt durch die "Caravana de mujeres" (Pilgerzug der un-verheirateten Frauen), die die ledigen Einwohner zu Helden machten, indem sie von weither kamen und die Junggesellen heirateten. Es gibt einige schöne alte Herrenhäuser, eine Kirche mit romanischen Resten und einen Verteidigungsturm aus dem 16. Jh. Weiter folgen wir der Straße nach San Juan de Plan, dort ist das Ethnologische Museum sehenswert, welches über traditionelle Lebens- und Arbeitsweisen in der Region informiert. Der Ort hat ca. 200 Einwohner.

Und weiter, steil hinauf nach Gistain. Zu unserer Verblüffung endet dort die Straße, die fast autobahnähnlich auf dem letzten Stück ausgebaut ist. Wir halten, machen Fotos von schönen Häusern, Verteidigungstürmen und der Pfarrkirche. Man hat von Gistain, welches der höchstgelegene Ort im Tal ist, einen phantastischen Überblick über die Landschaft. Wir halten einen Tratsch mit einigen älteren Herren, die Rolf über das Motorrad ausfragen. Die Herzlichkeit und Freundlichkeit der Menschen in dieser Region ist umwerfend.

Nachdem uns ein älterer Mann gesagt hat, dass die Strecke, die Rolf ausgeguckt habt, für uns nicht befahr sei, fahren wir zurück nach Salinas und dort über die A 138 bis Hospital de Tella. Dort geht es nun ca. 9 km steil hinauf - auf die "Ruta de las Ermitas". Eine Haarnadelkurve nach der anderen, doch die Aussicht ist gigantisch. Bis zum Ort Tella fahren wir. Dort endet die Straße. Der Blick geht im Westen über den Nationalpark Ordesa, im Osten über das Gebirge Pena Montanesa.

Tella ist ein am Hang liegendes typisches Steindorf des Hoch-Aragon, auf 1.380 m Höhe. Im 15. Jh. gab es hier viele Brände und die Bevölkerung schrumpfte bis 1992 auf 12 Personen. Doch die Häuser sind in einem guten Zustand und auch bewohnt (Einwohner heute ca. 30). Natürlich suche ich gleich mal das Informationsgebäude auf, welches auch ein winziges Museum enthält, hier finden sich viele Geschichten um Hexerei. In dieser Region ist der Hexenglaube weit verbreitet, was sich auch in einigen Ortsnamen niederschlägt. Auch findet man häufig auf Häusern, Kaminen oder Tunneln den sogenannten Hexenstein, der die Hexen vertreiben soll. In das Museum kommen nicht viele Besucher und die nette junge Dame freut sich über meinen Besuch. Es gibt die schöne alte Kirche St. Martin aus dem 16. Jh. von außen anzuschauen und ich kann auch einen Blick in den Friedhof werfen, obwohl er von einer hohen Mauer umschlossen ist. Von hier aus führt ein Wanderweg zu verschiedenen kleinen Einsiedeleien, einige sind von Tella aus zu sehen.

Auf dem Weg zurück halten wir nach ca. 2 km und laufen einen kleinen schmalen Weg zu dem uralten Dolmen von Tella. Dieser Dolmen ist der Beweis, dass das Gebiet seit der Antike bewohnt ist.

Ein Dolmen (Steintisch) ist ein aus großen, unbehauenen oder behauenen Steinblöcken errichtetes Bauwerk, das meist als Grabstätte diente. Dolmen sind die zahlenmäßig häufigsten Bauwerke der Megalith-Kultur (archäologische Kultur der Jungsteinzeit und der Bronzezeit) und waren ursprünglich von einem Tumulus (Hügelgrab) aus kleinen Steinen und Erde überdeckt. Neolithische Monumente (aus der Jungsteinzeit) sind Ausdruck der Kultur und Ideologie neolithischer Gesellschaften. Ihre Entstehung und Funktion gelten als Kennzeichen der sozialen Entwicklung.

Unsere Tour führt zurück, bis Escalona. Hier machen wir in einer kleinen Bar an der Straße Halt, 1 alkoholfreies Bier und 1 Glas Weißwein 2,75 €. Es ist 13.30 Uhr und sehr warm.

Da uns die der gigantische Canyon - Valle de Anisclo - so gut gefallen hat, machen wir nochmals eine Fahrt hindurch, allerdings nun von der anderen Seite. Und wieder sind wir von den gigantischen Ausmassen und der Schönheit beeindruckt. Unterwegs entdecke ich auch eine kleine Info-Tafel über den Deutschen Rudolf Wilmes, der die Geschichte der Dörfer des Aragon, als sie noch intakt waren, niederschrieb.

Wir erreichen durch das wunderschöne, zerklüftete Valle de Vio den kleinen Ort Buerba, gegründet im 12. Jh.. In der Mitte des Ortes, der wie ausgestorben scheint - nur ein paar Katzen wandern umher, entdecken wir einen modernen Brun-nen von 2009 mit einer interessanten Inschrift: "Gewidmet den Frauen, die über Generationen das Überleben sicherten, indem sie Wasser herbeischafften." In Buerba sehen wir viele der aragonesischen Kamine, die mit einem Hexenstein geschützt sind. Dann geht es zurück Richtung Campingplatz. In Labuerda gefällt mir immer wieder der schöne Kirchturm, bewachsen von einem Baum. Es ist ein herrlicher Tag heute, 26 Grad warm und auch für die nächsten Tage ist schönes Wetter voraus gesagt. Zum Abendessen gibt es Kaninchen mit Zucchini, Chicoree-Salat, Tomaten, Baguette, Trauben und Rotwein. Jeden Tag haben wir als Nachtisch jeder 5 frische Walnüsse von unserem Baum.

© Uschi Agboka, 2012
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Es handelt sich um eine 42-tägige Tour von Niederbayern nach Frankreich, in die Auvergne, weiter in die französischen und spanischen Pyrenäen.
Details:
Aufbruch: 02.09.2012
Dauer: 6 Wochen
Heimkehr: 13.10.2012
Reiseziele: Spanien
Frankreich
Schweiz
Der Autor
 
Uschi Agboka berichtet seit 15 Jahren auf umdiewelt.
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