Teil 2 - Pyrenäen 2012 (Katalonien/Aragon) - Spanien

Reisezeit: September / Oktober 2012  |  von Uschi Agboka

Valle la Fueva - Castillo de Troncedo - Graus

36. Tag - Valle de Fueva - Congosto de L'Entremo - Graus

7. Oktober 2012 - Sonntag - 36. Tag
Camping Boltana, Ctra. N 260, km 442, Ctra. Margudgued, Boltana, Huesca - Aragon (Spanien)
Embalse de Mediano - Valle de la Fueva - Congosto de L'Entremon - Ermita de St. Brigida - Troncedo - Castillo de Troncedo - Iglesia St. Esteban - Graus - Basilika Virgen de la Pena - San Miguel - Abizanda
Fahrzeit: 5 Std. - 158 km

Heute lassen wir es langsam angehen. Das Wetter ist schön, 13,8 Grad, in der Sonne viel wärmer. Wir wollen nach El Grado - A 138, letztens sind wir ja da durchgerast, weil Regen im Anmarsch war. Leider gelingt es uns nicht, einen Weg zu finden, damit wir uns die von den Wassern des Embalse de Mediano überflutete Kirche anschauen können. Doch wir entdecken eine andere Straße - HU V 6441, die auf unserer Karte nicht verzeichnet ist.

Wir fahren ins wilde Valle de la Fueva, welches aufgrund seiner Lage bis ins 20. Jh. sehr isoliert war. Es ist nur dünn besiedelt, weist aber einige kleine alte Orte auf, mit schönen Häusern, Burgresten und Kapellen. Die gigantische Schlucht "Congosto de L'Entremon", eine natürliche Engstelle zwischen zwei Felsen, geschaffen durch den Rio Cinca, begeistert uns. Gegen 11.40 Uhr machen wir dort einen längeren Halt, um uns die herrliche Landschaft anzuschauen.

Weiter geht es, nächster Stopp an der Ermita de Sta. Brigida. Von hier aus hat man einen herrlichen Blick über die gesamte Region. Vorbei an Salinas de Trillo auf einer sehr schmalen Straße - Gott sei Dank kein Verkehr - bis Troncedo, auf 1.080 m Höhe gelegen (Gemeinde La Fueva, in Sobrarbe, Provinz Huesca, Aragon). Hier finden sich Reste einer großen Burg (Castillo de Troncedo), die bezeugt, wie wichtig der Ort früher für die Verteidigung der Region war. Die romanische Pfarrkirche St. Esteban (Stephan) aus dem 12. Jh. liegt dominierend auf einer Klippe über den vielleicht 20 Häusern des historischen kleinen Ortes (ca. 40 Einwohner). Und auch von hier haben wir einen tollen Blick über die Landschaft und Salinas de Trillo (12.10 Uhr). Eine kleine Schlange liegt wie tot auf der Straße, Rolf will sie retten, doch da verschwindet sie blitzschnell im Gebüsch. Die Tour geht weiter, durch eine wunderschöne Gegend, bis Graus.

Der Ort Graus wird von einer Christus-Statue überragt, was sehr beeindruckend ausschaut. Graus liegt am Zusammenfluss von Rio Esera und Rio Isabena. Hier wird noch die aragonesische Sprache gesprochen. Für den span. Philosophen Baltasar Gracian y Morales wurde Graus zum Exil. 1063 fand hier eine Schlacht der Reconquista statt. Neben der Teilnahme von El Cid machte der Tod von König Ramiro I. das Gefecht von Graus zu einem geschichtlichen Ereignis.

Reconquista ist die spanische Bezeichnung für die Rückeroberung der Iberischen Halbinsel durch christli-che Nachkommen der Bevölkerung des Westgotenreiches. Zwischen 711 - 719 vernichteten muslimische Eroberer (Araber und Berber) das Westgotenreich und eroberten fast die gesamte iberische Halbinsel. Die christliche Rebellion, die 718 begann, wurde zum Ausgangspunkt der Reconquista, die 1492 mit der voll-ständigen Beseitigung des muslimischen Herrschaftsbereichs (Granada) und der Vertreibung der Juden aus Spanien endete.

Während des spanischen Bürgerkrieges spielte Graus (heute ca. 3.500 Einwohner) eine wichtige Rolle. Zunächst geht es für uns auf den Placa Mayor. Dieser ist umrahmt von interessanten prachtvollen, teilweise bunt bemalten Häusern, u. a. dem Casa Bardaxi mit einer neo-klassischen Dekoration und das Casa Heridia mit einer Sonnen-Uhr. Auch das Rathaus befindet sich hier. Diese Gebäude stammen aus dem 16. und 17. Jh. als Graus einen wirtschaftlichen Höhepunkt erlebte. Übrigens ist Graus noch heute berühmt für seinen Trüffel-Markt. 1538 wurde die prächtige Basilika Virgen de la Pena, das wichtigste Denkmal der Stadt, in den Felsen Pena del Morral, der die Stadt beherrscht, gebaut. Die Kirche hat ein wunderschönes Renaissance-Portal und eine anmutige Galerie, von der man einen herrlichen Blick über die Stadt genießt.

Schön ist auch die romanische Pfarrkirche San Miguel. Hier finde ich eine interessante Geschichte über das wichtigste Fest von Graus - 12. - 15. September, zu Ehren des Hl. Vicente Ferrer, der 1415 den Ort besuchte = La Mojiganga. Es findet eine Parade mit Kostümen statt und ein Theaterstück wird aufgeführt, wo alles, was während des Jahres passierte, auf die Schüppe genommen bzw. kritisch betrachtet wird. Am 12.9. um 12 Uhr treffen sich die Bag-Pipers (Dudelsack-Pfeifer) an der Abajo-Brücke. Die Tänzer begleiten die Musik der Bag-Pipers mit dem Schlagen ihrer Stöcke. Am 13. und 14.9. finden morgens Prozessio-nen/Paraden statt und später Tänze am Placa Mayor, u. a. der Sword-Dance, bei dem die Tänzer in schöne Folklore-Kostüme gehüllt sind. Später sammeln die Tänzer Spenden von den Zuschauern ein. Abends werden die traditionellen Albadas gesungen. Am 15.9. endet das Fest mit einer letzten Parade und einem Feuerwerk.

Wir haben gar nicht erwartet, so viel Interessantes in Graus zu finden. In der schönen Altstadt streunen überall Katzen umher, was mir natürlich besonders gefällt.

Weiter geht es, an einem Stausee - Lago Barasona - entlang, über Alto San Roque, 670 m, und Ermita San Roque bis zur Altstadt von El Grado, extrem steil hinauf. Es gelingt uns kaum, heil wieder herunter zu kommen, bei dem Stress sind keine Fotos möglich. Doch wir können im Vorbeifahren einige Bilder machen von Abizanda, das ist ein mittelalterliches Dorf (11. Jh.) mit einer Burg und einem Turm am höchs-ten Punkt des Tales, erbaut von Sancho Garces III. von Navarra, um das Tal des Rio Cinca zu überwachen.

In Liguerre de Cinca machen wir um 14.30 Uhr eine Pause, 1 alkoholfreies Bier und 1 Wein, 3,10 €. Dann folgen wir einer gut ausgebauten Straße durch die Schlucht L'Entremon, Richtung Palo, El Pocino, Arro, Ainsa bis nach Hause (Boltana), auf der A 2206, der Straße, die lt. unserer Karte nicht existiert. Wir sind um 15.30 Uhr auf dem Campingplatz, nach 5 Stunden und 158 km. Tanken wird morgen früh erledigt, denn Rolf hat mal wieder seine Geldbörse vergessen! Heute Abend ist es sehr dämpfig, schwül, alles klebt an einem.

© Uschi Agboka, 2012
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Es handelt sich um eine 42-tägige Tour von Niederbayern nach Frankreich, in die Auvergne, weiter in die französischen und spanischen Pyrenäen.
Details:
Aufbruch: 02.09.2012
Dauer: 6 Wochen
Heimkehr: 13.10.2012
Reiseziele: Spanien
Frankreich
Schweiz
Der Autor
 
Uschi Agboka berichtet seit 17 Jahren auf umdiewelt.
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