Teil 2 - Pyrenäen 2012 (Katalonien/Aragon) - Spanien

Reisezeit: September / Oktober 2012  |  von Uschi Agboka

Rio Isabena -Kloster von Obarra - Tremp

21. Tag - Bonansa - Roda de Isabena - Congost d'Erinya - Coll de Montllobar

22. September 2012 - Samstag - 21. Tag
Campingplatz Alta Ribagorca, El Pont de Suert, Lleida (Spanien)
Tal des Rio Isabena - Bonansa - Congosts de Obarra - Kloster von Obarra - Roda de Isabena - Benabarre - Tremp - Sant Joseph Manyanet i Vives - Congost d'Erinya - Coll de Montllobar
Fahrzeit: 6 ½ Stunden - 173 km

Die Luft am Morgen ist sehr feucht, erst als die Sonne kommt, wird es besser. Doch wir sind eisern und frühstücken draußen. Wir wollen heute nach Bonansa und in das Tal des Rio Isabena, N 260 - A 1605.
Bonansa - in dem kleinen Weiler herrscht - trotz des abenteuerlichen Namens - keine Wildweststimmung, sondern es finden sich dort herrliche, kleine schön geschmückte alte Häuser, sehr romantisch. Einige Männer sitzen in einer Bar und wundern sich über die frühen Besucher.

Über Puerto de Bonansa, dann durch die "Congosts de Obarra", eine wilde tiefe dunkle Schlucht des Rio Isabena (Nebenfluss des Esera), zum Kloster von Obarra. Zu dem einstigen Glaubenszentrum, welches zu den ältesten Abteien der Region gehört, gelangt man über eine Brücke. In der restaurierten Kirche Santa Maria (11. Jh.) wird eine historische Marienstatue aufbewahrt, die wir leider nicht anschauen können, da die Kirche geschlossen ist.

So fahren wir ca. 28 km weiter, durch eine wunderschöne Landschaft, links und rechts die hohen Berge, dazwischen schlängelt sich der Rio Isabena, ein zauberhafter Anblick, bis wir das Dorf Roda de Isabena er-reichen. Man kann es kaum glauben, dass der hübsche, aber verschlafene Ort hoch oben auf einem Felsen einmal Bischofssitz war.

Roda de Isabena, seit 1964 Teil der Gemeinde Isabena, ist ein kleiner (nur 66 Einwohner) Ort in der Provinz Huesca in den aragonesischen Pyrenäen. Roda de Isabena ist der kleinste Ort in Spanien mit einer Kathedrale. Seit 956 war das Dorf Zentrum der Grafschaft Ribagorza. Schon früh Bischofssitz, bis 1149 als Lleida (Lerida) zurückerobert wurde. Roda stand in der Front gegen das islamische Königreich von Lerida. Im Jahr 1006 wurde Roda von den Mauren von Abd al Malik, Sohn des Almansor, erobert und zerstört, aber schon 1010 zurückerobert. Unter König Sancho Ramirez von Aragonien wurde 1067 die neue romanische Kirche geweiht, deren Fertigstellung sich noch Jahrhundert hinzog. Aufgrund von Intrigen des Bischofs von Huesca und nach Streitigkeiten mit dem örtlichen Adel wurde Raimund von Roda, Bischof von 1104 bis 1126, aus Barbastro vertrieben und suchte 1116 in Roda Zuflucht. Auch die Nachfolger von Bischof Raimund residierten in Roda de Isabena. Im Spanischen Erbfolgekrieg, im Unabhängigkeitskrieg und in den Karlistenkriegen verschlechterte sich die Situation von Roda de Isabena. 1843 wurde die Kathedrale in eine Pfarrkirche umgewandelt. Im Jahr 1964 wurden die Gemeinden Puebla de Roda und Roda de Isabena zur Gemeinde Isabena vereinigt, der sich später noch andere Orte anschlossen. Im Jahr 1970 wurde das Museum der Kathedrale von einem umfangreichen Kunstraub getroffen.

Die 3-schiffige Kathedrale San Vicente de Roda besitzt ein schönes Portal aus dem 13. Jh.. An der Südseite der Kirche erhebt sich der achteckige Glockenturm. Er wurde Ende des 18. Jh. auf Grundmauern aus dem frühen 11. Jh. errichtet, die auf lombardische Baumeister zurückgeführt werden. An die Nordwand der Ka-thedrale folgt der romanische Kreuzgang (nach 1150) und der Kapitelsaal. Das Grab des Hl. Ramon de Roda befindet sich in der einst vollständig ausgemalten Krypta.
In Roda de Isabena, fast vollständig von einer Mauer umgeben, kann man auch noch den Bischofspalast anschauen. Was mir in dem Ort besonders auffällt, überall sind Neptun-Statuen zu sehen, selbst auf der Spitze der Kathedrale. Und obwohl der Ort sehr klein ist, ist es kein Museums-Ort, sondern eine lebendige kleine Gemeinde mit kleinen und großen Kindern, älteren und jüngeren Menschen, Häusern, in denen sich lebhaftes Leben abspielt. Der Ort ist fast autofreie Zone, nur Einheimische können hier in bestimmten Straßen noch fahren oder auf kleinen Plätzen parken. Uns gefällt das sehr gut. Das "Hospederia de Roda de Isabena", ein kleines Hotel, direkt an die Kathedrale angrenzend, macht Lust darauf, in dem heimeligen Ort einige Tage zu verbringen. Das Restaurant des Mini-Hotels (10 Zimmer) ist in den Gewölben des ehemaligen Refektoriums der Zisterzienser, ausgestattet mit gotischen Fresken und Möbeln aus dem 18. Jh., untergebracht. Ich kann es mir nicht verkneifen, mir das alles anzusehen. Nachdem wir uns längere Zeit in dem schönen Ort aufgehalten haben, geht es weiter, N 230, nach Benabarre.

Benabarre - der katalanischsprachige Ort ist die historische Hauptstadt der Ribagorza. Die heutige Comarca bildete den Hauptteil der Grafschaft Ribagorza, die im 9. Jh. in der Spanischen Mark Karls des Großen entstand. 1017 fiel die Grafschaft, wie auch die Grafschaft Aragonien, an Navarra. Als Sancho III. 1035 starb, hatte er sein Reich unter seinen Söhnen aufgeteilt. Einer von ihnen, Gonzalo Sánchez, erhielt die ehemaligen Grafschaften Ribagorza und Sobrarbe und wurde König seines Reiches. Nach seinem Tod wurde sein Bruder Ramiro, der Aragonien erhalten hatte, sein Nachfolger. Nach der Vereinigung Arago-niens mit Katalonien zur Krone Aragonien wurde das Gebiet der Ribagorza 1244 von Jakob I. Katalonien zugesprochen. Die Grafschaft fiel Ende des 16. Jh. auf Betreiben Philipps II. an die spanische Krone zurück. Mit der Gründung der Provinz Huesca im Jahr 1834 wurde die Ribagorza zum Gerichtsbezirk Benabarre.

In Benabarre sucht sich Rolf mal wieder zu meinem Entsetzen eine extrem steile Gasse aus, doch wir kommen heil - wie könnte es anders sein - am Placa Mayor an. In zwei kleinen Tante Emma Lädchen kaufe ich ein. Die alten Herren des Ortes haben sich am Platz versammelt und erläutern die Probleme dieser Welt. Es ist 12.30 Uhr und ziemlich warm. Ein junger Mann säubert einen schönen Brunnen in der Mitte des Platzes.

Nachdem Rolf nach langem Suchen noch einen Bäcker gefunden hat, fahren wir weiter, A 1311, über den Coll de Montllobar, 1.080 m, eine traumhafte Berglandschaft, ähnlich wie Landschaften in USA. Es ist eine kurvenreiche, aber sehr gute Straße. Rolf kann super fahren, denn niemand ist um diese Zeit unter-wegs, alle sind beim Mittag - hier in der Zeit von 12.30 Uhr bis max. 17.00 Uhr.

In Tremp, einer größeren Stadt, suchen wir uns eine Einheimischen-Kneippe am Placa de la Creu und machen Pause, 1 Bier, 1 Weißwein = 3,10 €. Ich muss mal wieder alles aufschreiben, denn sonst vergesse ich noch Etwas. Wir machen einen Spaziergang durch das alte Zentrum und kaufen noch Einiges ein. Auf einem kleinen Platz steht eine Statue des Sant Joseph Manyanet i Vives, 1833 geboren in Tremp, 1901 in Barcelona gestorben, war ein spanischer Schulpriester und Ordensgründer (Die Söhne von der Heiligen Familie und die Missionstöchter von der Heiligen Familie). Manyanet wurde zum Herausgeber des Magazins "La Sagrada Familia". Er inspirierte den katalanischen Architekten Antonio Gaudi zum Bau der Kathedrale in Barcelona. 2004 wurde er heiliggesprochen.

Es geht nun nach Hause, über Salas de Pallars, La Pobla de Segur, Senterada, Coll de Perves, 1.350 m. Die Straßen sind wirklich menschenleer, bis um 16/17 Uhr hat man freie Fahrt.

Ab Tremp nehmen wir die C 13. Nach dem Zusammenfluss des Rio Noguera Pallaresa und des Rio Flamisel wird hier der Fluss aufgestaut - zwei Stauseen "Panta de Talarn" und "Panta de Terradets", umgeben von wilden skurrilen Felsen, die wirklich den Landschaften im Westen der USA ähneln.

Wir lassen es uns auch nicht nehmen, die "Congost d'Erinya" anzuschauen. Die Schlucht, geformt vom Rio Flamisell, ist ca. 1 m lang. Oben in den Felsen sehen wir die Gänsegeier kreisen und unten kraxelt ein Felswand-Kletterer herum. Weiter über La Pobla de Segur, Coll de Perves, Richtung El Pont de Suert. Einige rasende Motorradfahrer begegnen uns, Rolf muss mit seiner schweren Maschine höllisch aufpassen auf der engen Straße. Um 16.30 Uhr sind wir Zuhause, nach 6 ½ Stunden und 173 km. Wir sind geschafft. Das viele Anschauen, die kurvigen, engen Straßen, die viele frische Luft, die Hitze - all das macht müde. Es war eine herrliche Fahrt heute. Wir haben wieder schöne Pferde und einen Esel gesehen. Leider sind die Rinder hier in stinkenden Ställen untergebracht, es nimmt einem manchmal fast den Atem. Eine Schande ist das.

Auf dem Campingplatz sind einige der Dauer-Camper für das Wochenende eingetroffen, außerdem ein französisches Paar mit Zelt. Aber uns, auf der obersten Terrasse stört das nicht, wir sind weitab von allen anderen. Zum Abendessen haben wir Lachs, Salat, Pfirsiche, Brot und Weißwein. Wir genießen einen herrlichen Abend, erst um 23 Uhr gehen wir schlafen.

© Uschi Agboka, 2012
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Es handelt sich um eine 42-tägige Tour von Niederbayern nach Frankreich, in die Auvergne, weiter in die französischen und spanischen Pyrenäen.
Details:
Aufbruch: 02.09.2012
Dauer: 6 Wochen
Heimkehr: 13.10.2012
Reiseziele: Spanien
Frankreich
Schweiz
Der Autor
 
Uschi Agboka berichtet seit 15 Jahren auf umdiewelt.
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