Teil 2 - Pyrenäen 2012 (Katalonien/Aragon) - Spanien

Reisezeit: September / Oktober 2012  |  von Uschi Agboka

Andorra - La Seu d'Urgell

23. Tag - Besuch in Andorra - La Seu d'Urgell

24. September 2012 - Montag - 23. Tag
Campingplatz Alta Ribagorca, El Pont de Suert, Lleida (Spanien)
Andorra - La Seu d'Urgell
Fahrzeit: 7 ¼ Stunden - 287 km

Gestern Abend gab es ein Gewitter, wir waren allerdings schon im Bus. Es hat bis zum Morgen geregnet. Doch pünktlich zum Frühstück wurde es schön und wir konnten draußen sitzen. Ein Knopf des Bezuges der Sitzbank ist ab und Rolf will das reparieren. Dabei stellt er fest, dass sein Leatherman-Messer fehlt. Große Suchaktion beginnt, unter dem Bus, im Bus, doch ohne Erfolg, das Messer bleibt verschwunden. Als Rolf nach dem Frühstück seine Stiefel aus dem Bus holt, sieht er das Messer unter seinen Sandalen liegen. Große Erleichterung. So können wir starten. Unten am Campingplatz stellt Rolf plötzlich fest, dass er seinen Fotoapparat vergessen hat. Also warte ich unten am Motorrad, während er los eilt, um das wichtigste Utensil unserer Reise zu holen.

Dann endlich, um 10 Uhr, fahren wir los, über Viu de Llevata, 1.229,8 m, Colle de Perves, N 260, über La Pobla de Segur, Sort, über das Gebirge, Rubio, Coll El Canto, 1.720,8 m - hier oben ist es sehr kühl - bis Adrall und weiter bis La Seu d'Urgell. Bis hier verläuft die Fahrt über die kurvige Straße sehr gut. Ab La Seu nehmen wir die A 145 bis Andorra. Wahnsinn, der Verkehr hier. Es geht nur im Schritttempo voran. Zudem wird eine neue Straße samt Tunnel gebaut, mit anderen Worten, Chaos komplett.

Erst um 12.30 Uhr erreichen wir Andorra, bei 24 Grad. Die Sonne lacht vom Himmel. Wir fahren nach Andorra la Vella, der Hauptstadt Andorras, parken irgendwo, mit dem Motorrad kein Problem, mit dem Auto schon! Menschenmassen wälzen sich durch die Geschäftsstraßen, vor allen Dingen Russen. Geschäfte aller Art wechseln sich mit Restaurants und Bars ab. Die Hauptstraße verläuft zwischen den meist hässlichen Geschäftshäusern, es existiert leider keine Fußgängerzone. Lärm und Hektik sind an der Tagesordnung. In einem sehr schönen Pfeifengeschäft mit herrlichen Savinelli-Pfeifen (um die 320 €) kauft Rolf seinen bevorzugten Pfeifentabak und einige Zigarillos, die viel günstiger als bei uns sind. Ich erstehe einige Gewürzköstlichkeiten und schaue mir Schmuck- und Ledergeschäfte an. Doch die Menschenmassen gehen mir auf die Nerven. Zigaretten, Tabak, Whisky, Elektroartikel etc. sind günstig zu kaufen und wir tanken auch günstig. Ansonsten sind die Preis ähnlich wie bei uns. Viele der Russen lassen ihre unerzogenen Hunde überall ihr Geschäft verrichten und die Leute belecken. Rolf und ich haben bald die Nase voll, denn das Tal ist hier total verschandelt. Um 14 Uhr verlassen wir Andorra, wobei Rolf sich mit dem Motorrad an den Autos vorbei schlängelt.

Andorra ist ein unabhängiger Zwergstaat in den östlichen Pyrenäen zwischen Spanien und Frankreich. Andorra wurde am 8. September 1278 gegründet und ist heute der Fläche nach der größte unter den sechs europäischen Zwergstaaten. Es ist das einzige Land der Welt, bei dem zwei ausländische Amtsträger gleichzeitig die Funktion des Staatsoberhauptes wahrnehmen (der Bischof von La Seu d'Urgell und der Präsident von Frankreich). Somit handelt es sich um eine Doppelherrschaft. Ihr Amt ist heute rein repräsentativer Natur, sie besitzen allerdings ein Vetorecht in auswärtigen Angelegenheiten. Andorra war lange Zeit eine sogenannte Steueroase. Doch heute ist der Tourismus (insbesondere der Wintersport) der wichtigste Wirtschaftsfaktor. Andorra besitzt kein Militär, die Landesverteidigung ist Aufgabe von Spanien und Frankreich. Das Vall del Madriu-Perafita-Claror wurde 2004 als Kulturlandschaft in das UNESCO Welt-erbe aufgenommen. Lt. UNESCO gibt es einen Eindruck, wie die Menschen die knappen Ressourcen der Hochpyrenäen während der letzten Jahrtausende genutzt haben, um eine nachhaltige Lebensumgebung zu erschaffen, die im Einklang mit der Gebirgslandschaft steht. Das Schutzgebiet erstreckt sich über die Gemeinden Encamp, Escaldes-Engordany, Andorra la Vella und Sant Julia de Loria.

Die frühesten Funde menschlichen Lebens in Andorra gehen bis auf die erste Eiszeit zurück. Keramikstücke, Ketten und andere Gegenstände zeugen von einer Besiedlung vor der Bronzezeit. Der Sage nach geht Andorra auf eine Grün-dung Karls des Großen zurück, der sich erkenntlich zeigen wollte, weil ihm die Andorraner im Kampf gegen die Sarazenen heldenhaft beistanden. 1933 wurde das allgemeine Wahlrecht für Männer und erst 1970 das Wahlrecht für Frauen in Kraft gesetzt. Andorra ist mehr als ein Einkaufsparadies, mehr als 60 Gipfel über 2.500 m, zahlreiche Täler, Wiesen und Weiden finden sich abseits der Durchgangsstraßen

Am Zoll werden wir durch gewunken und sind gegen 14.30 Uhr in La Seu d'Urgell, wo wir auf einem schönen Platz - Passeig de Joan Brudieu - unter Platanen ein alkoholfreies Bier und einen Kaffee trinken (3,90 €). Für spanische Verhältnisse teuer. Und dann verschwindet der Barmann, macht zu, ich kann nicht einmal zur Toilette gehen - Siesta!

La Seu d'Urgell ist die Hauptstadt der katalanischen Comarca Alt Urgell in der Provinz Lleida. Sie liegt auf 691 m Höhe und hat ca. 14.000 Einwohner. Durch die Stadt fließt der Rio Segre, in den auf dem Stadt-gebiet der Rio Valira, aus Andorra kommend, mündet. La Seu wurde 195 v. Chr. als Orgellia von den Römern gegründet. Bereits 527 gab es einen Bischof. Im Mittelalter war La Seu die Hauptstadt der historischen Grafschaft Urgell. Sehenswert ist die Kathedrale Santa Maria, an deren Platz bereits 839 eine Kirche stand. Hinter der Kathedrale liegt die Altstadt, in der besonders die arkadengeschmückten Straßen Calle Mayor und Calle Canonges sehr schön sind. Am Ufer des Segre befindet sich der olympische Parc del Segre, eine künstlich geschaffene Kanustrecke.

Es geht zurück, über La Pobla de Segur, durch die wilde Schlucht Collegats, dann über die enge kurvige Straße N 260 bis El Pont de Suert. Ankunft am Campingplatz um 17.15 Uhr, nach 7 ¼ Stunden und 287 km. Heute gibt es frische Sardinen, Salat, Trauben, Baguette und Rotwein zum Abendessen. ein weiterer schöner Tag geht zu Ende.

© Uschi Agboka, 2012
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Es handelt sich um eine 42-tägige Tour von Niederbayern nach Frankreich, in die Auvergne, weiter in die französischen und spanischen Pyrenäen.
Details:
Aufbruch: 02.09.2012
Dauer: 6 Wochen
Heimkehr: 13.10.2012
Reiseziele: Spanien
Frankreich
Schweiz
Der Autor
 
Uschi Agboka berichtet seit 17 Jahren auf umdiewelt.
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