Ein Segelsommer auf der Adria

Reisezeit: Mai - September 2009  |  von Thomas Lippert

2. Törnstart in Kroatien: Norddalmatien und Kornaten

Karte Region Zadar und Kornaten

Karte Region Zadar und Kornaten

Ankern vor der Insel Vir

Am Ziel unseres kleinen Segelschlages von Šimuni nach Vir freuen wir uns auf einen kleinen Hafen in der Stadt Vir auf der Insel Vir. Unser Hafenführer schreibt: "Hinten an der Mole festmachen". Die Mole hat jedoch kaum mehr als 30 Meter und bei unserer Ankunft liegen dort schon die Schiffe der Fischer im Päckchen. So fällt unser Anker auf etwas Sand, jedoch meist felsigen Grund in vier Metern Tiefe in das klarschimmernde Wasser. Wir genießen jetzt gemeinsam unsere letzte Dose Bier in der schönen Dämmerung. Von einer nahegelegenen Bar bekommen wir den Klang kroatischer Musik als Geschenk.

Claudia an der Pinne

Claudia an der Pinne

Ein Fischer schaut im immer goldener werdenden Licht mit erstaunlicher Gelassenheit seine Netze durch und nähert sich mit seinem Kahn ganz langsam. Bei uns angekommen fragt er uns woher wir kommen, wohin wir fahren und wann wir morgen den Anker lichten. Er weist uns die Richtung zur Ausfahrt aus der Bucht, damit wir seine Netze nicht überfahren. Noch zwei drei freundliche Sätze beiderseits, dann sagt er "Auf Wiedersehen" und wir unser "Dovidjenja" und mit ganz ruhigen Ruderbewegungen lenkt er sein Boot wieder zu seinen Netzen. - So beschaulich klingt hier der Abend für uns aus.

Fischer an seinen Netzen

Fischer an seinen Netzen

Die Mole von Vir - am Morgen war sie von Schiffen völlig verlassen

Die Mole von Vir - am Morgen war sie von Schiffen völlig verlassen

Im Stadthafen von Zadar

Minifährservice an der Hafeneinfahrt

Minifährservice an der Hafeneinfahrt

Die Donatskirche in Zadar

Die Donatskirche in Zadar

Die Cleo setzt ihre Reiseroute nach Süden fort. Schon nach etwa zwei Stunden erreichen wir die Stadt Zadar und machen in deren Stadthafen fest. In der Altstadt dieses dalmatinischen Wirtschafts- und Kulturzentrums warten viele altehrwürdige Mauern auf ihre Entdeckung durch uns. Also laufen wir durch das recht kompakte historische Zentrum, wo sich erstaunlich dichtgedrängt ein geschichtliches Bauwerk neben dem anderen präsentiert: das Seetor und das Landtor behüten als Zugangswächter den historischen Kern; der Platz der fünf Brunnen; die Römische Säule auf dem Platz Petra Zoranica, welche von den Venezianern als Pranger, also Schandpfahl genutzt wurde. Und keine Frage - das Römische Forum ist einer der schönsten Plätze Zadars, wo die Händler kunstvolle Stickwaren, die verschiedensten Hüte und auch allerlei Kitsch anbieten. Hier findet Ihr auch das wuchtige Gebäude der Donatskirche (Sveti Donat) und gleich gegenüber, meist von Touristen belagert, die Renaissancefassade der Kirche Sveta Marija, die zum benachbarten Benediktinerinnenkloster gehört.

Sveti Krševan (Chrysogonus-kirche)

Sveti Krševan (Chrysogonus-kirche)

Der Schandpfahl der Venezianer

Der Schandpfahl der Venezianer

Auf unserer Entdeckungstour kommen wir an einem Obst- und Gemüsemarkt vorbei. Eine Obstverkäuferin preist ihre frischen Erdbeeren so leidenschaftlich an, als würde sie den Früchten eine Liebeserklärung machen. Wir kommen also nicht "ungeschoren" an den meist leuchtenden Ernteerträgen vorbei, füllen unser Gepäck mit vielen leckeren Vitaminen und kehren mit vollen Bündeln zum Liegeplatz unserer Cleo zurück.

In Kugljica auf der Insel Ugljan
Über manche Orte lässt sich nicht viel Aufsehenderregendes sagen und dennoch sind sie von gewisser Wichtigkeit für einen. Kugljica ist für uns genau solch ein Flecken. Wer kroatische Gelassenheit entdecken möchte und vom Rummel in Zadar oder dem geschäftigen Treiben in der Marina Dalmacia (Sukošan) genug hat, der ist im marinaähnlichen Hafen von Kugljica genau richtig.

Im Hafen von Kugljica

Im Hafen von Kugljica

Unsere ursprüngliche Idee war, im Kanal (Ždrelac-Enge) zwischen den Zwillingsinseln Ugljan und Pašman an eine Boje zu gehen. Jedoch ist die Osteinfahrt der Ždrelac-Enge von einer gelben Gefahrentonne versperrt und zusätzlich patrouilliert die Wasserpolizei, die uns nach Anfrage das Ankern in der Bucht untersagt. Grund ist eine offensichtliche Erweiterung der Brücke, die die Autoverbindung zwischen Ugljan und Pašman herstellt. Die Bojen auf der Ostseite von Pašman vor dem Ort Ždrelac sind auch noch nicht ausgelegt, so dass wir uns mit unser eher dürftigen Ankererfahrung lieber in einen Hafen zurückziehen. Was wir nicht bereut haben. Wir legen hier, ähnlich wie schon in Ilovik, einen gemütlichen Hafentag mit Spaziergängen und zauberhaften Ausblicken über die Adria und deren Inselwelt ein.

Direkt am Hafen liegen schöne Eiscafés und auch Konobas, die uns alle zu einladend aussehen, als dass wir sie nicht ausprobieren sollten. Wir erlauben uns auch den Luxus, in der Konoba Stari Mlin eine riesige gemischte Grillplatte zu bestellen, dazu zwei Bier und Kaffees. Der Wirt beschließt uns erst nach zwei Schnäpsen freier Wahl ziehen zu lassen.

Jedoch auch nicht bevor er zusammen mit seinem Koch uns auf die Frage nach der Wetterlage im aktuellen Fernsehprogramm genau den Wetterbericht erläutert, dazu noch eine Zeitung holt und uns das Zeitungswetter bis ins Detail erklärt und was dies alles für den Segelwind der kommenden zwei Tage bedeuten kann. Nach seinen Bemühungen ist es ja schon fast gemein, dass der Wind für den nächsten Tag unsere Abreise Richtung Süden zulassen wird. Ach ja - die Fleischplatte haben wir nicht geschafft (wer mich kennt, glaubt mir das jetzt eh nicht) und der Rest der leckeren Mahlzeit wartet nun fein säuberlich in Alufolie verpackt in unserem Bordkühlschrank auf sein für den nächsten Tag erwartetes endgültiges Ende (in unseren heute schon viel zu voll gefutterten Bäuchen).

Claudia beim Spaziergang (besser: "Spaziersitzen")

Claudia beim Spaziergang (besser: "Spaziersitzen")


Die Marina Sukošan
Mit rauschender Bugsee und voll geblähtem Segel strebt die Cleo der gegenüber liegenden Marina Sukošan zu. Ein herrlicher Segelwind bläst aus Süd/Südwest und wir mögen gar nicht so schnell unser viel zu nahes Ziel erreichen. Also absolvieren wir ein paar Wenden und schwelgen in der Segelei "auf der Stelle", bevor wir dann doch in die größte Marina Kroatiens einlaufen. Hier geht alles streng nach Plan zu: bereits bei der Einfahrt weist uns ein am grünen Leuchtfeuer stehender Marinero mit der Hand eine Richtung, wobei er uns durch den Wind unverständliche Worte zuruft. Der zugewiesene Platz gefällt uns nicht sonderlich, denn er liegt unmittelbar neben der Tankstelle. Wir stellen uns also dumm und ändern den Kurs in Richtung schönerer Liegeplätze, worauf ein weiterer Marinero uns von der Tankstelle aus etwas zuruft, zu seinem Schlauchboot eilt, in das schwankende Gummigefährt springt und unser Boot ansteuert. Ich stoppe auf und wir klären hier im Hafenbecken bereits die geplante Dauer unseres Aufenthaltes, die Länge unseres Bootes und bekommen nach einem Handytelefonat des Helfers die Stegnummer 23 zugerufen, an welcher uns bereits ein weiterer Marinero erwarten würde. - Offenbar sollten wir gar nicht neben der Tankstelle liegen, sondern uns dort vom "zentralen Verteilungs-Marinero" nur einen Liegeplatz zuweisen lassen.

Marina Dalmacija

Marina Dalmacija

Der Steg 23 ist schnell gefunden. Der Platz liegt übrigens dezentral in der Nähe dieses halbrunden, etwas futuristisch anmutenden Wellenbrechers. Schon vor der Anfahrt auf die Marina sagte ich zu Claudia, dass wir dort auf keinen Fall liegen wollen, weil dann alle Wege, insbesondere Wäscherei, aber auch Rezeption sicher sehr weit seien. An einer freien Stelle zwischen zwei Seglern lässt sich jetzt ein Marinero mit seinem Fahrrad blicken, deutet jedoch tiefer in diesen Steg hinein und radelt ganz hinten an das Ende des Steges. Oh Gott, da muss ich jetzt also rückwärts rein. Und das, wo ich mit dem extremen Radeffekt der Cleo beim Rückwärtsfahren noch nicht ganz vertraut bin.

Dennoch frischen Mutes stoppe ich auf und möchte rückwärts zwischen die Stege. Der Radeffekt tut wie erwartet sein Werk und dreht das Schiff in die gewünschte Richtung. Nun warte ich, dass langsam auch die Rückwärtsfahrt einsetzt und das Schiff somit wieder steuerbar wird. Doch nichts, Radeffekt pur. Wir drehen uns einfach weiter. Ich arbeite am Schalthebel: wieder vorwärts, dann rückwärts, noch mal vor, noch mal zurück. Was ich produziere sieht aus wie das Manöver Wenden auf engstem Raum, jedoch sicher nicht wie der Versuch, einen freien Liegeplatz anzusteuern. Der Marinero erkennt, dass es wohl doch besser sein könnte, wenn ich nicht den hinteren Eckplatz bekomme, zeigt ein Einsehen und winkt jetzt von dem Liegeplatz aus, wo wir ihn zuerst gesehen hatten. Na also.

Einmal vorwärts richtig ausgeholt, aufgestoppt, Rückwärtsgang rein und jetzt kommt auch Fahrt ins Schiff. Wir legen astrein an. - Hab' doch gleich gewusst, dass der hinterste Liegeplatz nichts für Cleo und seine Mannschaft ist .

Parade der Segelschiffe in der Marina

Parade der Segelschiffe in der Marina

Die Marina bietet offenbar alles, was ein Nautiker so braucht. Auch eine Wäscherei, zu der wir aufgrund unseres Liegeplatzes fast zwei Kilometer Anmarsch haben. Mit den Wäschesäcken beladen schreiten wir wie der Weihnachtsmann mit seinem Wichtel über das Marinagelände. 80 Kuna pro Maschine ist der Preis. Dafür bekommen wir unsere Wäsche am selben Abend ordentlich gebügelt und mit einem frischem Duft zurück.


In der Ankerbucht Zaklopica
Der niederländische "Liegenachbar" in der Marina Sukošan gibt uns einen sehr guten Tipp für den Aufenthalt an der Südseite der Insel Pašman: eine Bucht mit dem mystischen Namen Zaklopica. Diese Bucht ist ein wirklich außergewöhnlicher Ankerplatz. Umsäumt ist das blaue Wasser nur von Natur: karstiges Gestein, Macchiabewuchs und Kiefernbäume. Hinten links entdecken wir dann doch eine urige Konoba, von unserem Ankerplatz aus ist sie kaum zu sehen. Mit unserem kleinen Dingi (Schlauchboot) paddeln wir dorthin und verzehren in gemütlicher familiärer Atmosphäre einen wahrhaft leckeren gegrillten Fisch mit ebenso leckeren Crepes als Nachtisch.

In der Bucht Zaklopica

In der Bucht Zaklopica

Konoba "Ana" mit Ana

Konoba "Ana" mit Ana


Biograd als Ausgangspunkt für Landexkursionen
Bei Anbruch eines neuen Morgens verlassen wir diese schöne Ankerbucht und fahren unter Motor nach Biograd. Das Frühstück genießen wir im Cockpit, während unser Autopilot für den richtigen Kurs in die Marina Kornati sorgt. Als wir kurz vor dem Hafen anlangen, haben wir unser Frühstück auch gerade beendet und bereiten alles für das Anlegemanöver vor.

Telefonisch mieten wir uns einen PKW für zwei Tage (Frau Mitrovic - sie spricht fließend deutsch, Tel. 023/386-139). Von einem inklusive-Service werden wir direkt in der Marina abgeholt (und nach PKW-Abgabe auch wieder hingebracht). In Biograd starten also die nächsten beiden Tage unsere folgenden zwei Exkursionen: die Krka-Wasserfälle und eine Wanderung in der Paklenica-Schlucht.


Der Nationalpark Krka
Die Krka Wasserfälle sind so einzigartig in Europa, dass niemand in Dalmatien gewesen sein kann, ohne dieses bizarre Naturschauspiel bestaunt zu haben. Kaum habt Ihr den Park betreten seht Ihr die ersten tosenden und brausenden Wassermassen in die Tiefe stürzen. Die Begeisterung lässt nicht auf sich warten. Ihr lauft dann trockenen Fußes auf hölzernen Stegen durch ein Wasserlabyrinth, in dem sich das Wasser unzählig viele Wege zwischen Bäumen und Felsen sucht und Ihr meint vielleicht, Ihr befändet Euch in einem verzauberten Wald. Die Luft unter den Bäumen ist kühl und der Weg ist schattig. Selbst an heißen Sommertagen ist dieses kleine Paradies eine großartige Option für einen garantiert unvergesslichen Ausflug. Wer ganz mutig ist kann sogar ein wirklich erfrischendes Bad direkt unterhalb der ungestümen Wassermassen nehmen. Ich war nicht mutig . Doch in Wirklichkeit lag es lediglich daran, dass ich meine Badehose vergessen hatte ... .

Die Krka Wasserfälle

Die Krka Wasserfälle

Weiter oben, wo der Fluss einen kleinen See bildet, befindet sich die Klosterinsel Visovac. Ihr könnt diese liebevoll angelegte Insel besuchen und dort einen anregenden Spaziergang unternehmen. Hinüber kommt Ihr mit dem Boot. Der Reiseführer schreibt dazu: "Wenn man sich am Ufer bemerkbar macht, steigt in der Regel ein Mönch auf der Insel Visovac ins Boot und holt einen ab." Also machen wir uns bemerkbar und winken unablässig in freudiger Erwartung, von einem Mönch chauffiert zu werden. Tatsächlich bewegt sich eine Person auf der anderen Seite und steigt in ein weißes Boot. Es funktioniert! - Das Boot kommt näher, der Ordensbruder trägt nun schon sichtlich keine Kutte mehr. Aha, Mönch in Zivil. Als der "Klosterbruder" dann mit seinem Helfer bei uns anlegt, trägt er eine helle Uniform, stellt sich als Krka-Parkranger vor und möchte 50 Kuna pro Person für das Übersetzen, Rückfahrt inklusive. Nun gut, diese Fahrt dauert etwa vier Minuten und die Insel ist diese kleine Ausgabe alle Male wert. Nur schade - ein Mönch als Kapitän wäre irgendwie uriger gewesen.

Claudia, im Hintergrund die Klosterinsel

Claudia, im Hintergrund die Klosterinsel

See bei Visovac

See bei Visovac

Liebevoll angelegte Klosterinsel

Liebevoll angelegte Klosterinsel


Der Nationalpark Paklenica
Wir fahren aus Richtung Zadar kommend zur Paklenica-Schlucht. Auf diesem Weg führt die Straße über die Maclenica-Brücke, von der wir einen phänomenalen Ausblick über die Novski Ždrilo haben, welche die Wasserverbindung zwischen dem Novigrad Meer und dem Velebitski-Kanal ist.

Bei Maslenica führt eine Brücke über die Wasserverbindung zwischen dem Novigradsko More und dem Velebit-Kanal

Bei Maslenica führt eine Brücke über die Wasserverbindung zwischen dem Novigradsko More und dem Velebit-Kanal

Zwei tiefe Schluchten, Velita Paklenica und Mala Paklenica, haben sich nahe dem Meer in das Massiv des Velebitgebirges eingefräst. Die Erwartung spektakulärer Ausblicke allein ist schon den Besuch dieses eindrucksvollen Nationalparks wert. Dass viele Szenen der beliebten Winnetou Filme genau dort gedreht wurden, machen eine Visite der Schlucht erst recht interessant. Also laufen wir durch die Schlucht. Mit einem farbigen Prospekt der Parkverwaltung in der Hand, das genau beschreibt, an welchen Stellen welche Szene aus welchem Streifen gedreht wurde. Alle diese Positionen wurden zusätzlich mit nummerierten Holzschildern versehen, so dass wir keinen Drehort verpassen können.

Wir gehen an der bezeichneten Stelle "Nr. 8" vorbei, wo Winnetou (Pierre Brice) und Wokadeh (Gojko Mitic) in Unter Geiern ihren Angriff gemeinsam gegen die Geierbande starten. Na, wenn das nicht erhebend ist, genau dem Pfad der Helden seiner Kindheit zu folgen!

Die Paklenica-Schlucht

Die Paklenica-Schlucht

In der Schlucht hat der 400 Meter hohe Felsen Anica Kuk sein Zuhause. Er ist die bekannteste Kletterwand Kroatiens, wo freies Klettern eine große Herausforderung für viele Alpinisten darstellt. Wir laufen an vielen der Kletterer vorbei, die zum Teil gefährlich anzuschauen in der senkrechten Wand hängen oder die dem Kletterpartner von unten aus assistieren. Andere sitzen am Fuß "ihres" Felsens und erholen sich von der konzentrierten Anstrengung. Diese schauen mit großen Augen auf uns, mein rotes Tuch und die Kamera in meiner Hand, das Stativ auf meiner Schulter und glauben vielleicht, die Winnetou Filme bekommen heute ihre Fortsetzung .

Die weitere Wanderung - teilweise fast schon Kletterung - durch die Schlucht ist grandios. Wir erfreuen uns entweder an den atemberaubenden Ausblicken an bestimmten Punkten oder am Murmeln und Plätschern des Baches neben unserem Fuße. Die angenehme Kühle der Bäume macht den manchmal mühsamen Aufstieg dennoch leicht.

Auf dem Rückweg gestatten wir uns einen lohnenden Abstecher zur historischen Stadt Nin. Die Ruinen der historischen Inselstadt liegen dort in einer flachen Lagune. Das Städtchen ist von allen Seiten von Wasser umgeben und lediglich durch zwei Brücken mit dem Festland verbunden. Eine kleine Kirche Sveti Križ (Heiliges Kreuz) ist seit über 1200 Jahren völlig erhalten geblieben. Mit ein paar Schritten ist sie leicht zu umrunden. Sie ist wohl die kleinste Kathedrale der Welt, denn man geht davon aus, dass die Kirche Bischofsitz gewesen ist. Weiter auf der Strasse Richtung Zadar, also kurz vor den Toren von Nin, treffen wir inmitten einer großen Wiese auf das fast unwirklich anzuschauende Kirchlein Sveti Nikola, die wir über einen schmalen Feldweg erreichen und deren Hügel wir erklimmen.

Sveti Križ

Sveti Križ

Sveti Nikola

Sveti Nikola


Telašcica und der Nationalpark Kornaten
Ihr denkt jetzt vielleicht, wir schlendern einfach nur von einem Nationalpark zum Nächsten? - Ja, genau so ist es! Es ist ja nicht unsere Schuld, wenn hier in Kroatien eine Naturphänomen das andere jagt, eine Naturschönheit die andere ablöst. Wir können wirklich nichts dafür! - Und wir laden Euch ein, mit uns weiter dieser eindrucksvollen Route zu folgen!

Nach unserer Abfahrt aus Biograd schlängelt sich Cleo um die Südspitze der Insel Pašman mit dem nächsten Ziel vor Augen - der bekannten Telašcica-Bucht am Südende der Insel Dugi Otok. Die Ostzufahrt in diesen Inseleinschnitt ist ein Augenschmaus-Vorgeschmack, auf das, was uns die nächsten Tage noch erwarten wird. Von der vorgelagerten kleinen Bay Cušcica aus erblicken wir linker Hand die ersten kahlen pyramidenförmigen Erhebungen des Kornaten-Archipels. Ein großartiges Vorgefühl auf deren Durchquerung in den kommenden Tagen.

Wir steuern den Telašcica Nationalpark an

Wir steuern den Telašcica Nationalpark an

Die Einfahrt in den Nationalpark ist ein schmales Nadelöhr, als wolle die Bucht mit Vorausbedacht die Spannung für uns Neuankömmlinge steigern. Wir fahren ein, unmittelbar vor uns schwimmt ebenfalls ein Segelschiff. Der Weg in die Bucht wird von roten und grünen Leuchtfeuern markiert. Drinnen angekommen heißen uns viele Möwen willkommen und die Bucht selbst schenkt uns einen kräftigen Segelwind, mit dem wir - zusammen mit weiteren weißbesegelten Bootslenkern - bis zu unserem Zielpunkt, einem Bojenfeld, herrlich segeln können. Dabei kreuzen wir aufgrund des Windes von vorn, wobei unsere Cleo die Breite des Gewässers bei jedem Schlag ausmisst und wir so jede Seite der Bucht bereits vom Boot aus "begrüßen" können. Ein so schöner Segelwind am Abend war uns bisher noch nicht vergönnt, so dass dieses Willkommen der Bucht an uns Segelfans ein wahrlich schönes Geschenk darstellt.

Steile Felswand von Telašcica

Steile Felswand von Telašcica

In der "Unterbucht" Mir, was übersetzt Frieden heißt und sicher zu den schönsten Ankerplätzen in der Adria gezählt werden darf, lassen wir den Abend bei einem Gläschen Rotwein ausklingen. Der nächste Morgen beginnt natürlich mit einem PLUMPS ins erfrischende und glasklare Wasser und ein paar Runden Brustschwimmen um unsere Cleo, die schon putzmunter und vergnüglich schaukelt.

Danach ist die Besteigung der gigantischen Klippen von Telašcica geplant, wo die Insel von einer Höhe von 140 Metern steil und schroff ins Meer fällt. Wow! Nach atemberaubenden Augenblicken in die Tiefe führt uns ein Pfad weiter in Richtung des bekannten Salzsees, der wiederum ein Naturphänomen ist und eine gewisse Berühmtheit durch seine Salzhaltigkeit erlangte. In dem 70 Meter über dem Meeresspiegel liegendem See sammelt sich Regenwasser, das mit Meerwasser (!) vermischt ist, welches sich seinen Weg durch die Spalten im Karst nach oben bahnt.

Der See bekommt eine Verstärkung seines Charmes durch die friedlich an seinem Ufer daherlaufenden Esel, die sich frei auf diesem Teil der Insel bewegen dürfen und sich sichtlich wohl dabei fühlen.

Am Salzsee finde ich viele Steintürmchen. Also baue ich auch eins. Ob man sich dafür etwas wünschen kann? - Jedenfalls habe ich mir einen Wunsch erlaubt!

Am Salzsee finde ich viele Steintürmchen. Also baue ich auch eins. Ob man sich dafür etwas wünschen kann? - Jedenfalls habe ich mir einen Wunsch erlaubt!

Obwohl wir glauben, dass diese Bucht der schönste Flecken der Adria sein mochte, nimmt die Cleo nach zwei Tagen Aufenthalt ihre Fahrt in Richtung der lockenden Kornaten auf. Beim Verlassen der Bucht benutzen wir die westliche Öffnung zum offenen Meer hin und werden vom Feuer der Leuchtturminsel Sestrica empfangen, dessen Leuchtstrahl wegen des hellen Tages freilich nicht sichtbar ist. Die Fahrt Richtung Süden bringt uns an vielen kleinen Kornateninseln vorbei: Obrucan, Levrnaka, Borovnik, Balun.

Hinter allen sehen wir die Erhebungen der größten Kornateninsel Kornat, die dem gesamten Archipel den Namen gab. Alle diese Inseln machen einen etwas unwirklichen Eindruck, als wären wir gerade auf einem fremden Planeten gelandet. Kornat selbst besteht aus einer Aneinanderreihung von sich kegelförmig zuspitzenden Bergen, deren Hänge fast vollständig kahl sind und nur stellenweise kaum sichtbaren niederen Bewuchs zulassen. Wie kleine wulstige Nähte wirken die quer zur Insel aufgeschichteten sichtbaren Steinmauern, als habe ein Riesenschneider die Insel aus vielen Stücken kunstvoll zusammengenäht.

Die kleineren vorgelagerten Inseln sind schroff und zeigen dem offenen Meer die Stirn - ihre unzugängliche steile, felsige Seite.

Die Kornateninsel Obrucan bietet dem Meer ihre schroffe Stirn

Die Kornateninsel Obrucan bietet dem Meer ihre schroffe Stirn

Alle diese Inseln sind unbewohnt. Nur im Sommer gibt es einige Fischer, die von dort aus in ihre Fanggründe ziehen.

Bei der Vorbeifahrt an Mana jedoch wird unsere Aufmerksamkeit von mehreren Ruinen angezogen. Hoch oben, kurz bevor die Insel sich steil ins Meer fallen lässt, wurzeln sie und scheinen der Welt trotzig von ihrem Dasein in dieser eher lebensfeindlich erscheinenden Umgebung berichten zu wollen. Es handelt sich bei Ihnen um Filmkulissen: hier wurde 1961 der Film Tobendes Meer mit Maria Schell gedreht.

Mana mit seinen Filmkulissen von 1961

Mana mit seinen Filmkulissen von 1961

Hinter Mana ändern wir unseren Kurs nach Backbord und fahren das Stück bis zur Insel Lavsa zwischen den kleinen Inseln entlang. Lavsa verfügt über eine tief eingeschnittene Bucht, in der von der Kornaten-Nationalparkverwaltung ein Bojenfeld ausgelegt wurde, so dass wir uns dort einen sicheren Platz für die Nacht bereiten können.

Am nächsten Morgen setzt Cleo ihre Fahrt durch diese verzaubert wirkenden Eilande fort, über die G.B. Shaw schrieb: Am letzten Tage der Erschaffung der Welt wollte Gott sein Werk krönen und schuf aus Tränen, Steinen und dem Lufthauch die Kornaten.

Übereinstimmend mit dieser poetischen Feststellung verlassen wir bei schönstem Wetter die Kornaten unmittelbar nach Passage der Opat-Bucht und lenken unsere Cleo in Richtung der Insel Murter, die nun nur noch etwa zehn Seemeilen entfernt liegt.

Die Bucht von Lavsa mit Konoba Idra im Hintergrund

Die Bucht von Lavsa mit Konoba Idra im Hintergrund

Schönstes Kornatenwetter

Schönstes Kornatenwetter

Die Opat Bucht am südlichen Zipfel der Insel Kornat

Die Opat Bucht am südlichen Zipfel der Insel Kornat


Die Marina Jezera auf der Insel Murter oder: Seglerisch wieder eine neue Erfahrung
Cleo fährt seit dem letzten Tankstopp in Zadar nun schon über zwanzig Stunden unter Motor ohne erneut eine Tankstelle gesehen zu haben. Unsere Tankanzeige zeigt "randvoll" an, was Ihr sicher nicht ganz glauben könnt. Wir auch nicht. Der Vercharterer kündigte uns im Voraus einen Durchschnittsverbrauch von zwei Liter Diesel pro Motorstunde an, was bei einer Tankgröße von vierzig Litern bald zum Trockenfahren führen müsste. Deshalb habe ich vorsorglich auch bereits den Inhalt unseres zehn Liter Reservekanisters in den Tank geschüttet.

In Jezera auf der Insel Murter an der Tankstelle sind zwei dicke Motoryachten vor uns an der Reihe, die unsere langsamere Cleo ausgerechnet noch unmittelbar vor der Hafeneinfahrt überholt hatten. Bei etwas Seitenwind warten wir nun im Hafenbecken. Nicht ohne gelegentlich eine "Ehrenrunde" zu drehen, um das Schiff nicht gegen festgemachte Yachten oder in Richtung Flachwasserbereich treiben zu lassen. Wir haben auch bereits die "Schokoladenanlegeseite" der Ceo anlegefertig gemacht (Fender rausgehängt, die Festmacheleinen auf dieser Seite angeknotet) und möchten - anders als das gerade dort tankende Motorboot - von der anderen Seite aus anlegen. Als das betankte Boot dann endlich von der Kaimauer verschwindet - die lange Tankdauer von über zwanzig Minuten (oder was der auch immer dort gemacht hat) - ließen mich inzwischen kaum mehr erwarten, heute noch an die Reihe zu kommen. Doch nun sollte mein Kunststück gelingen: ganz langsam und in engem Bogen (Flachwasserbereich auf der anderen Seite der Tankstellen"zufahrt") mit Cleo's Schokoladenseite anzulegen. Der Tankwart versteht was ich vorhabe und gibt mir Zeichen, dass ich von der anderen Seite vorwärts an die Tankstelle ran solle und nachher rückwärts wieder raus. Da ich natürlich schlauer bin als er mit seiner Bootstankstelle ( ) mache ich es dennoch so, wie ich will: von der Flachwasserseite her. Damit ich nicht auflaufe, nehme ich den Radius so eng, dass ich im eher stumpfen Winkel mit der Spitze des Schiffs Richtung Tankstelle steuere. Claudia steht vorn und wirft dem Tankwart die Leine zu. Jedoch muss ich nun - wegen dem ziemlich stumpfen Winkel zur Tanke - wieder aufstoppen (Rückwärtsgang einlegen), was Cleo durch unseren starken Radeffekt in einen noch stumpferen Winkel zur Kaimauer drehen lässt. Schnell sehe ich ein: der Tankwart hatte recht. Beim zweiten Versuch gemäß der Idee des Tankwarts klappte es auf Anhieb. Das Ganze ist im Grunde gar kein Beinbruch. Im Gegensatz zum Einparken mit einem PKW kann es bei einem Schiff durchaus passieren, dass je nach Bedingungen zwei oder drei Versuche unternommen werden müssen. Doch mir - als Anfänger - geht es an die Ehre und zerrt somit ein wenig an den Nerven. Was uns beim folgendem Einparkmanöver an den Moorings zu Problemen führen sollte, wie ich Euch jetzt weiter berichte.

Nach dem Tanken legen wir also ab und streben einem freien Liegeplatz zu. Ein Marinero ist nicht zu sehen, so dass wir die "freie Wahl" haben. Wir fahren zwischen zwei Anlegestegen ein, bei denen die Mooringleinen der liegenden Schiffe beiderseits relativ flach zur Mitte abfallen. Beim Einlenken in eine Liegestelle muss somit mit erhöhter Aufmerksamkeit darauf geachtet werden, dass das tiefgehende Ruder oder der Kiel unseres Bootes nicht an diesen Leinen hängen bleibt. Das weiß ich längst, lege den Rückwärtsgang ein und bin mir sicher, nun ein "Sahneanlegemanöver" hinzulegen. Claudia warnt, der Rückwärtsgang käme zu früh. - Ach was! -

Ich bin schließlich der Skipper und habe jetzt obendrein die kleine Scharte von der Tankstelle durch eine coole Bravourleistung auszubügeln. Der Radeffekt beim Rückwärtsfahren wird mir helfen, drückt er doch das Heck der Cleo genau in Richtung des freien Liegeplatzes (es sind sogar zwei davon nebeneinander!). Doch ich bin zu nah an den Mooringleinen meines zukünftigen Nachbars. Der Radeffekt drückt das Heck schneller nach Steuerbord als gewünscht. Zusätzlich wird das Boot noch von einem schwachen, aber vorhandenen Wind in diese Richtung gedrückt. Ich schaue auf dieser Seite ins Wasser und sehe zwei Mooringleinen dicht unter unserem Boot: eine direkt vor unser Schiffsschraube. Schnell schalte ich in den Leerlauf, um nicht Mooringsalat zu bekommen. Die zweite Mooringleine verläuft vor unserem Kiel. Unsre arme Cleo ist nun gefangen und ohne Motorunterstützung manövrierunfähig. Vom Wind wird sie langsam immer dichter an das Heck unseres "nun-doch-noch-nicht-Nachbars" gedrückt (die beiden Mooringleinen kommen direkt von seinem Boot). Jetzt nur nicht andotzen! Claudia und ich drücken Cleo mit Bootshaken ab; jedoch sind die Haken zu kurz und lassen sich auch nicht stabil verlängern. Somit schaffen wir es auch nach einer Weile vergeblicher Bemühungen nicht, in den Bereich zu kommen, wo die Moorings wieder tiefer als Ruderblatt und Kiel verlaufen. Also drücken wir jetzt die viel zu straffe Mooring tiefer ins Wasser. Zumindest versuchen wir es. Claudia kämpft und stößt aus: "Ist denn hier keiner, der uns hilft?" Und ich denke: "Hoffentlich ist hier keiner, der uns sieht - wie peinlich." Bis Claudia schließlich sagt: "Wir müssen die Mooring von dem liegenden Schiff lösen. Er hat doch schließlich zwei!" Das wollte ich anfangs nicht tun - etwas an einem anderen Schiff machen. Mit genügend Schweiß im Gesicht und im T-Shirt sehe ich auch keine andere Möglichkeit mehr und springe auf die Badeplattform am Heck des anderen Schiffes, um die Mooring zu lösen. Dann drücke ich unsere Cleo weg, klettere im letztem Moment schnell noch auf den Bug unseres Schiffes und bevor der Wind unser Boot wieder wegdrehen kann habe ich den Rückwärtsgang drin - diesmal scheint er unerwartet schnell zu wirken - und entferne unser Boot von den gefährlichen Leinen. Wir fahren nun einfach vorwärts in die breite Lücke, jedoch auf die andere Seite der beiden nebeneinanderliegenden freien Plätze. Lieber etwas weiter weg von dem Ort unserer Verdrießlichkeit.

Es scheint uns wirklich keiner gesehen zu haben. Ist das möglich? Das ist uns jetzt egal, wir sind froh, nun doch gut vertäut und sicher zu liegen. Wir gönnen uns unseren Festmacher (für alle nicht Bootsfahrer: ein Bier nach dem Anlegen). Die gelöste Mooring des anderen Schiffes mache ich (heimlich) am anderem Morgen von unserem Schlauchboot aus wieder fest.

So, und das ist fast alles, was wir aus Jezera zu berichten haben. Wir besuchen noch eine Konoba, frischen unsere Lebensmittelvorräte auf und am nächsten Mittag - nachdem ich meine Webseite aktualisiert habe - ziehen wir weiter.

Darstellung Mooringleinen-Problem - Draufsicht

Darstellung Mooringleinen-Problem - Draufsicht

Darstellung Mooringleinen-Problem - Cleo von hinten

Darstellung Mooringleinen-Problem - Cleo von hinten


Die Korallenschleiferinsel Zlarin
Unter anfangs kräftigem Segelwind strebt Cleo von Jezero auf Murter in Richtung Žirje, wo wir in der tief eingeschnittenen Bucht Veli Stupica die Nacht verbringen, bevor wir am nächsten Morgen mit dem Ziel Zlarin weiter ziehen. Die "goldene Insel" Zlarin, die wegen ihrer Schönheit oft so genannt wird, ist als Korallenschleiferinsel bekannt geworden. Heute findet man nur noch in großen Tiefen Korallenstöcke, so dass schon seit über 80 Jahren auch hier kaum mehr dieses filigrane Kunsthandwerk ausgeübt wird. Wir hoffen dennoch Victor, den letzten Korallenschleifer in seinem 300 Jahre altem Haus anzutreffen. Aus der Reiseliteratur wissen wir, dass er gut deutsch spricht und sich gerne bei seiner Arbeit zusehen lässt. Sein kleines Korallenmuseum gegenüber seinem Haus wollen wir auch besuchen. Leider ist beides geschlossen. Ein Nachbar bedeutet uns per Deutsch/Englisch/Zeichensprache-Mischmasch: "Museum Leut kaputt" wobei er sich mit dem Zeigefinger an der Kehle entlang fährt. Etwas schwer von Begriff fragen wir noch eine weitere Ortsbewohnerin mit ihren Einkaufstaschen (als der gesprächige Nachbar außer Sichtweite ist). Sie erklärt uns, in mäßigem Deutsch, dass sehr viel besser ist als unser kroatisch, dass Victor vor zwei Jahren von einem Einbrecher überwältigt und ermordet wurde. Das schockt uns und tut uns sehr leid. Warum so etwas? Der alte Korallenschleifer hatte nach unserer Information die Siebzig schon weit überschritten.

Und dann musste er offenbar so tragisch enden. Uns bleibt nur ein Blick durch die schmalen Glasfenster der Eingangstür in das Innere des winzigen Museums.

Mit vielen Eindrücken von dieser doch eher kleineren kroatischen Insel verlassen wir am nächsten Morgen den Hafen und steuern in Richtung unseres nächsten Ziels: Trogir.

Kirche von Zlarin

Kirche von Zlarin

Zlarin, hinteres Hafenbecken

Zlarin, hinteres Hafenbecken


Mitteldalmatien

Anfahrt auf Trogir

Anfahrt auf Trogir


An der Pier von Trogir
Cleo nähert sich der Stadt von Westen her. Die zuerst kaum wahrnehmbaren Umrisse des wuchtigen Kastellturms wachsen immer weiter bis wir schließlich von unserem Boot aus die gesamte prachtvolle Uferpromenade ausmachen. Die mediterranen Häuser lassen sich die Sonne auf ihre Fassaden scheinen und begrüßen unsere Einfahrt in den Kanal auf diese Weise in ihrer steinernen Stattlichkeit. Claudia ist bei diesem Anblick ganz aus dem Häuschen: "Thomas, ist das schön hier!" Unsere Cleo nähert sich der Pier auf der Altstadtseite. Ein Pierhelfer bedeutet uns einen Platz vor einem mindestens 25 Meter langen Zweimaster unter französischer Flagge. Wie fast überall ist Cleo wieder einmal die kleinste von den hier liegenden vier Seglern.

In Trogir legen wir jedoch längsseits an. Cleo kann sich also nicht, wie gewohnt, unauffällig zwischen zwei anderen Schiffen verstecken und muss so den ungehinderten Vergleich aushalten. Ihr Deck ist kaum höher als die Pier selbst, die gleichzeitig auch die Flanierpromenade der Stadt ist. Umso stolzer sind wir beiden "Adriavagabunden", hier angelegt zu haben. Denn jeder Adriasegler träumt davon, einmal an der Pier von Trogir festzumachen.

Die palmenbepflanzte Flaniermeile ist beseelt von Cafès, Restaurants und ausgestattet mit graziös geschwungenen Sitzbänken zum Ausruhen der angestrengten Füße nach einem Altstadtrundgang. Direkt gegenüber unseres Liegeplatzes lädt das Eiscafé Jadran zum Verweilen ein. Dort füllen wir unsere Kalorienspeicher mit einem Eisbecher und trinken einen Capucchino. Bedient werden wir von dem jungen Mazedonier Ejub, der erstaunlich viele interessierte Fragen an uns parat hat und uns wiederum seinen beruflichen Werdegang schildert. Erstaunlich ist, dass wir hier von einem ausgebildeten Zahnarzt bedient werden, der derzeit lediglich keinen Arbeitsplatz in seinem Beruf finden kann und so bis Ende September täglich von sieben Uhr bis Mitternacht im Jadran die Eisbecher jongliert.

Unser Altstadtbummel wird wunderschön. Wir haben - für uns fast schon natürlich - strahlenden Sonnenschein, es ist sogar etwas schwül, doch in den vielen verwinkelten und oft überdachten Gassen der Altstadt finden wir genügend Schatten. In dem Gewirr, in dem wir uns immer mal wieder an bereits begangenen Stellen wiederfinden, wartet eine große Zahl von Goldschmieden und Schmucklädchen auf Kundschaft. Auch eine Anzahl Schuhgeschäfte dürften insbesondere das Interesse der Damenwelt erwecken. Hauptmahlzeit der vorwiegend Tagestouristen scheint wohl Eis zu sein, denn ein Eisladen bietet seine süßen und fruchtig präsentierten Verlockungen neben dem Nächsten an.

In der Altstadt warten viele Schmuckläden mit ihren Glanzstücken auf

In der Altstadt warten viele Schmuckläden mit ihren Glanzstücken auf

Der Platz "Trg Ivana Pavla II"

Der Platz "Trg Ivana Pavla II"

Schnell haben wir auch den Hauptplatz von Trogir gefunden, den Trg Ivana Pavla II, der uns ganz besonders gefällt. Dem Stadtheiligen St. Laurentius wurde die Kathedrale Sveti Lovro auf der Nordseite des Platzes gewidmet. Bereits das romanische Eingangsportal zeugt von großer Steinmetzkunst des einheimischen Meisters Radovan (um 1240). Das Palais Cipeko gegenüber wurde für eine reiche venezianische Familie gebaut und auf der Südseite des Platzes lockert eine luftige Loggia das Bild auf, die vor allem als Gerichtssaal gedient hatte. In der Mitte des Platzes befinden sich - na, nun ratet einmal: Sitzgelegenheiten für den Genuss eines Kaffees oder eines erfrischenden Eisbechers.

Am südwestlichen Ende der von Wasser umschlossenen Altstadt sind noch große Teile der Festung Kamerlengo erhalten. Diese Festung kann man besteigen und von den mächtigen Mauern einen großartigen Ausblick auf die Altstadt und auch den neueren Stadtteil auf der Seite der Ciovo-Insel genießen.

Die Schwüle des Tages führt in der Nacht zu einem mehrere Stunden andauernden Gewitter. Durch unsere Luke lodern immer greller zuckende Blitze auf, das Wasser im Trogirski Kanal scheint gleichzeitig in mehrere verschiedene Richtungen durchzurollen und Cleo zerrt an ihren Leinen und scheint sich aufzubäumen in ihrer Fesselung. Die Bugklampe stöhnt unter der Belastung, so dass ich Erbarmen haben muss und hinauslaufe, um zusätzlich eine Leine mit Gummipuffer anzubringen und die aktuelle Leine stattdessen ein wenig lockere. Cleo dankt uns diese Wohltat mit weniger Jammern von ihrem Bug, sie ruckt nicht mehr so harrt an ihren Fesseln und lässt uns wenigstens noch etwas dieser nicht mehr allzu langen Nacht.

Gemütliche Ecken in den Gassen der Altstadt

Gemütliche Ecken in den Gassen der Altstadt

Altstadtgasse in Trogir

Altstadtgasse in Trogir


Überlegt genau, was Ihr Euch wünscht - es könnte in Erfüllung gehen!
Folgende Beobachtung möchte ich Euch nicht vorenthalten:
Von unserem Tisch im "Jadran" messe ich die Pier mit den Augen und schaue geradewegs auf Cleo, die an dieser Stelle ihren Platz vom Pierhelfer zugewiesen bekam. Eine unglaubliche Übereinstimmung fällt mir auf:

Vor fünf Jahren waren wir zum ersten (und bis heute letzten Mal) in Kroatien und nahmen an einem organisiertem Busausflug nach Trogir teil. Exakt an der Stelle, die jetzt so stolz von unserer Cleo behauptet wird, lag damals ein riesiger Segelkatamaran, auf dessen Deck der Eigner - so nahm ich es jedenfalls an - mit geduldiger Gelassenheit die weiße Rumpfhaut seines imposanten Schiffes abspritzte. Lange beobachtete ich diesen Begünstigten: 'Ein Glücklicher' dachte ich. 'Dem ist egal, ob er zwei oder drei Tage früher oder später hier ablegt und wenn er wegfährt genießt er an anderen Orten eine schöne Zeit auf seinem Schiff. Er fährt einfach so über das Meer.'

Ich weiß nicht wirklich, ob es sich um den Besitzer des Schiffes handelte, auch nicht, ob er tatsächlich jede Menge Zeit hatte. Doch nachdem ich schon täglich die weißen Boote in unserem Urlaubsort Baška Voda bestaunt und beneidet hatte, entstand damals genau hier an diesem Platz ein Wunsch der nachher zum Plan reifte: Mit genügend Zeit und einem Segelschiff das Meer zu befahren!

Ich schmunzle bei dieser Erinnerung und erzähle Claudia: "Wir haben den Liegeplatz des glücklichen Katamaraneigners von damals und besitzen vorrübergehend auch alle Zeit der Welt zusammen mit Cleo. Und Claudia antwortet ebenfalls schmunzelnd: "Siehst Du, darum überlege genau, was Du Dir wünschst. - Es könnte in Erfüllung gehen."

Mit Claudia und Cleo am Platz meiner Träume - die Pier von Trogir

Mit Claudia und Cleo am Platz meiner Träume - die Pier von Trogir


Beschädigung des Genuasegels und Änderung unserer kurzfristigen Kurspläne
Unser Plan sieht jetzt ein weiteres Highlight der kroatischen Adria vor: den Besuch der Blauen Grotte auf der Insel Biševo. Von Trogir aus brechen wir auf und beabsichtigen als erste Zwischenstation das nahe Šolta anzulaufen, um nach weiteren 25 Seemeilen tags darauf die Insel Vis zu erreichen. Von der es dann am nächsten Vormittag, wenn das Blau der Grotte seine herrlichste Leuchtkraft verbreitet, nur noch ein Katzensprung bis Biševo. Das Wasser hat sich etwas beruhigt von den Aufwühlungen der letzten Gewitternacht und Cleo verlässt die schöne Stadt an der Adria.

Zusammen mit weiteren Seglern erreichen wir die offene See, die mit ihren stetigen Wellen immer noch Spuren der letzten Nacht zeigt. Unser Segel bläht sich unter dem kräftigen Segelwind, der uns schnell zu unserem Ziel bringen dürfte. "Dürfte", denn wie Ihr bereits aus der Überschrift erahnen könnt, kommt es anders. Cleo und wir zwei haben es kaum bis hinter die rote Lateraltonne des Trogirski Kanal geschafft, als von der Mastspitze her ein dumpfes Geräusch herunterdringt. Das Vorsegel flattert urplötzlich im Wind und unser Schiff verliert an Fahrt, da wir lediglich mit dem Vorsegel fahren.

Ein Blick zum Vorliek der Genua bringt Aufklärung: es schlägt Falten und oben am Vorstag klafft eine mindestens ein Meter lange Lücke. Die obere Halterung der Genua hat sich von der Mastspitze gelöst. Mit der daraus resultierenden Unförmigkeit taugt das Segel so nicht mehr als Antrieb für das Schiff. Schnell greife ich zur Reffleine und kürze die Genua solange, bis das Flattern verschwindet. Selbst reparieren kann ich den Schaden nicht, dazu fehlt mir das Know How. Unter Deck studiere ich das Hafenhandbuch und komme zu der Erkenntnis, das weder auf Šolta noch auf Vis eine Marina mit Reparaturmöglichkeit existiert. Mit diesem einschränkenden Defekt möchten wir unsere Reise jedoch nicht lange fortsetzen, so dass wir uns für die ACI Marina Milna auf der Insel Brac entscheiden, die laut Angaben in "Kroatische Marinas", einem Werbeprospekt der kroatischen Regierung, alles das hat. Trogir hat ebenfalls eine ACI-Marina, die eine Werkstatt bieten dürfte. Jedoch haben wir einen zeitlich abgesteckten Reiseplan, dem folgend es sinnvoller ist, während der Reparatur des Schiffes eine weitere Insel zu erkunden. So sind es noch etwa 15 aufgewühlte Seemeilen, durch die sich unsere angeschlagene Cleo kämpfen muss, um das neu gesteckte Ziel zu erreichen. Zur Unterstützung in der aufgewühlten See geben wir streckenweise Motorunterstützung, auch um Hilfestellung gegen die Strömung zu gewähren. Bis plötzlich unser Motor aufhört rund zu laufen. Er stottert etwas, macht Geräusche als wolle er nicht mehr. Ich hechte zu Gashebel und drehe diesen auf Standgasstellung. Der Motor scheint sich zu fangen. Was war das? Langsam drücke ich den Hebel wieder nach vorn, erhöhe die Drehzahl, was der Motor wie gewohnt treu mit intensiverer Arbeitsleistung beantwortet. Doch kaum 10 Sekunden und er zeigt das gleiche Phänomen. Ich drehe den Motor nun ganz ab und studiere die mitgelieferten Handbücher und Beschreibungen. Kein Hinweis, woher das Verhalten rühren kann. Um die Arbeitswilligkeit unseres Volvo Penta wenigstens für das kommende Hafenmanöver zu erhalten, beschließen wir, trotz nachlassendem Wind bis zur Marina nur unter Segel zu fahren.

In Milna bekomme ich von der Dame an der Marina Rezeption lediglich eine Telefonnummer, an die ich mich wegen einer Reparatur wenden kann. In der Marina selbst könne es nicht gemacht werden. Ups - deshalb sind wir doch extra hierher gefahren? - Doch das ist nicht weiter tragisch: ich rufe die Nummer an und bin mit einem deutsch sprechendem Deutschen verbunden, dem ich die Probleme problemlos schildern kann, was gerade bei technischen Dingen sehr hilfreich für mich ist. (Wie findet Ihr eigentlich meine lustigen Doppelungs-Formulierungen im letzten Satz, Hihi). Morgen könne er zwar nicht, aber einen Tag darauf, den Samstag, solle ich mit Cleo zu ihm in die Stipanska Bucht kommen, die einen Katzensprung nördlich der ACI-Marina Milna liegt.

Ach ja: Unserer Volvo Motor verrichtete die ihm abverlangte Arbeit bei der Einfahrt in den Hafen und während des Anlegemanövers korrekt und völlig klaglos. So als hätte es seine kleine Unwilligkeit auf See nie gegeben.

Um Euch jetzt nicht noch weiter die Probleme des Schiffes aufzuhalsen, folgt erst einmal der Freitag, an welchem wir uns ein schönes rotes Cabrio ausleihen und damit quer über die Insel gondeln.


Die dicke Insel Brac
Niemals würde ich jemand beleidigen wollen, schon gar nicht, wenn er (besser: sie) so schön ist wie die Insel Brac. Das sie die Dicke genannt wird, hebt sie lediglich ab von ihrer Schwesterinsel Hvar ab, die wiederum die Lange ist und von uns später besucht werden wird.

Um die Insel ein wenig kennen zu lernen, mieten wir uns einen PKW. Den gibt es nicht in Milna, sondern in Supetar, was 18 Kilometer entfernt ist. Der prima Service der Autovermietung holt uns direkt am Liegeplatz unseres Schiffes ab, um mit uns nach Supetar zu fahren. Der Chef fährt uns persönlich. Und er erzählt. Er erzählt mit Liebe von seiner Insel, von Brac. Von den teilweise entvölkerten Dörfern, wie Ložišca. Eine Krankheit der Weinreben zerstörte die Existenzgrundlage der Bauern. Viele der Betroffenen wanderten damals nach Südamerika aus. Heute leben die Menschen meist vom Tourismus. Wie er selbst auch. Im Winter ist er nicht auf Brac. Dann ist er in ganz Deutschland unterwegs um Gebrauchtwagen aufzukaufen, die er in den Süden bringt. Seine Frau ist auch aus Deutschland, aus Karben. Hey, das ist bei uns um die Ecke. So ein Zufall! Beim Plaudern vergeht die Fahrt wie im Flug und am Stützpunkt in Supetar angekommen zeigt er uns die verfügbaren Autos und fragt: "Which one do you want?" - Natürlich das kleine rote Cabrio!

Blick auf den Ort Splitska. Im Hintergrund das Festland mit der Makarska Riviera und Omiš

Blick auf den Ort Splitska. Im Hintergrund das Festland mit der Makarska Riviera und Omiš

Rotes Tuch - Rotes Auto: beide "oben ohne"

Rotes Tuch - Rotes Auto: beide "oben ohne"

Ich schicke Euch auch gleich vorweg, dass wir bereits beim Leihen des Autos einen Fehler begangen haben: nur einen einzigen Tag zu mieten. Brac ist viel zu groß, als dass alles an einem Tag abgehetzt werden könnte. Doch morgen ist der Termin mit für unsere Schiffsreparatur und so sehen wir uns heute so viel als möglich von dieser wunderbaren Insel an.

In Škrip werden wir von einer älteren Frau angesprochen, die ganz gerne hätte, dass wir zur ihr zur Weinprobe kommen. Nein, daran seien wir nicht interssiert. Sie habe aber auch gute Aperitifs, alles aus eigener Herstellung. Und Olivenöl. Hier wird Claudia hellhörig. Das interessiert sie, da ihr das Olivenöl direkt aus der Herstellung immer besser schmeckt als vom Supermarkt. Wir versprechen ihr also, nach der unseren Besichtigungen hier im Ort bei ihr vorbeizuschauen. Es ist uns natürlich klar, dass wir bei einer so persönlichen Einladung mit großer Sicherheit etwas kaufen werden, Probe hin oder her. Auf unserem Rückweg durchs Dörflein wartet die Frau auch bereits an der Strasse. Sie winkt uns in eine dunkle, etwas muffige Scheune oder umgenutzte Stallung. Wir werden uns dann auch handelseinig, nehmen Olivenöl und eine große Flasche eines Obstaperitifs und sind sehr zufrieden damit. Wie wir bei der Konversation (alles?) verstehen konnten, ist uns nicht erklärbar. Die Frau konnte kein Wort außer kroatisch. Und wir können viele Wörter - außer kroatisch. Trotzdem hat es funktioniert.

Die Dächer des römischen Kastells in Škrip schauen aus wie mit Schnee bedeckt. Es ist die hier oft übliche weiße Kalkung der Dächer.

Die Dächer des römischen Kastells in Škrip schauen aus wie mit Schnee bedeckt. Es ist die hier oft übliche weiße Kalkung der Dächer.

Die Insel hat sich weltweit einen großen Namen durch ihren marmorähnlichen Kalkstein gemacht, mit dem prominente Gebäude in aller Welt erschaffen wurden, so der Diokletianspalast in Split, unser Reichstagsgebäude in Berlin, das Wiener Rathaus und auch das Weiße Haus in Washington. Im Steinbruch von Pucišca, wo die größte Abbaustelle der Insel liegt, schlafen riesige quaderförmige Steinblöcke und warten auf ihren Abtransport. Es ist Freitag Nachmittag und ich habe mich aufs Gelände gemogelt. Ich spaziere zwischen den stattlichen Giganten, wohl darauf achtend, sie nicht versehentlich aus ihrem Schlaf zu holen. Diese Kolosse erwecken ungeheure Ehrfurcht in mir. Unter der steilen Schnittkante am Berg steigt in mir eine große Demut auf. Fast möchte ich die Arme schützend über mich halten, was freilich nichts nützen würde. Enorm, was Maschinen, von Menschen gebaute Stahlmonstrums, zu tun vermögen. Respektvoll verlasse ich diesen Ort wieder.

Brac kann sich zudem rühmen, den höchsten Berg aller dalmatinischen Inseln zu besitzen, den Vidova gora mit 778 Metern. Das berühmte goldene Horn übrigens, der Sandstrand von Brac, von dem keiner so genau weiß, ob dessen "goldene Nase" nun links oder rechts herum zeigt, wollte sich uns nicht im Sonnenlicht präsentieren. An diesem 29. Tag erleben wir zum ersten Mal in unserer inzwischen vier Wochen langen Reise, dass es hier im Inselparadies Kroatien auch Tage ohne durchgängig strahlende Sonne gibt. - Na so was!

Blick auf die Stadt Pucišca

Blick auf die Stadt Pucišca


Auf der Sonneninsel Hvar
Schon bei der Ansteuerung der Stadt Hvar, dem ersten In-Sicht-Kommen ihrer um den Hafen herum gruppierten altstädtischen Häuser, freut sich Claudia wieder so, wie wir es bereits von Trogir her kennen. Ja, Hvar ist bereits von Weitem als anmutige mediterrane Kleinstadt zu erkennen, die wir alsbald mit unseren Touristenbeinen erobern werden. Doch zuvor halten wir Ausschau nach einem passenden Liegeplatz für unser Schiffchen. Wir wissen, dass Hvar kaum Liegeplätze anbietet und bemerken bei der Einfahrt in das Hafenbecken, dass bereits zwei Segler erkundend kreisen. Ganz offensichtlich auf der Suche nach einem geeigneten Platz. Von den wenigen Plätzen mit Moorings auf der rechten Seite des Hafens sehen wir sich eine enttäuschte Segelyacht entfernen. Wir versuchen also gar nicht erst, dort anzulegen und lenken Cleo schnell zu einer der beiden freien Bojen auf der anderen Seite des Hafens, bevor diese von nachkommenden Yachten belegt werden. Direkt neben uns macht gerade ein älteres Schweizer Seglerpaar mit ihrer ganz neu scheinenden Nauticat fest. Den ganzen Vormittag hätten sie bereits gegenüber an dem kleinen Eiland geankert und auf das Freiwerden einer Boje gewartet. Wir haben also Riesenglück, so schnell an die Reihe zu kommen. Schon oft kam mir der altbekannte Spruch "Wenn Engel reisen ..." in den Sinn. Bin mir nicht sicher ob das mit den Engeln - zumindest für meine Person - stimmt, doch das Glück mit Wetter und Liegeplätzen war bisher immer mit uns. Das kann ja schon so fast gar nicht mehr weitergehen und so kommt es auch. Ausgerechnet hier, auf der "Sonneninsel" Hvar, überraschen uns dunkle tiefhängende Wolken, die über mehrere Tage ihre nasse Last auf uns herabprasseln lassen werden. Der Plan war, die Insel einen Tag nach unserer Ankunft bereits wieder zu verlassen, um nach ein paar Spaziergängen sowie Foto- und Videoaufnahmen den verschobenen Besuch von Biševo und der blauen Grotte nachzuholen. Doch die Filmaufnahmen werden nur grau aussehen und so nehme ich hier vorweg, dass wir letztlich insgesamt drei Nächte in diesem unruhigen Hafenwasser verbringen.

Statt Sonne nur Regen auf der Sonneninsel

Statt Sonne nur Regen auf der Sonneninsel

Um die Zeit zu verweilen sind die vielen gemütlichen Restaurants und Konobas, die oft mit großen Schirmen überdacht sind, lebhafte Treffpunkte der Menschen. Die Hvarianer sind auf den Andrang vorbereitet: Es gibt die Auswahl auf designerähnlichen Stühlen zu sitzen oder in gemütlichen Rattansofas zu versinken. Wir zwei bleiben in einer Pizzeria mit einladenden Rattansesseln hängen und beobachten von da aus die vorbeieilenden Regenschirme mit ihren teilweise bereits durchnässten Trägern.

Das Wasser, das uns der Himmel schenkt, wird in dieser Menge zur Plage. Strassen und Plätze sind überflutet, viele Flaneure haben sich ihrer Schuhe und Strümpfe entledigt und staken mit hochgekrempelten Hosen durch kleine strömende Bäche.

Hvar ist eine anmutsvolle Stadt, an deren Hafen sich unmittelbar steile Hänge anschließen. Deshalb wurden die Gebäude eng an die Felsen gebaut und als Zuwege führen zahllose Treppen zu den Häusern. Die Stufen erscheinen jetzt wie extra angelegte Katarakte, durch die Wasserfälle ihre Wassermassen zu Tale schicken. - Sogar in dieser Ausnahmesituation verbreitet die Kulisse der Häuser ihren zauberhaften Charme und so ist es schließlich nicht weiter tragisch, dass wir unseren Aufenthalt an diesem inspirierenden Ort wetterbedingt verlängern.

Nach dem Regen

Nach dem Regen

Für Spazierfreudige gibt es herrliche Wege, welche beidseitig der Stadt an der Küste entlang führen. Der Weg links entlang führt - mit ständigem Blick auf das Meer und das Leuchtturminselchen Pokonji Dol - bis zu der schönen Badebucht Križni Rat, an der auch eine Konoba für das leibliche Wohl sorgt. Ebenfalls habe ich dort zwei gelbe Bojen gesehen, die sicher zur Konoba gehören und an denen Boote gut festgemacht werden können. Rechts von Hvar erwandern wir einen ebenfalls sehr gut ausgebauten Weg bis zu einer kleinen Bucht, an der auch eine kleine Mole als Anleger für Boote existiert. Am Wege locken Restaurants mit gemütlichen Sitzgelegenheiten, in denen man sich bei einem kolossalem Panorama eine Pause gönnen kann. Wie einem aus dem Jahre 1930 stammenden Badehaus, wo wir bei feudal wirkender Ambiente einen Kaffee getrunken haben. So nutzen wir die Gelegenheit des trüben Wetters, Entspannung zu finden und bei freundlich servierten Getränken unser Reisetagebuch zu schreiben.

Am Hafen von Hvar selbst bekommen Touristen alles, was den Aufenthalt angenehm macht. Wir finden hier Geschäfte für kleine Einkäufe und wühlen an den aufgebauten Holzständen nach Mitbringseln für unsere Lieben. Über Hvar legt sich im Juni und Juli ein blauer Lavendelteppich und so nimmt es auch kein Wunder, dass wir an vielen wohlriechenden Lavendeldüften vorbeikommen, die in farbige Säckchen verpackt verkauft werden. Auch wird origineller Modeschmuck angeboten, was ganz sicher die Eine oder Andere zu einem Kauf verführen wird. Ausflugstouren mit Schiffen auf die Nachbarinseln werden angeboten und es gibt die Möglichkeit, ein Boot mit einem kleinen Außenborder zu leihen. Mit diesem fährt man dann auf die gegenüberliegenden Pakleni-Inseln, die "Teufelsinseln" und kann in einer der wundervollen Buchten Badespaß haben. Wer sich lieber chauffieren lassen möchte, kann sich von einem der vielen Taxiboote zu den Inseln hinüber bringen lassen.

Blick von der Hvarer Zitadelle hinüber zu den Pakleni-Inseln ("Teufelsinseln")

Blick von der Hvarer Zitadelle hinüber zu den Pakleni-Inseln ("Teufelsinseln")


Die Bora-Gewitternacht Nacht an der Boje
Nachdem wir die erste Nacht an der Boje durch den hier offenbar normalen Schwell im Hafen recht schlaflos verbracht haben, beschließen wir, uns für die zweite Nacht einen anderen Platz zu suchen. Beispielsweise in einer Bucht mit Boje und ohne Heckleine. Dort könne Cleo dann dem Wind entsprechend schwojen. Die auf den Schiffsrumpf wirkenden Kräfte werden damit minimal und wir liegen bestimmt ruhiger.

Doch Pläne sind manchmal nur dazu da, geändert zu werden. Am Nachmittag stellen wir von der gegenüberliegenden Hafenseite aus fest, dass sich das Schaukeln unserer Cleo bereits stark vermindert hat und beschließen weiterhin, an dieser Boje auf den Hvarer Sonnenschein zu warten.

Abends auf dem Boot beobachten wir gleichwohl, wie das Pendeln wieder stark zunimmt. Die Sonne hat bereits das Firmament verlassen, in der hereinbrechenden Dunkelheit verzichten wir auf das Suchen eins neuen Platzes. Das Pfeifen des Windes in den Masttops und Salings hat begonnen. Es ist Bora gemeldet, die den noch vorherrschenden Jugo vertreiben sollte. Wir wissen das und freuen uns auch auf die Wetterverbesserung, die die Bora mit sich bringen wird. Doch vor dem Vergnügen wartet auf uns eine fast schlaflose Nacht. Wind und Wellen stürmen gemeinsam gegen die Seite des Schiffes. Das Boot zerrt an den Leinen, die zur Boje führen. Ich höre einen dumpfen Schlag von der Bordwand und laufe hinaus. Cleo wird eng an unseren Liegenachbar gedrückt. Die Heckleine ist straff über der Wasseroberfläche gespannt. Ich suche unsere Boje, wo der Bug festgemacht ist. Sie ist weg! Doch alle anderen Bojen sind auch weg, vom Wasser verschlungen. Eine kleine Spitze einer Boje schaut gelegentlich zwischen den Wellen heraus. Durch den starken Zug der vom Wind vertriebenen Boote werden die Bojen unter Wasser gedrückt. Jetzt bereue ich, keine zweite Heckleine ausgebracht zu haben und verlege fast alle unsere Fender auf die Seite zu unserem nahen Liegenachbar. Und die Heckleine ziehe ich jetzt bei jedem kleinen Nachlassen der Böen Zentimeter für Zentimeter an. Dadurch gewinnen wir freien Raum zwischen Cleo und dem Motorschiff neben uns, durch den jetzt ein Wuseln von aufgeregten Fischen hüpft. Durchnässt und zufrieden mit meiner Arbeit verschwinde ich wieder im Innern des schaukelnden und zerrenden Rumpfes.

Es ist laut draußen. Als habe sich das Meer mit dem Himmel zu einem riesigen Instrument vereinigt, auf dem Melodien erschaffen werden, die die Gewalt von Beethovens Fünfter zu übertreffen versuchten. Immer wieder stecken wir unsere Köpfe aus der Luke. In das aufgewühlte Hafenwasser fahren ständig Segler mit der Hoffnung ein, einen sicheren Platz zu finden. Doch den hält der Hafen leider nicht mehr bereit. Die Crews kämpfen sichtlich auf den Schiffen. Durch die peitschenden Böen dringen Fetzen von Kommandorufen zu uns hinüber. Eben hat sich unmittelbar neben uns ein amerikanisches Boot in den Bojenleinen eines anderen Liegeschiffes verfangen. Die schattigen Umrisse der Crewmitglieder laufen über das Deck, Bootshaken und Fender in der Hand. Trotz Pfeifen des Windes höre ich deren klucksendes Schraubenwasser bis zu uns. Mittels Einsatz seines Bugstrahlruders gelingt es der Mannschaft schließlich, der Gefangenschaft der Leinen zu entrinnen.

Das Hafenbecken ist mittlerweile aufgefüllt von ankernden Schiffen, an deren Trosse die Bora zerrt und reißt. Hoffentlich halten die Anker! Viel freien Raum für Manöver haben sie nicht mehr um sich herum.

Unser Großfall habe ich standardmäßig vom Mast weggebunden, um ein Schlagen der Leine an den Mast zu verhindern. Das scheint heute nicht mehr zu auszureichen. Im Innern des Schiffsrumpfes ist das regelmäßige Pochen fast ohrenbetäubend. Wieder laufe ich hinaus. Gerade als ich in der Dunkelheit das Fall an die Wanten binde, schickt die Bora unerwartet eine ihrer wohl kräftigsten Böen in das Gefecht. Die kurze Leine fahren lassend klammere mich an den ruhelosen Mast, als vom Niedergang Claudias erschrockene Stimme kurz und scharf meinen Namen schreit: "Thomas!". Ich bange, Schlimmstes sei passiert. Doch ich kann Euch beruhigen, es war nichts. Erschreckt und aufgescheucht von der Böe stürzte Claudia mit der Befürchtung nach draußen, ich müsse ins brodelnde Wasser zwischen die tanzenden Schiffe gefallen sein. Das ist nicht passiert.

Der Wind nimmt weiter zu. Unter dem Knarren und Ächzen der Leinen an den Bugklampen, die über unseren Kojen montiert sind, können wir nicht einschlafen. Das Schiff bewegt sich zudem sehr, es schwankt und rollt. Entspannung ist nicht möglich. Und Claudia kämpft gegen ihre Seekrankheit, die sie hier im Hafen zum ersten Mal auf unserer Tour aufsucht. Wieder laute Schreie draußen, die durch das Tosen abgedämpft zu uns dringen. Kopf aus der Luke. Die Anker zweier Schiffe sind ausgerissen und die Schiffskörper wurden vom Wind aneinandergetrieben. Nach einer Weile großer Anstrengungen fahren beide Schiffe aus dem Hafen. Wo können die jetzt noch hin? - Wir sind heilfroh, unseren ungemütlichen Bojenplatz beanspruchen zu dürfen.


Beschluss: Dann Hvar eben ohne Sonnenschein
Die Bora brachte noch keine Wetterverbesserung. Es ist weiterhin grau und vernieselt. Nach zwei Tagen von diesem Wetter geben wir auf. Die Hvar-Filmsequenzen drehe ich eben im Einheitsgrau. Schwarzweißfilm wäre jetzt eine gute Alternative, dann merkt man's vielleicht nicht so sehr .

Wir beschließen gleichsam, den Besuch der Insel Vis und der blauen Grotte auf Biševo ins Wasser fallen zu lassen. Diese Sehenswürdigkeit ist schließlich überhaupt nur bei Sonnenstrahlen ein Ereignis. Unser nächstes Ziel ist nun Starigrad auf der anderen Seite der Insel, von wo aus wir uns auf die vielgerühmte Makarska Riviera auf dem Festland freuen.

Am nächsten Morgen, genau an dem Vormittag, an dem wir das verregnete Hvar verlassen wollen, strahlt der Himmel in leuchtenden Blau und die Sonne tut gerade so, als wäre sie nie weggewesen. Das ist Wasser auf unsere Fotomühlen! Wir machen uns sofort auf den Weg Richtung der Stadtfestung, die alles beschützend hoch auf einem Berge über Hvar steht. Festungen haben Jungen wie mich schon immer in ihren Bann gezogen und somit ist der Weg nach oben für mich weder schwer noch lang. Auch Claudia freut sich über die immer atemberaubenderen Panoramen, die sich aus der zunehmenden Höhe ergeben. Die Festung, beherbergt heute ein exklusives Gastronomieobjekt. So wird die mächtige Beschützerin Hvars, von der einst die Kanonen donnerten, heute ein Zufluchtsort für Lieder, Vergnügen und zum Träumen.

Schade, dass wir die Stadt nun verlassen müssen, die wir trotz des nassen Wetters in unser Herz geschlossen haben. Wir sind froh, dass wir auf dem Weg zur Makarska Riviera vorerst noch auf dieser Insel bleiben und verlassen diese unvergessliche Kulisse in Richtung Starigrad auf der anderen Seite dieses wundervollen Eilandes.

Auf der Stadtfestung von Hvar

Auf der Stadtfestung von Hvar

Stadthafen von Hvar; im Hintergrund die Stadtfestung

Stadthafen von Hvar; im Hintergrund die Stadtfestung


Die andere Seite der Insel Hvar ...
... ist genauso großartig wie die, die wir heute Mittag mit Wehmut verlassen haben. Die Fahrt auf dem Meere um die Insel herum war nicht so angenehm für uns zwei "Sonntags-Kaffee-Segler". Zwei Meter wenn nicht sogar ein paar höhere Wellen bedeuten für unsere kleine Cleo schon eine beachtliche Anstrengung. Nicht das sie kentern könnte, nein. Jedoch ist das Rollen in den Wellen so gewaltig, dass das Schiff recht nass segelt und wir uns mit Mühe im Cockpit festhalten können. So sind wir glücklich nach fünf Stunden auf dem Meere den Hafen von Starigrad zu erreichen, der uns mit abendlichem Sonnenschein empfängt. Im Hafen tanzen farbenprächtig bemalte Boote an den Leinen und wir lassen uns in einem Restaurant mit Live-Klaviermusik das Abendessen servieren. Und alles ist wieder gut!

Fischerboote vor der Kulisse von Starigrad

Fischerboote vor der Kulisse von Starigrad

In Starigrad trennen uns nur noch etwas über 30 Seemeilen von Makarska oder Baška Voda auf dem Festland, jedoch ist der Wind direkt gegen uns, was Kreuzen bedeutet. Somit ist klar, dass wir erst noch Zwischenstation in der Marina Vrboska machen werden. Und was soll ich Euch sagen: es gefällt uns dort so gut, dass wir am folgenden Tag von dem Angebot Gebrauch machen und uns Fahrräder leihen, mit denen wir dann die malerische Gegend erkunden. So verleben wir aufs Neue einen faszinierenden Tag auf der Insel. Hvar ist eine der schönsten Inseln, die ich je in meinem Leben gesehen habe!

© Thomas Lippert, 2009
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Über vier Monate im und am Meer unterwegs mit allem, was man sich wünschen kann: nette Menschen, wunderschöne Orte, gigantische Landschaften, herrliches Wetter... Und auch mit Einigem, was sich keiner wünscht: Segelschaden, Probleme mit dem Motor und schließlich einem Blitzschlag am Ankerplatz, der unseren Törn vorzeitig beendete. Auch die Vorbereitungen zu dieser Reise - Probleme mit dem Job, der Wohnung und anderen Dingen - werden thematisiert.
Details:
Aufbruch: 01.05.2009
Dauer: 5 Monate
Heimkehr: 30.09.2009
Reiseziele: Kroatien
Bosnien und Herzegowina
Montenegro
Italien
Slowenien
Der Autor
 
Thomas Lippert berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.
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