Ein Segelsommer auf der Adria

Reisezeit: Mai - September 2009  |  von Thomas Lippert

2. Törnstart in Kroatien: Mitteldalmatien

Karte der Tour Mitteldalmatien (und Süddalmatien)

Karte der Tour Mitteldalmatien (und Süddalmatien)

Ankunft in Makarska oder: Wie ich mein Ankergeschirr verliere

Das Meer ist spiegelglatt, weit und breit nicht einige einzige Welle. Unsere kroatische Gastlandflagge hängt etwas lustlos herunter, manchmal etwas bewegt vom Fahrtwind, den sie einzig unserem Volvo Penta verdankt. Uns ist das gerade recht. Claudia hat es sich mit einer weichen Matte auf dem Vordeck gemütlich gemacht und ich sitze auf der Süllkante und studiere unsere Reiseführer. Wir befinden uns nach acht, teilweise eher unfreiwilligen, Übernachtungen auf dem Wege von der Insel Hvar zur Makarska Riviera. Der Autopilot ist auf 60 Grad eingestellt und hält gelassen unseren Kurs durch die unbewegte See.

Nach fünf gemächlichen Stunden erreichen wir den Hafen von Makarska, der Namenspatronin des gesamten Küstenabschnitts. Geradeaus, vor der Nase unserer Cleo entdecken wir genau ein einziges mit Mooringleinen festgemachtes Segelschiff. Daneben soll unser Platz sein, beschließe ich. Claudia findet wegen der unmittelbaren Nähe zur belebten Flaniermeile meine Wahl nicht so gut. Jedoch mein Vorschlag, mit dem Bug voran an die Pier zu fahren, findet dann Zustimmung. So können uns die vielen Urlauber nicht ins Cockpit und in den Salon schauen.

Wäre ich nur lieber auf ihren Vorschlag eingegangen, das Boot an eine andere Stelle des Hafens zu steuern!

Spiegelglattes Meer; Im Hintergrund: die Riviera zwischen Makarska und Ploce

Spiegelglattes Meer; Im Hintergrund: die Riviera zwischen Makarska und Ploce

Anfahrt auf Makarska

Anfahrt auf Makarska

Neben dem anderen Boot angekommen springt Claudia mit der Bugleine an Land, macht diese fest und gibt mir die Mooring. Ich laufe damit Richtung Heck, während ich die vermeintliche Pilotleine, an welcher üblicherweise wiederum die Mooringleine angeknotet ist, immer weiter aus dem Wasser ziehe. Huch! - Zu Ende das Leinchen! Keine Mooring dran. Und ich sehe: "Unsere" Mooring wird von dem Segler neben uns belegt, der somit zwei Moorings benutzt. Nun gut, dann nehmen wir eben die nächste freie und ziehen unser Boot dann Meter für Meter in Richtung der gefundenen Mooring. Wenn - ja wenn Claudia eine Mooring finden könnte. Alles nur Leinengestrüpp. Inzwischen ist ein auch älterer Mann hinzugetreten, der uns seine Hilfe aufdrängt. Oder vielmehr so tut, als brächen wir ein Tabu, da unsere Cleo im Moment eng an das andere Segelboot angeschmiegt liegt. Kein Problem eigentlich, diese Kuschelstunde für die beiden, weil beide Schiffe mit genügend Fendern gepolstert sind. Auf dem T-Shirt des Helfers steht aufgestickt "Marina ", wodurch ich in den Glauben gerate, das ist der zuständige Marinero. Und er bedeutet mir, dass ich hier meinen Anker benutzen müsse, um mich festzumachen. Das wusste ich nicht, keine Verlautbarung in unserem Hafen- und Ankerplatz Atlas. So habe ich bisher noch nie festgemacht. Obwohl der Alte langsam nervt denke ich: 'Egal, einmal ist immer das erste Mal', entferne das Boot von der Hafenmauer, drehe es, werfe meinen Buganker in das Wasser und fahre nun rückwärts an den Kai. Nach Festmachen der Leinen verschwindet der Nervenkiller-Helfer endlich. Und wir stellen fest, dass ich den Buganker nicht in gerader Linie vor dem Anlegeplatz ins Wasser geworfen habe. Wir stehen echt schräg. Echt schräg eben, die ganze Sache. Neben uns fährt ein Paragliding Boot an die Pier, dessen Fahrer uns bedeutet, in Richtung des Yachtclubs zu verschwinden. Die dazugehörige Geste kommt so wie "Kuscht Euch!" Das ist deutlich, wir machen unsere Leinen los und ich ziehe vorne am Bug die Ankerkette hoch. Irgendwann geht nichts mehr. Das ist der Nachweis: der Anker hätte hier Klasse gehalten. Soll er jetzt aber nicht mehr. Zieh, Ächz, Zerr! Uff, ziiiieh, ääächz. Ja, da staunt Ihr, was? Auf unserem kleinen Boot ist beim Ankern Handbetrieb angesagt, was nie ein Problem war. Doch nun werden meine Arme immer schwächer und gleichzeitig länger. Ääächz!

Jetzt ist erst einmal Nachdenken angesagt. Cleo steht zum Glück so, dass sie zwischen den vielen Leinen, kleinen Bojen, der besagten Segelyacht und einem Fischerboot relativ frei schwojen könnte. Somit haben wir ausreichend Bewegungsspielraum, einen Rückwärts-Ausbruchsversuch, weg von der Kaimauer, zu versuchen. Mal mit kurz gelassener Ankerkette, mal an die lange Leine genommen versuchen wir im Rückwärtsgang, dem Anker wieder an die Luft zu verhelfen. Doch es ist nichts zu machen. Der Anker bleibt vom Wasser verschlungen. Er scheint sich an einem Betonklotz oder Ähnlichem festgebissen zu haben. Über der Stelle, wo er sich befindet, schaukelt eine kleine "Kanister"-Boje. Unser Echolot zeigt sieben Meter Wassertiefe. In meinen Seglerbüchern habe ich die Leute immer bewundert, die bei solchen Gelegenheiten ihre Tauchkünste bewiesen haben. So etwas habe ich leider nicht zu beweisen ... - Mein letzter und auch tiefster Tauchgang von etwa drei Meter fünfzig liegt fast 30 Jahre zurück und spielte im Schwimmbad bei einer "Blubber", einer Taucherhasche. Meist hatte ich schon damals am Abend danach Kopfschmerzen. Das tue ich mir hier nicht an und lasse die Cleo im Rückwärtsgang Richtung Meer zerren, während Claudia das Bändsel kappt, welches gerade noch die Kette mit unseren Anker hält. Zehn Meter Kette rauschen nun mit einem endgültigen Klacker-Geräusch über die Abbrollkante ins Hafenwasser. Das Bändsel habe ich darangebunden, damit unser Boot nicht vertreibt, während ich den Rückwärtsgang einlege und der Anker schon gekappt ist.

Etwas "erleichtert" strebt Cleo nun doch dem clubeigenen Bootssteg auf der rechten Seite des Hafenbeckens zu.

Achso, es gibt noch eine Moral zu der Geschicht', die ich jedoch auch schon vorher kannte (wo war die Kenntnis darüber nur bei meinem Ankermanöver?). Unser Vercharterer erklärte uns eine Regel mehrmals, bevor wir in See stachen: "Höre niemals auf die vielen Schwätzer auf der Kaimauer. Sie wissen immer alles besser, haben aber keine Ahnung."

Ich für meinen Teil habe nun schon eine Ahnung, dass man seinen Anker nicht überall hineinwerfen sollte. Übrigens: der ahnungslose "Marina "-T-Shirt-Träger ward von uns nie wieder gesehen.

Cleo am Clubsteg

Cleo am Clubsteg


Ein lebhafter Ort: Makarska
Der touristische Mittelpunkt der Makarska Riviera ist die langgestreckte historische Hafenstadt Makarska. Der einstige Seefahrer- und Fischerort zeigt einen fließenden Kontrast zwischen dem bis unmittelbar an die Küste heranreichende Biokovo Gebirge und einem dichten Pinienwald, in dem die Grillen bis spät in die Nacht ihre Liebeslieder trällern. Der schönste Moment des Tages ist, wenn wir nach getaner Arbeit in den Cafés und Musikbars an der Hafenpromenade im Schatten von Palmen gemütlich sitzen. Wir nippen erfrischende Getränke und beobachten all die vorbeiflanierenden Leute. Die Gäste am Nebentisch tun genau das gleiche. Und die an deren Nebentisch auch. Hier wird gesehen und sehen gelassen. Es sind auffällig viele Kroaten selbst, die hier ihren Urlaub verbringen und es sind sicher auch einige Einheimische darunter. Insgesamt ist es schon ein illustres Publikum, welches sich da in den verschiedensten Garderoben vor unseren Tischen vorbeibewegt. Wer von allen am interessantesten zu beobachten ist, und deren Vertreter in recht großer Zahl vorbeitippeln, sind die Kinder. Kinder überall.
Die Pfarrkirche Sveti Marko auf dem Kacicev trg
Mal an der Hand vom Papa, der stolz wie Oscar die ungelenken Schritte seines Sprösslings überwacht. Oder die, die beim Fangen des Geschwisterchens kreischend und lachend quer vor den Beinen der anderen Flaneure herumstolpern. Und auch diejenigen, die offenbar schon ganz genau wissen, wohin sie wollen und deren unbedingter Wille nicht auf den Gehorsam ihrer Eltern trifft. Diese jungen Menschen vernehmen wir selbstverständlich am lautesten ihre Begierden kundtun.

Und: zum ersten Mal auf unserer Reise nehmen wir uns die Zeit für einen Badenachmittag am Kiesstrand, wo sich das Wasser fast unvorstellbar klar in der Sonne spiegelt. In Makarska gibt es viele Strände und auch viele reizvolle Plätze zum Baden.

Für manche ist in Makarska vielleicht zu viel Trubel. Wir gehören meist auch zu diesen. Jedoch nach vielen kleineren Orten und einsamen Buchten, die wir angefahren haben, tut uns diese lebhafte Stadt sehr gut. Es ist so herrlich, unter vielen fröhlichen Menschen zu sein!

Der Ferienort Makarska mit Strand

Der Ferienort Makarska mit Strand

Ausflugsschiffe stehen bereit, um die Touristen auf die Inseln Hvar, Brac oder Korcula zu bringen

Ausflugsschiffe stehen bereit, um die Touristen auf die Inseln Hvar, Brac oder Korcula zu bringen

Die Pfarrkirche Sveti Marko auf dem Kacicev trg

Die Pfarrkirche Sveti Marko auf dem Kacicev trg


Was passiert, wenn man nicht komplett bezahlt so wie wir ...

Wir selbst haben in Makarska beim Yachtclub festgemacht. Zuerst an dem Steg nah der Landseite. Dort wurden wir von einem freundlichen Yachtclubmitarbeiter weggeschickt (weil Privatplatz). Er wies uns einen Platz am Mittelsteg zu und stand uns sehr hilfreich beim Festmachen zur Seite. Gelegen haben wir dort fünf Nächte mehr unruhig, obwohl kein starker Wind wehte. Das Hafenwasser ist an sich schon sehr unruhig, die Geräuschkulisse eines belebten Ferienortes tut ihr Übriges. Jedoch wollten wir mit einem Leihwagen so viel besichtigen, dass wir letztlich so lange dort lagen. Die Kosten waren 150,- Kuna pro Nacht. Quittung/Rechnung gibt es keine, auch nicht nach hartnäckiger Nachfrage von Claudia. Nachdem wir für die ersten zwei Tage bezahlt hatten, fragte uns der freundliche Helfer (er war immer irgendwie anwesend), wann wir abreisen und wollte die fehlenden 450,- Kuna kassieren. "Rechnung?" - "Ja, ich hole sofort eine und komme dann zum Boot!" Nach 100 Metern dreht er sich noch mal um und ruft: "Nein, ich komme heute Abend um Neun!" Um Neun waren wir nicht am Boot und am nächsten Morgen lösten wir kurz nach acht die Leinen und fuhren aus dem Hafen. Keine Rechnung, kein Geld. Die Sache erschien uns dubios, obwohl 150 Kuna nicht zu teuer sind (immerhin inklusive Strom und Wasser!). Nach etwa zwanzig Minuten frohlocken ob der billigen fünf Nächte verfolgt uns eins ein Motorboot. Es kommt längseits und der quittungslose Yachtclubmitarbeiter erinnert uns - diesmal mit zwei Helfern bewaffnet - an die ausstehenden Kunas. "Rechnung?" frage ich. - "Kein Problem, kommen Sie mit zurück nach Makarska. Sie bekommen die Rechnung um 10:00 Uhr". Das kennen wir, wir warten ja heute noch auf die Rechnung für die erste Rate. Ich bezahle die 450 Kuna eben wieder ohne Rechnung und die Welt ist in Ordnung. Letztlich sind wir mit dem Liegeplatz zumindest preislich nicht schlecht gefahren. Für Boote über zehn Meter sind die zwei-drei Gastliegeplätze in diesem Yachtclub allerdings ungeeignet; die Moorings sind schlicht zu kurz.

Die Strasse der Kastelle ...

... ist gar nicht so einfach zu finden. Straßen finden wir genügend, jedoch hapert es gleich schon mit dem ersten Kastell. Ihr solltet an dieser Stelle vielleicht erfahren, was unser Reiseführer dazu schreibt:

Hinter Trogir verläuft parallel zur Magistrale, aber näher an der Küste die "Straße der Kastelle" bis nach Split. Als das osmanische Reich im 16. Jahrhundert seine Macht bis an die Grenze von Split und dem Kozjak-Gebirge hatte ausdehnen können, hielten der Adel und die Kirche ihren Landbesitz für gefährdet. Patrizier und Bischöfe der Spliter Gegend ließen entlang der Küste zahlreiche Kastelle bauen, die nicht nur den Ernteertrag schützen sollten, sondern ...

Quelle: Freude am Reisen: Kroatien - Adriaküste, Nelles Verlag 2001

Und nun schaut Euch mal unsere die Straßenkarte dazu an (siehe Foto oder <a href="http://maps.google.de/maps?f=q&source=s_q&hl=de&geocode=&q=Split&ie=UTF8&sll=43.545313,16.378899&sspn=0.145577,0.493011&rq=1&radius=12.36&ll=43.545313,16.378899&spn=0.145577,0.493011&z=12">hier</a>. Danach sollte keines der Kastelle schwer zu finden sein, nicht? Wir beginnen aus Richtung Split kommend mit dem Kaštell Sucurac. Da Ihr ja nun nach Studium des Kartenausschnittes auch wisst, dass zu jedem Kastell ebenfalls ein Ort gehört, kann es ja nicht mehr schwer sein. Wir biegen also in den Ort Kaštell Sucurac ein und nun beginnt unsere Suche. So ein Kastell als Sehenswürdigkeit sollte ja wohl ausgeschildert sein. Fehlanzeige. Wir fahren so nah ans Meer wie möglich und schauen die Küste entlang. So ein paar Wehrtürme sind doch nicht zu übersehen! Doch hier, in unmittelbarer Nachbarschaft zu Split, sehen wir nur die turmartigen Bauten von Chemieanlagen.

Als typischer Mann mit "Frage-Scheu" überwinde ich diese und frage ein paar Teenager-Schulmädchen, die an einer Bushaltestelle auf solche Fragen zu warten scheinen. "I'm looking for Kastell Sucurac. Where is it?" - "Here, just here." - "Haha, here! - Kastell is same like castle, isn't it? So where are the towers?" Kicher, Gegacker, dann die Rückfrage: "Ahm - What towers?" - "I think, a castle should have towers. And here is Castle Sucurac. So where is the old building with the towers?" - Noch mehr Gekicher, lauteres Gegacker, einige der Mädchen drehen sich weg und gestikilieren in Richtung der anderen (seh' ich doch genau!). "Here is no castle." Punkt. Jetzt kommt nichts mehr von den Mädchen, die halten mich ganz sicher für total bekloppt. Nach meinem "OK, bye" fahre ich die Seitenscheibe des Seat wieder hoch und sinniere mit Claudia über die heutige Jugend, die ganz offensichtlich nicht ihre Heimat kennt. Schlimm, schlimm. Und den Männern, die auch nie nach dem Weg fragen, pflichte ich insgeheim bei. Bringt ja nichts!

Die Auflösung meiner Frage bekommen wir später von einem älteren Einheimischen, der uns alle Kastelle der Reihe nach auflistet und uns an der Küste die jeweiligen Entfernungen zwischen ihnen nennt. Die Erklärung, warum nicht alle Kastelle auffindbar sind: nicht jedes der Kastelle ist erhalten und zum anderen erzählt er uns das Alles gerade in Kaštell Stari, wo wir vor jetzt gerade direkt dem Kastellgebäude stehen. Es ist ein einfaches langes Gebäude, auf dem jetzt der Schriftzug Dalmatijavino, Dalmatien-Wein, prangt. Wer hätte das gedacht! Und ich suche nach den tollsten Festungen, Burgen, Schlössern, Wehranlagen, Verließen und was meine "historische Fantasie" sonst noch hergibt!

Kaštel Gomilica an der Straße der Kastelle: wir sind letztlich also fündig geworden!

Kaštel Gomilica an der Straße der Kastelle: wir sind letztlich also fündig geworden!


Split - die Stadt des Kaisers
Das sicher bedeutendste Römerbauwerk Dalmatiens steht in Split: der Diokletianspalast. Der Altersruhesitz des Kaisers Diokletian lässt uns noch heute die Einzigartigkeit dieser römischen Kaiserstadt spüren. Die palmenbesetzte Promenade vor dem Palast lockt uns zwei Adriabummler zuvor erst einmal auf die geflochtenen Sessel eines schönes Cafés, das uns mit einem kaiserwürdigem Eisbecher verwöhnt. Nach dieser erfrischenden Stärkung betreten wir den Kaiserpalast durch das Seetor und finden uns in einem unterirdischen riesengroßen Kellergeschoss, über dem sich die kaiserlichen Gemächer befunden haben. Heute kann man in dem Gewölbe allerlei Nützliches und Unnützes erstehen. Man bekommt von jeder Sehenswürdigkeit der Stadt eine Miniaturausgabe für die Glasvitrine daheim.

Von diesem kühlendem Gewölbe gelangen wir in das Peristyl, dem zentralen Platz der ehemaligen Palastanlage. Hier zeigte sich der Kaiser dem Volke. Hier zeigen heute dalmatinische Künstler ihre herrlich gemalten Bilder und filigranen Handwerksarbeiten.

In jedem Winkel des Palastes findet sich ein nettes Café, Taverne oder Kneipe. Und so passiert es uns unausweichlich, dass wir in der gemütlichen Taverne auf dem Poljana Jelene Platz, direkt neben der Porta Argentea, dem Silbernen Tor, unbedingt noch ein Bierchen trinken und uns in dieser Römerfilm-Kulisse wie das Kaiserpaar und sogar noch besser fühlen. Denn wie kann es einem Kaiserpaar noch besser gehen als uns beiden, dem "Adria-Vagabunden-Paar"?!

Vor dem Diokletianpalast

Vor dem Diokletianpalast

Römische Gemäuer des Diokletianpalastes

Römische Gemäuer des Diokletianpalastes

2000 Jahre alte Mauern und Neueres

2000 Jahre alte Mauern und Neueres

Poljana Jelene Platz

Poljana Jelene Platz


Die Piraten von Omiš
Räubergeschichtenerzähler, werdet Ihr jetzt denken! Nun, Ihr habt recht, exakt das habe ich jetzt vor. Die Piraten von Omiš waren wahrlich keine Waisenknaben, so dass das Erzählen dieser Angelegenheit meiner kleinen Törngeschichte sicher einen abenteuerlichen Touch verleiht. Den kann ich mir doch nicht entgehen lassen! Also:

Moooment. - Der Aufrichtigkeit halber will ich zu Anfang der Erzählung auch gleich wieder etwas abwiegeln. So schlimm war das Seeräubern anscheinend nicht. Denn es war ein Gewerbe, wie jedes andere auch. Ja, tatsächlich! - Die Piraten betrieben in den Augen der Stadt Omiš ein geachtetes Handwerk, ihnen wurden sogar einige Sondervorteile eingeräumt. Es waren berühmte Piraten. Doch vielleicht sollte ich eher das Wort berüchtigt verwenden?

Die östliche Adria mit ihren unzähligen kleinen Inseln bot den Piraten ein ideales Versteck. Hinter den Klippen, den zerklüfteten Felsen, in den Buchten und in den Schluchten der Cetina schmiedeten die finsteren Gesellen Pläne für ihre nächsten Überfälle auf Handelschiffe. Zum Beispiel auf die des Papstes oder der mächtigen Händler aus Venedig, Dubrovnik, Split oder Kotor. Diese Beutezeuge waren im gesamten Mittelmeerraum allbekannt. Es wurden sogar zwei Kreuzzüge gegen sie geführt. Den ersten Kreuzzug verlor Papst Honorius III im Jahre 1221, beim zweiten unterlagen die Piraten 1287 gegen die Venezianer.

Die Piraten bauten sogar eine Unterwassermauer im Flussbett, Mostina genannt. Diese Mauer war unheimlich wichtig, weil sie unter dem Wasser nicht sichtbar war. Sie hatte nur eine Öffnung, die den schmalen Omiser Schiffen angepasst war und konnte mit Ketten verschlossen werden, daher strandeten oft fremde Schiffe beim Versuch, die Piratenschiffe zu verfolgen.

Quelle: Omiš, kultur-historischer Führer, herausgegeben vom Tourismusverband der Stadt Omiš, 2009

Die alte venezianische Festung

Die alte venezianische Festung

Steiler Aufstieg zur Ruine

Steiler Aufstieg zur Ruine

Omiš, 26 km südlich von Split, liegt an einem Canyon, den Durchbruch des Flusses Cetina durch das Mosorgebirge.

Schon bei der Anfahrt auf Omis sehen wir die am Felsen hängende Ruine der alten venezianischen Festung Peovica. Fast alle Stufen, die zu deren Turm hinaufführen, sind schief und klammern sich mit Mühe an den steilen Fels fest. Doch schließlich - hoch über dem Meer haben wir einen grandiosen Blick auf die Stadt und den Canyon. Durch die wildromantische Schönheit dieser Schluchten fahren Boote mit Sonnendächern aus gestreiftem Markisenstoff, von denen aus Touristen die Mächtigkeit dieser steilen Felsen erahnen können.

In Omiš werden an vielen Stellen auch geführte Raftingtouren angeboten, bei denen Abenteuerlustige mit einem Schlauchboot durch die wilden Nebenarme der Cetina sausen können.

Rafting auf der Cetina

Rafting auf der Cetina

Über der betagten ehrwürdigen Tür eines ebenso ehrwürdigen Gebäudes in der Altstadt steht in lateinischen Buchstaben der Wortlaut:

Ich danke Dir, Herr, dass ich auf dieser Welt gewesen bin.

Laut Reiseführer ist es das Haus des glücklichen Mannes und ich frage einen Omišer nach dem Weg dorthin. "Ich kenne diesen Mann nicht." Sein Lachen und Zwinkern dabei zeigt, dass er sicher mehrere solche Männer kennt, mir lediglich nicht den Weg zu diesem Gebäude erklären kann. Wir finden die betagte Tür trotzdem und ich denke vor dem Portal so für mich, dass dieses Haus ja meines sein könnte. "Haus des glücklichen Mannes" trifft 100%ig zu. Und glaubt mir, auf einer solchen langen und herrlichen Reise wie der Unsrigen kann es auch gar nicht anders sein!

Haus des glücklichen Mannes

Haus des glücklichen Mannes

Ach - und die Piraten haben wir ganz einfach ausgetrickst:

  • Auto gemietet

  • Strasse benutzt

  • Piraten vergeblich auf dem Meer auf uns gewartet ...


Diese beeindruckenden Bilder möchte ich Euch nicht vorenthalten: Blick von der Ruine auf Omiš und die Cetina-Schlucht

Diese beeindruckenden Bilder möchte ich Euch nicht vorenthalten: Blick von der Ruine auf Omiš und die Cetina-Schlucht


Im Neretva-Delta

Hinter Ploce, der Stadt mit dem größten Hafen an der dalmatinischen Küste, erstreckt sich über ein riesiges Gebiet das Neretva Delta. Dieses Delta wird von insgesamt zwölf Flussarmen gebildet. Die Neretva ist mit 218 Kilometern der längste Fluss, der seine Wassermassen in die kroatische Adria ergießt.

Das Delta ist ein dermaßen sattgrünes und nährstoffreiches Gebiet, dass es nicht verwundert, wenn gerade in dieser Gegend viele Obst- und Gemüsebauern erfolgreich ihre fruchtbare Arbeit betreiben. Wir fahren die Straße Richtung Mostar entlang und den ganzen Weg im Delta stehen die Bauern am Straßenrand und preisen ihre gesunden Leckereien an. Wenn wir nur immer hier einkaufen könnten!

Auf dem weiteren Weg kommen wir an den schön anzuschauenden "Gärten" der Bauern vorbei. Die Nutzung des Wassers geschieht in teilweise sumpfigen Gebiet, so dass die Bauern diese beeindruckenden Gräben zur Be- und Entwässerung angelegt haben. Mit einer dieser saftigen Früchte in der Hand stehen wir da und staunen über diesen einzigartigen Anblick.

Neretva Delta und Gleisanschluss zum Hafen von Ploce

Neretva Delta und Gleisanschluss zum Hafen von Ploce

Von den Bauern kunstvoll angelegte Gemüsefelder im Neretva Delta

Von den Bauern kunstvoll angelegte Gemüsefelder im Neretva Delta


Ein alter Plastiksack in der Schiffsschraube

Endlich befinden wir uns mit Cleo wieder auf dem Meer und steuern in Richtung der Insel Korcula. Dabei befahren wir den Neretvanski Kanal zwischen Hvar und der Halbinsel Peljesac. Gerade unterhalte ich mich mit Claudia über die vielen Plastikabfälle wie Einkaufstüten, alte Flaschen, leere Sonnenölbehältnisse und so allerlei Undefinierbares, die hier ihren offenbar unnütz gewordenen Corpus sanft vom Meer wiegen lassen, als kurz darauf ein kleiner Bums durchs Boot zittert. Der Motor stottert, er möchte fast ausgehen. Claudia reagiert und zieht erschrocken den Gashebel auf Leerlauf. Das verhilft unserem Motor wieder zur gleichmäßigen Fortsetzung seiner brummenden Arbeit. Und es erleichtert uns ein wenig, ihm persönlich geht es offenbar gut. Eine seiner engsten Mitarbeiterinnen, die Schiffsschraube, läuft jedoch unrund. Im Rückwärtsgang klingt es dann fast beängstigend, so als bekomme die Schraube und das Boot Schläge von unten.

Der Neretvanski Kanal ist an dieser Stelle etwa fünf Seemeilen breit und wir befinden uns beidseitig weit genug entfernt von den Inseln. Somit müssen wir nicht befürchten, gegen Klippen getrieben zu werden und ich kann in aller Ruhe tun, was getan werden muss: Badeleiter anbringen, Taucherbrille herauskramen und nach unten, ins tiefe Dunkle unter uns abtauchen. Unter dem Boot finde ich einen alten, aber stabilen Plastiksack, der unsere Schraube eng umschlungen hält. Na, dir werde ich helfen!' und lasse mir von Claudia das kleine Küchenmesser herunterreichen. Der alte Sack hält unsere Schraube jedoch schon viel zu fest umschlungen, das kleine Messer kitzelt ihn bestenfalls ein wenig bei seiner Umklammerung. "Das große Brotmesser!" rufe ich und mache dem alten Sack damit innerhalb von zehn Minuten den Garaus. Er wird aus dem Wasser geholt: "Der vergreift sich an keiner Schraube mehr!" ist unser einstimmiges Plädoyer.

Liebe Leser, von solch bösen Dingen wollte ich in unserer Geschichte ursprünglich gar nicht berichten. Deswegen entschuldigt bitte diese nicht so positive Sache. Um das ein wenig gut zu machen, möchte ich nachträglich wenigstens der Überschrift einen anderen Wortlaut geben. Von wegen der positiven Assoziationen . Also jetzt nicht mehr "Ein alter Plastiksack ..." sondern: Wie ich ein erfrischendes Bad nahm. OK?

Stolz auf meinen Fang: die Plastiktüte aus der Schiffsschraube

Stolz auf meinen Fang: die Plastiktüte aus der Schiffsschraube

Kurz darauf, Cleo hat ihre Fahrt wieder aufgenommen, fragt mich Claudia: "Was für eine Zeit haben wir?" "13:45 Uhr" ist meine präzise Antwort. - "Nein, welche Zeit ist das?" - "Hä?" - "Na Kaffeezeit!" Irgendetwas will mir Claudia begreiflich machen, das könntet Ihr jetzt ganz deutlich an ihrem Blick erkennen. Ich erkenne es schließlich auch und tauche wiederum ab nach unten, ins Dunkle. Nur diesmal ist das unsere Kombüse, wo ich das Kaffeewasser aufstelle ...

© Thomas Lippert, 2009
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Über vier Monate im und am Meer unterwegs mit allem, was man sich wünschen kann: nette Menschen, wunderschöne Orte, gigantische Landschaften, herrliches Wetter... Und auch mit Einigem, was sich keiner wünscht: Segelschaden, Probleme mit dem Motor und schließlich einem Blitzschlag am Ankerplatz, der unseren Törn vorzeitig beendete. Auch die Vorbereitungen zu dieser Reise - Probleme mit dem Job, der Wohnung und anderen Dingen - werden thematisiert.
Details:
Aufbruch: 01.05.2009
Dauer: 5 Monate
Heimkehr: 30.09.2009
Reiseziele: Kroatien
Bosnien und Herzegowina
Montenegro
Italien
Slowenien
Der Autor
 
Thomas Lippert berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.
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