Ein Segelsommer auf der Adria

Reisezeit: Mai - September 2009  |  von Thomas Lippert

2. Törnstart in Kroatien: Süddalmatien

Korcula ...

... ist unser erstes großes Ziel in Süddalmatien. Abgesehen von der Nacht in der Bucht Lovište an der Spitze der Halbinsel Pelješac, die auch schon zu diesem Bereich gezählt wird (in dieser Nacht gibt unser neuer Buganker übrigens erfolgreich sein Debut). Süddalmatien - für uns Mitteleuropäer klingt das gleich noch verlockender, exotischer als Dalmatien ohne dieses Süd. Süd - mit dieser Vorsilbe werden ganze Charterflüge in Richtung des Erdgürtels, dem Äquator, gefüllt. Süd-früchte sind immer noch extrem beliebte Obstgattungen in unseren Gefilden. Und so verspricht uns auch Korcula-Stadt in Süddalmatien eine besondere fremdländische und anziehende Atmosphäre. Uns so wird es auch. Die Stadt können wir als einen großen Höhepunkt auf unserem Weg um die Adria bezeichnen.

Die Anfahrt auf Korcula Stadt

Die Anfahrt auf Korcula Stadt

Und weil die üppig bewachsene Insel Korcula mitsamt ihrer namensgleichen Stadt so schön ist, legen direkt vor der Altstadt dieses Kleinodes der Adria auch Fähren aus Orebic, Split, Hvar und Dubrovnik an. Aus denen strömen viele Menschen mit ihren Reisetaschen und Koffern. Auf deren Gesichtern steht die berechtigte Vorfreude auf die kommenden Stunden und Tage auf dieser schönen Insel, in dieser überwältigenden Stadt. Es ist wie das Lächeln, das wir auch bei den Menschen hier unter diesem hellen und warmen Sonnenlicht wiederfinden. Viele der Ankömmlinge begeben sich direkt auf den Weg in die Altstadt, vor dessen Toren die Fähre unmittelbar festgemacht hat. Wir tun es ihnen gleich und gelangen über die lange Steintreppe des Landtores auf die Mittelachse der Altstadt. Von dieser Hauptstrasse führen alle weiteren Strassen wie die Adern eines Blattes nach links und rechts ab. Die Struktur der schattenspendenden Gassen ist sehr schlau ausgedacht: mit Ausnahme der Hauptrasse verlaufen alle anderen Strassen von West nach Ost. So findet die kalte Bora, der Nordwind, nur wenig Chancen für seinen Einfall. Der angenehm warme Maestral kann aus Westen jedoch ungehindert hereinwehen.

Auf der höchsten Erhebung der Altstadt finden wir die spätromanische Kathedrale Sveti Marko, die ihren Turm hoch in den blauen Himmel zeigen lässt.

In unmittelbarer Nachbarschaft steht das Geburtshaus von Marco Polo. Jawohl, der berühmte Chinareisende wurde in Korcula-Stadt geboren. So behaupten es zumindest die Korculaner. Und muss man ihnen denn nicht auch glauben, wenn sie es mit so viel Liebe auf den vielen kleinen Mitbringseln aus Korcula ausdrücken, wenn sie ihre Gaststätten und Geschäfte nach ihm benennen? Ich glaube es den Einheimischen einfach und besteige den sogenannten Marco-Polo-Turm, von dem ich eine wunderbare Aussicht auf das Meer und die umgebenden Inseln habe.

Die Kathedrale Sveti Marko

Die Kathedrale Sveti Marko

Das Marco Polo Haus - sicher etwas renovierungsbedürftig

Das Marco Polo Haus - sicher etwas renovierungsbedürftig

Marco Polo, Polo, Polo - der große Reisende ist in Korcula allgegenwärtig und schon fast eine Art Schutzpatron für die Stadt. Seine Zuständigkeit für die Tourismusankurbelung ist unübersehbar. Und warum nicht? - Ist seine Berühmtheit nicht durch das Reisen entstanden? - Somit kann Korcula kaum einen besseren Patron finden, um die Reisenden auf sich aufmerksam zu machen.

Marco Polo, Polo, Polo - der große Reisende ist in Korcula allgegenwärtig und schon fast eine Art Schutzpatron für die Stadt. Seine Zuständigkeit für die Tourismusankurbelung ist unübersehbar. Und warum nicht? - Ist seine Berühmtheit nicht durch das Reisen entstanden? - Somit kann Korcula kaum einen besseren Patron finden, um die Reisenden auf sich aufmerksam zu machen.

Blick zurück: Verlassen der Insel Korcula mit Kurs Südost in Richtung der Insel Mljet. Rechts die kleine Insel Badija (unmittelbar östlich der Insel Korcula). Im Hintergrund die mächtigen Erhebungen der Halbinsel Peljesac

Blick zurück: Verlassen der Insel Korcula mit Kurs Südost in Richtung der Insel Mljet. Rechts die kleine Insel Badija (unmittelbar östlich der Insel Korcula). Im Hintergrund die mächtigen Erhebungen der Halbinsel Peljesac


Die südlichste der großen dalmatinischen Inseln

Nach "seiner" Insel Brac ist Mljet zusammen mit den Elafitischen Inseln eine der schönsten Adriainseln, versprach mir der Autoverleiher auf Brac. Dafür müsst ihr Euch unbedingt viele Tage Zeit nehmen!

Das werden wir auch tun und steuern von Korcula aus geradewegs auf die Bucht Polace im Westteil der Insel Mljet zu. Die Bucht ist bis nah an die Wasseroberfläche heran dicht mit Grüneichen und Seekiefern bewaldet. Nahe der alten römischen Ruine am Ende der Bucht angeln wir uns eine Boje für unser Schiff und springen in das glasklare Wasser unter uns.

Nach Studium unserer Reiselektüre stellen wir fest, dass wir uns auf unserem Bojenplatz schon wieder mitten in einem Nationalpark befinden. Damit ist das Ausflugsprogramm für den folgenden Tag gesetzt

Nach Entrichten der Eintrittsgebühr von 90 Kuna werden wir von einem Shuttlebus an den See in der Insel Veliko Jezero gefahren. Wo uns wiederum - im Preis inklusive - ein Motorboot "zur Insel in der Insel" bringt, der Marieninsel, auf der so malerisch eingebettet ein Benediktinerkloster steht. Direkt neben der Anlegestelle erwarten uns zwei Restaurants, so dass wir es von der Verpflegung her betrachtet hier durchaus länger aushalten könnten. Wir heben uns den Genuss von erfrischenden Getränken für später auf, denn erst kommt ja bekanntlich die Arbeit. Und unsere schwere "Arbeit" besteht jetzt darin, die schattigen Fußwege auf der Insel zu begehen und immer wieder neue Ausblicke auf den sie umgebenden blau schimmernden See zu finden.

Anschließend lassen wir uns von einem weiteren Motorboot (alles im Preis inklusive!) an die Mali Most, die kleine Brücke, bringen. Diese verbindet den Veliko Jezero mit einem weiteren Salzsee der Insel Mljet, den Mali Jezero (=Kleiner See). In diesem kleineren See baden wir wunderbar, das Wasser ist angenehm warm. Eine Kajakstunde nebenan im größeren der beiden Seen rundet unser Ausflugsprogramm für diesen Tag ab. - Das erquickende Bier, von dem ich auf der Marieninsel als Erfrischung gesprochen habe, haben wir uns natürlich längst genehmigt. Sozusagen als Pausenbrot zwischen den Arbeitsgängen "gemütlich Spazierengehen" und den etwas anspruchsvolleren Arbeiten "Schwimmen und Kajaken". Den Tag rundet ein Essen in einem der vielen Restaurants in Polace ab, wo wir von der Terrasse der Lokalität unserer Cleo bei deren wiegenden Bewegungen zuschauen.

Am nächsten Tag fahren wir von der Boje aus Richtung Meer. Jedoch kommt es, wie wir befürchtet hatten. Bereits bei der Abfahrt war uns klar, dass es heute Morgen sehr windig ist. Selbst das Wasser in der tiefen, von vorgelagerten Inseln geschützten Bucht ist schon sehr bewegt und schickt der Cleo die Strömung gegen ihren tapferen Bug. Nur wenige Schiffe kämpfen sich an diesem Morgen in diese Richtung. An der Scheide zwischen Bucht und offenem Meer sehen wir viele weiße Stellen: Schaumkronen, die von der offenbar sehr kabbeligen See gebildet werden. Aus einiger Entfernung beobachten wir, wie ein etwas größeres Boot als das Unsrige von den Wellen auf und ab geworfen wird und es offenbar nur schwer schafft, sich Meter für Meter ins Meer zu tasten. Ein Katamaran, der ebenfalls auf Höhe dieses Schiffes agiert, sucht vorerst Schutz hinter einer der vorgelagerten Inseln. Für uns ein klares Zeichen: zurück zur Boje! Das machen wir dann auch und haben keine Scham dabei. Wir sind nicht die ersten, die bereits am frühen Morgen aus Richtung Meer in die Bucht einlaufen. Den Kampf gegen das Meer wollten wir vermeiden und somit ist unsere Entscheidung richtig.

Drei Stunden später hat sich der Wind etwas gelegt, das Wasser in der Bucht beruhigt und wir verlassen diesen schönen Ort nun doch. Das Meer ist weiterhin sehr bewegt, der Wind kommt fast von vorn. So müssen wir in Welle gegen den Wind fahren und beschließen, nicht zuletzt wegen der schon fortgeschritteneren Tageszeit, nicht wie geplant die Insel Sipan anzulaufen, sondern auf Mljet zu bleiben, uns vorerst also nur etwas in östliche Richtung vorzutasten.

Wir landen in der Okuklje-Bucht, wo uns viele Helfer erwarten: mit Mooringleinen in der einen Hand und mit der freien Hand gestikulierend. Gleich am Eingang der Bucht steht ein Helfer auf seiner hölzernen Pier unter Sonnenschirmen, auf denen der Name seines Restaurants gedruckt ist. Unweit dieses winkt die Konkurrenz, ebenfalls mit einer Leine in der Hand. Wir haben jedoch beschlossen, dass wir heute wieder an eine Boje gehen wollen und so winke ich in Richtung der Werbenden ab und Cleo fährt an ihnen vorbei. Nicht ohne festzustellen, dass weiter hinten noch drei weitere Repräsentanten mit Mooringleine und Winkzeichen für ihre Konoba werben. Fast tut es uns schon leid, als wir sehen, dass sogar zwei Teenager-Mädchen nebeneinander stehen und ebenfalls vergeblich nach einem Gast für die Konoba ihrer Eltern heischen. Doch wir wollen an eine Boje. Und steuern auf das Bojenfeld zu, wo uns plötzlich ein Mann in einem kleinen Holzboot gewahr wird, der eine Boje in der Hand hat und diese in unsere Richtung hochhält. Liebe Leser, bei so viel Engagement könntet auch Ihr nicht anders als wir und somit überlassen wir die Auswahl unserer Boje also diesem Helfer und machen genau dort fest. Der Mann ist der Wirt des nebenan liegenden Restaurants.

Wir haben heute Nachmittag Zeit für gemütliche Entspannung in der Bucht. In alter Zeit hieß die Insel Mljet noch Ogygia. Und so lese ich in unseren Reiseführern, dass der schiffbrüchige Odysseus während seiner zehnjährigen Irr-Reise durch das Mittelmeer sieben Jahre lang von der Nymphe Kalypso in der Nähe eben unserer Bucht, der Okuklje Bucht, festgehalten worden sein soll. Kalypso, Tochter des Riesen Atlas, in den Helden verliebt, möchte Odysseus zum Mann haben und bietet ihm dafür die Unsterblichkeit an. Doch Odysseus schaut traurig auf das Meer hinaus und möchte wieder zurück in seine Heimat Ithaka, zu seiner Frau Penelope und seinem Sohn Telemachos, den er noch nie gesehen hat. Nach sieben Jahren hat Kalypso ein Einsehen und gibt den Heros frei.

Doch heute Nachmittag hallt durch die Bucht das Lachen spielender Kinder, die von den Inselbewohnern auf einem kleinen Halbinselchen am Rande der Bucht ein Kinderparadies mit Badestegen gebaut bekommen haben. Nun nutzen sie diesen schönen Abenteuerspielplatz und wir hören ihre Körper immer wieder aufgeregt schreiend in das Wasser klatschen.

Der Abend dieses Tages klingt auf der Dachterrasse des Wirtes aus, der uns von seinem Kahn aus die Boje gehalten hat. Von dieser Loggia haben wir sicher den besten Überblick über die Bucht.

Übersichtstafel des Nationalparks auf Mljet

Übersichtstafel des Nationalparks auf Mljet

Die Marieninsel mit dem Benediktinerkloster auf der "Insel in der Insel" - im Veliko Jezero

Die Marieninsel mit dem Benediktinerkloster auf der "Insel in der Insel" - im Veliko Jezero

Blick von der Marieninsel

Blick von der Marieninsel

Die Bucht von Pomena - auf einem Spaziergang vom Mali Jezero aus gut zu erreichen

Die Bucht von Pomena - auf einem Spaziergang vom Mali Jezero aus gut zu erreichen

Interessante Ausruhgelegenheiten im Nationalpark - fast unverwüstlich

Interessante Ausruhgelegenheiten im Nationalpark - fast unverwüstlich

Wasserqualität = 1A; hier der Mali Jezero, jedoch zieht ich dieses Bild durch die gesamte kroatische Adria

Wasserqualität = 1A; hier der Mali Jezero, jedoch zieht ich dieses Bild durch die gesamte kroatische Adria

In Polace liegen wir hinten nahe der römischen Ruine

In Polace liegen wir hinten nahe der römischen Ruine

Es gibt viele Restaurantanlegestellen in Polace

Es gibt viele Restaurantanlegestellen in Polace


Die Elafitischen Inseln

Obwohl wir es durchaus noch länger auf Mljet aushalten könnten verlassen wir, im Gegensatz zu Odysseus, nach deutlich weniger als sieben Jahren die Insel Mljet und segeln das kurze Seestück hinüber zur Insel Sipan, in das Hafenörtchen Sipanska Luka. Als wir ankommen scheint der Ort samt Hafen eher verlassen. An der Hafenwand dümpeln zwei "alte Kästen", wie Claudia die beiden Fischerboote betitelt und im Hafenbecken ankert eine Segelyacht, deren Eigner zusammen mit dem Dingi unsichtbar bleiben. So ist das Leben in Sipanska Luka gegen zwei Uhr mittags zu schildern. Ich möchte an die Hafenmauer, obwohl kein Strom und Wasser zu erwarten ist. Einfach, um nicht mit dem Dingi an Land paddeln zu müssen. Es ist kein Leinenhelfer in Sicht und ich entschließe mich daher zum Anlegen mit dem Bug. Mitunter haben die Kaimauern schräge Aufschüttungen, an denen sich Yachten das Ruder zerstören könnten. Ohne Kenntnis der genauen Gegebenheiten ist somit das Vorwärts-Anlegen die sicherste Methode. Wir haben Seitenwind, was das Manöver erschwert, doch Claudia schafft den Absprung vom Bug auf die Pier und kann unsere Bugleine schnell befestigen. Doch das Heck dreht sich vom Wind und unserem seitlichen Radeffekt beim Abbremsen beflügelt schnell in Richtung der Kaimauer. Eilig werfe ich Claudia eine lange Leine zu, die ich vorsorglich am Heck von Cleo festgemacht habe und damit kann Claudia uns von der Pier aus wieder gerade ziehen. Gleichzeitig lasse ich den Rückwärtsgang leicht laufen, damit das Schiff nicht auf die Kaimauer gedrückt wird. Als nächstes befestige ich die Mooring, die mir Claudia reicht. Zwischendurch drückt sie das Boot immer wieder etwas von der Kaimauer weg, da ich den Rückwärtsgang wegen dem Radeffekt nicht in hohen Touren laufen lasse. Mit der Mooring können wir das Schiff fixieren und lösen die Hilfs-Heckleine wieder. Ich bin sehr zufrieden mit dem Manöver, hat wieder doch alles ohne Schrammen und Blessuren bestens geklappt. Wir haben es immerhin allein geschafft, bei Seitenwind vorwärts anzulegen - ohne mit dem Schiff die Mauer zu berühren. Für Claudia sind solche Manöver eher nichts. Denn bei solchen Manövern muss vieles "schnell wie der Wind" gehen und am besten schon vorher 100% besprochen sein, was nicht immer möglich ist.

Das mit ohne Schrammen und Blessuren sollte sich am selben Abend noch ändern. Doch zunächst erkunden wir das "verschlafene Nest", immer auf der Suche nach einem leckeren Eisbecher. Der ist nicht zu haben. Bei einem "kühlen Blonden" weiß ich dann später dafür, was ich habe. Claudia lässt sich einen Milchshake rühren, was ja schließlich fast wie ein Eisbecher ist.

Eine schmale Straße führt durchs Dorf, an der Kirche vorbei und auf der hinteren Seite wieder aus dem Dorf heraus, wo wir zu dem ehemaligen Rektorenpalast kommen. Der ist bewohnt und somit nur von außen zu sehen. Macht aber nichts. Der Weg dahin ist schön zu laufen und er eröffnet uns herrliche Blicke auf die Bucht, in der sich der Hafen mit unserer Cleo befindet. Wir sehen unterwegs auch Kakaobäume, was wir freilich zu dem Zeitpunkt nicht wussten. Eine Einheimische, die gerade des Weges kommt, fragen wir nach diesen uns unbekannten langen Schoten an den Bäumen.

Sie erzählt von Schokolade, wodurch uns klar ist, worum es sich handelt. Jedoch sind die Schoten erst im September reif. Und essen kann man sie gar nicht. Erst nach der Verarbeitung wird Kakao und Schokolade daraus. Soso, da sind die Regale in unseren Supermärkten in Deutschland also prall gefüllt mit diesem leckeren Material (ist Schokolade eigentlich ein Grundnahrungsmittel?) und wir müssen erst deutlich die Vierzig überschreiten, bevor wir erfahren, wie denn so eine Kakao-Frucht ausschaut.

Übersichtstafel der Insel Sipan

Übersichtstafel der Insel Sipan

Kakaobaum

Kakaobaum

Als wir in den Hafen zurückkehren sind bereits weitere Yachten eingetroffen. Und auch ein Ausflugsschiff mit mindestens einer Schulklasse, die Spaß und Freude für ein ganzes Schulhaus verbreiten. Nun ja, wir gönnen's ihnen und wissen ja - sie fahren am Abend wieder weg. Denken wir.

Wir dachten auch nicht, dass der Ort jemals noch zu Leben erwacht. Und was für ein Leben! Die kurze Hafenpier ist inzwischen längst voll mit Yachten, und im Hafenbecken ankern auch noch eine ganze Reihe davon. Die Passagiere all dieser Schiffe sitzen bei lauter Musik in einer der vielen stimmungsvollen Gaststätten, die tagsüber nur auf diesen Augenblick gelauert haben.

Der Rektorenpalast

Der Rektorenpalast

Claudia hat eine "Herz"-Fantasie: überall entdeckt sie Herzen. Hier hat sie sogar ein Doppelherz entdeckt. Könnt Ihr es sehen?

Claudia hat eine "Herz"-Fantasie: überall entdeckt sie Herzen. Hier hat sie sogar ein Doppelherz entdeckt. Könnt Ihr es sehen?

Blick vom Rektorenpalast in die Bucht von Sipanska Luka

Blick vom Rektorenpalast in die Bucht von Sipanska Luka

Eben fährt ein großes Passagierschiff in den Hafen ein. Es legt sich an die für ihn freigehaltene Mole mit den schwarzen Autoreifen. Sein Bug steht so weit über die Pier, dass es fast schon beklemmend anmutet, darunter hindurch zu laufen. Direkt vor seinem Bug ist, nur durch den schmalen Fußweg getrennt, eine Konoba oder Ähnliches. Wir würden Biergarten sagen. Und jetzt das Interessante, was mich aufmerksam und neugierig zugleich zuschauen lässt: eine dicke Bugleine vom Bug des großen Schiffes wird durch die Konoba gezogen und hinten an einem Steinpoller, der anstelle eines Tisches nahe der Hauswand steht, festgemacht. Interessantes Feeling für die Gäste denke ich und der Riese beginnt gleichzeitig die Leine zu straffen, indem er den Rückwärtsgang einlegt. Ein etwas unheimliches Geräusch des Schraubenwassers geht durch das dunkle Hafenbecken. Der Goliath steht nur vier Boote von unserm kleiunen David entfernt und wühlt durch seinen Rückwärtsgang das gesamte Hafenwasser auf. Es ist wie ein Sturm ohne Wind. Die montenegrinische Segelyacht neben uns, mit einem Schiffskörper wie erwartet deutlich größer als unsere kleine Cleo, beginnt ihren Bug seitlich gegen unser Heck zu pressen. Cleo wiederum gibt diesen Druck an unseren englischen Nachbar auf der anderen Seite weiter, der über die Annäherung unseres Winzlings allerdings nur lächeln kann. Als Claudia schreit: "Wir treiben gegen die Mauer!" höre ich es auch schon zweimal scheppern.

Wie kann das sein? Ich schaue zur Mooring, die unser Boot gerade halten soll und auch insbesondere die Aufgabe hat, Cleo von der Kaimauer fern zu halten. Die Mooring ist noch da, nur ist sie nicht mehr um die Heckklampe gewickelt, sondern liegt frei daneben. Die Richtung unseres Schiffes hält sie so vielleicht noch leidlich, die Kaimauer als vielleicht wichtigste Aufgabe kann sie so nicht mehr bewältigen. Durch den gewaltigen Druck des aufgewühlten Hafenwassers und der großen Segelyacht neben uns, hat sich die von mir offenbar nicht ganz korrekte Belegung der Klampe mit der Mooringleine gelöst.

An unserem Bug entdecke ich zwei Schrammen. Gebrochen oder ernsthaft beschädigt ist jedoch nichts. Ist ist eher eine weitere Scharte am Bug, die zu den anderen bereits Gespachtelten dazukommt.

Am nächsten Morgen verlassen wir Sipanska Luka und setzen unsere Reise in Richtung Dubrovnik fort. Dicht fährt die Cleo an den nahe gelegenen elafitischen Inseln Lopud und Kolecep vorbei, welche für die Dubrovniker durch regelmäßige Schiffsverbindungen wunderbare Naherholungsgebiete darstellen.

Badefelsen auf Lokrum. An vielen Stellen rund um die Insel wurden Badeleitern angebracht, so dass tratotz der etwas felsigen Küste ein Bad kein Hindernis darstellt.

Badefelsen auf Lokrum. An vielen Stellen rund um die Insel wurden Badeleitern angebracht, so dass tratotz der etwas felsigen Küste ein Bad kein Hindernis darstellt.

Einen Besuch der kleinen Insel Lokrum, die direkt vor den Toren der Dubrovniker Altstadt liegt, möchte ich hier nicht unerwähnt lassen. Der botanische Garten der Insel ist phantasievoll angelegt und wirklich jeden Besuch wert. Wir sind nicht mit unserer Cleo dorthin gesegelt, denn es ist bestenfalls möglich, dort in der einzigen kleinen Bucht auf der Südostseite der Insel zu ankern. Eines der halbstündig verkehrenden Ausflugsboote chauffiert uns bequem zu dem bemerkenswerten Eiland hinüber.

Der Park des ehemaligen Benediktinerklosters aus dem 11. Jahrhundert ist mit Zypressen und anderen mediterranen Baumarten angelegt. Das Klostergebäude beherbergt ein Restaurant.

Der Park des ehemaligen Benediktinerklosters aus dem 11. Jahrhundert ist mit Zypressen und anderen mediterranen Baumarten angelegt. Das Klostergebäude beherbergt ein Restaurant.

Exotische Pflanzen lassen uns Lokrum wie den Paradiesgarten erscheinen. Hier gedeihen 500 verschiedene Pflanzen- und 200 Kakteenarten.

Exotische Pflanzen lassen uns Lokrum wie den Paradiesgarten erscheinen. Hier gedeihen 500 verschiedene Pflanzen- und 200 Kakteenarten.

Jedes Ding hat zwei Seiten ... - Auf Lokrum spazieren sie überall herum - die Vauen

Jedes Ding hat zwei Seiten ... - Auf Lokrum spazieren sie überall herum - die Vauen


Dubrovnik, die Perle der Adria

Blick von der Stadtmauer auf den Hafen; im Hintergrund die Insel Lokrum

Blick von der Stadtmauer auf den Hafen; im Hintergrund die Insel Lokrum

Auf der Stadtmauer

Auf der Stadtmauer

Die Stadt mit dem nahtlosen Übergang zwischen dem Meer und den starken Mauern der Stadtbefestigung.

Die Stadt mit dem nahtlosen Übergang zwischen dem Meer und den starken Mauern der Stadtbefestigung.

Der Onofrio-Brunnen von der Stadtmauer aus gesehen.

Der Onofrio-Brunnen von der Stadtmauer aus gesehen.

Das Straßenpflaster glänzt fast wie aus Perlmut gemacht. Rechts der Rektorenpalast.

Das Straßenpflaster glänzt fast wie aus Perlmut gemacht. Rechts der Rektorenpalast.

Ein bißchen Erotik gehört heute in jede gute Geschichte. Deswegen kann ich nicht auf dieses frivole Bild verzichten ...

Ein bißchen Erotik gehört heute in jede gute Geschichte. Deswegen kann ich nicht auf dieses frivole Bild verzichten ...

Fotografiert vor den Toren der Altstadt

Fotografiert vor den Toren der Altstadt

Der Weg vom Yachtclub Orsan in die Altstadt ist für uns recht einfach: mit dem Bus Nummer 6 fahren wir bis zum Pile-Tor, einem der exorbitanten Eingänge in die historische Altstadt. Durch dieses Tor treten wir in das Innere der Altstadt ein.

Die ganze Altstadt scheint aus Perlen gebaut zu sein! Schaut nur das Straßenpflaster, wie es schimmert und leuchtet! Der Glanz früherer Zeiten zeigt sich wohl nirgends deutlicher als in Dubrovnik. Wer jemals von dieser Stadt gehört hat, ahnt vielleicht, dass sie etwas ganz Besonderes ist. Doch nur ein Besuch innerhalb der Geschichte wispernden Mauern der Altstadt vermag das ganze Maß dieser Schönheit zu vermitteln. Und das scheinen viele zu wissen: noch nie habe ich so viele Touristen gesehen, die sich von morgens bis abends von dieser Stadt einnehmen lassen, das Flair von ewiger Schönheit in sich aufsaugen, von dem Bild der alten Gassen und Häuser schlemmen.

Von der mächtigen Stadtmauer haben wir einen phänomenalen Blick auf jeden Teil dieser eindrucksvollen Stadt. Niemals zuvor haben wir eine so große, lange und hohe Stadtmauer gesehen. Wir promenieren in etwa drei Stunden auf dieser exponierten Stellung um die Stadt, nicht ohne uns zwischendurch Eis und Getränke kredenzen zu lassen, die an zwei Punkten auf diesem Augenschmausweg angeboten werden. Überall hören wir die Verschlüsse von Kameras klicken. "Every view is so beautiful!" schwärmt eine Touristin im Vorbeigehen und drückt wiederholt auf den Auflöser. Wie mögen die "alten" Touristen hier gelitten haben, die zu Zeiten des Zelluloidfilms mit der Anzahl ihrer Bilder doch eher eingeschränkt waren!

Wer am Pile-Tor wieder von der hohen Stadtmauer hinuntersteigt kann sich direkt am dort befindlichen Onifrio-Brunnen von einem der 16 Wasserspeiern die verdiente Erfrischung abholen. Das Wasser ist sauber, es wird aus einer zwölf Kilometer langen Leitung aus den Bergen herbeigeführt. Vom Brunnen aus gehen wir die Placa entlang, die von Geschäften und Cafés gesäumte Hauptstrasse der Altstadt. Es gibt so viele schöne Gebäude zu sehen, die ich hier gar nicht alle aufführen kann. Schaut Euch das in Eurem nächsten Urlaub einfach selbst an!

Uns zieht es auf der anderen Seite der Stadt zum Seetor hinaus, zum Stadthafen, der ebenfalls von Konobas mit Aussicht auf schaukelnde Boote und die ständig verkehrenden Ausflugschiffe belegt ist. In damaliger Zeit, als Dubrovnik noch Ragusa hieß, war der Hafen der Stadt der letzte geschützte Hafen auf dem Wege nach Konstantinopel. Von hier ab hatten die Seefahrer nichts weiter vor sich als die offene See. Bis zur offenen See wollen wir heute nicht. Wir lassen uns vom Stadthafen aus zur Insel Lokrum befördern, der kleinsten der Elaphitischen Inseln und auch ein sehr beliebtes Ausflugsziel der Dubrovniker. Das Boot bringt uns, bei für die Adria in dieser Jahreszeit ungewöhnlich hohem Seegang und Wind (bis zu zwei Meter Wellen), sicher wieder in den Altstadthafen zurück, wo wir beim Gang durch die Altstadt von einem geschickt redenden Kellner auf seine Rattanstühle (wie sollte es bei uns auch anders sein!) gelockt werden und eine wirklich lecker zubreitete Abendmahlzeit verzehren.

© Thomas Lippert, 2009
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Über vier Monate im und am Meer unterwegs mit allem, was man sich wünschen kann: nette Menschen, wunderschöne Orte, gigantische Landschaften, herrliches Wetter... Und auch mit Einigem, was sich keiner wünscht: Segelschaden, Probleme mit dem Motor und schließlich einem Blitzschlag am Ankerplatz, der unseren Törn vorzeitig beendete. Auch die Vorbereitungen zu dieser Reise - Probleme mit dem Job, der Wohnung und anderen Dingen - werden thematisiert.
Details:
Aufbruch: 01.05.2009
Dauer: 5 Monate
Heimkehr: 30.09.2009
Reiseziele: Kroatien
Bosnien und Herzegowina
Montenegro
Italien
Slowenien
Der Autor
 
Thomas Lippert berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.
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