Ein Segelsommer auf der Adria

Reisezeit: Mai - September 2009  |  von Thomas Lippert

5. Zurück in Kroatien: Cres und Losinj - Rundfahrten mit dem Auto

Nun, außer dem Ärger mit der Reparatur unserer Maschine nehmen wir uns schon noch etwas Zeit für Besichtigungen der Gegend, ganz im touristischen Sinne. Am Sonntag wagen wir uns vom Schiff, denn es kommt an diesem Tag ja doch kein Handwerker. Und fahren mit unserem eigenen PKW, der die ganze Zeit brav in Mali Losinj auf uns gewartet hat, zur Nachbarinsel Cres.

Charakteristisch für Cres seien die langen Trockenmauern. Schreibt jedenfalls einer unserer Reiseführer. Wenn das so ist, dann waren wir während unseres inzwischen immerhin mehr als dreimonatigen Törns immer wieder mal auf Cres. Ohne es bemerkt zu haben. Denn die Trockenmauern fanden wir fast überall vor, von Losinj als bisher nördlichsten Punkt unserer Reise bis in den Süden Kroatiens auf den Elafitischen Inseln. Mit diesen Mauern versuchen die Menschen den Boden vor Erosion zu schützen. Und natürlich gewinnen sie durch das Sammeln der Steine etwas Boden, der in den Küstenregionen Kroatiens durchweg steinig, karstig und sehr mühsam zu bearbeiten ist.

Trockenmauern auf Cres

Trockenmauern auf Cres

Auf Cres freue ich mich auf den Gänsegeier. Der kommt hier vor. Alle Reiseführer schreiben von ihm. Gesehen haben wir - ich nehme das jetzt einfach mal vorweg - nicht einen einzigen. Zum Gänsegeier damit! - Es war den Tieren sicher zu heiß, um vor uns in der gleißenden Sonne herumzuspazieren oder wenigstens ein paar Loopings durch die heiße Luft zu fliegen. Denen hat wohl keiner erzählt, dass wir kommen? Wir haken das ab unter "wäre schön gewesen" und bemerken genauso wie die schlauen Vögel, dass es uns auch viel zu heiß ist. Deswegen beschließen wir, am Badestrand von Cres-Stadt in die Adria zu steigen. Herrlich!

Im Innenhafen von Cres

Im Innenhafen von Cres

Cres Stadt selbst ist ein ruhiges, doch sehr pitoreskes Hafenstädtchen. Ein mediterranes Äußeres wie in Dalmatien finden wir hier weniger. Hier sind die meisten Häuser in farbigen Pastelltönen verputzt und wirken so viel eher venezianisch. Der ganze Innenhafen ist von den mit Klappläden bestückten Häusern farbenfroh umsäumt. Also setzen wir uns dort hin und essen etwas, was uns in ganz Dalmatien gefehlt hatte: einen Döner. Die Dalmatiner boten uns lediglich einheimische Speisen an. Zumindest fanden wir dort kein anderes Angebot.

Blick auf Cres mit Marina

Blick auf Cres mit Marina

Auf der Insel Losinj gibt es auch noch schöne Ziele, um ein paar erlebnisreiche und interessante Stunden und Tage zu verbringen. Wir spazieren an einem Abend in die Cikat-Bucht. Sie gehört zur Stadt Mali Losinj und zeigt noch Romantik aus der k.u.k. Zeit. Die Bucht ist bestens Bora-geschützt, welche gerade in Mali Losinj mit großer Kraft pfeifen kann. Deshalb ließ sich der Geldadel aus Wien und Budapest im ausgehenden 19. Jahrhundert auch genau dort luxuriöse Villen und pompöse Hotels für die Reichen dieser Welt bauen.

In der Cikat-Bucht

In der Cikat-Bucht

Im Ort Veli Losinj, die zwar mit ihrem Namensbestandteil veli angibt, der größere Ort zu sein, von Mali Losinj an Größe jedoch längst überholt wurde, gibt es einen wunderschönen Pinienpark. Da wir als Mitvierziger ja nun auch schon zu den etwas gesetzteren Leuten gehören, erfreut uns ein schattiger Spaziergang entlang dieser gewaltigen Pinien. Außerdem kann man von Veli Losinj zu einer Delphin-Tour aufbrechen.

Diese werden mit Ausflugsbooten durchgeführt, welche ihren Kurs entlang der Inseln Losinj, Oruda, Orjule und Illovik

Veli Losinj mit seinen lustigen Läden ...

Veli Losinj mit seinen lustigen Läden ...

... und den bunten Häusern rund um den kleinen Hafen.

... und den bunten Häusern rund um den kleinen Hafen.

An unseren zweiten "freien Tag", als unserer Vercharterer die Reparatur in die Hand nimmt, wollen wir noch einmal nach Cres. Vielleicht hätten wir den Gänsegeier sehen können, denn es gibt geführte Touren an der Ostküste von Cres. Diese Touren starten von dem Ort Beli.

Doch es kommt anders. Für ein kleines Kaffeepäuschen auf dem Weg dorthin kommen wir in den Miniort Sveti Jakov, noch auf der Insel Losinj. In diesem Ort gibt es eine solch schmale Straße, dass Claudia mich beim Durchfahren witzelnd fragt, ob sie etwas zu mir ranrutschen solle. Selbst diese Enge schreckt uns nicht und wir kommen zu einem schlicht wirkenden Restaurant, ein Geheimtipp fast schon.

Dort bestellen wir uns jeder ein Getränk und ein weiteres Pärchen kommt an. Wir geraten schnell mit ihnen ins Gespräch und erfahren, dass er Kroate vom Festland ist und sie Österreicherin. Ein richtiges Pärchen sind sie nicht, sondern nur heute gemeinsam unterwegs mit dem PKW. Sie wollen nach Mali Losinj. Es gäbe dort einen heiligen Ort ähnlich dem in Lourdes, an welchem man Kraft tanken kann. Für Claudia klingt so etwas unheimlich interessant und ihre Neugier siegt: wir lassen unseren Wagen eng an einer Hauswand stehen und fahren mit den beiden in deren PKW zurück nach Mali Losinj. Zu diesem Ort Svetište Kraljice Ljubavi. Das bedeutet "Heilige königliche Liebe" - oder so ähnlich. Jeden sechzehnten eines Monats erscheint dort die Mutter Maria. Das können wir in der kleinen Kapelle nachlesen. Nun, heute ist nicht der Sechzehnte, doch es ist dennoch recht besinnlich hier. Jeder von uns besinnt sich also entweder hockend oder sitzend auf einer der umstehenden Bänke. Ich liege rücklings auf einer Steinbank und schaue durch die Maschen meines Sonnenhutes in den Himmel. Und finde es gar nicht schlecht, sich mal die Zeit zu nehmen und einige Begebenheiten die letzten Wochen Revue passieren zu lassen.

Nach einem Picknick mit gigantischem Blick auf die oben erwähnte Delphinstrasse zwischen Losinj und Illovik beenden wir den gemütlichen Teil dieses Tages und werden von Simon, dem Kroaten wieder zu unserem Auto chauffiert. Es war tatsächlich ein schöner besinnlicher Tag.

Für den Gänsegeier ist es jetzt allerdings schon zu spät. Zum Geier damit!

Der heilige Ort

Der heilige Ort

Beim Picknick legen wir uns selbstgepflückten frischen Salbei auf den Schinken

Beim Picknick legen wir uns selbstgepflückten frischen Salbei auf den Schinken

Kein Gänsegeier, sondern eine Möwe. Na und! - Fliegt doch auch!

Kein Gänsegeier, sondern eine Möwe. Na und! - Fliegt doch auch!

© Thomas Lippert, 2009
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Über vier Monate im und am Meer unterwegs mit allem, was man sich wünschen kann: nette Menschen, wunderschöne Orte, gigantische Landschaften, herrliches Wetter... Und auch mit Einigem, was sich keiner wünscht: Segelschaden, Probleme mit dem Motor und schließlich einem Blitzschlag am Ankerplatz, der unseren Törn vorzeitig beendete. Auch die Vorbereitungen zu dieser Reise - Probleme mit dem Job, der Wohnung und anderen Dingen - werden thematisiert.
Details:
Aufbruch: 01.05.2009
Dauer: 5 Monate
Heimkehr: 30.09.2009
Reiseziele: Kroatien
Bosnien und Herzegowina
Montenegro
Italien
Slowenien
Der Autor
 
Thomas Lippert berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.
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