Ein Segelsommer auf der Adria

Reisezeit: Mai - September 2009  |  von Thomas Lippert

9. Italien - ein würdiger Reiseabschluß: Die Gelehrtenstadt Padua

"Ja, wenn's schlau macht!" hätte Else Kling von der Lindenstraße sicher gesagt, wäre sie in die Universitätsstadt Padua gekommen.

Der Prato della Valle war einst römischer Theaterplatz. Heute ist er ein von einem Kanal umgebene Parkfläche. Am Rand des Kanals "posieren" Standbilder berühmter Bürger Paduas.

Der Prato della Valle war einst römischer Theaterplatz. Heute ist er ein von einem Kanal umgebene Parkfläche. Am Rand des Kanals "posieren" Standbilder berühmter Bürger Paduas.

Dumm ist der, der von der Küste nach Padua fährt ohnehin schon nicht, auch wenn Padua nicht unmittelbar am Meer liegt. Nach diesem Besuch sind wir uns sicher, die Stadt zu den schönsten Städten Oberitaliens gehört. Und der Weg lohnt sich, ganz besonders für mich, allein schon wegen dem heiligen Antonius, der unter anderem auch als der Heilige für das Wiederfinden von verlorenen Gegenständen verehrt wird. - Wo ist nur mein Manuskript? A n t o n i u s! - Ah hier steckt's, Ausreißer ...

Auf Stadtbesichtigungen freut sich Claudia oft nicht mit ganz so starker Begeisterung. Jedenfalls wächst die Freude darauf bei ihr nicht von alleine. Doch heute wird sie ganz von allein darauf eingestimmt. Denn zufällig laufen wir aus Richtung Bahnhof kommend zum Stadtzentrum, wobei wir am Giardani dell'Arena-Park eine Rast einlegen und zusammen mit den dort anzutreffenden Studenten unser "Tagessemester" genießen.

Statue Giuseppe Garibaldi, Italiens großer Nationalheld, vor dem Giardano dell'Arena

Statue Giuseppe Garibaldi, Italiens großer Nationalheld, vor dem Giardano dell'Arena

Im Giardani dell’Arena

Im Giardani dell’Arena

Skulptur im Stadtzentrum

Skulptur im Stadtzentrum

Sie freut sich: "Ist das schön, wenn eine Stadt so einen Park hat!" - Und - wie vermutlich viele Frauen gerne immer mal wieder erinnern: "Weiß du noch, als wir ganz frisch verliebt waren und eng umschlungen in Aschaffenburg durch den Stadtpark gingen und ..."

Lieber Leser, den jetzt privat werdenden Dialog schnipple ich hier weg, und wir machen uns jetzt gemeinsam auf den Weg zum Hauptgebäude der Universität. Dort staunt Claudia nicht schlecht, als sie sieht, in welchen geschichtsträchtigen Hallen die Studenten von Padua ihre Schlauheit beziehen. Ich staune mit. Hier riecht's förmlich nach Galileo Galilei. Der war hier nämlich achtzehn Jahre lang Professor für Mathematik. Sein Katheder steht heute noch hier.

Innenhof des Universitäts-Hauptgebäudes (Palazzo del Bo)

Innenhof des Universitäts-Hauptgebäudes (Palazzo del Bo)

Wappen an den Wänden der Universität

Wappen an den Wänden der Universität

Tür zur berühmten Aula Magna, hinter der schon Galilei lehrte

Tür zur berühmten Aula Magna, hinter der schon Galilei lehrte

Das Treppenhaus alleine mit seinen vielfältigen Wappen und reichen Ausschmückungen hat uns ja schon begeistert. Offenbar muss es auch dabei bleiben. Schade eigentlich.

Doch in Padua gibt's ja noch viel mehr zu besichtigen. Wir steuern jetzt den Palazzo della Ragione an, der früher Sitz des Stadtvogts und der Gerichtsbarkeit war. Im ersten Stock des Gebäudes ist ein riesiger Saal zu besichtigen. An den Wänden sind massenhaft bunte astrologische Motive. Außer einem Fernseher in einer Ecke, auf dem ein Beitrag über eben diesen Palast gezeigt wird, einem riesigen dunklem Pferd aus Holz und neuerdings dem Pendel von Foucault ist der Saal leer.

Das neoklassizistische Café Pedrocchi ist ein Beispiel für ein originelles Mehrzweckgebäude, es war früher ein berühmter Treffpunkt er Gelehrten und Schauplatz der Studentenbewegungen 1848.

Das neoklassizistische Café Pedrocchi ist ein Beispiel für ein originelles Mehrzweckgebäude, es war früher ein berühmter Treffpunkt er Gelehrten und Schauplatz der Studentenbewegungen 1848.

Der Palazzo della Ragione. Vor dem Palazzo findet regelmäßig ein Markt statt, der hier gerade abgebaut wird.

Der Palazzo della Ragione. Vor dem Palazzo findet regelmäßig ein Markt statt, der hier gerade abgebaut wird.

Säulengang vor dem Eingang des großen Saales

Säulengang vor dem Eingang des großen Saales

Claudia ist mit der Besichtigung des Saales und dem Schießen der Fotos sehr schnell fertig und setzt sich auf einen Stuhl nahe der Tür. Ich betrachte mir noch das Pendel, dann laufe ich an den Wänden des Saales vorbei und begucke die Malereien an den Wänden, die größtenteils astrologische Motive darstellen. Als ich an Claudia vorübergehe, erinnert sie mich, sie nicht zu vergessen, wenn ich anschließend in die Ausstellungsräume gehe.

"Was für Ausstellungsräume?" frage ich verwundert.

"Für irgendwas müssen wir doch diese Eintrittskarte gekauft haben." Sie hält das Ticket für den Palast della Ragione hoch.

"Ja, weißt du, ich denke, die gesamten Ausstellungsräume sind dieser Saal hier. Im Erdgeschoss ist nur noch ein Teil des zum Marktes, der hier vor dem Gebäude stattfindet."

Claudia: Stutz. "Ähm, äh, ja ...".

"Hey, das hier ist der größte Hängesaal der Welt. Schon Goethe war von diesem Gerichtssaal begeistert. Hab' ich im Reiseführer gelesen!" tue ich mich wichtig.

"Also vergiss mich nicht, wenn du dann durch bist." ist ihre einzige und immer noch nicht überzeugte Antwort. Ich frage mich: Warum kann sie sich nicht für das Pendel begeistern? Oder wenigstens für das große Holzpferd? Ist doch 'ne tolle Arbeit!

In Padua finden wir auch die Basilika des heiligen Antonius. Dieser Antonius ist Italiens allerliebster Heiliger, die ihm zu Ehren errichtete Basilika ist die wichtigste Kirche der Stadt und eine der meistbesuchten der Welt. In Padua hat Antonius einige Jahre gelebt, hier starb er. Hier wurde ihm zu Ehren nicht die kleine Kapelle gebaut, wie er es sich ursprünglich in seiner Bescheidenheit wünschte, sondern eine inzwischen riesige Basilika.

Basilica di Sant' Antonio

Basilica di Sant' Antonio

Der heilige Antonius als Andenken; hier hat er hunderte Brüder ...

Der heilige Antonius als Andenken; hier hat er hunderte Brüder ...

Klar wollen wir das mächtige Gebäude auch von Innen sehen. Probleme gibt es mit unserer Foto- und Filmausrüstung; das Fotografieren drinnen ist verboten. Gut, dann warte ich mit den Geräten eben draußen, stimme ich mit Claudia ab. Doch Claudia ist schulterfrei angereist. Es ist in Italien ein "Dont", mit freien Schultern oder zu kurzen Hosen oder Röcken eine Kirche zu betreten. Die Stände mit Souveniers ringsum bieten Tücher an, mit denen sich Claudia die Schulter abdecken könnte. Doch gefallen sie ihr nicht genug, um sie zu einen stolzen Preis als "Einmalprodukt" zu erwerben. Entmutigt von ihrer erfolglosen Mini-Einkaufstour kommt sie wieder auf mich zu und fängt plötzlich an zu lächeln. Ihr scheint eine Idee zu kommen, dabei schaut sie mein weißes Hemd bohrend und fordernd zugleich an.

"Nein, Neiiin!" wehre ich mich schon mal stellvertretend für mein Hemd.

Der heilige Antonius als Andenken

Der heilige Antonius als Andenken; hier hat er hunderte Brüder ...

"Doooch!" zieht Claudia ihre bisher noch unausgesprochene Aufforderung an mich in die Länge.

"Doooch, Doch!" unterstreicht sie ihre Begierde noch einmal und schaut mich jetzt so an, dass es niemanden zu wundern braucht, wenn ich ab sofort in Jeans, doch mit nackten Oberkörper in einer Ecke an der Kirchenmauer Schutz vor den neugierigen Blicken der Umstehenden Passanten suche. Claudia hat also ihr Schultertuch gefunden und lässt sich nun alle Zeit der Welt bei der Betrachtung des Inneren des Gotteshauses. Was soll's! - denke ich nach fünfzehn Minuten halbnackten Wartens. Ist ja warm hier!

Nach ihrer Rückkehr erzählt sie mir begeistert von Innen, während ich den widerspenstigen Hemdrand versuche, wieder zurück in meine Hose zu stopfen. Immerhin habe ich heute etwas über einen wichtigen Heiligen gelernt. Wir merken uns also: Antonius, Nothelfer für Reisende, für Liebende, Schützer von Bergleuten unter Tage und Heiliger für das Wiederfinden von Gegenständen.

Äh - wo ist denn schon wieder mein Manuskript ...

© Thomas Lippert, 2009
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Über vier Monate im und am Meer unterwegs mit allem, was man sich wünschen kann: nette Menschen, wunderschöne Orte, gigantische Landschaften, herrliches Wetter... Und auch mit Einigem, was sich keiner wünscht: Segelschaden, Probleme mit dem Motor und schließlich einem Blitzschlag am Ankerplatz, der unseren Törn vorzeitig beendete. Auch die Vorbereitungen zu dieser Reise - Probleme mit dem Job, der Wohnung und anderen Dingen - werden thematisiert.
Details:
Aufbruch: 01.05.2009
Dauer: 5 Monate
Heimkehr: 30.09.2009
Reiseziele: Kroatien
Bosnien und Herzegowina
Montenegro
Italien
Slowenien
Der Autor
 
Thomas Lippert berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.
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