Benji & Alex around the world

Reisezeit: August 2014 - Februar 2015  |  von Benji und Alex AiZi

Bolivien: La Paz 16.10-20.10

La Paz

In La Paz angekommen waren wir ziemlich platt von dem Tag und wollten nur noch schnell ins Hostel. Komischerweise hatte der Bus nicht im Terminal gestoppt, sondern irgendwo auf der Straße und der Busfahrer bat uns alle auszusteigen - Endstation. Natürlich wurden wir gleich wieder von einem Taxifahrer bedrängt. Wir schauten uns um und da weit und breit kein anderes Taxi war, stiegen wir also bei diesem ein. Ein richtig schickes Auto, ganz anderes als sonst. Ich hatte gleich ein blödes Gefühl, aber Benji meinte ich soll mich beruhigen, im Notfall machen wir den Fahrer platt. Also lehnte ich mich zurück und hörte dem Fahrer zu der Benji die Sehenswürdigkeiten der Stadt erklärte. Der Verkehr war ziemlich zäh, sodass wir oft stoppen musste. Und bei einem Stopp stieg dann plötzlich jemand ins Taxi ein. Und da war mir sofort klar, dass wir überfallen werden, Benji war noch relaxt. Der Typ gab sich dann als Polizist aus, der eine routinemäßige Drogenkontrolle durchführen wollte. Ganz klar!! Aber er zwang uns quasi das Spiel mitzuspielen. Die Türen waren abgeschlossen und so hatten wir eigentlich gar keine Chance. Also zeigten wir brav unsere Pässe und unsere Hände. Als er dann den Rucksack wollte weigerte ich mich woraufhin der Typ schon etwas aggressiv wurde. Uns blieb keine Wahl, also gaben wir ihm den Rucksack. Er befahl uns alle Wertsachen raus zu holen um sie ihm dann nach und nach auszuhändigen. Er roch dann daran und gab dann vor sie zurück in den Rucksack zu packen. Wäre es nicht so ne unheimliche Situation gewesen, wäre es fast schon lustig gewesen. Was für ne Show. Er zählte dann das Geld und gab es mir dann in die Hand. Danach forderte er es nach und nach wieder ein. Jeglicher Versuch etwas zu behalten scheiterte und machte ihn immer aggressiver und auch nervöser. Schließlich wollte er noch den Pin für das Handy, aber das ging mir dann zu weit und ich verweigerte. Er wurde immer noch aggressiver und schrie uns auf spanisch an. Im Nachhinein betrachtet war er wohl ziemlich nervös, vielleicht war es noch ein Anfänger?! Er drängte uns auch immer, dass wir uns zurück lehnen, wahrscheinlich hatte er Angst von Benji erwürgt zu werden, keine Ahnung. Und dann ging eigentlich alles ganz schnell. In einer dunklen Ecke hielt der Fahrer an, warf unsere großen Rucksäcke aus dem Kofferraum und öffnete die Tür. Der "Polizist" meinte dann wir sollen aussteigen und unser Gepäck identifizieren. Benji stieg aus, ich blieb sitzen. Irgendwann bin ich dann auch ausgestiegen und die Idioten mit quitschenden Reifen und offenem Kofferraum davon gerast. Leider war unser kleiner Rucksack noch im Kofferraum. Toll. Wir sind dann erst mal rum geirrt, bis wir in der nächsten Straße ein Internetcafe gesehen haben. Dort haben wir dann mit Händen und Füßen versucht zu erklären was passiert ist und dass sie die Polizei anrufen sollen. Das hat die Besitzerin auch gemacht und wir erst mal geschaut was sonst noch alles fehlt. Bargeld und Handy waren natürlich weg, aber zum Glück haben uns die Idioten noch unsere Kamera, unsere Pässe und unsere Kreditkarten gelassen. Auch das Tablet war noch da. Immerhin.

Die Besitzerin hat uns dann versucht mit Süßigkeiten usw zu beruhigen und irgendwann hat sich eine ganzer Schar von Menschen um uns versammelt. Vermutlich die ganze Familie. Nach einer Stunde war die Polizei immer noch nicht da und nach weiteren 30 min hat die Familie dann ein Taxi für uns bestellt und auch bezahlt, da wir kein Geld mehr hatten. Wahrscheinlich konnten sie mein Geheule nicht mehr mit ansehen. Hab auch richtig gezittert als wir ins Taxi eingestiegen sind. Die Polizei hat sich dann gar nicht interessiert, konnte auch nicht wirklich englisch und bot uns nur an eine Nacht dort zu bleiben und am nächsten Tag zur Touristenpolizei und zur deutschen Botschaft zu gehen. Die Unterkunft war dann lausiger als eine Zelle. So was hab ich noch nie gesehen. Auf den zwei Hochbetten lagen dann schon zwei Kolumbianer, die ebenfalls ausgeraubt wurden und wie sich raus stellte von den gleichen Typen mit exakt selber Masche. Unglaublich. Und wir dachten das passiert nur uns gringos (so bezeichnen die Südamerikaner eigentlich englischsprachige Ausländer, vor allem Amis,mittlerweile werden aber meistens alle "Weißen" so bezeichnet)
Nach einer gefühlten Ewigkeit konnten wir der Polizei dann klar machen, dass wir noch Pässe und Geld bzw. unsere Kreditkarten haben und dass wir nur eine Unterkunft brauchen. Wir baten sie dann auch uns irgendwo hin zu fahren, da wir ja kein Cash mehr hatten und auch etwas Panik davor erneut in ein Taxi einzusteigen. Nach einer weiteren gefühlten Ewigkeit wurden wir dann schließlich von zwei Polizeibeamten im Polizeiauto durch die Stadt gefahren. Als einer der Beamten dann fragte wieviel Geld wir noch auf der Karte haben wurde uns allerdings nochmal kurz mulmig. Wir meinten nur "nur noch ein bisschen" und waren dann beruhigt als er sich damit zufrieden gab. Die Ecke in der er dann anhielt war nicht gerade die Beste und nur komische Gestalten unterwegs. Aber der Hotelbesitzer wies uns dann ab,da wir kein Bargeld hatten. Zwei Straßen weiter versuchten wir erneut unser Glück und so landeten wir schließlich im "wild rover". Die zwei Besitzer sprechen perfekt englisch und so konnten wir unsere Geschichte erzählen und wurden sehr herzlich aufgenommen. Und nen gratis Schnapps oder 2 oder 3 gab es in der Bar ebenfalls noch. so auf nüchtenen Magen hat der Alkohol seine Wirkung gezeigt,ließ uns in der Nacht aber wenigstens auch recht gut schlafen. Als wir gegen 2 dann ins Zimmer sind traffen wir unsere "Mitbewohner", Natalie und Martijn aus Holland. Als Martijn unsere Geschichte gehört hatte, stand er auf, ging an sein Schließfach holte 500 Bolivianos und drückte sie uns mit den Worten "ihr braucht die jetzt mehr als ich" in die Hand. Wir waren sprachlos, lehnten aber ab, aber er ließ nicht locker und Natalie gab uns alles was man an Pflegeprodukten so braucht, da unsere Waschbeutel ja in dem kleinen Rucksack waren. Als sie mir dann noch ihre Zahnbürste leihen wollte lehnte ich aber freundlich ab. Das ging dann doch zu weit. Trotzdem, wir hatten keine Ahnung dass Holländer so nett sind.

Den nächsten Tag verbrachten wir dann damit das Nötigste zu kaufen und einen Bericht bei der Touristenpolizei abzugeben, die allerdings kein Wort englisch sprach und auch überhaupt nicht interessiert war uns zu helfen. Dort trafen wir dann auch Alex (noch ne Holländerin), die ebenfalls bestohlen wurde. Sie hat dann alles für uns übersetzt und die halbe Ewigkeit mit uns gewartet bis der Bericht endlich fertig war. Am Ende hat es uns aber leider gar nichts gebracht, da keine einzige Versicherung das abdeckt und ne spezielle Reiseversicherung haben wir leider nicht. Also kleiner Tipp von uns falls ihr ne größere Reise plant (v.a. falls ihr nach Südamerika geht) Reiseversicherung abschließen!
Den Tag drauf machten wir dann ne free walking tour, die uns von mehreren Leuten wärmstens empholen wurde und auch echt genial war. Leider haben wir kaum Fotos gemacht, zum einen weil wir Schiss hatten unsere Wertsachen auszupacken, zum anderen weil alle Ladegeräte ebenfalls im kleinen Rucksack waren und wir so ein wenig Akku sparen mussten. Die Tour war hochinteressant, vor allem als wir gehört haben wie korrupt die Polizei hier ist. Es gibt sogar ein Gefängnis hier das von den Gefangenen selbst verwaltet wird. Geld bestimmt in welcher Zelle du bist und die Frauen schmuggeln das Koks aus dem Gefängnis, welches die Gefangenen produzieren. Bis vor ein paar Jahren war das Gefängnis noch für Besichtigungen für Touristen geöffnet. (Als zusätzliche Einnahmequelle für die Gefangenen) Dies wurde jetzt aber unterbunden. Hat ein Gefangenen genügend Geld gehen die Wärter sogar mit ihnen nachts in die Pubs. Unfassbar, oder? Versucht einer zu fliehen, klären das Gefangenen untereinander, denn keiner will diese "Freiheiten" verlieren. Daher wird einer, der sich nicht an die Regeln hält einfach aus dem Weg geräumt. Spannend, was?! Es gibt auch ein Buch über die Erfahrung eines Gefangenen, der sich freiwillig inhaftierten ließ, was ich bei Gelegenheit sicherlich mal lesen werde.

Weiter ging es dann über einen Mark, der so groß ist, dass man sich nicht mehr wundern braucht, warum es in einer Millionenstadt wie La Paz nur vier Supermärkte gibt! Hier wird auf dem Markt eingekauft und jede hat für alles seine persönliche Marktfrau, die er meistens schon von seiner Mutter übernimmt und wenn diese stirbt bei deren Tochter einkauft.
Nächstes Highlight war der berühmte Hexenmarkt, der jedoch weit weniger beeindruckend ist als man sich das vorstellt. Einzig die Geschichte, die erzählt werden sind extrem gruselig. zum Beispiel muss vor einem Hausbau auf dem Grundstück ein Lamafötus bzw. Mehrere Föten begraben werden. Die Anzahl wird einem von einem Schamanen mitgeteilt. Gruseliger jedoch ist, dass bei größeren Gebäuden wohl heute noch zumindest zum Teil Menschen geopfert werden. Diese werden bei lebendigem Leib begraben. Meistens werden hierzu Obdachlose ausgewählt, die zuvor in einer Bar abgefüllt werden und sich dann nicht mehr wehren.
Ab diesem Punkt war uns spätestens klar, dass wir in La Paz rennen, falls uns jemand einen Drink anbieten will. Aber da wir nachts eh nicht mehr aus dem Hostel raus sind, mussten wir hier zumindest keine Angst haben.
Als sich unser guide in der Nähe des Parlaments regierungskritisch geäußert hatte, wurde es ihm dann selbst mulmig,weil plötzlich immer mehr komische Gestalten in unserer Nähe waren,sodass wir dann in eine Bar sind, in der er uns diese Geschichte fertig erzählt hatte.
Am Abend war in unserm Hostel dann Oktoberfest und als Deutsche gab es für uns Freibier. Wir hoffen mal es war kein Neubau geplant.

Lamas in jeglicher Entwicklungsstufe

Lamas in jeglicher Entwicklungsstufe

Oktoberfest im Wild Rover  (rechts und links die beiden Besitzer)

Oktoberfest im Wild Rover (rechts und links die beiden Besitzer)

Death Road

Am nächsten Tag wagten wir uns dann mit den Fahrrädern die gefählichste Straße der Welt runter zu düsen und was soll ich sagen?! Es war einfach richtig cool. Landschaftlich und auch die 62 km downhill, hauptsächlich auf Schotterpisten, waren Adrenalin pur. Oben noch richtig kalt (schneebedeckte Berge) kamen wir unten dann im Dschungel an mit tropischen Temperaturen. Ein absolutes Muss für jeden La Paz Besucher, der mutig genug ist.. hahahaha..

Yeah, we made it: survivors of death road!   (unsere T-Shirts haben wir erst am nächsten Tag  bekommen!   )

Yeah, we made it: survivors of death road! (unsere T-Shirts haben wir erst am nächsten Tag bekommen! )

Den Abend ließen wir dann nochmal beim Oktoberfest ausklingen mit den vielen netten Leuten, die wie hier kennengelernt haben. Wenn man dem Ganzen was Positives abgewinnen muss, dann dass wir hier gelandet sind und all diese Leute getroffen haben. Vor allem Holländer und Schweizer. Wir haben jetzt ein ganz anderes Bild von euch.
Weil wir hier durch den Vorfall 1-2 Tage zu viel verbummelt haben, konnten wir zeitlich leider nicht mehr in den Dschungel was wir sehr bedauern. Daher ging es am folgenden Tag mit dem Nachtbus weiter nach Sucre.

© Benji und Alex AiZi, 2015
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Wir erfüllen uns unseren Traum - in 180 Tagen um die Welt :) oder zumindest fast... ;) USA, Costa Rica, Ecuador, Peru, Bolivien, Chile, Neuseeland, Australien, Tasmanien, Kuala Lumpur, Vietnam, Hongkong, Indien
Details:
Aufbruch: 08.08.2014
Dauer: 6 Monate
Heimkehr: 03.02.2015
Reiseziele: Vereinigte Staaten
Costa Rica
Peru
Bolivien
Chile
Neuseeland
Australien
Malaysia
Vietnam
Kambodscha
Thailand
Hongkong
Indien
Der Autor
 
Benji und Alex AiZi berichtet seit 7 Jahren auf umdiewelt.