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Reisezeit: September 2014 - September 2015  |  von Alexander K

Bolivien: Potosi

Potosi

Glückauf Amigos!

Unser Hostel in Potosi war deswegen ein Volltreffer, weil dort einfach alles passte. So gab es morgens ein reichhaltiges Frühstück, im Zimmer gabs neue Matratzen, Flachbildschirm, Nachttischlampen (ein eher seltener Luxus) und als Highlight einen Gasofen, der eine angenehme Wärme in das ansonsten eiskalte Zimmer im noch kälteren Potosi brachte.
Für uns stand am nächsten Morgen eine übers Hostel gebuchte Tour zu den Minen an, die erst einmal damit anfängt, dass man vor seinem Hostel abgeholt wird um anschließend zum ersten Stop der Tour, dem Markt für die Minenarbeiter zu fahren. Über die Jahre hinweg hat sich der Brauch entwickelt, den Arbeitern Geschenke mitzubringen, als Gegenleistung dafür, dass diese sich nicht an der Gegenwart der Vielzahl an Touris stören, die tagtäglich durch die engen und staubigen Minengänge geistern. Wir haben ein Beutel Cocablätter, eine Flasche 96%-igen Alkohol (den die Arbeiter wahlweise mit Wasser gemischt oder pur trinken) und eine Stange Dynamit mitgebracht. Ein Teil des Ganzen wandert umgehend vor dem Schrein des „Diablos“, dem Teufel und gleichzeitigen Schutzpatron der Arbeiter, der nach Ansicht dieser im Berg wohnt. Dementsprechend sieht man überall in den Minengängen kleine Altare, mit einer Figur der bolivianischen Teufelsversion obendrauf, vor welchen dann Zigaretten, Alkohol usw. liegen, um den Teufel so freundlich zu stimmen.
Unglaublich, aber so läuft das hier alles noch. Bevors dann zum Berg ging, haben wir alle (etwa neun Leute) erstmal nen Helm samt Lampe, Overalls und Gummistiefel verpasst bekommen. Die Minen an sich sind extrem eng und alle paar Minuten rasen die kleinen Bolivianer, vor sich einen „Trolley“ voller abgebauter Steine schiebend an einem vorbei, als ginge es um einen Wettbewerb wer der Schnellste ist. Der Staub, sowie die Höhe des Bergs und des dadurch geringer vorhandenen Sauerstoffs, machen die Arbeit noch um einiges schwieriger als sie eh schon ist. Alleine durchgehend gebückt umher laufen zu müssen war schon mega anstrengend. Alles in allem ein intereressanter und anstrengender Besuch, der einem hinsichtlich der dort herrschenden Bedingungen schon zu denken gibt. Laut unseres Guides wird die Mine in spätestens ca. 20 Jahren aufgrund der Vielzahl an kreuz und quer verlaufenden Tunneln wegen Instabilität einstürzen und bis dahin wird wahrscheinlich noch rausgeholt, was zu holen ist.

Am Vorabend haben wir noch von einem heissen natürlichen Bergsee, etwa eine Stunde per „Collectivo“ (öffentlicher Kleinbus) von Potosi entfernt, zu dem wir am nächsten Tag gegangen sind. Leider sind die Haltestellen für die Collectivos je nach Zielort über die ganze Stadt verteilt und oft wissen selbst Busfahrer nicht, wo bestimmte Haltestellen sind und so gestaltete sich unser Vorhaben zunächst schwieriger als geplant. Irgendwann dann aber waren wir richtig und eine gute Stunde später dann auch schon an dem idyllischen kleine See, der unglaublicherweise wirklich schön warm war, was so gar nicht zu der sonst so kalten Umgebung passte. Neben ein paar anderen Travellern, haben wir hier im Wasser n anderes deutsches Pärchen getroffen, die am anderen Tag auch in die Hauptstadt Boliviens, nach Sucre weiterwollten. Nach ein paar Runden im Wasser gings dann gemeinsam zurück und glücklichweise kam auch in diesem Moment der letzte Bus des Tages nach Potosi vorbei. Im Hostel meinte der Chef, dass der etwa 20m im Durchmesser kleine See, wohl nicht ohne sei und zuletzt ein Vater und sein Sohn wegen Unterströmungen darin ertrunken seien. Gut, dass im Nachhinein erfahren zu haben, aber wer weiß ob die vielleicht auch einfach nicht schwimmen konnten.
Am nächsten Tag gings dann per 7-stündiger Busfahrt weiter nach Sucre und wir haben die beiden Deutschen vom Vortag um 2 min. verpasst

Noch in Potosi beim Einkleiden

Noch in Potosi beim Einkleiden

Simone am Schuften oder doch eher Posieren...

Simone am Schuften oder doch eher Posieren...

Einer der Arbeiter, der gleich unseren Cocabeutel vertilgte...

Einer der Arbeiter, der gleich unseren Cocabeutel vertilgte...

Ich am Sprengen

Ich am Sprengen

Irgendwann wieder erleichtert draussen

Irgendwann wieder erleichtert draussen

der unterschätzte kleine Bergsee

der unterschätzte kleine Bergsee

© Alexander K, 2015
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Vier Jahre nachdem wir nun von unserer ersten einjährigen Weltreise zurück sind, konnten wir dem Fernweh nicht mehr Stand halten und haben uns noch einmal dazu entschieden, für 12 Monate loszugehen. Dieses Mal steht folgende Route an: Istanbul - Kuala Lumpur - Sumatra - Nepal - Indien - Kuba - Ecuador - Peru - Bolivien - Argentinien - Urucuay - Brasilien
Details:
Aufbruch: 01.09.2014
Dauer: 12 Monate
Heimkehr: 10.09.2015
Reiseziele: Türkei
Indonesien
Nepal
Indien
Kuba
Ecuador
Peru
Bolivien
Brasilien
Der Autor
 
Alexander K berichtet seit 11 Jahren auf umdiewelt.
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