Schlösser, Burgen und Kirchen in der Steiermark

Reisezeit: Juli / August 2021  |  von Herbert S.

Oststeiermark - nördlicher Teil: Augustinerchorherrenstift Vorau

Bild vom Prospekt

Bild vom Prospekt

5 Türme kennzeichnen das markante Bauwerk. Der Besucher betritt das Chorherrenstift Vorau durch den Torturm, der mit 38 m der höchste ist. Das mächtige, eisenbeschlagene Holztor (1679\ und das Fallgitter erinnern an die Gefahren, denen die Bevölkerung in diesem Grenzgebiet ausgesetzt war.

Als wir gerade das Gelände betreten haben und die breite Fassade des Gebäudes betrachten, fällt uns eine junge Dame auf, die den Eindruck macht als Führerin zu fungieren - wir fragen sie und sie bejaht und nimmt uns noch mit zur Führung durch die beeindruckende Bibliothek.

Die Bibliotghek des Stiftes Vorau zählt zu den schönsten in Österreich. Mit den 416 Handschriften, 206 Inkunabeln und weiteren 40000 gedruckten Büchern umspannt sie ein Jahrtausend Buch- und Kulturgechichte.
Sie ist im Prälaturtrakt untergebracht und beherbergt rund 17.500 Bände, die hauptsächlich die Wissenszweige Philosophie, Theologie und Rechtswissenschaft umfassen. Dies wird durch drei große Deckenfresken symbolisiert.

Eine besondere Stellung nimmt die Handschriftensammlung ein. Die 415 Handschriften sind überaus künstlerisch gestaltet und wertvoll. Erwähnt sei das Vorauer Evangeliar (12. Jh.) und die Vorauer Volksbibel (1467)

aas Vorauer Evangeliar - 12. Jahrhundert

aas Vorauer Evangeliar - 12. Jahrhundert

Die Vorauer Volksbibel ist eine Historienbibel aus dem Jahr 1467 mit 559 kolorierten Federzeichnungen. Die Handschrift ist in bayrisch-österreichischer Mundart verfasst. (seit 2018 Unesco-Register)
Aus der Volksbibel liest uns die junge Dame in der Mundart der Bibel einen Abschnitt vor.

die Vorauer Volksbibel

die Vorauer Volksbibel

Danach macht sie darauf aufmerksam, dass zur Erhaltung der Ruhe in der Bibliothek die großen Schalen an den Kopfwänden dienen, um trotzdem miteinander zu sprechen. Einige Besucher können dies ausprobieren.

Das Prälaturgebäude (Baubeginn 1688) wurde äußerlich in Symmetrie zur Klausur angelegt, ist jedoch in seiner Ausstattung ungleich reicher und künstlerisch wertvoller. Die Prälatur beherbergt seit 1977 das Bildungshaus. Im Hof befindet sich ein moderner Brunnen aus Marmor (1983). und das denkmal des Lesens.

Das „Denkmal des Lesens" wurde in zweitägigen Workshops über einen Zeitraum von sechs Jahren (2003-2008) von Studenten und Studentinnen des Studienganges „Produktionstechnik und Organisation" der Fachhochschule FH JOANNEUM mit dem Studiengangsleiter Johannes Haas umgesetzt. Im stimmungsvollen inspirierenden Ambiente von Stift, Bibliothek und Wirtschaftshof erarbeiteten die angehenden Techniker und Technikerinnen mit teilweise selbst mitgebrachten Steinrohlingen aus ganz Österreich kraftvolle Steinskulpturen. Das Material Stein, gespeicherte Information über Jahrmillionen, erscheint als besonders geeignet für die aus der Vorstellungskraft gestalteten Bücher. So entstand in einer Zeit des Umbruches durch elektronische Medien ein „Denkmal des Lesens", gesetzt am „Welttag des Buches", am 23. April 2009. Die Künstler und Lehrbeauftragten Anne & Peter Knoll zeichnen für Idee & Konzept, Durchfuhrung der Workshops und die Errichtung dieses Denkmals verantwortlich.

alle Bücher bestehen aus Stein

alle Bücher bestehen aus Stein

Die Stiftskirche - erbaut 1660-1662 nach den Plänen con Domenico Sciassa - stellt ein barockes Geamtkunstwerk dar. Matthias Steinl entwarf um 1700 den Hochaltar und die Kanzel.
Die Stiftskirche, in den Jahren 1163-85 als dreischiffige romanische Pfeilerbasilika errichtet, wurde durch den Stiftsbrand 1237 vollständig zerstört, worauf ein Neubau im gotischen Stil erfolgte. Der vollständige Neubau der sich jetzt erhebenden dritten Stiftskirche erfolgte in den Jahren 1660-62 nach den Plänen des Schweizer Baumeisters Domenico Sciassia. Der Bilderschmuck der Stiftskirche thematisiert Jesus Christus als Erlöser der Welt. Der Hochaltar, das Glanzstück der Kirche, wurde nach Plänen von Matthias Steinl in den Jahren 1701 -04 errichtet. |
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Die Sakristei gilt als künstlerisch wertvollster Raum des Stiftes. In den Jahren 1715-16 schuf der geniale Stiftsmaler Johann Cyriak Hackhofer hier sein Meisterwerk. Der „Höllensturz", sein wohl bekanntestes Werk, zeigt den Sturz der personifizierten menschlichen Laster wie z.B. Geiz, Hochmut, Unzucht und Unmäßigkeit.

Das Klausurgebäude, in dem sich die Wohnungen der Chorherren befinden, wurde in den Jahren 1625-35 um einen quadratischen Innenhof errichtet. Den Hof schmücken eine Sandsteinplasiik des hl. Augustinus (um 1700) und ein 1370 gegrabener, 15m tiefer Brunnen mit Sandsteineinfassung und eiserner Brunnenlaube.

Abbildung von 1681

Abbildung von 1681

Wir machen noch einen weitläufigen Rundgang durch den Komplex

und fahren dann zur Festenburg, die eng mit dem Stift verbunden ist/wat.

und fahren dann zur Festenburg, die eng mit dem Stift verbunden ist/wat.

(alle beschreibenden Texte aus den vor Ort befindlichen Unterlagen/ Tafeln)

© Herbert S., 2021
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Bereits vor der Corona-Krise hat uns ein zweiteiliger Bericht über die Steiermark angeregt, eine Reise dorthihn zu planen. Die Durchführung konnte aber erst nach erfolgter Doppelimpfung und Öffnung Österreichs in die Tat umgesetzt werden. Außerdem nutzen wir die Gelegenheit alte Freunde im Süden zu besuchen
Details:
Aufbruch: 23.07.2021
Dauer: 15 Tage
Heimkehr: 06.08.2021
Reiseziele: Deutschland
Österreich
Der Autor
 
Herbert S. berichtet seit 18 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Herbert sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
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